Geschuppt

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Dieser Artikel behandelt „geschuppt“ in der Bedeutung von „mit Schuppen belegt“;
zum Wappenschnitt siehe → Schuppenschnitt;
zum Pelzwerk siehe → Schuppenfeh.

Geschuppt ist in der Heraldik ein mehrdeutiger Zuordnungsbegriff, durch den Wappenfiguren näher charakterisiert werden. Je nach Wappen und Wappenbeschreibung bezeichnet er:

eine Belegung
  • Die Belegung/Beladung einer Wappenfigur mit SchuppenW-Logo.png, die im weitesten Sinn als ein „schuppenförmiges Muster“ in einer Wappenfigur erscheint, gewissermaßen als eine Art „Überzug“ mit plättchen- oder plattenförmigen Konturen beziehungsweise als eine entsprechende „Oberfläche“ oder „Textur“. Umgangssprachlich und bei Hefner wird dieser Art der Darstellung auch „Fischhaut“ genannt:

„Die Fischhaut, in der Regel als Silber mit schwarzen Schuppen dargestellt, erscheint ähnlich den Pelzwerken zuweilen als Farbe -- Feld- und Figurenüberzug in Wappen (..)“

Otto Titan von Hefner (1861)[1]
Gatterer - geschuppter rechter Schrägbalken.jpg
einen spezifischen Wappenschnitt
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Schuppenschnitt

„(Wappen)Figuren, mit dieser Linie begrenzt, heißen geschuppt.“

Eduard Freiherr von Sacken (1893)[2]
Nyhäkoro.svg
ein spezifisches
Pelzwerk
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Schuppenfeh
Øystre Slidre komm.svg

Darstellung und Blasonierung

Stammwappen der von Tattenbach/Tättenbeck: In Silber ein schrägerechter geschuppter roter Balken. Kleinod: eine armlose Nixe (Melusine) mit rotem Hut.

„Geschuppt“ (auch „mit Schuppen [belegt]“, „schwarzgeschuppt“, „mit Fischhaut“; frz.: écaillée; engl.: papelonny) wird im Wappen in Form von Zierstrichen oder halbkreisförmigen Bögen (auch „Schuppen“, „kleine halbe Zirkel“, „liegende Monde“ genannt) dargestellt, die in mehr oder minder regelmäßigen Überlappungen über der gemeldeten Tinktur einer Wappenfigur erscheinen. Sie ähneln in der Art der Darstellung der Schattenfarbe oder der Damaszierung. Meist sind die „Schuppen“ in Schwarz oder in Silber ausgeführt. Andersfarbige Schuppen sind in gewissem Sinn unheraldisch beziehungsweise zu melden und sollten mit der Grundregel, daß Farbe und Metall stets abwechseln, vereinbar sein.

Mit Schuppen/Fischhaut können sowohl Heroldsbilder als auch gemeine Figuren belegt sein.

Bei Fischen oder fischgeschwänzten Wappenmotiven meldet man den Ausdruck „geschuppt“ nur, wenn diese Figuren explizit immer, das heißt in jedem Wappenaufriß, mit Schuppen belegt sein sollen; anderenfalls ist die Verzierung dieser Figuren mit Schuppen optional, das heißt, sie hat rein dekorativen Charakter und ist dem wappenkünstlerischen Zeitgeschmack und der Gesamtharmonie eines Wappenbildes untergeordnet. In der neueren Heraldik finden sich anstelle der stilierten bzw. schuppenförmig ornamierten Überlappungen manchmal eher kreuzartige oder naturalistische Schuppenmuster, die die tatsächlichen Schuppengebilde spezifischer Fische sehr genau wiedergeben.

Bei Drachen, Schlangen, Biberschwänzen oder ähnlichen Motiven und Fabeltieren, die ebenfalls häufig „geschuppt“ erscheinen, ist dagegen explizit zu melden, ob sie entsprechend belegt sind. Erfolgt die Meldung, sollten sie immer mit Schuppenmusterung erscheinen; wird sie unterlassen, sollten sie immer ohne Schuppenmusterung dargestellt werden.

Schuppenartig gefiedert

Zuweilen erscheinen Wappenvögel wie der Adler „schuppenartig gefiedert“ beziehungsweise „schuppenähnlich gefiedert“[8]. Dieses Attribut ist ein Stil-/Gestaltungsmittel, das gewöhnlich nicht blasoniert wird; falls das Merkmal ausnahmsweise wesentlicher Bestandteil einer Wappenfigur ist, ist zu beschreiben, ob es in einer besonderen heraldische Farbe oder nur in einem bestimmten Teil der Gesamtfigur / des Federkleides erscheint. Falls das Merkmal eher „grätenartig“ erscheint, kann es entsprechend beschrieben werden.

Abgrenzung

Der Ausdruck „geschuppt“ in der Bedeutung „mit Schuppen belegt“ steht in vielen heraldischen Quellen nicht im Zusammenhang mit den Bezeichnungen „eingeschuppt“, „ausgeschuppt“ oder „gekraust/gekrauset“. Vielmehr werden diese nur im Kontext der Wappenschnitte Schuppen/Lappenschnitt und Dornenschnitt erwähnt, allerdings oft mißverständlich, unpräzise oder sogar irrig wiedergegeben. Der Ausdruck „geschuppt“ ist daher grundsätzlich zu unterscheiden von:

= „erscheint mit Dornenschnitt“, das heißt,
daß die Spitzen einer Begrenzungslinie einer Figur nach oben, nach rechts oder zur Schildmitte zeigen.
= „erscheint mit Schuppen-/Lappenschnitt“,
das heißt, daß die Bögen einer Begrenzungslinie einer Figur nach oben, nach rechts oder zur Schildmitte zeigen.
veraltet und mißverständlich für: „erscheint mit Dornenschnitt“ bzw. „erscheint mit Schuppen-/Lappenschnitt“
(früher auch in der Form „einwärts gekraust“ und „auswärts gekraust“ gebräuchlich).

Weitere Schuppen

Die Bezeichnung „Schuppen“ leitet sich in der Heraldik vermutlich nicht immer von „Fischschuppen“ ab; zum Beispiel ist es nicht endgültig oder zweifelsfrei wissenschaftlich untersucht, inwiefern die „Schuppen/Metallplättchen“ der Schuppenpanzer als Vorbilder für „geschuppte“ Figuren dienten.

Zitate

Siebmacher

Fischhaut: Vom Gebrauch dieser, gewissermassen als Ueberzug von Heroldsstücken, spricht v. Hefner in seinem herald. Handbuch z. B. beim Pfal im W. der Stück, beim Schrägbalken in dem der Tattenbach und Anderen. Es dürfte jedoch zunächst festzustellen sein, ob dieser sogenannte „Fischhaut-Ueberzug" sich ursprünglich nicht als eine einfache Damascierung entpuppt. Im Übrigen ist nötigenfalls der Ausdruck „geschuppter Pfal" oder „Schuppenschrägbalken" (Tafel VIII. Figur 37.) wesentlich kürzer und ebenso präcis.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[9]

Gatterer

Geschuppt, ist aus kleinen Zirkeln oder Schuppen zusammengesetzt. Diese Schuppen oder kleinen halben Zirkel bedecken entweder eine Figur oder Platz durchaus, oder sie stehen nur am Rande einer Figur oder Section.
Im ersten Fall heißt die Figur oder der Platz schlichtweg geschuppt (zum Beispiel Figur 281. ist ein rother geschuppter rechter Schrägbalken).
Im anderen Fall bekommt man 2 neue Arten des geschuppten, nämlich
1) das ausgeschuppte oder gekerbte, wenn die Spitzen der halben Zirkel auswärts gehen, und die halben Zirkel klein sind, und
2) das eingeschuppte oder mit Schuppen oder mit Buckeln getheilte, wo die halben Zirkel die Spitzen einwärts kehren, und flacher, oder vielmehr nur Stücken größerer Zirkel sind (..)“

Johann Christoph Gatterer (1774)[10]

Wappenbilderordnung

Einzelnachweise

  1. Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. 1861.
  2. Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893. S. 51.
  3. Wappenbeschreibung: „Geteilt von Schwarz und Silber; oben ein goldener Drachenrumpf, unten ein schwarz geschuppter roter Schrägbalken.“
  4. Wappenbeschreibung: „Gespalten von Rot und Silber; vorne eine goldene Krone, aus der eine goldene Getreidegarbe wächst, die unter den Ähren von einer goldenen Krone zusammengehalten wird; hinten ein silbern geschuppter roter Schrägbalken.“
  5. Wappenbeschreibung: „Über rot geschupptem Schildfuß mit Dachfirst in Schwarz eine fliegende silberne Taube mit grünem Zweig im Schnabel.“
  6. Wappenbeschreibung: „Gespalten von Rot und Weiss mit zwei abgewendeten geschuppten, gebogenen Fischen in gewechselten Farben. “
  7. Wappenbeschreibung: „Gespalten von Rot und Gold; vorne ein silberner Torturm mit Zwiebeldach und Laterne (barocke Haube), hinten ein steigender schwarzer Biber mit roter Zunge und geschupptem silbernen Schwanz. “
  8. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 201
  9. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  10. Gatterer, Johann Christoph: Johann Christoph Gatterers Abriß der Heraldik oder Wappenkunde: zum Nuzen der studirenden Jugend entworfen und zuerst mit acht Kupfertafeln erläutert. 1774.


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Schuppe_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2012 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.