Brunnen (Heraldik)

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Brunnen im Wappen Stoltzheimer
(nach 1597: aus dem Wappenbuch des Hofpfalzgrafen Franz Rasso Gotthardt)

Der Brunnen (frz.: fontaine; engl.: well) ist in der neueren Heraldik eine gemeine Figur, die in unterschiedlichen Versionen („Schalenbrunnen“, „Ziehbrunnen“ et cetera) in vielen Wappen zu finden ist. Die genaue Form ist in der Wappenbeschreibung zu melden.

Darstellung

Die gemeine Figur Brunnen erscheint im Wappenwesen stets in stilisierter Form. Wird die Figur zusammen mit fließendem, sprudelndem, aufsteigenden Wasserstrahlen, Wasserfontänen oder ähnlichem dargestellt, so ist das Wasser ebenfalls stilisiert aufzureißen (wenn es die Feld-/Schildfarbe erlaubt, erscheint Wasser in der Heraldik gewöhnlich in Silber oder Blau).

Springbrunnen

Der Ausdruck „Springbrunnen“ (frz.: jet d'eau; engl.: naturel fountain) ist in der deutschsprachig-geprägten Heraldik nicht wohldefiniert beziehungsweise ein Allgemeinbegriff. Er sollte nicht bei ein Wappenbeschreibung verwendet werden, weil unklar ist, in welcher Art und Weise ein sogenannter „Springbrunnen“ genau aufzureißen ist. Er kann beispielsweise als Schalenbrunnen, als Wasserfontäne ohne Beiwerk, pyramidenartig, mit geraden Säulen et cetera erscheinen. Die konkrete Ausprägung des heraldischen Springbrunnens ist stets zu melden.

Schalenbrunnen

Schalenbrunnen im Wappen BornemannCoa Danemark moderne.png
 
1893: nach Anders ThisetCoa Danemark moderne.png
 
2017: nach Gerd Hruška

Der Schalenbrunnen („Brunnen in Schalenform“, „Brunnen mit Brunnenschale“) erscheint in der Heraldik mit ein, zwei, drei oder mehr Schalen übereinander, wobei gegebenenfalls die Schalenformen von oben nach unten in der Größe abnehmen (ähnlich wie eine EtagereW-Logo.png). Wenn nicht nur einer Schale im Wappen dargestellt wird, ist die Anzahl der Schalen zu melden (zweischalig, dreischalig ... mehrschalig). Gewöhnlich besitzt die Figur eine Wasserfontäne mit stilisiertem Wasser. Bei Schalenbrunnen besteht die Möglichkeit, eine Wasserfontäne mittig aufsteigen zu lassen und diese dann in zwei fallenden Strahlen in die Schale zurückzuführen. Auch ist eine Variante mit seitlich aufsteigenden zwei Fontänen, die sich mittig treffen, möglich. Läuft bei einem mehrschaligen Schalenbrunnen stiliertes Wasser über den Rand der obersten Schale in die tiefer darunterliegende, so ist dies anzugeben.

Laufbrunnen (mit Brunnenstock, Brunnensäule ..)

„Laufbrunnen“ mit Brunnensäulen, Brunnenstöcken oder ähnlichem, aus denen in der Realität stetig Wasser austritt, sind als solche zu melden. In der Regel besitzen diese Figuren im Wappenwesen einen oder zwei seitliche Wasserspeier, aus denen links und rechts ein stilierter „Wasserbogen/-strahl“ in ein Brunnenbecken, Brunnentrog, Brunnenschacht oder ähnliches fließt. Ist dies der Fall, ist jede Besonderheit, die Art und Weise von Auffangbehälter, Wasserspeier, Wasserstrahl, die Position im Wappen, die genaue Kombination der Figur etc. zu melden.

Pumpbrunnen

„Pumpbrunnen“ oder „Grundwasserpumpen“ erscheinen gewöhnlich ohne Wasserstrahl im Wappen. Werden diese mit Wasserstrahl/-fontäne dargestellt, ist dies zu melden.

Ziehbrunnen

Die gemeine Figur Ziehbrunnen (auch Schöpfbrunnen genannt, wenn es sich um einen Brunnen handelt, aus dem das Wasser mit Eimern „geschöpft“ wird; frz.: puits à poulie; engl.: draw-well) wird in Wappen häufig abgebildet. Wird nichts anderes gemeldet, erscheint der Ziehbrunnen mit einer Ziehvorrichtung, bei der ein Seil auf einem Rundholz (Winde/Haspel, mit Schwungrad oder Griff) aufgewickelt ist, teils mit, teils ohne Wassereimer. Wenn die Haspel, das Ziehseil etc. in einer anderen heraldischen Farbe als der Brunnen erscheinen, ist dies zu melden.

Besondere, zusammengesetzte oder komplexe Ziehvorrichtungen eines Ziehbrunnens (Schwingbaum, an dem Gegengewichte hängen, besondere Winden, Räder, Seile, Zugtiere etc.) sind in der Wappenbeschreibung detailliert anzugeben.

Brunnenbecken / Brunnenschacht

Zuweilen ist die Figur Brunnen in Wappen gänzlich ohne Wasserstrahl und Beiwerk (ohne Wassereimer, Haspel, Kette etc.) stilisiert, erscheint also nur als „Brunnenbecken“, „Brunnentrog“, „Brunnenschacht“, „Brunneneinfassung“, „Brunnenumrandung“ oder ähnliches. Diese einfache Brunnenform sollte gegebenfalls gemeldet werden.

Brunnentempel / Brunnenhaus

Erscheint ein „Brunnentempel/-haus“ als gemeine Figure in einem Wappen, sind alle Besonderheiten des Brunnengebäudes zu beschreiben.

Besondere/lokale Brunnen

Manchmal ist der im Siedlungszentrum (Markt- oder Kirchplatz) vorhandene Brunnen mit seiner Geschichte oder der einmaligen besonderen baulichen Ausführung ein willkommener Anlass, ihn im Wappen abzubilden. Ist im Wappen viel Platz, so ist eine detaillierten Darstellung möglich, wenn auch aus heraldischer Sicht nicht immer gewünscht. Die heraldische Beschreibung der Charakteristika von lokalen Brunnen ist teilweise kompliziert. Zuweilen basiert sie auf alten und winzigen Siegeln, denen kein realer Gegenstand mehr korrespondiert. Die Wappenbeschreibung sollte immer so ausfallen, daß nach ihr ein eindeutiges Wappen mit einem unverwechselbaren Brunnen gestaltet werden kann.

Quelle

„Stürzt“, „springt“, „fließt“ in einem Wappen stilisiertes Wasser aus einem Spalt in einem Felsen, aus Boden, Rasen, Hügel oder Dreiberg, einer vom Menschen geschaffenen Gesteinsöffnung oder ähnlichem, so ist diese Figur weniger als Brunnen, sondern eher als „Quelle“ zu beschreiben.

Fontäne

(Wasser-)Fontänen (von lat.: fontanus = zur Quelle gehörend; engl.: fountain) beziehungsweise erst senkrecht nach oben, dann bogenförmig nach unten absteigende Wasserstrahlen, die ohne direkte Kombination zu einer brunnartigen Figur in einem Wappen erscheinen, beispielsweise indem sie aus dem unteren Schildrand wachsen, sind als solche zu blasonieren, nicht als Brunnen.

Brunnenhaken

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Liste Brunnen im Wappen

Brunnen im Wappen
B Bad DitzenbachW-Logo.png (alt), Bad FüssingW-Logo.png, Bad Kissingen (Landkreis)W-Logo.png, Bad SchönbornW-Logo.png, Bad ZwischenahnW-Logo.png, BirresbornW-Logo.png, BornholtW-Logo.png, Born (Westheide)W-Logo.png, BrunnW-Logo.png, BrunnadernW-Logo.png, BruntalW-Logo.png, BuchbrunnW-Logo.png,
E EitelbornW-Logo.png, EppenbrunnW-Logo.png
G GrasbrunnW-Logo.png,
H HausbrunnW-Logo.png, HollabrunnW-Logo.png, HolzbronnW-Logo.png
K Karlsruher-Südstadt, Karlsruher-Weststadt, KäshofenW-Logo.png, KönigsbrunnW-Logo.png, KülsheimW-Logo.png,
L LonsingenW-Logo.png,
M MarienbornW-Logo.png, MaulbronnW-Logo.png, MössingenW-Logo.png,
N NeubronnW-Logo.png, Neudorf-BornsteinW-Logo.png, Niefern-ÖschelbronnW-Logo.png, NombornW-Logo.png,
Q QuickbornW-Logo.png,
R RehbornW-Logo.png, RothenbrunnenW-Logo.png,
S SeebronnW-Logo.png, Steinbach (Taunus)W-Logo.png, StepfershausenW-Logo.png,
V VierherrenbornW-Logo.png,
W WaldbüttelbrunnW-Logo.png, WeibersbrunnW-Logo.png, WeitersbornW-Logo.png

Symbolik

  • Die Wahl, einen Brunnen im Wappen zu führen, hat unterschiedliche Gründe. Oft sind Heil- und Solequellen im Gemeindegebiet Anlass für die Wappentauglichkeit maßgeblich. Die Orte sind gelegentlich als Kur- und Heilbäder ausgewiesen. Da die Brunnen in der klassischen Heraldik nicht in Anwendung waren, muss auf kommerzielle Werbung in der Neuzeit geschlossen werden. Sagen, Legenden und sonstige Überlieferungen über Heilerfolge und Wunder bilden häufig die Grundlage für die Brunnenauswahl.
  • Die Nähe der Begriffe „Brunnen“ und „Born“ hat auch in der Heraldik ihren Niederschlag gefunden. So steht ein Brunnen oft als redendes Wappenmotiv (zum Beispiel in den Wappen Weitersborn, Vierherrenborn, Rehborn, Quickborn und so weiter).

Abgrenzung

  • Wenn Städte und Gemeinden an Quellen oder den Läufen von bedeutenden Flüssen liegen, wird dieser Umstand teilweise durch einen Wellenschnitt im Schildfuß dargestellt.
  • Von der gemeinen Figur Brunnen ist die Figur Wasserfall zu unterscheiden, die manchmal einen bedeutenden lokalen Wasserfall nachempfunden ist.
  • In der neueren Heraldik sind teilweise Fördertürme für Öl und Gas gebräuchlich. Diese sind von brunnenartigen Figuren zu unterscheiden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung: „Unter goldenem erweitertem schrägen Schildhaupt, darin je drei grüne Eichenblätter und grüne Eicheln, in Schwarz ein goldener Ziehbrunnen mit Haspel und Schwungrad.“
  2. Wappenbeschreibung: „In Silber auf grünem Boden ein gemauerter schwarzer Ziehbrunnen mit einem schwarz und silbern geziegelten und mit zwei goldenen Knäufen versehenen Walmdach auf zwei schwarzen Säulen; an schwarzer Kette ein roter Eimer.“
  3. Wappenbeschreibung: „In Blau einen goldenen Brunnen, aus dessen Becken sich eine Säule erhebt, auf der ein goldener Löwe sitzt. Aus zwei Röhren läuft links und rechts Wasser in die Brunnenschale.“