Anker (Heraldik)

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1335/1345: Gestürzter Anker (Wappen Werdstain/Wehrstein/Werstein, nach Züricher Wappenrolle, hier nach Runge 1866)
Anker mit Tau im Wappen von IngersheimW-Logo.png, Baden-Württemberg
2016: Anker in der neueren Heraldik (Wappen von Kathy McClurg; Gestaltung: Alexander Liptak)

Der Ausdruck Anker (mittelhochdeutsch anker, enker von lateinisch ancora; französisch ancre; englisch anchor) bezeichnet in der Heraldik eine Wappenfigur, genauer: eine gemeine Figur.

Darstellung

Die heraldische Ankerfigur ist gewöhnlich dem gleichnamigen realen Gerät („Anker“W-Logo.png) nachempfunden. Die Darstellung erfolgt heraldisch stilisiert, die Farbgebung nach dem heraldischen Regelwerk. Obligatorisch für das Motiv sind FlunkenW-Logo.png und das Schwammholz (Querstück unterhalb der Ringes). Am Stock ist ein Ring, durch den wahlweise eine Kette oder ein starkes Tau gezogen wird. Fehlt das Schwammholz, so ist es wie alle anderen Abweichungen zu beschreiben:

Anker (Tafel XXIX. Figur 52. bis 54.): entweder gesenkt (Figur 52. und 53.) oder gestürzt (Figur 54.) ist gleichfalls ein sehr beliebtes Wappenbild. Für gewöhnlich hat er oberhalb des Ringes das sogenannte Schwammholz. Fehlt dieser integrierende Teil, so ist es zu melden. Dass dann, besonders in Wappen alter Geschlechter, der Anker nicht als solcher, sondern als Wolfsangel oder Wurfparte anzusprechen sein möchte, haben wir schon an anderem Ort erwähnt. Der Ring am Haken des Ankers in Tafel XXIX. Figur 52. ist für gewöhnlich nicht vorhanden, muss daher gemeldet werden.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Bevorzugt findet sich die Figur Anker in Wappen von Hafenstädten. Steht der Anker kopfüber, so ist das als gestürzt zu melden.

Eine Ankerfigur wird in der Heraldik oft mit anderen Wappenfiguren kombiniert, beispielsweise indem er mit diesen verschränkt, gekreuzt, schräggekreuzt oder anders zusammengestellt wird.

Mehrere Anker können auch als ein Dreipass im Wappenschild angeordnet werden.

Anker als Nebenfigur

In einem Wappen erscheint eine Ankerfigur zuweilen als Nebenfigur. Beispielsweise wird ein Anker von einer Hauptfigur wie einem Löwen gehalten, wächst aus einer Baumfigur (Esbjerg ) oder ähnliches.

Ankerkreuz-Grundformen
 
(Gemeines) Ankerkreuz
 
Ankerkreuz / Hoffnungskreuz

Ankerkreuz

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Ankerkreuz

Beachte: Es gibt zwei Ausprägungen des Ankerkreuzes: Eine ist nicht aus dem Anker gebildet und hat an den Kreuzarmenden nur Widerhaken; die andere erscheint als eine Art Kombination aus Anker und Kreuz.

Paraheraldik

Anker im Logo der bayernhafen GruppeW-Logo.png

Anker-Motive sind in der Paraheraldik als Logos, Schulembleme, Militär- und Sportvereinsabzeichen etc. verbreitet (beispielsweise in dem wappenähnlichen Logo der bayernhafen GruppeW-Logo.png, wo eine Ankerfigur als eine Art Armatur hinter einem Wappen mit den Bayerischen Rauten erscheint).

Symbolik

Nach Ralf von Retberg ist 1884 ein Anker ein „Sinnbild der Schiffer, Seefahrer und überhaupt der Hoffnung“.[2] Die Hoffnungsdeutung wird von neueren Autoren ebenfalls herangezogen, wenn sie das Ankermotiv auf den Pferdedecken jener Turnierteilnehmer zu erklären versuchen, die in Turnierbuch-Handschriften erscheinen:

„The anchor (..) was a symbol of steadfast hope.“

„Der Anker war ein Symbol der unerschütterlichen Hoffnung.“

Helmut Nickel; Dirk H. Breiding (2010)[3]

Im Lexikon der Symbole steht der Anker nicht nur für Hoffnung, sondern vor allem für „Vertrauen“, „Zuversicht“ und „Erlösung“:

„Anker, in der Mittelmeer-Schiffahrt ein Gerät, dem schon in der Antike als Symbol der Meeresgötter Bedeutung beigemessen wurde. Ein Anker versprach Halt und Sicherheit, wurde daher zum Bild des Vertrauens und der Zuversicht. In vorchristlichen Grabbildern zunächst als Berufsbezeichnung verwendet und Grabstätten von Schiffsleuten bezeichnend, wurde er in frühchristlicher Zeit durch seine Kreuzform ein getarntes Symbol der Erlösung (»Crux dissimulata«). Der Querbalken (»Schwammholz«) unter dem Ring zur Befestigung des Ankertaues legte die Kreuzgestalt nahe, die nur durch die unteren Teile des Ankers verhüllt wurde. In der christlichen Grabplastik wird der Anker oft durch ebenfalls symbolkräftige Fische oder Delphine flankiert. Als Attribut von Heiligen (Clemens von RomW-Logo.png, NikolausW-Logo.png – Patron der Seeleute –, PlacidusW-Logo.png, Johann von NepomukW-Logo.png u. a.) wird der Anker ebenso gebraucht wie in der Wappenkunst, in welcher er besonders Hafenstädte auszeichnet; ebenso das Wappen von Solingen, deren Schutzpatron, St. Clemens, als Märtyrer mit einem Anker am Hals im Meer ertränkt worden war.“

Lexikon der Symbole (1989, 1994, 1998)[4]

Siehe auch

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Anker in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Christliche Symbolik/Anker – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 139
  2. Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 60.
  3. Helmut Nickel; Dirk H. Breiding: A Book of Tournaments and Parades from Nuremberg. Metropolitan Museum Journal, v. 45. 2010. S. 134. (Digitalisat)
  4. Lexikon der Symbole: Anker. Knaurs Lexikon der Symbole, S. 74. (vgl. LdS, S. 31-32). 1989, 1994, 1998.
Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Anker_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 28.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.