Meer (Heraldik)

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In der Frühzeit des Wappenwesens ist eine besondere Wappenfigur, die eigens zur Darstellung von Meer verwendet wird, nicht gebräuchlich.
Silbernes „Meer“ über grünem Ufer
(nach WBO Nr. 1201); nach Siebmacher „Wasser“)
Meer im Wappen von Luce

Meer (auch Ozean, niederdeutsch: die See oder ähnlich genannt; französisch mer; englisch sea, ocean) ist in der neueren Heraldik eine Wappenfigur.

Darstellung

Im frühen Wappenwesen gibt es keine Figur, die explizit dem oder einem MeerW-Logo.png nachempfunden wäre. Gewöhnlich wird ein Meermotiv angedeutet, indem in einer ansonsten monchromen Farbfläche (zum Beispiel in einem Schildfuß oder in der Fläche über eine Schildfuß) wellenförmige andersfarbige Konturlinien („Meereswellen“) erscheinen. Entsprechende Motive werden in der Literatur aber nicht nur als „Meer“ beziehungsweise „Ozean“, sondern teilweise auch als „Wasser“, „Gewässer“, „See“ oder ähnliches bezeichnet.

„Wasser oder auch Wellen kommen im Schildfuss oft vor und sind nicht unheraldisch (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

„Wasser, See, Meer; die von der Meer führen im 4. Platze des Schildes das silberne Meer über grünem Ufer (..)“

Otto Titan von Hefner: 1861[2]

Meer mit Wellenschlag

Im 19. Jahrhundert differenzierte der Heraldiker Maximilian Gritzner zwischen „ruhigem“ und „unruhigem“ Wellenschlag und hielt die Darstellung eines ganzen Ozeans für unheraldisch.

„(..) dass aber, wie es Tafel XXV. Figur 12. den Anschein hat, der ganze Ocean vom Ufer aus gesehen, dargestellt wird, ist recht wenig heraldisch. Man giebt übrigens den Wellenschlag des ruhigen Wasser in der Regel ~~~~~~~ so an und bezeichnet diesen Wellenschlag: ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ ̮̮̮̮̮̮ als „Meer“.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Gewöhnlich wird die Art des Meereswellenschlags heute aber nicht gemeldet, sondern liegt in der Hand des Wappenkünstlers, der ein Wappen mit der Figur Meer aufreißt; wird ein bestimmter Wellenschlag explizit angezeigt, sollte er im Aufriss berücksichtigt werden.

Meer ohne Wellenschlag

In der neueren Heraldik kann die Figur Meer ohne Wellenschlag in einem Wappen erscheinen. Beispielsweise wird das (ruhige) Meer im Wappen von Costa Rica mittels Gradient (Farbverlaufs) von einem helleren zu einem dunkleren Blau und gänzlich ohne Wellenschlag dargestellt. Von heraldischen Fundamentalisten werden Wappen mit derartigen Meeresdarstellungen gegebenenfalls als unheraldisch angesehen beziehungsweise als Wappen der „Landschafts-/Ansichtskartenheraldik“ diffamiert.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 112 f.
  2. Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. München. Heraldisches Institut. 1861. S. 90