Fischgeschwänzt

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Anglo-amerikanische Variante eines Pferdes mit Fischschwanz (Seepferd) nach James Fairbairn

Der Begriff fischgeschwänzt (frz.: mariné; engl.: marined, sea-...) ist ein Fachausdruck in der Heraldik und wird bei der Wappenbeschreibung verwendet, wenn Menschen oder Wappentiere von der Hüfte abwärts mit einem Fischschwanz/Fischschweif im Wappen dargestellt werden, der auch gespalten sein kann, wie es bei der Meerfrau vorkommt.

Zu den fischgeschwänzten Gestalten sind TritonenW-Logo.png, Seepferde, Fischgreif, Seelöwe, Meerfrau, Wasserfrau, MelusineW-Logo.png und andere Phantasiegestalten wie fischgeschwänzte Elefanten, Wölfe, Ziegenböcke und so weiter hinzuzurechnen.

Geschichte

In älteren heraldischen Schriften werden Tiere mit Fischschwanz auch Mörwurm genannt.[1] Im Allgemeinen lehnen sich Darstellungen der fischgeschwänzten Wesen der Heraldik an die tradierten Vorbilder aus der bildenden Kunst an. Wie fest verankert fischgeschwänzte Fabelwesen im Bewußtsein der Zeitgenossen in der Frühzeit des Wappenwesen waren, zeigen zum Beispiel die Bilder an der Kirchendecke von St. Martin in ZillisW-Logo.png. Die Deckenbilder (153 quadratischen Bildtafeln) wurden um 1109 bis 1114 gemalt. Sie stellen eine Vielzahl jener fischgeschwänzter Wesen dar, die später fester Bestandteil der Heraldik wurden (z. B. Ziegenbock, Einhorn, Elefant, Löwe, Wolf, Eber, Widder, Rehbock, Hahn, Gans, Fuchs, Hirsch, Kamel, Bär, alle mit Fischschwanz sowie Nereidenkind, Mann, Affe usw. als Reiter von fischgeschwänztes Tieren, Sirenen und etliches mehr).

Symbolik

In der christlichen Ikonografie des Mittelalters können das Meer und die unbekannten, fischgeschwänzten Wesen, die nach der Vorstellung der damaligen Menschen darin „leben“, Abbild des Chaos sein. Beispielsweise erscheinen die fischgeschwänzten „Ungeheuer“ an der Kirchendecke von St. Martin in ZillisW-Logo.png bewußt am Rand:

„(..) In den Randfeldern erstreckt sich die Zone des Meeres als Abbild des Chaos. Dargestellt sind die Bereiche der Schöpfung, in denen die christliche Heilslehre, im wahrsten Sinne des Wortes, an ihre Grenzen stößt. Hier tummeln sich Sirenen und Nereiden, Wasserungeheuer, aber auch zahlreiche Landtiere, jedoch alle mit Fischschwanz als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu jener dämonischen Welt des Grauens. Die Botschaft ist eindeutig. Im Zentrum steht das Heil (..) Wer sich von diesem Zentrum entfernt, gerät in die Nähe des Abgrunds, wird zur Beute dieser Fabelwesen und droht das ewige Seelenheil zu verlieren.“

Wolfgang Metternich (2011)[2]

Siebmacher Seejungfer.jpg

Beispiele

Im Schild: Fischschwanz, der mit einer Meerjungfrau im Oberwappen verbunden zu sein scheint
(Wappen Šimon Lomnický z BudceW-Logo.png)

Wappenbilderordnung

„Fischgeschwänzt“ sind in der Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) zum Beispiel Tiere oder Menschen, welche in Fischschwänze auslaufen (Nummer 6200 bis 6299 sowie 6700 bis 6739, auch -766).

Siehe auch

Literatur

  1. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 276.
  2. Wolfgang Metternich: Teufel, Geister und Dämonen. Das Unheimliche in der Kunst des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt. 2011. ISBN 9783534220397 S. 65 f.


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Fischgeschwänzt“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 14. Juli 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.