Wolkenschnitt

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Im Wolkenschnitt ..
Araldiz Manno 221Q.png
 
geteilt
(gemäß WBO, Nr. 0151-164)
 
gespalten
(gemäß WBO, Nr. 0101-164)

Der Wolkenschnitt (auch wolkenförmig .., gewolkt .., mit Wolken .. oder ähnlich [ geteilt/gespalten .. usw.]; auch veraltet Perlenschnitt oder beperlt genannt; frz.: [coupé] enté; engl.: [per fess] nebuly) ist in der Heraldik ein Wappenschnitt, der zum Beispiel bei Schildteilung/-spaltung beziehungsweise Heroldsbildern angewendet wird.

Die Schnittlinie im Wolkenschnitt ist aus sich in einem gleich bleibenden Rhythmus wiederholenden heraldische „Wolken“ gestaltet („ganz verschieden von den natürlichen Wolken“[1]). Die Wolken erscheinen gewöhnlich als aneinandergereihte halbkreis- bis kreisförmige Kurven (manchmal mit „stark ausgerundeten, kugelartigen Wellen“ verglichen), die abwechselnd oben und unten leicht versetzt/überschnitten sind und ineinander übergehen. In manchen Wappendarstellungen sind die einzelnen Wolken etwas eingebogen oder blätterartig ornamentiert. Gewöhnlich trifft immer eine „steigende Wolke“ auf eine „fallende/gestürzte“.

Geschichte

Der Wolkenschnitt leitet sich aus dem Wolkenfeh beziehungsweise ganz allgemein aus Feh ab. Feh als „Pelzstoff/Pelzfutter“ war spätestens seit dem Hochmittelalter Teil der Kleidung.

„Ein Gemälde aus der Zeit um 1100 zeigt bereits das Wolken-Pelzmuster.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[2]

Jacob Falke geht in seinem Werk „Die deutsche Trachten- und Modewelt“ davon aus, daß der Gebrauch im frühen Wappenwesen fortgesetzt wurde und unter anderem Feh-Fell als Überzug oder zur Verzierung von Schilden genutzt wurde. In der Folge diese Gebrauchs fing man später an, die Schilde und Wappen im Muster des ursprünglichen Fells zu bemalen (zum Beispiel mit Farbflächen und Begrenzungslinien, die wie silisierte „Wolken“ wirken).[3]

Darstellung

Die Wolken erscheinen beim Wolkenschnitt je nach Gestaltung in einem Wappen mal mehr, mal weniger rund und erinnern durch die Wiederholung an ein „perlen-“ bis „wolken-/nebelförmiges“ Ziermuster. Erscheint eine Wappenfigur „wolkenförmig“, ist die Anzahl der Wolken als solche nicht festgelegt und wird gewöhnlich nicht gemeldet. Ist die genaue Ausprägung der Wolken wesentlich für eine Wappendarstellung, kann diese aber angegeben werden (insbesondere wenn nur einzelne oder sehr wenige Wolken in einem Wappen erscheinen). Allgemein richtet sich die Anzahl nach den zur Verfügung stehenden räumlichen Gegebenheiten beziehungsweise nach der Gesamtharmonie im jeweiligen Wappen. Im Normalfall beträgt die Anzahl der Wolken mindestens zwei und außen zwei halbe nach oben sowie drei nach unten, kann aber auch beträchtlich darüber liegen.

Farbflächen, die mit Begrenzungslinien im Wolkenschnitt im Wappen erscheinen, haben als dem Metall (Silber beziehungsweise Gold) gegenüberstehende Tinktur das Rot oder das Schwarz (was eventuell auf den Gebrauch von Marder- oder Zobelfellen als Überzug oder zur Verzierung von Schilden zurückgeführt werden kann) oder seltener das Blau (was auf Feh-Felle verweist), kommen aber auch in anderen heraldischen Farbkombinationen vor.

Wolken-Teilung/-Spaltung

Wolkenförmig geteilt (Tafel III. Figur 84.): wenn die Teilungslinie in einfach Wolkenschnitt gezogen ist.
Wolkenförmig gespalten (Tafel II. Figur 78. 79) heißt die Spaltung vermittelst einfachen Wolkenschnitts (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Wolken-Schrägteilung

Wolkenförmig geschrägt sagt man, wenn eine heraldisch rechte schräge Teilungslinie im Wolkenschnitt gezogen ist; ist eine heraldisch linke schräge Teilungslinie im Wolkenschnitt gezogen, nennt man dies wolkenförmig linksgeschrägt oder wolkenförmig schräglinksgeteilt.

Wolken-Balken

Wolken-Balken (Tafel IV. 34. 35. 36.) haben statt der geraden Begrenzungslinien solche von einfachen (Wolken .. -- Anm. der Redaktion), gehen dadurch selbstredend ihres Charakters als Balken mehr oder weniger verlustig. Figur 34. hat nur oben Wolkenschnitt-Begrenzung, ist also ein (außerdem unten gelappter) Wolkenbalken oder Wolkenleiste. Ein Wolken-Balken, wo die Wolkenköpfe oben und unten nicht abgewechselt dargestellt gewesen wären, ist als Gegenwolkenbalken (siehe Figur 64. zwei dergleichen) anzusprechen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Wolkenkreuz

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wolkenkreuz

Wolkenschragen

Wolken-Schildhaupt

Wolken- (gewolktes) Schildhaupt (Tafel III. Figur 93.): nennt man das Schildhaupt, sobald seine Abgrenzungslinie vom Schilde im Wolkenschnitt geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Wolken-Schildfuss

Wolken- (gewolkter) Schildfuss (Tafel III. Figur 109.): heißt derselbe, sobald seine Abgrenzungslinie in einfachen Wolkenschnitt geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]
Wolkenbord (Stamm­wappen der Für­sten­berg (Zürcher Wappenrolle, ca. 1340)

Wolken-Bord

Wolken-Bord nennt man den Bord, welcher vermittelst des Wolken-Schnittes (..) vom Schilde abgetrennt ist. Ist dagegen der Bord in sich vermittelst genannten Schnittes in zwei verschiedene Färbungen abgeteilt, dann sagt man ein durch Wolken (..) abgeteilter Bord, wobei (..) die äußere Färbung vor der inneren genannt wird.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Wogenschnitt

Der Wogenschnitt (frz.: (parti ..) enté évasé; engl.: (per pale ..) nebuly extended ist eine Abwandlung des Wolkenschnitts beziehungsweise ein vergrößerter Wolkenschnitt.

„Sind die, die Spaltungslinie bildenden einfachen Wolken sehr groß, erstrecken sie sich insbesondere sehr weit nach den Flanken zu, so würde man auch Wogenspaltung sagen können, weil alsdann wiederum die den Meereswogen ähnlichen Figuren entstehen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Wolkenschnitt in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 175.
  2. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 97
  3. Vgl. hierzu die grundlegende Arbeit von Hohenlohe-Waldenburg, Friedrich-Karl: Das heraldische Pelzwerk: Monographie: nebst einem Anhange I. die ältesten deutschen gemalten Wappen-Sammlungen und II. die heraldischen Schildformen vor dem Jahr 1450; als Manuscript gedruckt. 1867.
  4. (Miniatur aus der Geschichte des ersten Kreuzzuges des Robert de Sant-Remini, 1188/89, Vatikanstadt, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. Lat. 2001, fol. 1r
  5. Aus der Zürcher Wappenrolle, Nachbildung von 1860
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 14, 21-23, 25, 40