Ausgezogen

Aus Heraldik-Wiki
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Wappen derer von Hermannsdorf
 
(um 1460, nach Berliner Wappenbuch)
 
(zwischen 1450 und 1580, nach Scheiblerschen Wappenbuch)
Silbern mit einem roten, zu einem bis zum oberen Rand aufsteigenden Lindenblatt ausgezogenen Schildfuß.

Als ausgezogen in (auch „ausgehend in“, „auslaufend in“ oder ähnlich; französisch échancré de; englisch ending in) wird in der Heraldik eine Wappenfigur (meist ein Heroldsbild) beschrieben, wenn von ihren „gewöhnlichen“ Begrenzungslinien abgewichen wird und die Trennlinie in eine andere Linienform oder Figur (Spitze, Kreuz, Kleeblatt, Lindenblatt, Eichenblatt, Herz, Lilie usw.) ausläuft.

Darstellung

Häufig wird beispielsweise die Begrenzungslininie des Heroldsbilds Schildfuß dekorativ verändert. Der „gemeine Schildfuß“ beziehungsweise der „Schildfuß in Normalform“ besitzt eine gerade und waagrechte Begrenzungslinie, die vom rechten bis zum linken Schildrand reicht; wird von dieser Linienform durch ornamentales „Ausziehen“ abgewichen, sollte die Art oder die Figur der Abweichung gemeldet werden.

Syntax:
In [Figur der Begrenzungslinie] ausgezogener Schildfuß
Beispiel:
„In Lindenblatt ausgezogener Schildfuß“

Maximilian Gritzner macht 1889 darauf aufmerksam, dass der Schildfuss besonders im süddeutschen Raum in eine Spitze ausgezogen wird.

In eine Spitze ausgezogener Schildfuss (Tafel III. Figur 110): Diese Figur kommt, besonders in süddeutschen Wappen, ziemlich häufig vor, dann ist die Spitze gewöhnlich auch noch in Kreuz-, Blatt-, oder anderer Form ornamental ausgezogen (Tafel IV. Figur 1. 2. 3. ..) die Ornamente der Spitze dürfen die Schildfuss-Breite überschreiten, die Spitze selbst nicht.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Wappen der TannbergerW-Logo.png
 
(um 1460, nach Berliner Wappenbuch)
 
(zwischen 1450 und 1580, nach Scheiblerschen Wappenbuch)
In Rot ein den Schildfuß ganz ausfüllender silberner Dreiberg, dessen mittlerer Hügel zu einer bis zum oberen Rand aufsteigenden schmalen Spitze ausgezogen ist.

Neben der Schnittlinie des Schildfußes sind die Begrenzungslinien der Heroldsbilder Schildhaupt, Spaltung, Teilung, Dreiberg, Flanke (rechts und links) besonders zum dekorativen „Ausziehen“ in andere Figuren geeignet.

Auch schrägliegende Figuren können mit dem Terminus „ausgezogen in“ angesprochen werden, also zum Beispiel „in Lindenspitze ausgezogens linkes Schrägobereck“, „in Gleve ausgezogenes rechtes Schräguntereck“, „in Gleve ausgezogenes linkes Schräguntereck“; allerdings blasoniert man diese Figuren auch ohne den Fachausdruck (zum Beispiel als „linkes Schrägobereck mit Lindenspitze“, „rechtes Schräguntereck mit Glevenspitze“ und als „linkes Schräguntereck mit Glevenspitze“).

Ausgezogen in mehrere Figuren und in Wappenschnitt

Das Ausziehen einer Begrenzungslinie ist nicht auf eine einzelne Figur beschränkt, sondern kann mehrere umfassen, wobei die Anzahl zu melden ist. Gewöhnlich beschränkt sich die Anzahl der nebeneinander erscheinden Figuren, in die ein Heroldsbild ausgezogen wird, auf drei, vier. Das Ausziehen von mehreren, sich nebeneinander befindenden Figuren ist von entsprechenden Wappenschnitten abzugrenzen, wo die Begrenzungslinien der Figuren nach unten und nach oben ornamental ausgezogen sind. Beispielsweise erscheint im Wappen von Hitzhofen ein in drei nebeneinander stehende Kleeblätter ausgezogener Schildfuß [2]; im Siebmacher von 1889 erscheinen auch drei Kleeblätter[1], der Schildfuß ist jedoch im Kleeblattschnitt ausgezogen, so dass zwei Kleeblätter nach oben weisen, eins aber zum unteren Schildrand. Notabene: Bei der im Wappen Hitzhofen vorkommenden Ausziehung des Schildfußes handelt es sich um einen Grenzfall zwischen Heroldsbild und gemeiner Figur. Bei einer „echten“ Ausziehung dürften die Kleeblätter nur als Linien erscheinen. Beim Hitzhofen-Wappen ist jedoch eine BlattnervaturW-Logo.png eingezeichnet (dass das mittlere Kleeblatt im unten stehenden Wappenaufriss über den beiden anderen liegt, entspricht ebenfalls nicht den Gepflogenheiten beim echten Ausziehen).

Endend in

Maximilian Gritzner und die Wappenbilderordnung des Herold (Verein) setzen die Ausdrücke „ausgezogen in“ und „endend in“ gleich; die WBO führt beide Ausdrücke unter der Nummer „-645“ und Gritzner differenziert nicht systematisch und konsistent zwischen diesen beiden Ausdrücken und der Bezeichnung „besteckt mit“:

„Dass, wie beim Schildfuß, Schräghaupt etc., auch der Sparren in ornamentale Spitzen ausgezogen vorkommt, sehen wir aus Tafel X. Figur 29 bis 31, wo diese Spitzen respektive in Lindenblatt, Leopardenkopf und Gleve endigen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]
1889: Nach Siebmacher (Erklärungen zu Tafel X.):

Wappenbilderordnung

  • Der Ausdruck „ausgezogen in“ wurde zusammen mit dem Ausdruck „endend in“ in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Art der Darstellung der Einzelfigur bei einer oder mehreren gleicher Art unter der Nr. -645 aufgenommen.

Literatur

  • Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Lizenzausgabe. Bechtermünz, Augsburg 2001, ISBN 3-8289-0768-7.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 23
  2. Eintrag zum Wappen von Hitzhofen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen GeschichteW-Logo.png
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 62 sowie Erklärungen zu Tafel X., Figuren 29 bis 31