Schildbeschlag

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etwa 12./13. Jhr.: Schildbeschlag
(als Bord, kreisförmig im Zentrum und als Kreuz, auf einem präheraldischen serbischen Rundschild)
Rechts: Schildbeschlag bei einem Schild
(um 1070, Teppich von Bayeux)

Der Schildbeschlag ist ursprünglich ein harter, zumeist metallener BeschlagW-Logo.png, der der Schutzwaffe Schild, wenn sie aus einem relativ weichen Material (Holz, Flechtwerk, Leder oder anderem) besteht, an ausgesuchten Stellen Festigkeit bietet. Dadurch können größere Kräfte (zum Beispiel durch Schläge mit Keulen oder Schwertern oder durch Beschuß mit Pfeilen) in das Material ein- oder abgeleitet werden, ohne am Schild schwerwiegende Schäden zu verursachen.

Schildbeschlag: In prä- oder frühheraldischer Zeit auf den Schilden angebrachte Beschläge, die der Festigkeit des Schildes oder der Anbringung von Wappenbildern dienten (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Schildbeschläge als Wappenfiguren

Schildbeschläge
(bzw. gemeine Figuren)
 
(WBO, Nr. 9631)
 
(WBO, Nr. 9419)
 
(WBO, Nr. 2423-744)
Schildbeschläge
(bzw. kreuzförmige Wappenfiguren)
 
Schneckenkreuz
(nach WBO, Nr. 0364)

Vermutlich verwendete man Schildbeschläge nicht nur aus Gründen der Festigkeit, sondern auch zur Anbringung von Wappenbildern oder zur Verzierung des Schildes. Teilweise wurden die ursprünglichen Schildbeschläge in das Wappenwesen übernommen und entwickelten sich zu eigenständigen gemeine Figuren, Heroldsbildern oder Kreuzen.

„Die Schildbeschläge wurden später in vielen Fällen selbst zum Wappenbild, zum Beispiel das Nesselblatt im Wappen der Grafen und späteren Fürsten von Schaumburg Lippe.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

In der Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) wurden beispielsweise als aus Schildbeschlägen entstandene, selbstständige Figuren die Navarrakette, das Lilienhaspel und das Nesselblatt aufgenommen. Viele kreuzförmige oder kreuzähnliche Wappenfiguren (zum Beispiel das Bogenkreuz) sind nach heutigem Kenntnisstand ebenfalls aus Schildverstärkungen hervorgegangen:

„Gewisse gemeine Figuren wie die eingerollten, Anker-, Tatzenkreuze oder das von Toulose, die gedornten Ränder und Kreuze, die doppelten Lilienborde, manche Schrägkreuze, die eindeutig in die Technik des Schmiedeeisens vorführen, gehen zweifelsfrei aut metallische Schildverstärkungen zurück (..)“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[2]

Zudem werden Figuren und Wappenmotive wie das Mauerankerkreuz in der heraldischen Literatur teilweise als Nachahmungen von Schildbeschlägen interpretiert oder sogar als „Schildbeschlag“ gemeldet.

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Motive: Heraldischer Widerhall von Schildverstärkungen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S.
  2. Galbreath, D. L.; Jéquier Léon: Handbuch der Heraldik. Augsburg 1990. S. 30.