Ski (Heraldik)

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1609: Zwei auswärtsgekehrte Ski (im Siegel von Skien, Norwegen)

Ski (auch Schi geschrieben, manchmal missverständlich auch Skibrett, Schneebrett, Schneeschuh genannt; frz.: ski; engl.: ski) ist neben einigen anderen Utensilien, die im Zusammenhang mit dem „Skifahren“ oder „Skilaufen“ beziehungsweise mit der gleitenden oder der gewichtsverteilten Fortbewegung auf Schnee gebräuchlich sind (Skistock, Skistockteller, Schneeschuh), im Wappenwesen eine gemeine Figur.

In den Quellen ist die Bezeichnung „Ski/Schi“ einerseits vom dänischen ski, =„Scheit“ entlehnt[1], andererseits vom norwegischen ski „Scheit (gespaltenes Holz); Schneeschuh“, das seinerseits von dem gleichbedeutenden altnordischen skíð abstammt und mit dem deutschen Wort Scheit urverwandt ist[2].

Historisches

Obwohl im Kontext der Fortbewegung auf Schnee viele Utensilien teilweise seit Jahrtausenden verwendet werden (vgl. den Skiläufer [norweg. Bølamann] mit Skiern und Stock in den Felsritzungen bei Bøla sowie einen weiteren im Alta Museum; oder die umstrittenen Abbildungen auf der Halbinsel Rødøy in der Kommune Alstadhaug respektive ähnliche Felsritzungen in Zalavrunga am Weißen Meer im nordwestlichen Russland), sind diese in der Frühzeit des Wappenwesens nicht als Wappenmotive gebräuchlich.

WBO Bezeichnung
8653 Schneeschuh,
Skibrett
Muster-Schneebrett.png
8657 Skistock Muster-Skistock.png

Erst in der neueren Heraldik erscheinen zunehmend entsprechende Motive auf den Wappenschilden (beispielsweise im frühen 17. Jahrhundert im Siegel/Wappen von Skien, Norwegen). Die Bennenung dieser Motive in den Wappenbeschreibungen und die heraldische Regeln für ihre Darstellung in einem Wappen stehen noch am Anfang. Die Wappenbilderordnung des Herold führt im Jahre 1996 lediglich zwei Codes (Nr. 8653 und 8657) für derartige Motive an, ohne Beispiele für Wappen zu diesen Motiven zu nennen.[3] Hauptsächlich erscheinen Wappen mit Skiern, Skistöcken, Skistockteller, Schneeschuhen et cetera in der skandinavischen Wappenkultur, kommen aber auch im deutsch- oder polnischsprachig geprägten Wappenwesen vor. Es ist wahrscheinlich, dass die unterschiedlichen Wappenmotive, die mittlerweile rund um das Fahren/Laufen auf Schnee in Wappen geführt werden, in Zukunft in der Heraldik genauer klassifiziert werden. Zu beachten ist dabei, dass in der Umgangssprache früher nicht zwischen „Ski“, „Schneeschuh“, „Schneebrett“ und ähnlichen Gebrauchsgegenständen konsistent unterschieden wurde, innerhalb der Heraldik jedoch möglichst eindeutige Bezeichnungen für jeden Blason obligatorisch sind.

Darstellung

Zwei aufragende schräggekreuzte Ski
(Saalbach-Hinterglemm)
Ski (im Wappen des ehemaligen polnischen Skispringers Adam MałyszW-Logo.png)

Ski

Die gemeine Figur Ski ist dem gleichnamigen langen, schmalen, flachen, vorn in eine nach oben gebogene Spitze auslaufenden (Ski)BrettW-Logo.png aus Holz (heute auch aus Kunststoff oder Metall) nachempfunden. Dieses Brett verfügt zumeist in seiner Mitte über einer Bindevorrichtung (zum Beispiel einer offenen Lederschlaufe), mit der ein Fuß beziehungsweise Schuh mit dem Ski verbunden werden kann. Besonderheiten der Figur (zum Beispiel ähnlich wie moderne „Twintips“W-Logo.png vorne und hinten hochgebogene Skier, Bindemöglichkeiten am Ende der Skier oder ähnliches) sollten gemeldet werden.

Die Figur Ski erscheint im Wappenwesen nicht immer gleich, sondern je nach Wappenaufriss in einer andere „Perspektive“ (teils im Auf-, teils im Seitenriss, teils in einer anschaulicheren Perspektive, in der ein räumlicher Eindruck des Skis mehr zur Geltung kommt). Solange die Darstellung des Motivs der heraldischen Stilisierung gerecht und die Zentralprojektion weitgehend vermieden wird, sollte die geometrische Ausprägung der Figur der künstlerischen Freiheit des Wappenkünstlers obliegen.

Die Figur Ski kommt gewöhnlich in Zweizahl (zum Beispiel schräggekreuzt, sturzsparrenweise oder ähnlich) im Wappen vor, kann aber auch in Einzahl oder in Drei- beziehungsweise Mehrzahl oder mit anderen Wappenfiguren kombiniert werden. Wenn die längliche Figur aus dem Schildrand wächst oder nur teilweise erscheint, ist dies zu melden. Bei nur einem Ski im Wappen ist die Lage der gebogenen Spitze der Figur gewöhnlich nach heraldisch rechts gewendet. In anderen Fällen sollte man sie in der Wappenbeschreibung angeben (zum Beispiel nach links gewendet oder ähnlich). Wenn die gebogene Spitze der Figur zum oberen und der gerade Teil der Figur zum unteren Schildrand gewendet sind, muss dies nicht unbedingt gemeldet werden, kann aber zum Beispiels als „aufrechter Ski“ oder ähnlich beschrieben sein. Ist ein Ski gestürzt oder in einer anderen Weise im Schild oder Feld gestellt, ist dies anzuzeigen. Wenn mehrere Ski im Wappen erscheinen, ist deren Lage zueinander zu melden, wenn sie sich nicht eindeutig oder von selbst erschließt. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich, bevorzugt erscheinen die Figuren in Silber oder Gold. Wird die Bindung des Ski anders tingiert als das Skibrett, ist dies zu melden.

Skistock

Die Figur Skistock (frz.: bâton de ski; engl.: ski-stick oder ski pole) ist dem gleichnamigen hölzernen Stock/StabW-Logo.png nachempfunden, der bei vielen Formen des Skifahrens/Skilaufens zum Abstützen, zum Anschieben, zum Aufrichten, zum Halten des Gleichgewichts und zur Unterstützung des Bewegungsablaufs verwendet wird (heute sind diese Stäbe meist hohl und aus Leichtmetall, Faserverbundkunststoff oder einer Materaialkombination). Am unteren Ende des Skistocks ist in der Regel ein Skistockteller befestigt, der verhindert, dass der Stock beim Einsatz zu tief in den Schnee eindringt. Die genaue Form des „Tellers“ sollte angezeigt werden (siehe nachstehenden Abschnitt). Unterhalb des Tellers läuft der Stock gewöhnlich konisch geformt in einer harten Spitze aus. Erscheint ein Skistock mit einer (ledernen) Halteschlaufe, ist dies zu melden. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich.

Skistockteller

Die Figur Skistockteller (auch Skistockring oder nur Teller genannt; engl.: ski stick ring; frz.: rondelle) ist gewöhnlich dem gleichnamigen historischen Objekt beziehungsweise einem mehrspeichigen Kreisring mit „(ledernen) Riemenspeichen“ nachempfunden. Der Skistockteller sitzt etwa eine Handbreit oberhalb des spitzen Endes eines Skistocks und verhindert, dass der Stock beim Einsatz zu tief in den Schnee eindringt. Je nach Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Ausprägungen des Tellers. In der Regel erscheint ein heraldischer Skistockteller rund und in AufsichtW-Logo.png. Besondere Formen des Skistocktellers (sternförmig, asymmetrisch geformt oder anders), die Anzahl der Speichen oder ihre Lage können gemeldet werden. Im Zentrum der Figur Skistockteller, wo sich die Speichen kreuzen, wird normalerweise (heraldisch stilisiert) durch eine konturierte gleichfarbige runde Fläche ein Stock in Aufsicht angedeutet. Besitzt der Skistockteller an dieser Stelle ein (kreisrundes) „Loch“ („Fenster“, „Durchbruch“), durch das die Schildfarbe sichtbar ist, sollte des gemeldet werden („rund durchbrochener Skistockteller“; „rund durchbohrter Skistockteller“ oder ähnlich). Andere Formen des „Durchbruchs“ (zum Beispiel rautenförmig, oval) oder eine andersfarbige Tinktur des Tellerzentrums sollten genauso angezeigt werden wie beispielsweise hervorgehoben tingierte Riemenlöcher, Schnallen et cetera, die beim realen Objekt der Befestigung der „Riemenspeichen“ dienen. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich.

Schneeschuh

Die Figur Schneeschuh (frz.: planche de ski; engl.: snowshoe) ist dem gleichnamigen Hilfsmittel zur Fortbewegung bei SchneelageW-Logo.png nachempfunden. Dieser ist traditionell aus einer einzelnen Hartholzleiste gefertigt, die zu einem ovalen Ring gebogen, an den Enden befestigt und durch eine Kreuzstange in der Mitte stabilisiert ist. Der Zwischenraum im so erzeugten Rahmen ist gewöhnlich mit einem dichten Netz aus Lederstreifen ausgefüllt und hinter der Kreuzstrebe befindet sich eine Bindevorrichtung mit Lederschlaufe, mit der ein Fuß beziehungsweise Schuh mit dem Schneeschuh verbunden werden kann. Neben der genannten existieren zahlreiche, regional und kulturell voneinander abweichende Konstruktionsformen eines Schneeschuhs. Alle Besonderheiten, die signifikant für die Wappenfigur sind, sollten mit den spezifischen Details gemeldet werden. Ist beispielsweise ein Schneeschuh dreieckig geformt, besitzt er ein Art „Schwanz“, ist eher eine flache Holzkonstruktion als eine Netzkonstruktion et cetera, sollte dies gemeldet werden. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich.

Es ist zu beachten: Auch „Skier“ wurden früher als „Schneeschuhe“ bezeichnet. Aus einer Wappenbeschreibung sollte gegebenenfalls eindeutig und unverwechselbar hervorgehen, ob ein Ski oder ein Schneeschuh im Wappen geführt wird, da die beiden Hilfsmittel sich signifikant voneinander unterscheiden.

Wappenbilderordnung

  • Der Schneeschuh wurde zusammen mit dem Skibrett in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Fahrzeuge, Schiffe und deren Zubehör (Heraldik) unter der Nr. 8653 aufgenommen.
  • Der Skistock wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Fahrzeuge, Schiffe und deren Zubehör (Heraldik) unter der Nr. 8657 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Ski in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Skistockringe in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 523.
  2. H. S. Falk und Alf Torp: Norwegisch-dänisches etymologisches Wörterbuch. 2 Bände Heidelberg 1910–1911.
  3. Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  4. Wappenbeschreibung: „Unter einem roten Schildhaupt, worin zwei gekreuzte silberne Schneeschuhe, gespalten von Blau und Silber vorne drei keilförmige nach rechts gestellte silberne Scheiben, hinten eine grüne Tanne.“
  5. Wappenbeschreibung: „Über Blau und Silber schräglinksgeteilt ein mit goldenen Stiefeln, rotem Rock und Strümpfen auf silbernen Skiern laufender historisch gekleideter Krieger mit rot gezierter Kopfbedeckung, in der rechten Hand eine silbergespitzte rote Lanze und links ein Dreieckschild in Weiß und Rot, gespalten mit je einem runden Zeichen in verwechselten Farben, haltend. Auf dem Schild die dreitürmige goldene Mauerkrone.“