Mais (Heraldik)

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Zwei (aufrechte) Maiskolben mit Hüllblättern (Diepoldsau, Schweiz)

Mais (lokal auch mahis, Maytz, Maiz, Mays, Kukuruz, Welschkorn, Türkisch Korn, Türkischer Weizen, indisches Korn oder ähnlich genannt; frz.: maïs; engl.: maize, auch indian corn) ist im neueren Wappenwesen ein unpräziser Ausdruck für diverse gemeine Figuren, die im weitesten Sinn einer Maispflanze/Maisstaude oder einem Teil derselben (zum Beispiel einem Maiskolben, einer Maisblüte oder ähnlichem) nachempfunden sind.

In der Früh- und Hochblüte der Wappenkultur beziehungsweise zur Zeit der Gotik bis zum Anfang der Renaissance sind diese Wappenmotive nicht gebräuchlich. In der eher klassisch-orientierten Heraldik werden sie daher als mehr oder minder unheraldisch angesehen.

Darstellung

1542: Frühe Illustration von „Türkischem Korn“
(=„Mais“ bzw. „Maispflanze“, aus dem Buch „De historia stirpium commentarii insignes“ von Leonhart Fuchs)

Mais-Figuren erscheinen in Wappen frühestens Anfang des 16. Jahrhunderts (wahrscheinlich noch später), nachdem durch Christoph Kolumbus die Pflanze in der Karibik entdeckt und später in Europa bekannt wurde (1492 erwähnt Kolumbus Mais als Hirse in seinem diario; 1494 sendet d'Anghiera Samen dieser „Hirse“ nach Rom; 1517 zeigen Fresken aus der Gegend von Rom die Pflanze; 1513 erste Erwähnung in Frankreich; 1539 schreibt Hieronymos Bock über das „Welsche Korn“; 1542 erscheint die älteste wissenschaftliche Abbildung vom „Türckischen Korn“ bei Leonhard Fuchs[1]). Im Wappenwesen dominieren zwei Darstellungen: Mais als ...

  • Maispflanze/Maisstaude
  • Maiskolben (das ist der Fruchtstand, der Maispflanze)

Maispflanze/Maisstaude

Die Figur Maispflanze (auch Maisstaude genannt; frz. plante de mais; engl.: maize oder indian corn) erscheint aufgerichtet, mit breiten, langen, wechselstämmig an langem Halm angeordneten Laubblättern und am Gipfel befindlichen Blütenstand (Rispe von Staubblüten). Am Halm einer Figur sind gewöhnlich mehrere (stengellose) Maiskolben mit Hüllblättern drapiert (Fruchtstand). Deren Anzahl/Position kann je Pflanze gemeldet werden; unterbleibt die Meldung, obliegt die genaue Anzahl/Darstellung der Maiskolben je Pflanze dem Wappenzeichner, ist aber im Rahmen der Gesamtharmonie des Wappens umzusetzen. Bevorzugte Farbgebung für die Maispflanze sind Grün und Gold; manchmal werden die Maiskolben kontrastierend beziehungsweise andersfarbig zum Rest der Pflanze tingiert (zum Beispiel: grüne Maispflanze mit goldenen Maiskolben). Die Stellung mehrerer Maispflanzen in einem Wappen zueinander folgt den heraldischen Regeln, zum Beispiel 2:1 gestellt, balkenweise, pfahlweise oder ähnlich. Maispflanzen können gekreuzt, fächerförmig, im Dreipass, dreiecksweise, garbenweise und anders erscheinen. Die Maispflanzen können im Feld stehen oder eine andere Wappenfigur (Balken, Pfahl, Schildhaupt und so weiter) belegen.

Nach Rietstap und anderen kommt die Maispflanze zum Beispiel im Wappen der französische Familie Garat vor.

Wappen Beschreibung
Orn ext comte sénateur de l'Empire ComLH.svg
Blason Dominique Joseph Garat (1749-1833).svg

„Unten rechts: Drei fächerförmig gestellte grüne Maispflanzen mit goldenen Maiskolben im Wappen der Grafen Garat
(hier: Dominique Joseph GaratW-Logo.png, 1749-1833)

Blason: De gueules à une rivière courante posée en bande d'argent accompagnée en chef d'une montagne à trois sommets d'or, et en pointe de trois pieds de maïs du même tigé de sinople ; quartier des comtes sénateurs.

Maiskolben

Frühe Illustration des Maiskolbens in Europa
(aus einem Werk des 17. Jahrhunderts, basierend auf der Arbeit von Gonzalo Fernández de Oviedo aus dem Jahre 1535)

Die Frucht einer Maispflanze beziehungsweise die Figur Maiskolben (kurz: Kolben genannt; frz.: épi de maïs; engl.: corncobs) erscheint in zwei Ausprägungen im Wappen:

  1. ohne Hüllblattwerk
  2. mit Hüllblattwerk umhüllt (einem Hüllblatt oder mehreren Hüllblättern)

Im zweiten Fall kann die genaue Anzahl der Hüllblätter (auch Lieschblätter, Lieschen oder ähnlich genannt; gesprochen /ˈliːʃən/) gemeldet werden. Zudem kann in der Wappenbeschreibung angezeigt werden, ob die Figur mit Stiel/gestielt (frz.: tigé; engl.: stalked, with stalk) oder ohne Stiel (frz.: démanché sans tige; engl.: stalkless) erscheint. Die „normale“ Stellung des Maiskolbens ist in der heraldischen Literatur nicht wohldefiniert beziehungsweise nicht einheitlich festgelegt. Um Mißverständisse zu vermeiden, kann die Stellung des Maiskolbens gemeldet werden, zum Beispiel bedeutet

  • „aufrecht“ oder „mit abwärts gekehrtem Stiel“, daß der Stiel und gegebenenfalls das Hüllblattwerk unter dem Maiskolben erscheinen und derselbe zum oberen Schild-/Feldrand zeigt;
  • „hängend“ oder gestürzt, daß Stiel und gegebenenfalls das Hüllblattwerk oberhalb des Kolbens erscheinen und derselbe zum unteren Schild-/Feldrand zeigt.

Maiskolben erscheinen in Wappen meist in Ein-, Zwei- oder Dreizahl, seltener in Mehrzahl. Maiskolben in Dreizahl werden gewöhnlich 2:1 gestellt, erscheinen aber auch 1:2, garbenweise oder ähnlich. Überwiegend erscheint das Motiv in Gold, wobei eine mögliche Andersfarbigkeit der Hüllblätter stets zu melden ist (beispielsweise: Goldener Maiskolben mit silbernen Hüllbättern).

Mais als Nebenfigur

Manchmal dient ein Maismotiv als Nebenfigur in einem Wappen, wie beispielsweist im Gemeindewappen von Raabau, welches mit Wirkung vom 1. Oktober 2003 verliehen wurde. Wappenbeschreibung: In silbernem schwarz damaszierten Schild ein natürlicher Eisvogel, einer gestümmelten grünen Maisstaude aufsitzend.[2]

Mais als Armatur

Mais-Figuren als „Maispflanze“ oder als „Maiskolben ohne/mit Hüllblättern“ erscheinen außerhalb von Wappenschilden gelegentlich auch als Armatur, insbesondere in Wappen außerhalb Europas, wo Mais primär als Nahrungsmittel genutzt wird (Lateinamerika, Afrika), weniger als Futterpflanze oder Energiepflanze (wie in den Industrieländern).

Wappenbilderordnung

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Miedaner, Thomas: Kulturpflanzen: Botanik - Geschichte - Perspektiven. 2014. ISBN 3642552935. S. 161.
  2. Landesgesetzblatt Steiermark Nr. 72/2003