Spickel

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Spickel / Dreieck
 
als gemeine Figur
(gemäß WBO, Nr. 0888)
 
als Heroldsbild

Ein Spickel (auch Dreieck, Zwickel oder ähnlich genannt; frz.: triangle; engl.: triangle tincture throughout) ist in der Heraldik eine Wappenfigur, die einem geometrischen (gleichseitigen) DreieckW-Logo.png nachempfunden ist.

Ein Spickel/Dreieck wird in der heraldischen Literatur unter anderem

  • den Heroldsbildern zugeordnet (wenn es mit mindestens zwei Spitzen bis zu den Feld- oder Schildrändern reicht)
  • oder den gemeinen Figuren (wenn nicht mindestens zwei Spitzen bis zu den Feld-/Schildrändern reichen, es also insgesamt schwebend oder freistehend im Wappen erscheint).

Darstellung

Einzelne Dreiecke können mit der Spitze aufrecht oder nach unten gekehrt, also gestürzt sein.

Spickel oder Dreiecke (Tafel VII. Figur 25. 27.) entstehen aus der Spickeltheilung, ebenso die gestürzten Spickel (Figur 26.) sowie mit längeren Seitenflächen (Figur 30.) die „Keile“, den durchbrochenen Spickel, wie ihn zum Beispiel die Livländischen von Schulmann führen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Facettiertes Dreieck

Facettierte Dreieck im Wappen von Johannes EckW-Logo.png (1486-1543) (Detail eines Gedenksteins, Egg an der Günz)

Ein facettiertes Dreieck (auch Edelstein, Kristall, [selten] Facettendreieck oder geschliffenes Dreieck genannt; französisch triangle taillé à facettes; englisch triangle, cut in facets) ist in der Heraldik allgemein ein Dreieck, das mit einer Zeichnung („Facettierung“) versehen ist, die die Figur „plastisch“ beziehungsweise in gewisser Weise „räumlich“ erscheinen läßt. Die Facettierung eines Dreiecks besteht in der Regel aus einfachen Linien innerhalb der Dreiecksfläche. Es gibt mehrere mögliche Facettierungsvarianten (beispielsweise in Form des SchlegeldiagrammsW-Logo.png des Tetraeders, das ist, wenn vom Mittelpunkt als gemeinsamen Schnittpunkt je eine Linie in ein Ecke des Dreiecks gezogen ist et cetera). Meist ähnelt ein Dreieck mit Facettierung einem „Edelstein“. Gewöhnlich wird die genaue Art der Facettierung nicht gemeldet. Manchmal sind die durch die Facettierung entstehenden Felder mit verschiedenen heraldischen Farben oder in unheraldischen Schwarz-/Grautönen tingiert, um den räumlichen Eindruck zu unterstreichen oder eine Schattierung anzudeuten. In diesen Fällen sollte die Farbgestaltung dezidiert beschrieben werden. Eine Facettierung beziehungsweise „Schattierung“ mit Schwarz-/Grautönen gilt als unheraldisch und sollte vermieden werden.

Spickelung

1475–1500: Gespickelter Schild (Wappen der Freiherren von Rohrbach)

Ist ein Schild oder Feld nur mit sich berührenden Spickeln belegt, so wird es als Spickelung beschrieben. Hierzu ist ein größere Anzahl von sich berührenden Dreiecken in mehreren Reihen angeordnet. Es entsteht dabei der Eindruck, von parallellaufenden Linien, auf denen Dreiecke mit dem Schenkel aufgesetzt sind und ihre Spitzen die nächstliegende Teilungslinie berühren. Die Farben der mit der Spitze aufrechtstehenden Dreiecke sind von den zwangsläufig entstandenen gestürzten, immer verschieden.

Die Richtung der Spickelreihen, ihre Anzahl und die Lage zur oberen/unteren Dreieckreihe bestimmt den Namen der Spickelung. So ist eine schräglinke (Richtung recht unten vorn nach links oben hinten) oder schrägrechte (Richtung links unten hinten nach rechts oben vorn) Spickelung möglich.

Sind die Spickel in den Reihen so versetzt angeordnet, dass die Dreiecksspitzen mittig der Dreiecksseiten in der nächsten Reihe gleicher Farbe berührt, entstehen die Spickelpfähle. Eine gedachte Senkrechte durch gleichfarbige Spickel erleichtert die Erkennung.

Bei der Beschreibung wird die Reihenanzahl und die Spickelanzahl erwähnt, wobei die am Schildrand angeschnittenen mitgezählt werden.

Spickelspaltung

Ein oder mehrere Spickel, die am rechten oder linken Schild-/Feldrand ein Wappen bis zur Schildmitte spalten, sind als entsprechendes Heroldsbild zu blasonieren (zum Beispiel: „zwei rechte Spickel“).

Mit Spickeln gespalten (Tafel II. Figur 68. 69.): heisst der gespaltene Schild dann, wenn die spaltenden Spitzen noch kleiner wie die Flankenspitzen sind, und entweder am Rande anliegend (Figur 68) nur bis zur Mitte reichen (in Blau 2 silberne (rechts-) Spickel am linken Rande) oder wie in Figur 69. die Spaltung gewissermassen als vergrösserter Zahnschnitt (siehe dort) direkt in der Senkrechten vollführen (mit Spickeln s. v. gespalten).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Flankenspickel / Spickelflanke

Spalten Spickel den Schild oder das Feld am rechten oder linken Schild-/Feldrand auf Flankenbreite, so kann man sie unter Angabe ihrer Anzahl als „1, 2, 3 ...“ und so weiter Flankenspickel zählen oder als Spickelflanke ansprechen (wenn zum Beispiel drei Spickel die vollständige Höhe einer Flanke ausfüllen).

Spickelfeh

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Spickelfeh

Eine weitere Figur ist die Spickelfeh. Hierbei werden auf Balken die Spickel aufgesetzt, ohne das diese bis zur nächsten Reihe reichen. Zeigen die Spitzen nach dem Schildfuß, so ist es eine Spickelsturzfeh.

Galerie

Durchbrochenes Dreieck („Triangel“, „Winkelmaß“)

1889: Durchbrochenes Dreieck („Triangel“ nach Siebmacher)
1891: Winkelmaß bzw. durchbrochenes Dreieck (unten im heraldisch rechten Schild des Wappens der Lithografen und Steindrucker)

Ist in dem Spickel ein dreiecksförmiger Durchbruch, so wird diese Form in der Literatur manchmal

  • als eine Triangel beschrieben: in diesem Fall gleicht die Figur dem gleichnamigen Musikinstrument Triangel („Figur 29. nennt man Triangel“)[1]
  • als Winkelmaß beschrieben: in diesem Fall gleicht die Figur einem Werkzeug, wie es beispielsweise von Lithographen verwendet wurde, um Linien im Winkel zu einer Bezugskante oder einer anderen Linie ein- oder anzuzeichnen.

In beiden Fällen kann es sinnvoll sein, die Figur nicht nur als „Triangel“ oder als „Winkelmaß“ anzusprechen, sondern sie auch als „durchbrochenes Dreieck“ zu blasonieren, um Verwechslungen zu vermeiden (ein Winkelmaß wird beispielsweise gewöhnlich nicht als Dreieck aufgerissen, siehe: → Winkelmaß).

Häufigste Stellung ist der Dreipass, zwei über eins (2:1) oder (1:2) gestellte Dreiecke oder durchbrochene Dreiecke.

Ein durchbrochenes Dreieck mit einem Kreuz auf der Spitze ist ein alchimistischen Zeichen und wird zur Darstellung des Elementes Phosphor genommen. Im Wappen von Nauru ist es in Silber wegen der reichhaltigen Vorkommen.

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Spickel wurde zusammen mit den Figuren Triangel und Dreieck in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Kombination von Schräg- mit senkrechten und waagerechten Teilungen unter der Nr. 0888 aufgenommen.
  • Die Figur durchbrochenes Dreieck sollte die WBO-Nr. 0888-634 besitzen (in der WBO irrtümlich als Nr. 0892-634 (?) bestimmt).[7]
  • Die Figur fascettiertes Dreieck sollte die WBO-Nr. 0888-295 besitzen (in der WBO irrtümlich als Nr. 0892-295 (?) bestimmt).[7]
  • Die Figur gestürzter Spickel wurde zusammen mit den Figuren gestürztes Triangel und gestürztes Dreieck in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Kombination von Schräg- mit senkrechten und waagerechten Teilungen unter der Nr. 0889 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Dreiecke in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 14
  3. Blason: „In Silber an drei goldenen Trageringen eine dreilatzige, golden befranste rote Fahne, oben belegt mit einem kurzen, doppelreihig von Schwarz und Gold gespickelten Balken.“
  4. Blason: „In Gold ein rotes Dreieck, belegt mit einer goldbesamten, grün beblätterten silbernen Rose.“
  5. Blason: „In goldenem Schild schwarz über zwei erhöhten Leisten im Schildfuß eine von zwei Punktreihen überhöhte Spitze von zehn Spickeln.“
  6. Blason: „In Gold ein schwarzes Gemerk in Form zweier nach oben sich verjüngender, an den Ecken abgeschrägter und von einem durchbrochenem Dreieck giebelförmig überhöhten Balken“.
  7. 7,0 7,1 Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter): Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - General-Index. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). Band II. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1990, ISBN 3-87947-100-2, S. 98 (393 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Spickel“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.