Spielwaage (Heraldik)

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1475–1500: Spielwaage
(Wappen der Mengersreuth nach Wernigeroder Wappenbuch)
Spielwaage als Dekoration
1605: Spielwaage im Wappen der Familie von Mengersreuth
(nach Siebmachers Wappenbuch)

Die Spielwaage (auch Deichselwaage genannt; engl.: draught whippletree) ist im Wappenwesen eine Wappenfigur beziehungsweise eine gemeine Figur. Sie erscheint nur selten in Wappen.

Darstellung

Die Figur Spielwaage ist der gleichnamigen, dreiteiligen AnspannvorrichtungW-Logo.png nachempfunden, die aus drei Zughölzern besteht, die mit weiteren (meist metallenen) Werksteilen beweglich zueinander konstruiert sind. Die Gesamtfigur ähnelt optisch einer Waage (daher der Name). Das größere Zugholz nennt man Waagscheit oder Waagbalken; an die zwei kleineren Ortscheite beziehungsweise Klippschwengel werden die Zugstränge/-leinen befestigt, die den Zug der ziehenden Tiere übertragen. Der Waagbalken dient dazu, die Zugkraft der Pferde aufeinander anzupassen. Ein eher „faules/schwaches“ Pferd soll soviel ziehen wie ein eher „fleissiges/starkes“. Wenn das „faule/schwache“ Pferd trödelt, dann bleibt es insgesamt etwas zurück, während gleichzeitig das „fleissige/starke“ Pferd etwas Vorsprung hat. Da sich die Leinenlänge der Zugstränge nicht ändert, bekommt das „faule/schwache“ Pferd mehr Leine, das „fleissige/stärkere“ weniger. Mit anderen Worten: das „fleissige/stärkere“ wird gebremst, das „faule/schwache“ angetrieben, wodurch insgesamt eine eher gleichmäßgie Zugkraftübertragung entsteht.

Bei der Figur können alle heraldischen Farben angewendet werden; sind Teile einer Spielwaage andersfarbig tingiert, so ist dies zu melden.

Wappen Mengersreuth und Derivate

Bei Siebmacher zeigt der Wappenschild der Familie von Mengersreuth eine silberne Spielwaage auf rotem Grund. In der Helmzier erscheint ein dreiarmiges goldenes Objekt in der Form eines Kerzenständers.

Abgrenzung

Spielwaage
(bei Gritzner mißverständlich Lenkscheit genannt)
  • Bei Maximilian Gritzner wird die Spielwaage mißverständlich als Lenkscheit beschrieben. Ein Lenkscheit ist streng genommen keine waagenartige Vorrichtung, sondern „ein horizontales Holz, welches auf den Armen der Deichsel befestigt ist, damit sich beim Lenken des Wagens der Langbaum oder Langwagen darauf hin und her bewegen kann“[3].

Lenkscheit: Am Wagen, Querholz, das die Arme, welche die Deichsel halten, hinten miteinander verbindet und unter der Langwiede liegt. Es ist für das Lenken des Wagens besonders wichtig.“

Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (1854-1961)[4]

Weblinks

 Commons: Draught whippletrees – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. In der Wappenbeschreibung wird diese Spielwaage irrtümlich als Waagscheit beschrieben, das ist lediglich der größere der drei Zughölzer: „In Grün unter einem dreiteiligen silbernen Waagscheit ein achtspeichiges silbernes Rad.“
  2. In der Wappenbeschreibung wird diese Spielwaage mißverständlich als Lenkscheid beschrieben: „Grün-gold geteilt, oben ein silbernes Lenkscheid mit goldenen Beschlägen, unten eine zweiblättrige grüne Hopfenranke mit zwei Dolden.“
  3. Pierer's Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 270.
  4. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma lenkscheit. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).