Löwenmaske

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Dieser Artikel behandelt den (heraldischen/gemeinen) Löwen-/Leopardenkopf in Frontalansicht („hersehender Löwen-/Leopardenkopf“);
 
Löwenkopf als Jagdtrophäe (Worcester City Art Gallery & Museum)
 
Löwenmaske als gemeine Figur;
=„Leopardenkopf“,
=„hersehender Löwenkopf“;
(nach Siebmacher, 1889)

Der mehrdeutige Ausdruck Löwenmaske bezeichnet im Wappenwesen

  • eine spezielle Wappenhelmbedeckung in Form eines Löwenkopfes, welcher in der Helmzier die Schädelpartie des Wappenhelms umschließt („Helmmaske“, „Löwenkappe“)
  • eine gemeine Figur, die einem Löwenkopf in Frontalansicht nachempfunden ist (die Wappenfigur zeigt beide Augen beziehungsweise ihr Gesicht ist direkt auf den Betrachter gerichtet). In dieser Bedeutung ist der Ausdruck erst seit der Heraldik des 19. bis 20 Jahrhunderts gebräuchlich. Die heraldische Terminologie kennt parallel zu diesem Ausdruck mehrere Synonyme, die teilweise geläufiger und älter sind (hauptsächlich hersehender Löwenkopf, Leopardenkopf und Brustbild eines Löwen, aber auch Löwenkopf von vorne, Löwenkopf en face, Löwenkopf im Visier sowie Pardelkopf, Leopardenmaske oder ähnliches).

Darstellung

Löwenmaske in der Helmzier

1450-1480: Löwenmaske in der Helmzier (Wappen: Herzog von Savoyen)

Löwenfelle mit Löwenkopf sind ursprünglich als reine Kopfbedeckung, später auch als Helmbedeckung seit der Antike bekannt. Beispielsweise erscheinen die Sagenfigur Herkules/HeraklesW-Logo.png, Alexander der GroßeW-Logo.png oder die ranghöchsten Feldzeichenträger in der römischen Legion (AquilifereW-Logo.png, dt.: „Adlerträger“) mit einer entsprechenden Kopf-/Helmbedeckung. In der griechisch-römischen Mythologie benutzte Herakles/Herkules nach dem Sieg über den unverwundbaren Nemeischen LöwenW-Logo.png dessen Fell und Kopf als Umhang und Helm beziehungsweise als eine Art Rüstung, durch die keine Waffe durchdringen konnte. Im Wappenwesen wurde das Motiv eines Löwenkopfes, der die Schädelpartie schützt, optisch aber zu verschlingen scheint, spätestens im 14. Jahrhundert aufgegriffen (zum Beispiel im Siegel/Wappen der Grafen von Savoyen[1]). Die Löwenmaske umschließt in der Heraldik gewöhnlich keinen Kopf, sondern den Helm und ziert diesen beziehungsweise dient eher als Schutz vor Sonnenstrahlung, weniger der Abwehr von Angriffswaffen. Es sollte gemeldet werden, ob anhängendes Fell der „Löwenmaske“ direkt in die Helmdecken übergeht -- oder ob das Löwenkopfmotiv als ein von den Decken unabhängiges Element erscheint, das womöglich anders tingiert ist als die Helmdecken (vgl. div. Aufrisse des Wappens derer von Savoyen).

Löwenmaske als gemeine Figur

 
Löwenkopf
 
1300: Siegel mit Löwenmaske (Linköping, Schweden)
Drei (2:1) Löwenmasken (Wappen Dalmatien nach Hugo Gerhard Ströhl)

Die gemeine Figur „Löwenmaske“ (bzw. „Leopardenkopf“, „hersehender Löwenkopf“) erscheint in der Heraldik wie der heraldisch stilisierte, halslose Kopf eines Löwen in Frontalansicht, der den Betrachter mit beiden Augen anschaut. Diese Darstellung ist spätestens seit dem 13. Jahrhundert im Wappenwesen gebräuchlich. Sie wird in der neueren Heraldik grundsätzlich von einem Löwenkopf im Profil mit nur einem sichtbaren Auge unterschieden, der nach heraldisch rechts oder noch heraldisch links schaut.

„Die Köpfe von Löwen, sowohl abgeschnittene wie abgerissene, werden im Profil gezeigt (..), die der Leoparden von vorn gesehen; man nennt sie auch Löwenmasken (..)“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[2]

„Löwenmaske: Ausdruck für einen von vorn (en face) dargestelltene Löwenkopf, zum Beispiel im Staatswappen von Zaire (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

„Löwenmaske = Leopardenkopf“

Václav Vok Filip (1999)[4]

„(..) Leopardenköpfen (bzw. hersehenden Löwenmasken)“

Bernhard Peter (2011)[5]

Gewöhnlich ist das Löwenmaul einer Löwenmaske geschlossen. Ist das Maul offen/geöffnet, ragt eine Zunge („gezungt“) oder ein Objekt aus dem Löwenmaul-/rachen (wie zum Beispiel die Hände im Wappen derer von Schardenberg), so sollte dies gemeldet werden.

Löwenmaske als Beizeichen

Löwenmasken waren in der Blütezeit der Heraldik als Beizeichen bei einer Wappenvermehrung gebräuchlich (zum Beispiel im Jahre 1269 beim Wappen derer von Bünau).

Löwenmaske in der englischsprachig geprägten Heraldik

In der englischsprachig geprägten Heraldik unterscheidet man nach Arthur Charles Fox-Davies

  • Löwenkopf („lion's head“): Wenn nicht anders gemeldet, erscheint die Figur als Löwenkopf, nach heraldisch rechts sehend; mit Hals.
  • Löwenmaske/-gesicht („lion's mask, lion's face“): Wenn nicht anders gemeldet erscheint die Figur als frontaler Löwenkopf (hersehend) und ohne Hals.
  • Leopardenkopf („Leopard's head affronté“): Wenn nicht anders gemeldet erscheint die Figur als frontaler Leopardenkopf (hersehend) und mit Hals.
  • Leopardenmaske/-gesicht („leopard's mask, leopard's face“): Wenn nicht anders gemeldet erscheint die Figur als frontaler Leopardenkopf (hersehend) und ohne Hals.

Der englische Ausdruck „mask“ ist nur nicht für die Darstellung von hersehenden, halslosen Löwenköpfen/-gesichtern gebräuchlich, sondern wird auch bei anderen hersehenden, halslosen Tierköpfen/-gesichtern verwendet.

„(..) In der englischen Heraldik kommen Löwenmasken vor, durch die eine Lilie gesteckt ist, hierfür gibt es einen eigenen Ausdruck jessant de lis.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[2]

Löwenring

Keine Löwenmaske, sondern ein Löwenring (Wappen von Dr. Heinrich Rubische)

Von der Löwenmaske ist die gemeine Figur „Löwenring“ abzugrenzen, die nicht einem wirklichen Löwenkopf nachempfunden ist, sondern

  • entweder einem TürzieherW-Logo.png, das ist ein für antike und mittelalterliche Türen typischer Beschlag in Form eines plastischen Löwenkopfes, der einen beweglichen Ring im Maul hält
  • oder einem TürklopferW-Logo.png, der wie ein Türzieher erscheint, mit dem Unterschied, dass ein Aufschlag-Widerlager Bestandteil der Figur ist

Löwenmaskenhelm / löwenkopfartige Maske

Der Ausdruck Löwenmaske ist in der Heraldik kein Motiv, das einer Maske („Gesichtsverkleidung“) nachempfunden wäre!
Sollen ein LöwenmaskenhelmW-Logo.png oder eine „löwenkopfartige Maske“ (Gesichtsverkleidung in Form eines Löwenkopfes) Bestandteil eines Wappens sein, müssen im Nasen-, Augen- und Mundbereich der Figur Öffnungen erscheinen (beispielsweise, indem an diesen Stellen die Figur durchbrochen ist). Da der Ausdruck „Löwenmaske“ in der heraldischen Terminologie reserviert ist (siehe oben), sind entsprechende Figuren im Blason unter Verwendung von anderen, eindeutigen Formulierungen oder Eigennamen zu beschreiben.

Wappenbilderordnung

Mehrdeutige oder mißverständliche Ausdrücke wie Löwenmaske oder Leopardenkopf für einen „hersehenden Löwenkopf“ sollte man in der Wappenbeschreibung möglichst vermeiden, weil diese Bezeichnungen in der Vergangenheit immer wieder zu Mißverständnissen führten und in jüngerer Zeit auch „natürliche Leoparden(köpfe)“ in Wappen erscheinen, die keinem Löwenkopf nachempfunden sind.

  • Der Leopardenkopf (= Löwenmaske; hersehender Löwenkopf) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: Ober bzw. vordere Teile: Tiere unter der Nr. (5021)-711-667 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Löwenmasken mit Lilie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl.: Siegel von Graf Amadeus VI. von Savoyen ISV 24/1, um 1375.
  2. 2,0 2,1 Galbreath, D. L.; Jéquier Léon: Handbuch der Heraldik. Augsburg 1990. S. 127.
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 260.
  4. Filip, Václav Vok: Einführung in die Heraldik. Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen 3. Stuttgart 1999. S. 127.
  5. Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1620. Hildesheim, historischer Giebel am Domhof 30. Internet. Veröffentlicht: 2011. Abgerufen: 21.11.2012.
  6. Wappenbeschreibung: „Das Stammwappen zeigt in Grün drei (2:1) herschauende, silberne Löwenköpfe; auf dem Helm ein silberner Schwanenhals; die Helmdecken grün-silbern.“