Gespalten

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Dieser Artikel behandelt die Eigenschaft „gespalten“. Weitere Bedeutungen sind unter Begriffsklärung Spaltungen/gespalten aufgeführt.
 
Gespaltener Wappenschild
(Feldeinteilung:
1=vorne; 2=hinten)
 
Gespalten
(Heroldsbild:
Gespalten von Gold und Blau, Wappen Thonon-les-Bains)
1335/1345: Gespalten von Gold und Schwarz (Wappen von Heideck nach Züricher Wappenrolle, Aufriss nach Runge, 1866)
1450-1580: Gespalten von Rot und Silber (Wappen derer von Schönbug)
1605: Von Silber und Rot gespaltener Adler
(Spaltung einer gemeinen Figur, hier: Stammwappen der Kolowrat)

Gespalten (auch „abklang geteilt“; mittelhochdeutsch „von zweien Stükken“ oder bei Ulrich von LiechtensteinW-Logo.png (ca. 1200-1275) „zetal gehalbet“; sowie „gelich geteilet“, „partieret“, „hochgeteilt“, „von oben herabgetheilt“ oder ähnlich; bei Konrad Fischnaler „spaltfach“; bei Ralf von Retberg „längsgetheilt“;[1] französisch parti; englisch [party] per pale) heißt in der Heraldik allgemein der Wappenschild oder eine Wappenfigur, wenn sie durch unterschiedliche Tingierung mit mindestens zwei farblich geschlossenen Teilflächen mit einer (senkrecht verlaufenden) wohlgeformten Begrenzungslinie dargestellt wird.

„(Gespalten / Längsgeteilt) (..) heißt: von oben nach unten senkrecht zu zwei gleichen Längshälften getheilt, sei es der Schild oder ein Wappenbild darin (..)“

Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff ein spezifisches Heroldsbild, bei dem auf der senkrechten Mittelachse eines Wappenschildes zwei unterschiedliche heraldische Farbflächen aneinander grenzen (z. B.: gespalten von Gold und Blau).[2]

Verwendung

Der Ausdruck „gespalten“ findet in Kombination mit zahlreichen Schildteilungen, deren Sonderformen und spezifisch geformten Begrenzungslinien Verwendung (z. B. „gespaltenes Schildhaupt“, „bogenförmig gespalten“, „geteilt und halbgespalten“ et cetera). Bei Wappenbeschreibungen ist genau anzugeben, wie das entsprechende Wappen „gespalten“ wird bzw. wie der exakte Verlauf der Teilungs-/Begrenzungslinien erfolgen soll.

Bei mehrfacher Spaltung werden in der dt. Heraldik die Anzahl der Teilungslinien gezählt (nicht die Anzahl der entstandenen Farbflächen/Plätze, wie das in der englischen und französischen Heraldik der Fall ist):

Blason Anzahl Linien Anzahl entstandene Flächen
gespalten Eine Spaltungslinie Zwei Farbflächen
zweimal gespalten Zwei Spaltungslinien Drei Farbflächen
... ... ...
mehrfach/vielfach gespalten mehr als zehn Spaltungslinien mehr als elf Farbflächen

Abgrenzug

„Gespalten“ ist in der Heraldik mehrdeutig und wird je nach Autor, Region, Zeitgeist und Kontext unterschiedlich eng und weit beziehungsweise nicht einheitlich verwendet.

Beispielsweise bestimmte Georg Wilhelm Kühn(en) -- genau umgedreht zum heutigen Sprachgebrauch -- in seiner Übersetzung des Werks La sience de la noblesse ou La nouvelle méthode du blason von Claude-François Ménestrier[3] im Jahre 1694 die horizontale Aufteilung eines Schildes/Feldes als „Spaltung“ („coupe= gespalten“?) und eine vertikale als „Teilung“ („parti = getheilet“?).

„Gespalten wird der Schild genennet, wann in der mitten ein gerade Linie breit durchgezogen wird, und also der Schild oben und unten, in zwey gleiche Theile kommt.
Getheilet wird der Schild genennet, wann derselbe durch ein gerade perpendicular-Linie in die Länge herabwerts von oben biß unten in zwey gleiche Seiten durch getheilet wird.“

Übersetzung nach Georg Wilhelm Kühn(en) (1694)[4]

Spätestens seit Maximilian Gritzner beziehungsweise seit dem 19. Jahrhundert überwiegt im Sprachgebrauch der Heraldik ein engerer Sinn des Ausdrucks, nämlich eine senkrechte („vertikale“, „längsgeteilte“) Spaltung -- im Gegensatz zu einer waagrechten Teilung.

Gespalten (Tafel II. Figur 42-77., abgekürzt: „gesp.“) heisst der von oben nach unten durch eine oder mehrere durchgehende Linien perpendikular, oder senkrecht getheilte Schild; den Schnitt selbst nennt man: die Spaltung oder den Spaltschnitt. Eine präzisere Bezeichnung für diese Art der Theilung, welche dem Begriff des Holz- oder Kopf-Spaltens entlehnt ist, dürfte es nicht geben, das diese „Spalten“ bekanntlich stets durch einen senkrechten Hieb ausgeführt und gedacht wird, man auch z. B. beim Schädelspalten sich immer den Hieb der „Prim“ denkt. Die dafür im Gebrauch befindlichen Ausdrücke: getheilt, hochgeteilt, von oben herabgetheilt etc. lassen an Deutlichkeit entschieden zu wünschen übrig, besonders hochgetheilt, wobei jeder an eine Theilung hoch über der sonstigen Theilungslinie, also etwa Abtheilung eines Schildhauptes denkt. Die verschiedenen Arten der Spaltung vermittels gebogener oder krummer Linien sind besonders zu melden: Die einfache, zweimalige Spaltung (..), die dreimalige' ' (..), die fünfmalige (..), die siebenmalige (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Spaltung versus Pfahl

Cave: Wenn die Farben rechts und links gleich sind, spricht man von einem Pfahl, nicht von einer Spaltung.

Spaltung
Blaz rebat.svg
Pfahl/Pfähle
Beschreibung 1) Gespalten von Gold und Rot
3) Dreimal gespalten von Gold und Rot
5) Fünfmal gespalten von Gold und Rot
7) Siebenmal gespalten von Gold und Rot
9) Neunmal gespalten von Gold und Rot
11) Elfmal gespalten von Gold und Rot
2) In Gold ein roter Pfahl
4) In Gold zwei rote Pfähle
6) In Gold drei rote Pfähle
8) In Gold vier rote Pfähle
10) In Gold fünf rote Pfähle
12) In Gold sechs rote Pfähle

Siehe auch

Weblinks

Übersetzung

  • Katalanisch: partit
  • Tschechisch: polcení
  • Deutsch: gespalten
  • Englisch: (party) per pale
  • Spanisch: escudo dividido o partido
  • Esperanto: fendita
  • Französisch: parti
  • Italienisch: partito
  • Ungarisch: hasított
  • Niederländisch: gedeeld
  • Japanisch: パーティ・パー・ペイル
  • ‪Norwegisch (Buchsprache)‬: kløvd eller kløvet
  • Neunorwegisch: kløyvt
  • Portugisisch: partido
  • Finnisch: halkoinen
  • Schwedisch: kluven

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 22 f.
  2. Vgl. Vgl. WBO 0101 in: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  3. Claude-François Ménestrier: La sience de la noblesse ou La nouvelle méthode du blason. 1691. (Google)
  4. Wilhelm Kühnen: Wohlanständige Adels-Zierde, das ist, Neue Umleitung zu der sogenannten Herold- oder Wappen-Kunst. Ulm. 1694. S. 12 ff. und auf vielen weiteren Seiten (Google)
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.