Zinne (Heraldik)

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Zinne
Faktisch
 
 
Durch eine Zinne geteilt
(nach WBO, Nr. 0151-115)

Die Zinne (früher mißverständlich auch Scharte genannt; frz.: (..) à un créneau, crenelé; engl.: (..) escartelly oder embattled) ist in der Heraldik eine besondere Begrenzungs-/Teilingslinie in Form einer rechtwinklig-quaderförmigem Hervorragung, die meist in Zusammenhang mit Heroldsbildern verwendet wird.

Darstellung

Wehrplatte eines Turms, die mit einer Brustwehr mit Zinnen bewehrt ist.

Die Zinne stellt an einer Teilungslinie einen „quaderförmigem“ Absatz dar und ist, wenn nicht anders gemeldet, zum oberen Schildrand gerichtet (ihr Pendant, die Scharte, ist, wenn nicht anders gemeldet, zum unteren Schildrand gerichtet). Das Zinnenmotiv ist den schildförmigen und gemauerten AufsätzenW-Logo.png auf Wehrmauern nachempfunden, die als Deckung der Verteidiger gegen die Fernwaffen der Angreifer dienten.

Die Darstellung der Mauern, Türmen und Palisadenzäunen im Wappen werden als gezinnt oder zinnenweise geteilt beschrieben, wenn der obere Rand der Figur durch Zinnen gestaltet ist.

Bei der Teilung eines Wappenschilds mit einer Zinne (frz.: „coupé à un créneau“; engl.: „per fess escartelly“) wird die Begrenzungslinie der Teilung in der Schildmitte nach oben quadratisch (oder annähernd quadratisch) ausgezogen.

Neben der gemeinen Zinne kennt die Heraldik mehrere Ausprägungen der Zinnenfigur, die als solche zu melden sind, zum Beispiel:

Viele Wappenfiguren und Teilungsarten werden im Wappenwesen mit dem Zusatz „Zinne[..]“ bezeichnet, darunter zum Beispiel Zinnenbalken, Zinnenfuß, Zinnenschnitt und so weiter.

Zinnenschnitt

„Gezinnt“, „zinnenförmig“,
„im Zinnenschnitt ...“
Muster-Zinnenschnittlinie.png
 
geteilt
(Zinnenteilung)
 
gespalten
(1889: Zinnenspaltung; nach Siebmacher)
Zinnen auf den Mauern in der Nähe der Kirche Hagia Triada

In der Wappenkunde lehnt man sich in Form von Wappenschildteilungen an die Darstellung von mehreren echten Zinnen an. Die Teilung mit mehreren Zinnen gehört zu den Wappenschnitten und wird als Zinnenschnitt bezeichnet.

„Die neuere Heraldik zählt die entstandenen Zinnen, bei der alten Heraldik war dies gleichgültig.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Bei mehr als zwei rechtwinkligen Zinnen im Wappen wird die Teilung heute als: „mit [Anzahl] Zinnen geteilt“ gemeldet. Die [Anzahl] wird unter Berücksichtigung von je zwei halben Zinnen am Schildrand um eine erhöht. Der Heraldiker Bernhard Peter empfiehlt 2009 im Zusammenhang mit Wappenbeschreibungen folgende Terminologie:

„(..) Bei geringen Anzahlen wie einer oder zwei oder auch drei Zinnen benennt man üblicherweise die Anzahl der Zinnen oder Scharten. Also: Mit zwei Zinnen geteilt, mit zwei gestürzten Zinnen geteilt etc., bei mehreren bis vielen Zinnen zählt man sie nicht mehr, sondern man spricht nur noch von gezinnt oder zinnenförmig geteilt oder von einer Zinnenteilung. Es erfüllt auch die Kriterien eines Zinnenschnittes, deshalb ist auch diese Bezeichnung legitim. Im Französischen hieße »gezinnt geteilt« ‚coupé crénelé‘, im Englischen ‚per fess embattled‘, natürlich bei anderen Anwendungen (..) auf eine Teilung ‚XYZ crénelé‘ bzw. ‚XYZ embattled‘.“

– Bernhard Peter (2009)[2]

Bei zum Schildhaupt gerichteten Zinnen ist die Richtung nicht notwendigerweise zu beschreiben (blasonieren).

Zinnenbalken

um 1460: Oben gezinnter Balken (LuternauW-Logo.png)

Ein Balken mit aufgesetzten Quadraten in gleichlangem Abstand (Zinnen) wird als Zinnenbalken blasoniert. Sind sie auch auf gleicher Position an der Unterseite vorhanden, ist es ein Gegenzinnenbalken, sind sie versetzt, ein Wechselzinnenbalken wie im alten Wappen der Grafen von BergW-Logo.png. Anstelle der quadratischen Zinnen können Flach- (halbe Höhe, doppelte Länge), Kreuz- (Flachzinne mit Kreuz), Breit- (schwalbenschwanzförmig), Pfropf- (aufgesetzte Scheibe), Joch- (ausgeschnittene Scheibe), Spitz- (aufgesetztes Dreieck), Welsch- (ausgeschnittenes Dreieck), Rochzinnen (aufgesetzte, nach außen gebogene Hörner) stehen. Die Welschzinne heißt auch Kerbzinne, Schwalbenschwanzzinne, Scaliger- oder Ghibellinenzinne.

Zinnenfuß

Der „Zinnenfuß“ ist ein Schildfuß, der vom übrigen Wappenfeld durch die mit Zinnen besetzte Teilungslinie getrennt ist.

„Gezinnter Schildfuss (Tafel III. Figur 105.): heisst der Schildfuss, dessen Abgrenzungslinie vom Schilde im Zinnenschnitt geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Zinnenschildhaupt

Das „Zinnenschildhaupt“ (auch gezinntes Schildhaupt oder ähnlich genannt; englisch chief crenellé) ist ein Schildhaupt, das vom übrigen Wappenfeld durch die mit Zinnen besetzte Teilungslinie getrennt ist.

Gegenzinnen

Stehen sich bei einem Wappenmotiv Zinnen direkt oder spiegelbildlich gegenüber, werden diese als Gegenzinnen bezeichnet (lateinisch undique contra pinnatus; französisch brétessé). Oswald bestimmt dagegen die Gegenzinnen irrtümlich mit versetzten (wechselnden) Zinnen (=Wechselzinnen).[5]

Wechselzinnen

Stehen sich bei einem Wappenmotiv Zinnen nicht direkt gegenüber, sondern um eine Zinne versetzt, werden diese als verschoben oder als Wechselzinnen bezeichnet.

Schrägteilung mit Zinnen

Mit Zinnen (oder zinnenförmig) linksgeschrägt (Tafel VII. Figur 82) durch Mauer linksgeschrägt (Tafel VII. Figur 83): diese Teilung ist deshalb häufiger vorkommend, weil man aus dieser Art Mauer Tiere oder menschliche Körperteile (Rümpfe, schwertbewaffnete Arme) leicht wachsen lassen kann. Es hier darauf zu achten, ob, wie in Figur 83. während die eigentliche Mauerlinie schräglinks geführt ist, die Zinnen oben waagerecht geführt und die Mauer ebenso gefugt ist, oder ob (..) auch die Zinnen und die Mauerstriche schräg geführt sind (also ähnlich wie Figur 86. und Figur 64., siehe nachstehend Abschnitt Schrägzinnen – Anmerkung der Redaktion).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Schrägzinnen

Schrägzinnen
Araldiz Manno 221D.png
 
Durch drei Schräglinkszinnen
 
Durch drei Schräg(rechts)zinnen
von Silber und Rot geteilt

Ist ein Zinnenquader schräg angesetzt/verstutzt, handelt es sich um eine Schrägzinne; wenn die Zinne heraldisch schrägrechts verstutzt wird, kann sie als „Schrägrechtszinne“ angesprochen werden, bei einer schräglinken Verstutzung als „Schräglinkszinne“. Dementsprechend ist bei einer Teilung zwischen einem Schräg(rechts)zinnenschnitt und einem Schräglinkszinnenschnitt zu unterscheiden. Auch bei einer Spaltung mittels Schrägzinnen sollte die Richtung der Verstutzung angezeigt werden („nach oben“ oder „nach unten“). Bei einer Schrägteilung muss die Richtung der Verstutzung nur gemeldet werden, wenn der Schrägzinnenschnitt nicht parallel zur jeweiligen Schrägteilungslinie erfolgt.

Schrägzinnenförmig geschrägt (Tafel VII. Figur 64): wenn (die Schrägteilungslinie) im Schrägzinnenschnitt gezogen ist. Dagegen muss Tafel VII. Figur 73. als eine silberne Schrägmauer mit 3 Freizinnen, mit Schiessscharten und schwarzen Mauernstrichen angesprochen werden. Dass die Zinnen und Mauerstriche parallel der Mauerkrone abgeschrägt und nicht wie bei Figur 83. waagerecht geführt sind (zum Beispiel im Wappen der neuerdings geadelten preußischen Familie von Ziegler) braucht nicht besonders gemeldet zu werden.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

Ein harmonisches, inverssymmetrisches und einfaches Beispiel für Schrägzinnen findet sich im Wappen der Familie Örtel/Oertel, Nürnberg, in dem eine in sich verzahnte Schildteilung dargestellt wird. Diese wird in der Literatur nicht einheitlich beschrieben, sondern beispielweise entweder silbern-rot oder rot-silbern folgendermaßen blasoniert:

  • mit eineinhalb Schrägzinnen schräggeteilt
  • mit einer Gegenschrägzinne schräggeteilt
  • mit zwei gegeneinandergekehrten Schrägzinnen schräggeteilt
  • von Silber und Roth mit 4 aufwärts gehenden Ästen, deren oberster roth ist, in der Länge geteilt[8]
  • gespalten (silbern-rot; rot-silbern), einmal links und einmal rechts ausgeeckt

Welsche Zinnen

Welschzinne
 
Teil einer Figur
Geteilt durch welsch­ge­zinnte, gefugte Mauer mit Schieß­schar­ten
 
Heroldsbild
Mit welscher Zinne geteilt (nach WBO, Nr. 0151-128)
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Welsche Zinne

Das Heroldsbild Welschzinne erscheint an einer Teilungslinie als „quaderförmige“ Absatz, genauer als Zinne), die keilförmig respektive dreieckig eingeschnitten („ausgeschnitten“, „eingespitzt“) ist.

Zinnenfeh

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Zinnenfeh

Die Zinnenfeh ist eine Tinktur in der Heraldik.

Pfähle mit Zinnen

Schrägbalken mit Zinnen

Galerie

Zinnen im Wappen derer von Ortenburg

Das Stammwappen derer von Ortenburg zeigt einen schrägrechten silbernen Wechselzinnenbalken auf rotem Grund. Aufgrund verschiedener Erbstreitigkeiten wurde das Wappen mehrfach verändert. Außerdem lehnen sich viele anderen Wappen an das Wappen derer von Ortenburg an.

Weblinks

 Commons: „Gezinnte“ und „zinnenförmige“ Heroldsbilder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Zinnenbalken in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestalten mit Zinnen in der Heraldik (Teil 1). Zuletzt bearbeitet: 2009. Abgerufen: 03. Mai 2022
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestalten mit Zinnen in der Heraldik (Teil 2). Zuletzt bearbeitet: 2009. Abgerufen: 03. Mai 2022
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestalten mit Zinnen in der Heraldik (Teil 3). Zuletzt bearbeitet: 2009. Abgerufen: 03. Mai 2022

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889/1890. S. 19. Tafel 3. Figur 51. bis 56. Reprint on Demand. Universtitäts- und Landesbibliothek Tirol. 2009. ISBN 3-226-00671-1.
  2. 2,0 2,1 Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestalten mit Zinnen in der Heraldik (Teil 1). Zuletzt bearbeitet: 2009. Abgerufen: 03. Mai 2022
  3. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 144 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889/1890. S. 23. Tafel 3. Figur 105. Reprint on Demand. Universtitäts- und Landesbibliothek Tirol. 2009. ISBN 3-226-00671-1.
  5. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 148 (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]): Gegenzinnen: beiderseitig mit Zinnen versehene Balken, Schrägbalken oder Pfähle, deren untere Zinnenreihe gegenüber der oberen versetzt ist.
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 46
  7. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 45
  8. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789. S. 62. § 34