Welsche Zinne

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Welschzinne
 
Teil einer Figur
Geteilt durch welsch­ge­zinnte, gefugte Mauer mit Schieß­schar­ten
 
Heroldsbild
Mit welscher Zinne geteilt (nach WBO, Nr. 0151-128)

Die Welschzinne oder welsche Zinne (auch Wälschzinne, wälsche Zinne, Kerbzinne, Schwalbenschwanzzinne, Scaligerzinne, Ghibellinenzinne oder ähnlich genannt; französisch [..] par un créneau entaillé oder gibelin; englisch [..] with one embattlement fitchy double) ist in der Heraldik

Darstellung

Das heraldische Welschzinnenmotiv ist einer besonderen Zierform der Zinne beziehungsweise den gemauerten, in der Kehle schwalben­schwanz­artig abgewässerten Aufsätzen auf Wehr- und Ringmauern nachempfunden, die ursprünglich als Deckung der Verteidiger gegen die Fernwaffen der Angreifer dienten, in der späten Gotik und Renaissance aber mehrheitlich zur Dekoration genutzt wurden.[1]

Das Motiv wird in der heraldischen Literatur nicht einheitlich bezeichnet. Einerseits wird es nach dem gegabelten Schwanz von Schwalben benannt („Schwal­ben­schwanz­zinne“W-Logo.png); andererseits berücksichtigt man bei der Benennung, dass die Zinne gekerbt beziehungsweise „mit einer Kerbe“ versehen ist („Kerbzinne“). Mit den Morphemen „Scaliger-“ und „Ghibellinen-“ deutet man an, dass diese Form der Zinnen bevorzugt bei den Mauern und Türmen in den ghibellinischenW-Logo.png Gebieten beziehungsweise im Herrschaftsbereich der ScaligerW-Logo.png gebräuchlich waren. „Welsch-“ wiederum verweist darauf, dass diese Zinnenart hauptsächlichn in der Architektur Südtirols und Norditaliens zum Einsatz kommt („welsch/wälsch“ in der Bedeutung „italienisch“, also die „italienische Zierzinne“ im Gegensatz zu „deutschen Wehrzinne“).

Welschzinne als Heroldsbild

Mit gestürzter welscher Zinne geteilt (nach WBO, Nr. 0151-128-642)

Das Heroldsbild Welschzinne erscheint an einer Teilungslinie als „quaderförmige“ Absatz, genauer als Zinne), die keilförmig respektive dreieckig eingeschnitten („ausgeschnitten“, „eingespitzt“) ist. Die Welschzinne ist in der Normalform zum oberen Schildrand gerichtet; ihr Pendant, die gestürzte Welschzinne (französisch (..) par un créneau entaillé renversé oder créneau gibelin renversé; englisch (..) with one embattlement fitchy double reversed), ist zum unteren Schildrand gerichtet. Das Motiv erscheint im Wappenwesen sowohl in Ein- als auch in Mehrzahl:

„Bei geringen Anzahlen wie einer oder zwei oder auch drei Welschzinnen benennt man üblicherweise die Anzahl der Welschzinnen. Also: Mit zwei Welschzinnen geteilt, mit zwei gestürzten Welschzinnen geteilt et cetera, bei mehreren bis vielen Zinnen zählt man sie nicht mehr, sondern man spricht nur noch von „welschgezinnt“ oder „welschzinnenförmig geteilt“ oder von einer „Welschzinnenteilung“ (..) Im Französischen hieße „welschgezinnt geteilt“ „coupé crénelé gibelin / entaillé“, im Englischen „per fess embattled fitchy double“, natürlich bei anderen Anwendungen als (..) auf eine Teilung „[XYZ] crénelé gibelin / entaillé“ beziehungsweise „[XYZ] embattled fitchy double“ (..)“

Bernhard Peter (2009)[2]

Welschzinnenschnitt

Der Ausdruck Welschzinnenschnitt (auch Kerbzinnen-, Schwalbenschwanzzinnen-, Scaligerzinnen-, Ghibellinenzinnenschnitt genannt) bezeichnet einen Wappenschnitt, der in der heraldischen Literatur nicht einheitlich bestimmt ist.

  • In einem umfassenden Sinn wird jede Wappenschildeinteilung (Teilung, Spaltung, Schrägteilung und so weiter) als Welschzinnenschnitt bezeichnet, die nach heraldischen Regeln durchgeführt ist und die Schildfläche mittels Welschzinnen in unterschiedlich gefärbte geometrische oder symmetrische Flächen aufteilt. Diese Bestimmung umfaßt auch Heroldsbilder, die unterschiedliche Symmetrien aufweisen, beispielsweise einerseits aus Welschzinnen und andererseits aus einfachen Scharten ohne Einkerbung bestehen.

    Beispiel
    Von Rot und Gold mit drei welschen Zinnen geteilt (Herolsbild, keine Mauerfigur)
Araldiz Manno 221E.png
Mesocco wappen.svg
  • In einem engeren Sinn wird nur jene Wappenschildeinteilung (Teilung, Spaltung, Schrägteilung und so weiter) als Welschzinnenschnitt bezeichnet, bei der die Welschzinnen-Schnittlinie inverssymmetrisch gestaltet ist, also aus Welschzinnen und umgekehrten Welschzinnen besteht.[2]

    Beispiel
    Von Silber und Rot im Welschzinnenschnitt geteilt
    (Beschreibung nach Bernhard Peter, 2009)[2]
Muster-Welschzinnenschnittlinie.png
Siebmacher Geteilt mit welschen Doppelzinnen.jpg

Maximilian Gritzner empfiehlt, inverssymetrische Heroldsbilder mit Welschzinnen zur Unterscheidung als „wälsche Doppelzinnen“ zu melden.

„Die Zinnen sind (..) wälsche Doppelzinnen, wenn die zwischen 2 Zinnen liegende Scharte auch eingekerbt ist (Figur 55.).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Diese Benennung ist eher vage und nur bedingt geeignet, um die Schnittlinie zu beschreiben. Beispielsweise könnte man darunter ebenfalls verstehen, dass eine Zinne mit zwei dreieckigen Kerben gestaltet sein soll. Systematischer erscheint es, die vorhandene Terminologie für Zinnen auch auf welsche Zinnen anzuwenden. Und da das Gegenstück zur Zinne als Scharte bestimmt ist, das Gegenstück zur Welschzinne gegebenfalls einfach als „Welschscharte“ zu charakterisieren. Greift man die Empfehlung auf, so würde man von einem „Schnitt mit (abwechselnd) Welschzinne und Welschscharte“ sprechen, um das inverssymetrische Heroldsbild exakt zu beschreiben -- während erstgenanntes einfach ein „Schnitt mit (abwechselnd) Welschzinne und Scharte“ wäre.

Balken mit Welschzinnen

Das Heroldsbild welschgezinnter Balken („Welschzinnenbalken“) ist von der gemeinen Figur Welschzinnen-Mauerbalken abzugrenzen. Letzterer wird stets mit den sogenannten Mauerstrichen gekennzeichnet, „das heißt, parallel dem oberen Rande in drei, vier oder mehr Reihen geführten gewöhnlich anders als die Mauer gefärbten, schmalen Streifen mit den dazugehörigen, die Mauersteine andeutenden senkrechten Verbindungsstrichen (..) man spricht (..) von einer »gesteinten« oder »gefugten« Mauer.“[3]

Heroldsbild Welschzinnenbalken
  • Oben welschgezinnzter Balken
Muster-Balken-oben-welschgezinnt.png
Gemeine Figur Welschzinnenmauerbalken

„Tafel IV. Figur 24 ist dagegen schon mehr eine wirkliche durchgehende Mauer mit 4 Zinnen, welche, weil die Zinnen eingekerbt sind und der Balken Mauerstriche zeigt, als Welschzinnen-Mauerbalken bezeichnet werden muss.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]
Siebmacher Welschzinnenmauerbalken.jpg

Welschzinne als Bestandteil einer Figur

Welschzinnen erscheinen manchmal nicht als originäres Heroldsbild, sondern als Bestandteil einer anderen Figur. Beispielsweise führten die von und zu Goldegg und LindenburgW-Logo.png eine erniedrigte schräglinke goldene Quadermauer mit drei aufrechten welschen Zinnen im Wappen. Auch das Wappenwesen des Nationalsozialismus entwarf Wappen mit Welschzinnen als Teil eines Mauerwerks (zum Beispiel im historischen Wappen Saarlautern).

Welsche Haube

Der Ausdruck „welsch-“ erscheint in der Heraldik auch im Zusammenhang mit einer gebauchten HaubeW-Logo.png beziehungsweise bei einer glockenförmig geschweiften Dachform eines Turmes mit Laterne („Welsche Haube“). Beispielsweise erscheint in Wappen von NeuensteinW-Logo.png ein silberner Turm mit welscher Haube (in Anlehnung an den Burgfried der Burg NeuensteinW-Logo.png).

Wappenbilderordnung

  • Der Ausdruck „mit welscher Zinne (geteilt)“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0151)-128 aufgenommen.
  • Der Ausdruck „mit gestürzter welscher Zinne (geteilt)“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0151)-128-642 aufgenommen.
  • Der Ausdruck „oben welschgezinnter (Balken)“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0161)-129-641 aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. Seite „Schwalbenschwanzzinne“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Januar 2018, 12:03 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schwalbenschwanzzinne&oldid=172985514 (Abgerufen: 29. März 2018, 16:08 UTC)
  2. 2,0 2,1 2,2 Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestalten mit Zinnen in der Heraldik (Teil 2) – Erstellt: 2009. Abgerufen: 30. März 2018)
  3. 3,0 3,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 19
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 25