Topf (Heraldik)

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Töpfe
 
(Gemeiner) Topf
(kleiner Topf mit eher ebenem Boden)
 
Kessel
(großer Topf mit gewölbtem Boden, ohne Füsse,
nach WBO 9143)
 
Grapen
(dreibeiniger Topf, hier mit mit aufgerichtetem Henkel,
nach WBO 9145 )
1450–1480: Henkelkessel im Wappen der Truchseß von Diessenhofen
(Scheiblersches Wappenbuch)
Oben: Kochtopf (rot);
Unten: → Grapen (blau)
1485/1505
Topf/Kessel in der historischen Küche des Hauses Nr. 13 in der Fuggerei, Augsburg

Der Oberbegriff Topf (auch Kochtopf, umgangssprachlich Hafen, Kochhafen oder niederdeutsch Pott, in der Schweiz insbesondere im Falle des Stieltopfs auch Pfanne oder ähnlich genannt) bezeichnet im Wappenwesen einerseits eine Gruppe von gefäßartigen Wappenfiguren („die Töpfe“); andererseits steht er für eine gemeine Figur, deren genaue Form und Erscheinung trotz einiger Ansätze in der heraldischen Literatur nicht systematisch, konsistent und erschöpfend bestimmt ist. Grob und ohne genaue Angaben zu den Volumenverhältnissen unterscheidet man unter anderem folgende Grundformen:

  • (Kleiner Topf) = (gemeiner) Topf (frz.: pot oder estameau; engl.: pot)
  • (Großer Topf) = Kessel (frz.: chaudron; engl.: caldron oder kettle)
  • (Dreibeiniger Topf) = Grapen (frz.: marmite; engl.: three-legged pot)

Darstellung

Töpfe erscheinen im Wappenwesen in vielfältiger Form. Ihre Darstellung im Wappen folgt zum Beispiel einem bestimmten Zeitgeist, einer lokalen Topfform oder womöglich dem subjektiven Geschmack des Wappenführenden/Wappenkünstlers. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Grundformen (gemeiner Topf, Kessel und Grapen) sind fließend, Hybridformen sind möglich. Beispielsweise ist ein dreibeiniges Kochgefäß mit seitlichem Handgriff und zusätzlich einem aufgerichteten Henkel quer über der oberen Öffnung ein Hybrid, welcher die Attribute eines gemeinen Topfes mit jenen eines Grapen vereint. Durch die heraldische Stilisierung, die Größen- und Volumenunterschiede nivelliert, ist es nahezu unmöglich zu bestimmen, ob ein gemeiner, „kleiner“ Topf oder ein „großer“ Kessel in einem Wappen erscheint. Nebenfiguren können helfen, ein Gefäßmotiv in einem Wappen genauer zu deuten. Beispielsweise erscheint der Heilige VeitW-Logo.png im Wappenwesen stets in einem großen Topf (=„Kessel“), nie in einem kleinen (=„gemeiner Topf“). Die bevorzugte Tingierung aller Topfformen ist Schwarz, gefolgt von Gold oder Rot, selten andere heraldische Farben.

(Gemeiner) Topf

Wird in der Wappenbeschreibung lediglich der Ausdruck „Topf“ oder „Kochtopf“ verwendet, gilt die Wappenfigur als weitgehend „unbestimmt“, wodurch der aufreißende Wappenkünstler an keine exakt vorgegebene Topf-Ausprägung gebunden ist. Im Prinzip kann er jede überlieferte mittelalterliche „Topfform“ im Wappen darstellen. Üblicherweise erfolgt die Darstellung des Topfes in diesem Fall in Anlehnung an ein kleines, mittelalterliches, aus feuerfestem Material bestehendes (aus Ton gebrannt, aus Bronze gegossen oder geschmiedet), zylindrisches/rundes/bauchiges Kochgefäß. Dieses besitzt gewöhnlich einen Henkel, einen flachen oder „ebenen Boden“[1] und erscheint ohne Standbeine (oben mit einer dem Boden an Größe ungefähr gleichen Öffnung). Der Henkel oder Bügel ist für die Heraldik das wesentliche charakteristische Merkmal eines Topfes („Henkeltopf“). An diesem wurde ein Topf an schwenk- und höhenverstellbaren Aufhängevorrichtungen (zum Beispiel mittels eines Kesselhakens) über das Feuer gehängt (im Gegensatz zum Beispiel zu einem Grapen, den man direkt in das Feuer stellte). Ein Topf „ohne Henkel“ ist daher zu melden. Der ebene Boden war zweckmäßig, wenn man den Topf zum Beispiel auf ein Dreibein-Feuergestell über dem Feuer plazierte. Erscheint die Figur Topf „mit Deckel“, „mit Löffel“, „an einem Kesselhaken“ oder mit einer anderen Besonderheit („vernietet“ et cetera), ist dies ebenfalls zu beschreiben.

Kessel

1335-1345: Henkelkessel im Wappen der Truchsess von DiessenhofenW-Logo.png (nach Züricher Wappenrolle, Aufriss Runge, 1866)
um 1460: Kessel im Wappen der Truchsess von Diessenhofen (nach Berliner Wappenbuch)

Die Figur „Kessel“ ist dem gleichnamigen geräumigen und tiefen, meist fußlosen runden metallenen Gefäß („großer Topf“) mit „gewölbtem Boden“[2] nachempfunden, das in zahllosen Zusammenhängen verwendet wird (daher teilweise auch eingrenzend Koch-, Blei-, Brau-, Fisch-, Färbe-, Schwenk-, Weihkessel, Hexenkessel und so weiter genannt). Erscheint in einem Wappen ein Feuer unter einem Kessel, ist dies zu melden. Die Figur wird nicht nur in Einzahl, sondern auch in Zwei-, Dreizahl dargestellt (selten in noch höherer Anzahl, es sei denn, sie bedecken als Muster ein Bord).

„Der Kessel (Tafel XXVII. Figur 76. bis 78.): welcher keine Füsse hat, weil er über dem Feuer aufgehängt wird. Die Form wie Figur 78. ist diejenige, welche vorzugsweise oft in spanischen Wappen vorkommt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Kessel erscheinen nicht nur alleinstehend und schwebend im Wappen, sondern teilweise mit einer Vorrichtung, mti der der Kessel über dem Feuer gehalten wird.

Grapen

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Grapen

Abgrenzung

Tontopf beziehungsweise Tonkrug

Von metallenen Töpfen sind krugähnliche Gefäße zu unterscheiden, die auf der Basis von Ton hergestellt sind. Letzere sind in Wappenbeschreibungen und in der Literatur manchmal ungenau als „Topf“ beschrieben, sollten aber näher bestimmt sein, um Verwechslungen zu vermeiden (zum Beispiel: „Tonkrug mit Ausguss und seitlichem Griff“).

Grütztopf

In einigen neueren kommunalen Wappenbeschreibungen (Gokels, Amt Südtondern, Sillenstede) findet sich der unspezifische und triviale Ausdruck „Grütztopf“ (auch „Breitopf“), der nicht zur klassischen heraldischen Terminologie gehört[4] und keine eindeutige oder wohldefinierte gemeine Figur beschreibt. Außerhalb der Heraldik ist ein „Grütztopf“ als „Topf zum Kochen der Grütze“[5] bestimmt, was auf die oben beschriebene gemeine Figur „Topf“ verweist und keine für die Heraldik relevanten Unterscheidungsmerkmale festlegt[6]. Ohne genaue, heraldisch darstellbare Bestimmung, was einen Grütztopf von den gemeinen Figuren „Topf“, „Kessel“ oder „Grapen“ unterscheidet, ist vom Gebrauch des Terminus „Grütztopf“ in Wappenbeschreibungen abzuraten. Die Anlehnung an Wappensagen, die die Verwendung von Topf-Figuren in Wappen kolportieren, sind für die heraldische Terminologie grundsätzlich irrelevant. 1845 führt Karl Victor Müllenhoff in diesem Zusammenhang folgendes Wappenmärchen aus:

„Wie der Grütztopf in das friesische Wappen kam: Die Friesen waren einst im Kriege mit den Dänen. In einer Schlacht geriethen sie in Unordnung und flohen. Die friesischen Weiber, welche im Lager eben Brei kochten, ergriffen die Grütztöpfe, als sie ihre Männer so feige sahen, und giengen damit dem Feinde entgegen. Rechts und links flog nun der heiße Brei den Dänen um die Ohren. Sie verwunderten sich anfangs und lachten; aber als die Friesen die Kühnheit ihrer Frauen sahen, kehrten sie vor Scham erfüllt um und begannen die Schlacht von neuem. Da kam die Reihe des Fliehens an die Dänen, und es hieß später, die friesischen Weiber hätten die Dänen mit dem Breitopf in die Flucht geschlagen, die Männer aber ihn aus Dankbarkeit in das friesische Wappen aufgenommen. -- Herr Hansen auf Silt im Volksbuch 1845. - Auf dieselbe Weise verteidigten die Frauen der Ditmarschen in der letzten Fehde Meldorf, als die Feinde stürmend auf die Singel drangen.“

Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (1845)[7]

Wappenbilderordnung

  • Der Topf wurde zusammen mit dem Kessel in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9143 aufgenommen.
  • Der Grapen wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9145 aufgenommen.

Symbolik

  • Teilweise verweisen die Topfmotive auf den Namen des Wappenführenden (ein redendes Wappen beziehungsweise einen „Kessel“ führen zum Beispiel die Kommunen Kesselfeld[8] und KesseldorfW-Logo.png).
  • Erscheint ein Topf, ein Kessel, ein Grapen et cetera in einem Wappen, verweisen diese Motive möglicherweise auf ein traditionelles Handwerk (Töpferhandwerk oder ähnliches) oder auf den Beruf des Wappenführers (Töpfer, Kesselschmied, Kessel, Kesselflicker, Kessler et cetera). Man findet beispielsweise das Motiv Kessel in diversen Gewerbe-/Zunftwappen.

Weblinks

 Commons: Kessel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 684.
  2. Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 444.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 129
  4. Anmerkung: Der Ausdruck ist weder in der Wappenbilderordnung des Herold noch in anderen Standardwerken zur heraldischen Terminologie als Fachterminus belegt.
  5. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Grütztopf. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  6. Anmerkung: Allenfalls ließe sich ableiten, dass eine potentielle gemeine Figur „Grütztopf“ zwingend als „Topf“ mit heraldische stilierter „Grütze“ oder mit heraldisch stilisiertem Brei im Wappen aufzureißen sei.
  7. Karl Victor Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Schwersche Buchhandlung, Kiel 1845, S. 73.
  8. Wappenbeschreibung: „In Rot ein silberner Kessel.“