Kesselring

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Dieser Artikel behandelt die Wappenfiguren Kesselrinken/Kesselring und Hafte; unter dem Ober-/Sammelbegriff Rinken sind diese und weitere Wappenfiguren gebräuchlich, siehe → Rinken; zur Schließe siehe → Hafte
Kesselrinken-/Haftenfigur
 
Aufrecht
(Öffnung unten; GrömbachW-Logo.png)
 
Gestürzt
(Öffnung oben; nach Siebmacher, 1889)

Die Ausdrücke

  • Kesselrinken/Kesselring („Kalte Hand“) und
  • Hafte

bezeichnen in der Heraldik eine seltene gemeine Figur; obwohl diese sich von unter­schied­lichen realen Gegenständen ableitet, werden die Figuren in der Heraldik gewöhnlich gleichgesetzt, weil sie in der heraldischen Vereinfachung gleich aussehen.

Kesselring im polninschen Stammwappen Nowina
Zwischen 1250 und 1499: Griff einer Schatulle oder eines Gefäßes

Darstellung

Die Darstellung eines heraldischen Kesselrings beziehungsweise einer heraldischen Hafte ähnelt entweder einem mittelalterlichen Griff (Handhabe, Handgriff), wie er an Gefäßen oder Kisten angebracht war, einem wirklichen Kesselring (bzw. einem Griff am Kessel) oder der Öse einer Hafte, mit der man einen Umhang oder ein anderes Kleidungsstücke zusammenhält, indem man den zweiten der Teil der Hafte, den Haftelhaken, in die Öse einhängt.

„Rinken sind Haften (Fermeaux), wie man solche in verschiedenen Gestalten an Kleidern, Gürteln, auch an Büchern zum Zumachen derselben angebracht fand, beziehentlich noch findet. Eine Abart hiervon sind die sogenannten »Kesseltrinken«, welche auch für Topfhenkel erklärt werden.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]
Handle (FindID 66783).jpg
  • Griff (Handhabe, Handgriff) aus Kupferlegierung aus der Zeit nach dem Mittelalter. U-förmig ausgearbeitet, aus zwei ineinander verschlungenen Schlangen, an jedem Ende ein hochgekrümmter Schlangenkopf. An der Stelle, an der sich der Griff mit einem Gefäß oder einer Kiste verbunden hätte, befinden sich unten an den Schlangenköpfen Ösen
Kesselrinken/Kesselring
  • Kesselring (auch Kesselrinken, Kesselhenkel, Topfhenkel oder mit dem Ober-/Sammelbegriff Rinken beziehungsweise je nach Region und Zeitgeist anders genannt; französisch cornière; englisch pot-hanger oder handle of a boiler)
Haften (hier: die Ösenteile)
  • Hafte (auch Haftel, Häftel, Häftli, mit den Ober-/Sammelbegriffen Rinken Schließe, mit dem Unterbegriff → „Spange“ oder ähnlich genannt; von mhd. heftelîn, haftel; französisch agrafe; englisch hook-and-eye closure oder [hook and eye] clasp)

Da das U-förmige Motiv sehr einfach ist, wird es nur wenig stilisiert. Ob die Enden der Figur kreisförmig geschlossen sind oder hakenartig auslaufen, obliegt dem aufreissenden Wappenkünstler und wird gewöhnlich nicht gemeldet.

Kesselrinken (Tafel XXVII. Fig. 83.) ist der Ring oder Griff des Kessels und kommt u. a. im poln. Stammwappen Nowina wie hier dargestellt, mit einem dazwischen gestürzten Schwert (..) vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Kesselrinken/Hafte als Nebenfigur

Die Figur Kesselringen/Hafte erscheint manchmal als Bestandteil einer anderen Wappenfigur beziehungsweise als Nebenfigur (zum Beispiel, wenn sie von einem Wappentier gehalten wird oder auf einem Brustschild erscheint).

Abgrenzung

  • Die Kesselring wird außerdem häufig mit einer Krampe (Klampe, Kettel, Haspe, Haspen) verwechselt. Letzere ist ein an beiden Enden zugespitztes, U-förmig gebogenes Eisen, das, in Holz eingeschlagen, zur Aufnahme des Bügels eines Vorlegeschlosses, einer Kette etc. dient.
  • Ein mit Kesselrinken besetztes Kreuz wird Mauerkreuz genannt.

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Hafte wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Gegenstände der Bekleidung sowie Schmuck unter der Nr. 9775 aufgenommen.

Siehe auch

Kessel, der mit einem Kesselrinken an einen Kesselhaken eingehängt ist.

Einzelnachweise

  1. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 118 f.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, Band 1, Seite 108; Herausgeber: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1987, ISBN 3-8062-0801-8.