Schneckenkreuz

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Schneckenkreuz
 
(gemäß WBO, Nr. 0364)
 
1155: Schneckenkreuzartige Schildversteifung/-verstärkung, auf die Schneckenkreuz-Motive in Wappen zurückzuführen sind.
13. Jhr.: Mittelalterlicher Ritter mit V-Schild; Bild: British Library, Sloane 2435, f. 85
Schneckenkreuz bei den Sachsen in der Schlacht bei BouvinesW-Logo.png, 1214 (König Philipp II. am Boden liegend; Darstellung aus der Chronica Majora des Matthäus Paris, 13. Jhr.)
Gehäuse einer Schnecke

Das Schneckenkreuz (auch Volutenkreuz oder eingerolltes Kreuz genannt; frz.: croix recercelée; engl.: cross recercely) ist in der Heraldik eine Bezeichnung für ein griechisches Kreuz, bei dem sich die vier Kreuzarme am Ende jeweils in zwei VolutenW-Logo.png beziehungsweise in zwei „schneckenartig-gekrümmte“ Bögen oder Spiralen „ein-/ausrollen“ respektive ein-/ausbiegen.

Das Motiv wird in der heraldischen Literatur gewöhnlich den Sonderformen Kreuz respektive den gemeinen Figuren zugeordnet. Ursprünglich ist es weder das eine, noch das andere, sondern ist auf Schildversteifungen/-verstärkungen, die zugleich mehr oder weniger zur Verzierung dienten, zurückzuführen.

Darstellung

Das Schneckenkreuz erscheint in der heraldischen Literatur nicht einheitlich. Die Voluten an den Kreuzenden sind je nach Quelle oder Wappen unterschiedlich ornamiert und verschieden stark eingerollt oder eingebogen. Mal laufen die eingerollten Kreuzenden in Anlehung an ein Ankerkreuz in Spiralenspitzen aus, mal sind sie komplett abgerundet. Die Länge des Quer- und des Längsbalkens ist in der Heraldik teilweise nicht mathematisch oder geometrisch exakt gleich, sondern das Schneckenkreuz füllt den Schild (respektive den Platz, worin es steht) möglichst aus.

„Schneckenkreuz n; auch Volutenkreuz n: ein Ankerkreuz mit volutenförmig eingerollten, gespreizten Enden (..)“

Comitee International d'Histoire de l'Art (1992)[1]

Abgrenzung

Das Schneckenkreuz ähnelt dem Mühleisenkreuz und dem (gemeinen) Ankerkreuz. Die drei Formen sind in heraldischen Darstellungen nur sehr schwer oder gar nicht zu unterscheiden. Im Einzelfall sind die Wappenbeschreibung, Wappenstifter oder Wappenführender hinzuzuziehen, um das Motiv zu bestimmen. In der Früh- und Blütezeit der Heraldik grenzte man diese Kreuzformen nicht exakt voneinander ab. Erst in der jüngeren Heraldik gibt es das Bestreben, zwischen den drei (und weiteren, ähnlich aussehenden Wappenmotiven) zu unterscheiden:

  • Mühleisenkreuz: die Rundungen der zwei gebogenen Spitzen an jedem Kreuzarm sind nur schwach ausgeprägt. Die Kreuzarmeenden gleichen Mühleisen.
  • (Gemeines) Ankerkreuz: die Rundungen der zwei gebogenen Spitzen an jedem Kreuzarm sind stark („ankerförmig“ oder „sehr lockig“; engl.: „very curly“) ausgeprägt. Die Kreuzarmenden gleichen Widder-Hörnern oder einem stilisierten Anker.
  • Schneckenkreuz: die Rundungen der zwei gebogenen Spitzen an jedem Kreuzarm sind komplett spiral- beziehungsweise kreisförmig („schneckenförmig“) gewunden.
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Ankerkreuz
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Mühleisenkreuz

Wappenbilderordnung

Gefaltetes Kreuz

Das Gefaltete Kreuz, das entfernt an ein Schneckenkreuz erinnert und teilweise in der Literatur oder von Laien mit diesem verwechselt wird, gilt als unheraldisch.

Gefaltetes Kreuz: unheraldisches Kreuz, dessen Arme aus oben eingerollten Zetteln bestehen. Dieses nur im Gesamtwappen der Grafen von Waldeck-Eisenberg und Waldeck-Wildungen nachzuweisende Kreuz war das Wappenbild der zu diesen Linien gehörenden Herrschaft Wiesen. Beide Linien wurden von den Söhnen des Grafen Volrad I. (1444-1474) gestiftet.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[2]

Andere schneckenkreuzartige Illustrationen

Weblinks

 Commons: Eingerolltes Kreuz in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Comitee International d'Histoire de l'Art, Rudolf Huber, Renate Rieth: Kirchengeräte, Kreuze und Reliquiare der Christlichen Kirchen. 1992.
  2. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S.