Halbierung

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13. Jhr., Beispiel einer Hal­bie­rung: Am Spalt vorne 3 halbe englische Löwen (Leoparden) hinten ein halber Adler;
Wappen von Otto IV.; gebildet aus:
* Persönliches Einzelwappen (England) * Amtswappen (Deutschland)

Die Halbierung (auch Dimidiation[1] genannt; lateinisch dīmidiātio[2] von dīmidiāre ‚halbieren‘; englisch dimidiation) war in der Heraldik eine kurzlebige Verschränkungsmethode, um die entgegengesetzten, halbierten Wappenbilder zweier Einzelwappen in einem Gesamtwappen miteinander zu „vereinen“ bzw. heraldisch miteinander zu kombinieren.

Die heute veraltete „Halbierung“ erfolgte meist durch vertikale Spaltung, seltener durch horizontale Teilung oder durch Schrägteilung.[3] Die vertikale Dimidiation des Schildes wird auch pfahlweise geteilt, in planchweis partieren, in planckweis geteilt oder ähnlich genannt.[4]

Darstellung

Die „Halbierung“ ist zwar eine Verschränkungsmethode, aber sie ist grundsätzlich von einer sogenannten „Verschränkung“ (mittels Spaltung, Teilung, Schrägteilung etc.) zu unterscheiden. Während bei der Anwendung der letztgenannten Methode (unabhängig von der jeweiligen Schildform) die kompletten Wappenbilder zweier Einzelwappen nebeneinander im selben Gesamtschild kombiniert sind, wird bei der „Halbierung“ die heraldisch rechte Hälfte eines Einzelswappens mit der heraldisch linken Hälfte eines zweiten in einem Gesamtwappen vereint.

Bei der Halbierung ist oft (aber nicht immer) die rechte Hälfte dem „wichtigeren“ Schild entnommen und die linke dem anderen.[5] In der patriarchalisch orientierten Gesellschaft der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens bedeutete dies beispielsweise, dass sich im Falle einer Ehe und einer Wappenvereinigung auf der heraldisch rechten Seite des Gesamtwappens die rechte Hälfte des Einzelwappens des Mannes und auf der linken Seite die linke Hälfte des Einzelwappens der Frau befand.

Ursprüngliche Wappen
Beispiel für die Halbierung
  • Gesamtwappen (mit halben Wappenbildern der Einzelwappen):
    Gespalten von Silber und Blau, vorne ein halbes gemeines rotes Kreuz am Spalt, hinten ein halber goldener Kreisring am Spalt.
Dimidiation demo.svg
Beispiel für die Verschränkung (mittels Spaltung)
  • Gesamtwappen (mit vollständigen Wappenbildern der Einzelwappen):
    Gespalten von Silber und Blau, vorne ein gemeines rotes Kreuz, hinten ein goldener Kreisring.
Impalement demo.svg

Die „Halbierung“, von der es nach dem Heraldiker Arthur Charles Fox-Davies nur wenige Beispiele vor allem in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gibt, ist seiner Meinung nach zeitlich später zu datieren als die „Verschränkung“, wie wir sie heute kennen.[6] Andere Autoren scheinen davon auszugehen, dass die „Halbierung“ der heute gebräuchlichen Verschränkung vorausging, da die Halbierung zu vielen ästhetischen „Entstellungen“ führte, die man leicht verhindern konnte, wenn man statt der „halben“ Wappenbilder die „vollständigen“, manchmal ein wenig vereinfacht, in einem Gesamtwappen zusammenschob.[7][5]

„Entstellung“ durch Halbierung

Seltsames Doppelmotiv nach Anwendung der Halbierungs­me­tho­de (vorne Löwe, hinten Schiffs­rumpf) und Farbverletzung (Rot-Blaue-Spaltung)
(Heraldik der Cinque PortsW-Logo.png; hier: DoverW-Logo.png)

Die Methode der „Halbierung“, bei der man zwei Wappenbildhälften in einem einzigen Schild aneinander schiebt, setzte sich aus mehreren Gründen nicht allgemein durch.

Einerseits ergaben sich sich durch die Anwendung der Halbierungsmethode oftmals halbverstümmelte Wappentiere, Hypriden beziehungsweise seltsame Doppelmotive (beispielsweise ein Art „Löwenschiff“, also eine Figur, dessen vordere Hälfte aus einem Löwen und dessen hintere aus einem Schiffsrumpf besteht); regelmäßig bedingte die Anwendung auch die Verletzung heraldischer Grundregeln, wonach beispielsweise weder Farbe auf Farbe noch Metall auf Metall zu legen sind (beispielsweise ist das Wappen von DoverW-Logo.png Rot-Blau gespalten, was als unheraldisch gilt).[5]

Teils wurden durch die Halbierung der originären Einzelwappen Figuren, wie der Sparren, das Kreuz oder das Schrägkreuz bis zur Unkenntlichkeit entstellt (beispielsweise entsteht durch die Kombination der rechten Hälfte eines Schräglinksbalkens mit der linken Hälfte eines Schrägrechtsbalkens nach Anwendung der Halbierungsmethode als Ergebnis einfach ein [erniedrigter] Sparren, wodurch die Tatsache verborgen wird, dass zwei Wappen kombiniert wurden).[7]

Ursprüngliche Wappen
Beispiel für eine Entstellung durch die Halbierung
  • Gesamtwappen:
    In Silber ein roter Sparren.
Dimidiation, worse case demo.svg

Halbierung eines Bordes

Bei der Halbierung eines Wappens mit einem Bord (oder einem Innenbord, Zwillingsinnenbord etc.) ist zu beachten, dass der Bord im Gesamtwappen nicht entlang der Halbierungslinie „geschlossen“, sondern „zerschnitten“ dargestellt wird. Diese Regelung wird gewöhnlich auch bei einer Verschränkung angewendet.

Weblinks

 Commons: Halbierung in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Andreas Janek: Wunderbare Wappenwelt Deutschland und Sachsen-Anhalt Band 1: Allgemeines zur Heraldik, der deutsche Adler und das Landeswappen von Sachsen-Anhalt. Books on Demand, 03.12.2019. ISBN: 3750418764. S. 120-122, 131-132.
    (Kommentar in eigener Sache: Der Autor übernahm Bilder aus Wikimedia Commons und Informationen aus den freien Beiträgen des vorliegenden Heraldik-Wiki, verzichtete aber, soweit es für uns überprüfbar war, bedauerlicherweise auf die Nennung der Heraldik-Wiki-Autoren und auf exakte Verweise auf die entsprechenden Heraldik-Wiki-Artikel durch URL oder ähnliches. -- Anmerkung der Redaktion).
  2. Karl Ernst Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch. Digitale Bibliothek. Band 69. Berlin, 2002. S. 18225 (vgl. Georges: LDHW. 8 Aufl. 1913/1918. Bd. 1. S. 2171)
  3. Felix Hauptmann: Wappenkunde. München und Berlin. 1914. S. 28 f. (zusammen mit: Wilhelm Ewald: Siegelkunde; vgl.: Textarchiv – Internet Archive)
  4. Claudia Brinker-von der Heyde, Claudia Brinker: Von manigen helden gute tat: Geschichte als Exempel bei Peter Suchenwirt. Band 30 von Wiener Arbeiten zur germanischen Altertumskunde und Philologie. Bern, 1987. S. 254. ISBN 3261037644.
  5. 5,0 5,1 5,2 Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 218 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
  6. Arthur Charles Fox-Davies: A Complete Guide to Heraldry. 1909. S. 182, 523-525. (or http://www7b.biglobe.ne.jp/~bprince/hr/foxdavies/index.htm Digitalisat)
  7. 7,0 7,1 Wikipedia contributors. (2020, August 24). DimidiationW-Logo en.png. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 02:45, Dezember 11, 2020, from https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dimidiation&oldid=974663631