Distel (Heraldik)

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Distel
 
Blütenstand der Eselsdistel
 
Blütenstand der Silberdistel
 
Stranddistel
 
Blütenstand der Weberdistel

Die Distel (frz.: chardon; engl.: thisle) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die gemeine Figur Distel ist - heraldisch stilisiert - gewöhnlich folgenden natürlichen Distelarten nachempfunden:

  • der EselsdistelW-Logo.png (auch „Schottische Distel“, „Baumwolldistel“ „Wolldistel“ genannt; engl. scotch/scottish thistle, cotton thistle; schwed. „ulltistel“; lat.: onopordum acanthium)
  • der SilberdistelW-Logo.png (lat.: carlina acaulis)
  • der StranddistelW-Logo.png (lat.: eryngium maritimum)
  • der Weberdistel/Weber-KardeW-Logo.png (lat. dipsacus sativus)
  • selten oder gar nicht der MariendistelW-Logo.png (lat.: silybum marianum) oder andere Distelformen

Die genaue Ausführung ist zu melden.

Jede Distelausprägung kann in allen heraldischen Farben erscheinen; die Eselsdistel wird gewöhnlich mit geschlossener Blüte mit blauen Blütenblättern sowie einem Blütenkelch mit Stiel in Grün dargestellt. Eine Distel in Naturfarbe ist in der deutschsprachig-geprägten Wappenkultur nicht gebräuchlich und sollte gegebenenfalls angezeigt werden. Die Blätter der Figur Distel erscheinen stachlig und paarweise angeordnet. Die Seitenansicht der Pflanze wird bevorzugt.

Beim Wappentier Esel wird die Distel gern als Merkmal ins Maul des Tieres gesteckt.

Verbreitung und Verwendung

Wappen der Duchess of York, Sarah FergusonW-Logo.png, vom Vater geerbt: In Gold eine dreiblütige Distel mit unten zwei Blättern, auf der obersten Blüte eine Biene; Wahlspruch: ex adversis felicitas crescit (aus Widrigkeiten wächst Freude)

Familien

„(Die) Distel (Tafel XXIV. Figur 18.) führen zum Beispiel die von Distl in Bayern (blühend). Distelblätter (alias „Stechpalmenblätter“) die von Irwing und von Barton genannt von Stedmann, einen Distelstrauch mit Distelfink die von Stieglitz in Sachsen, drei Distelblätter hat der Eselskopf im Wappen der Freiherren von Riedesel im Maule.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Hoheitszeichen

Die gemeine Figur Distel zählt, wie die Rose und die Lilie, zu den bekannteren „Wappenblumen“. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte sie unter anderem durch die Darstellung auf dem Postament des Vereinigten Königreich von Großbritannien als Zeichnen für Schottland. Im Wappen von Nancy ist die Distel zum Widerstandszeichen geworden. Hier war es Protest zur Annexion von Elsass-Lothringen durch Deutschland. Die Wappendevise in französischer Sprache von Nancy bezieht sich auf die Distel im Wappen und beschreibt die Erscheinungsform der Pflanze: „Qui s’y frotte s’y pique“, was bedeutet : „Wer sich daran reibt, sticht sich daran“.[2] Montreal führt im Stadtwappen und Flagge diese Blume.

Ritterorden

Orden haben die Distel als Symbol gewählt, so der Schottische Orden von der DistelW-Logo.png oder der Orden der Distel in FrankreichW-Logo.png.

Symbolik

  • Die Distel ist für redende Wappen eine geeignete Wappenfigur (zum Beispiel für Familiennamen wie Distl, Distel, Distelfink oder Ortsnamen wie Distelhausen et cetera).
  • Außerhalb der Heraldik gilt die Distel heute als ein Symbol für „Kratzbürstigkeit“.

„In der Antike hieß es, die Distel könne böse Vorzeichen zunichte machen und dämonische Mächte vertreiben. Obwohl sie sonst nur Esel fressen, kann sie auch Menschenspeise werden; wenn eine schwangere Frau sie verzehrt, wird sie einen Knaben gebären. Die »Centum capita« genannte Art erregt unwiderstehliche Liebe beim anderen Geschlecht (eine Äußerung, die Pythagoras zugeschrieben wird). – Da abgeschnittene Disteln ihre Form nicht verlieren, dienen sie als Sinnbilder für Standhaftigkeit und langes Leben (China). – Im christlichen Abendland erinnerte die Stachelpflanze an die Leiden Christi und der Märtyrer, besonders die Kardendistel (»je mehr Leid ihnen zugefügt wird, desto höher wachsen sie empor«). Die weißgefleckte Mariendistel erinnerte an die Muttermilch Mariä und galt als Heilmittel. Märtyrerbilder sind oft von Distelranken umrahmt. – Die Benediktendistel (Cnicus benedictus) ist eine alte Heilpflanze, die als »Kardobenedictenkraut« bei inneren Leiden angewendet wurde (..)“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[3]

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Distel wurde zusammen mit der Silberdistel in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Halmpflanzen und andere kleine Gewächse unter der Nr. 2337 aufgenommen.

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 107
  2. Gert Oswald: Lexikon Heraldik. Bibliographische Institut, Leipzig 1984.
  3. Lemma: Distel. In: Knaurs Lexikon der Symbole. Verlag Droemer Knaur. 1989/1994/1998. S. 228

Weblinks

 Commons: Distel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien