Schuppenschnitt

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Im Lappen-/Schuppenschnitt
Araldiz Manno 221N.png
 

Schuppenschnitt und Lappenschnitt (frz.: [..] cannelé; engl.: [..] invected) sind in der Heraldik synonyme Bezeichnungen für eine besondere Form einer Schnittlinie, die beispielsweise in einem Wappenschild verlaufen kann, wodurch es in zwei Flächen beziehungsweise in zwei Felder mit unterschiedlichen heraldischen Farben geteilt wird. Ausgeführt wird eine Schuppen-/Lappenschnittlinie mit sich wiederholenden halbkreisförmigen kleinen Bögen. Sie hat das Aussehen von mit der breiten Seite nebeneinander liegenden stilisierten Schuppen. Es ist wissenschaftlich nicht endgültig oder zweifelsfrei geklärt, welche „Schuppen“W-Logo.png namensgebend für die Bezeichnung „Schuppenschnitt“ waren (Fischschuppen, die Metallplättchen der Schuppenpanzer oder andere) beziehungsweise welche LappenW-Logo.png für den Ausdruck „Lappenschnitt“ als Vorbild dienten.

Mit Schuppen geteilt, Schuppenschnitt: altdeutsch = für Lappenschnitt“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Abgrenzung

Im Dornenschnitt
 
geteilt
 
gespalten

Der Lappen-/Schuppenschnitt wird manchmal mit seinem Gegenstück dem Dornenschnitt verwechselt. Im Allgemeinen unterscheiden sich die beiden durch die Richtung der Spitzen und Bögen des jeweiligen Schnittes.

  • Schuppen-/Lappenschnitt: Die „Bögen/Lappen“ zeigen nach oben, nach heraldisch rechts beziehungsweise zur Schildmitte.
  • Dornenschnitt: Die „Spitzen/Dornen“ zeigen nach oben, nach heraldisch rechts beziehungsweise zur Schildmitte.

Die Dornenschnitt einerseits und der Schuppen-/Lappenschnitt andererseits erscheinen manchmal in einer Figur kombiniert, was zu Misverständissen führen kann. Im Einzel- oder in Grenzfällen empfiehlt es sich, eine Umschreibung zu melden, die den jeweiligen Verlauf der Begrenzungslinien einer Figur eher exakt als knapp beschreibt.

Anwendung

Schuppen-/Lappenbalken und Schuppen-/Lappenpfahl

Balken oder der Pfahl können auf einer oder auf beiden Seiten im Schuppen- beziehungsweise Lappenschnitt geschnitten sein. Sie erhalten bei der Blasonierung („Wappenbeschreibung“) den Zusatz nach der Schnittart und werden Schuppenbalken oder Schuppenpfahl genannt, wenn beide Seiten den gleichen Schnitt haben.

Lappen-Pfal (Tafel III. Figur 14.): ist ein Pfal, dessen Begrenzungslinien kleine Kreisbögen bilden, deren Köpfe nach außen, die Spitzen nach innen gekehrt sind.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Lappenbalken und Dornenbalken (Tafel IV. Figur 40. 41.): heißt der durch Lappen- oder Dornschnitt begrenzte Balken, und zwar Figur 40., wo die Bögenköpfe nach Aussen gehen: Lappenbalken; Figur 41., wo die Dornen nach Außen gehen: Dornenbalken.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Wird nur eine Seite eines Balkens oder Pfahles geschuppt/gelappt, ist dies unter Angabe der Seite zu melden, zum Beispiel:

Schuppen-/Lappenbord

Auch beim Schuppenbord beziehungsweise Lappenbord, das ist ein Bord mit Schuppen-/Lappenschnitt, zeigen die Bögen zur Schildmitte, die Spitzen nach außen (wenn die Bögen nach außen beziehungsweise die Spitzen zur Schildmitte zeigen, liegt dagegen ein Dornenbord vor).

Schuppen-/Lappenschildhaupt

Ein Schildhaupt wird Schuppen- bzw. Lappenschnittschildhaupt genannt, wenn die Trennlinie des Schildhaupts durch Schuppen-/Lappenschnitt dargestellt wird (die Bögen des Schnitts zeigen zur Schildmitte; wenn sie nach außen zeigen, handelt es sich um ein Dornenschildhaupt).

Schuppen-/Lappenkreuz

Ein Kreuz im Wappen, dessen Außenlinien den Schuppen-/Lappenschnitt aufweisen, wird als Schuppenkreuz, Lappenkreuz, geschupptes Kreuz oder gelapptes Kreuz beschrieben.

Ausgeschuppt

Ausgeschuppt (oder veraltet und mißverständlich gekerbt) meint, daß die Bögen einer Begrenzungslinie einer Figur nach oben, nach rechts oder zur Schildmitte zeigen und charakterisiert eine Wappenfigur mit Schuppen-/Lappenschnitt. Der Ausdruck „ausgeschuppt“ ist zu unterscheiden von

für: „erscheint mit Dornenschnitt“
für: „mit Schuppen belegt“
veraltet und mißverständlich für: „erscheint mit Dornenschnitt“ bzw. „erscheint mit Schuppen-/Lappenschnitt“
(früher auch in der Form „einwärts gekraust“ und „auswärts gekraust“ gebräuchlich).

Galerie

Wappenbilderordnung

  • Der Ausdruck im Lappen-/Schuppenschnitt (geteilt) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0151)-172 aufgenommen.
  • Der Ausdruck oben gelappter/geschuppter (Balken) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0161)-172-641 aufgenommen.
  • Der Ausdruck unten gelappter/geschuppter (Balken) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0161)-172-642 aufgenommen.
  • Der Ausdruck Lappen-/Schuppen-(Balken) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Sonderformen der Begrenzungslinien unter der Nr. (0161)-172-643 aufgenommen.

Siehe auch

Literatur

  • Leonhard, Walter: Das große Buch der Wappenkunst. Verlag Georg D. W. Callwey. München 2001. S. 139-141. ISBN 3-8289-0768-7

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 18.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 26.
  4. Wappenbeschreibung: „Von Blau und Rot durch einen nach oben fünffach geschuppten silbernen Balken geteilt. Oben eine silberne fliegende Waldfledermaus (Großer Abendsegler: Nyctalus noctula) in Frontalansicht, unten ein silbernes Koppeltor. “


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Schuppenschnitt“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 27. Oktober 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.