Flugzeug (Heraldik)

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Muster: Schrägrechtes Flugzeug in Draufsicht
(nach WBO, Nr. 8931)[1]
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In der Früh-, Blüte- und Verfallszeit des Wappenwesens sind Flugzeugfiguren nicht gebräuchlich.

Flugzeug (englisch aeroplane, airplane oder kurz plane; französisch avion oder aéroplane) ist im ­Zusammenhang mit der neueren Heraldik

  • eine gemeine Figur
  • ein unspezifischer Ober-/Sammelbegriff, der zur Beschreibung unterschiedlicher gemeiner Figuren („Düsenflugzeug, Segelflugzeug, Doppeldecker“ und so weiter) gebräuchlich ist.

Geschichte

Flugzeugfiguren, die sich direkt an die neuzeitliche Luftfahrt anlehnten, fanden inoffiziell spätestens in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Eingang in die neuere Heraldik. Visuell-ästhetisch reagierten die Stifter von Wappen mit Flugzeugfiguren auf die Faszination und Entwicklung der neuen technischen Möglichkeiten dieser Zeit, sich „fliegend“ fortzubewegen. Es drängte sich auf, die neuartige Flug-Dynamisierung bildkünstlerisch auch in Wappen aufzunehmen, insbesondere bei Menschen, die die Geschichte der Luftfahrt besonders geprägt hatten. Gleichwohl gilt in einer klassisch orientierten Heraldik eine Flugzeugfigur bis heute als unheraldisch, als „experimentell“ oder als „Sonderform“, weil sie gewissermaßen einen Wappen-Anachronismus darstellt (Flugzeuge existierten im Mittelalter nicht, als Wappen erstmals als Kulturerscheinung auftraten). Flugzeugfiguren erscheinen daher zwar vereinzelt in Familienwappen, in höherer Anzahl aber nur in Kommunalwappen. Bei der Stiftung, Prüfung und Annahme dieser Wappen nivellieren die Beteiligten gewöhnlich eine Unterscheidung zwischen heraldischen und un- oder paraheraldischen Wappenfiguren.

Flugzeugfiguren in Familienwappen

Familienwappen Karl Jatho

Flugzeug in einem Familienwappen
Karl Jatho 1907-1908 am Steuer seines Zweiflaechers.jpg
1907/1908: Karl Jatho am
Steuer seines Zweiflächers
Flugzeugfigur im Schild­haupt (Grab des Flugpioniers Karl Jatho auf dem Stadt­friedhof EngesohdeW-Logo.png in Hannover)

Das Grabwappen des Flugpioniers Karl JathoW-Logo.png (1873-1933), der nach persönlichen Notizen und späteren notariellen Bestätigungen vorgeblich der erste Mensch gewesen sein soll, der einen motorisierten Flug durchführte, zeigt im Schildhaupt eine nach heraldisch rechts gewendete Flugzeugfigur in Seitenansicht.

Familienwappen Mary Russell, Duchess of Bedford

Doppeldecker in einem Familienwappen
 
Wappen von Mary Russell, Duchess of Bedford
Der heraldisch stilisierte Doppeldecker in dem Wappen steht symbolisch für den Eindecker „Spider“ (Fokker F.VIIW-Logo.png) dem Lieblingsflugzeug von Mary Russell.

Ein frühes Beispiel für die Aufnahme einer Flugzeugfigur in ein Familienwappen ist die perspektivische, nur wenig heraldisch stilisierte Doppeldeckerfigur im inoffiziellen Wappen der Pilotin Mary Russell, Duchess of BedfordW-Logo.png (1865-1937). Das Flugzeug in dem Wappen steht symbolisch für das Lieblingsflugzeug von Mary Russell (den Eindecker „Spider“, das ist die Fokker F.VIIW-Logo.png). Ihr Ehemann, Herbrand Russell, der 11. Duke of BedfordW-Logo en.png wollte das Wappen, dass mit seiner Hilfe gestaltet wurde, durch das College of Arms registrieren lassen; aber das Amt lehnte eine Registratur ab, was der Herzog angeblich mit den Worten kommentierte, dass seine Familie, die Russels, schon vor langer Zeit Wappen geführt haben, die von keinem Herold gewährt wurden.

„(..) and what was done in the past was good enough for his dear wife in her own time.“

„(..) und was in der Vergangenheit getan wurde, war gut genug für seine liebe Frau in ihrer eigenen Zeit.“

Stephen Slater (2002)[3]

Heute bzw. seit nunmehr ca. 80 Jahren (Stand: 2019) hängt das Wappen mit der Flugzeugfigur als Totenschild in Chenies in der Bedford KapelleW-Logo en.png, dem Mausoleum der Russell-Familie.[4]

Familienwappen Sir George Edwards

Verkehrsflugzeug in einem Familienwappen
 
Heckansicht einer startenden Concorde in British-Airways-Lackierung
 
Oben: Fünf Flugzeuge („Concode“) neben­einander (Wappen: Sir George EdwardsW-Logo en.png)

Der britische Flugzeugdesigner und Industrielle Sir George EdwardsW-Logo en.png (1908-2003) führte in seinem Wappen nebeneinander fünf Überschallverkehrsflugzeuge („Concordes“W-Logo.png) in Aufsicht. Sie stehen stellvertretend für seine langjährigen Verdienste in der Luftfahrt.

Familienwappen Genz

In die Wappenrollen des deutschsprachigen Kulturraums des 20. und frühen 21. Jahrhunderts werden Familienwappen mit Flugzeugfiguren nur ausnahmesweise aufgenommen. Beispielsweise registrierte man im Jahre 2006 im 15. Jahrbuch und der 14. Lieferung zur Wappenrolle des Wappen-Löwens das Familienwappen Genz, in dessen Helmzier drei Flugzeuge erscheinen (sinnbildlicher Hinweis auf den FlugzeugbauW-Logo.png).[5]

Flugzeugfiguren in Kommunalwappen

Etwa um die gleiche Zeit, als Flugzeugmotive erstmals in Familienwappen erscheinen, sind diese auch in Kommunalwappen nachweisbar (letzere teilweise früher als erstere). Spätestens ab der zweiten Hälfte des 20. bzw. ab Anfang des 21. Jahrhunderts findet man Kommunalwappen mit Flugzeugfiguren überall in der Welt, wo die Flughäfen, Flugzeugbau/-produktion oder die Luftfahrt im weitesten Sinn eine wichtige Bedeutung für die Menschen einnahmen oder einnehmen (von Europa, über Südamerika bis in den asiatischen Teil Rußlands).

Neben dem Begriff „Flugzeug“ sind -- parallel zur Entwicklung der Luftfahrt -- in den kommunalen Wappenbeschreibungen zahlreiche weitere Ausdrücke für Flugzeufiguren gebräuchlich. Beispielsweise führte das Oberamt BöblingenW-Logo.png (beziehungsweise der Kreis/Landkreis Böblingen) von 1927 bis 1947 ein „Sport-/Leicht­flug­zeug“ im Wappen (die Klemm Kl 25W-Logo.png, die von der Firma Hanns KlemmW-Logo.png produziert wurde, das ist Ende der 1930er Jahre der größte Arbeitgeber in Böblingen). Und von 1930 bis 1937 erschien im Wappen von SchnetzenhausenW-Logo.png als Hinweis auf die Hauptindustrie der Gemeinde in Manzell ein „schräglinks nach unten fliegendes silbernes Flugboot“. Daneben wurden in der heraldischen Praxis weitgehend unsystematisch Ausdrücke wie „Doppeldecker“, „Kampf-/Jagdflugzeug“, „Düsenjäger“, „Düsenflugzeug“, „Segelflugzeug“ oder ähnliches eingeführt. In der heraldischen Terminologie und Theorie stehen dagegen die Benennungen der Flugzeugmotive und die heraldischen Regeln für ihre Darstellung in einem Wappen noch am Anfang. Die Wappenbilderordnung des Herold führt beispielsweise im Jahre 1996 lediglich einen Code (Nr. 8931) für eine Flugzeugfigur an;[1] ignoriert wird die Tatsache, dass vielfältige Flugzeugformen/-typen in offiziellen Kommunalwappen erscheinen, die sich in Benennung und Darstellung heraldisch signifikant voneinander unterscheiden.

Darstellung

In der deutschsprachig geprägten Wappenkultur gibt es bis dato (2019) keine expliziten heraldischen Vorgaben für die Darstellung einer Flugzeugfigur, außer jene, die allgemein für gemeine Figuren gelten. Beispielsweise ist eine Flugzeugfigur wie vergleichbare gemeine Figuren, wenn nichts anderes gemeldet wird, in einem Wappen „steigend“ darzustellen (Normalfall, das heißt, mit der Flugzeugnase zum obereren Schildrand, den Flügeln nach heraldisch rechts und links sowie mit dem Heck zum unteren Schildrand gerichtet). Andere Stellungen sollten explizit angezeigt werden, beispielsweise indem in der Wappenbeschreibung bestimmt wird, „wohin die Flugzeugnase zeigt“: Bei einer „stürzenden“ oder „fallenden“ Flugzeugfigur zeigt die Flugzeugnase zum unteren Schildrand, bei einer „schrägrechten“ in das heraldisch rechte Obereck und so weiter.

In der Normalform erscheinen alle Flugzeugfiguren „fliegend“ (ein EinziehfahrwerkW-Logo.png ist in der Normalform stets „eingeklappt“ bzw. nicht sichtbar). „Stehende“ oder „rollende“ Flugzeugfiguren sind zu melden (und stets mit „ausgeklappten“ Einziehfahrwerk zu gestalten, wenn kein feststehende Fahrwerk vorliegt.)

Projektion

Dreiseitenriss der Blériot XIW-Logo.png

Flugzeugfiguren erscheinen im Wappenwesen in Bezug auf den Standort des Betrachters in unterschiedlichen Varianten, wobei bevorzugt Darstellungen gebräuchlich sind, die in den klassischen Dreiseitenrissen beim Flugzeubau ebenfalls zur Anwendung kommen:

  • Flugzeugfigur in Draufsicht (Normalform, Flugzeugmotiv von oben): das heißt, aus der Perspektive eines Betrachters, der von oben (aus dem Weltraum her) ein Flugzeug unter sich betrachtet.
  • Flugzeugfigur in Seitenansicht (Flugzeugmotiv von der Seite): das heißt, aus der Perspektive eines Betrachters, der von einer Seite her ein Flugzeug betrachtet.
  • Flugzeugfigur in Frontalansicht (Flugzeugmotiv von vorne): das heißt, aus der Perspektive eines Betrachters, der vor dem Flugzeug steht.

Untersichten und Heckansichten von Flugzeugfiguren erscheinen im Wappenwesen nicht oder allenfalls vereinzeilt und ausnahmsweise. Außer der Normalform sollte jede andere Projektion gemeldet werden, anderenfalls obliegt sie der künstlerischen Freiheit des aufreissenden Wappenkünstlers und sollte im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens umgesetzt werden.

Axonometrische Flugzeugfiguren
In der Normalform erscheint die Flugzeugfigur im Wappenschild zweidimensional; der Verzicht auf Perspektive und Dreidimensionalität gilt als heraldisch.[7] In etlichen Wappen werden aber axonometrischeW-Logo.png Flugzeugfiguren dargestellt; manche Heraldikautoren bezeichnen diese Darstellungsweise im Wappenschild als unheraldisch.

Anordnung/Anzahl der Tragflächen

Die Anordnungsmöglichkeit der Tragflächen (von Hochdecker bis Vielfachdecker) kann man in der Wappenbeschreibung angeben (vergleiche die nachstehende Skizzenauswahl):

Form der Tragflächen

Angaben zur Silhouette der Tragflächen (englisch wing planform) einer Flugzeugfigur kann man in einer Wappenbeschreibung machen, muss es aber nicht. Grundsätzlich empfehlen sich entsprechenden Angaben, wenn die Figur in Unter- oder Draufsicht in einem Wappen dargestellt wird und das Schildbild stets einheitlich aufgerissen werden soll. Nachstehende Auswahl zeigt aus der großen Anzahl verschiedenartiger Tragflächenformen ein paar, die im Prinzip bei der Gestaltung einer Wappenfigur eine Rolle spielen können:

Farbgebung

Alle heraldischen Farben sind als Tingierung einer Flugzeugfigur gebräuchlich; bevorzugt erscheint das Motiv in Silber, selten in Schwarz, Blau oder Rot; noch seltener oder gar nicht Gold oder Grün. Werden Teile der Flugzeugfigur (Flügel, Heck, Flugzeugnase, Propeller, Triebwerk) anders tingiert als die Gesamtfigur, ist dies zu melden.

Anzahl der Flugzeugfiguren

Die Flugzeugfigur erscheint gewöhnlich in Ein- oder in Zweizahl in Wappen, gelegentlich aber auch in Mehrzahl. Beispielsweise ist im Wappen von OrlyW-Logo.png, Frankreich ein Sparren mit fünf steigenden Flugzeugen belegt. In der spanischen Wappenkultur ist das Besäen eines Wappenschilds mit vielen kleinen Flugzeugfiguren gebräuchlich.

(Gemeines) Flugzeug

Wird in der Wappenbeschreibung ein „Flugzeug“ ohne besondere Zusätze gemeldet, sollte die Figur im Wappenaufriss -- heraldisch stilisiert -- als Idealbild eines historischen Flugzeugs erscheinen, angelehnt an Flugzeuge, wie sie zu in der Pionierzeit der modernen Luftfahrt gebräuchlich waren (zum Beispiel könnte das heraldische Motiv in etwa der Blériot XIW-Logo.png, der Grade IIGrade IIW-Logo.png, der Etrich TaubeW-Logo.png oder der Dufaux 4W-Logo.png gleichen, ohne deren Merkmale realistisch oder exakt zu kopieren). Flugzeuge spezieller beziehungsweise älterer oder modernerer Bauart (zum Beispiel ein fußstartfähiges Gleitflugzeug wie es von Otto Lilienthal entwickelt wurde oder ein neueres Düsenflugzeug) sollten in einem Wappen nur dann erscheinen, wenn sie explizit gemeldet wurden. Ohne Zusätze in der Wappenbeschreibung obliegt es grundsätzlich der heraldischen Freiheit des aufreissenden Wappenkünsters, die (gemeine) Flugzeugfigur als Ein-, Doppel- oder Mehrfachdecker zu gestalten, solange das entsprechende Wappen unverwechselbar, wiedererkennbar beziehungsweise identifzierbar ist.

Spezielle Flugzeugfiguren

Grundsätzlich empfiehlt es sich, jeder Besonderheit (eine spezifische Flugzeugart/-form, ein spezielles Flugzeugvorbild, ein Merkmal wie „mit/ohne Propeller“ oder ähnliches), in der Wappenbeschreibung anzuzeigen, wenn sie wesentlicher Bestandteil der Flugzeugfigur im Wappen ist. Fehlerhafte Bestimmungen/Aufrisse können minimiert werden, wenn man in einer Wappenbeschreibung nicht einen allgemeinen Ausdruck wie „fünf Flugzeuge nebeneinander“ verwendet, sondern die Flugzeugfigur mit einem Eigennamen wie „(Concorde)“ bestimmt und die Ausprägung der Figur möglichst exakt anzeigt (zum Beispiel: „fünf vierstrahlige Überschall-Passagierflugzeuge mit Deltaflügel in schwanzloser Tiefdecker-Auslegung nebeneinander“).

Doppeldecker

Besonderer Doppeldecker
1903: Wilbur Wright bei der Kontrolle des beschädigten Wright Flyer
Blason ville fr Mulsanne (Sarthe).svg
Oben: Wright Flyer
(MulsanneW-Logo.png)

Die Figur „Doppeldecker“ (französisch biplan; englisch biplane) ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines Flugzeugs aus den Anfängen der Luftfahrt mit zwei übereinander angeordneten Tragflächen nachempfunden (→ „Doppeldecker“W-Logo.png). Eine außergewöhnliche Doppeldeckerform wie beim Wright FlyerW-Logo.png sollte jedoch, falls sie in einem Wappen erscheint, stets als besonders gemeldet werden. Manchmal wird die (gemeine) Figur „Flugzeug“ (siehe oben) als Doppeldeckefigur gestaltet.

Verkehrsflugzeug (Düsenflugzeug)

Die Figur „Verkehrsflugzeug“ (umgangssprachlich Verkehrsmaschine; auch Passagierflugzeug, Reiseflugzeug, Passagierjet, Düsenflugzeug, Düsenverkehrsflugzeug oder ähnlich genannt; französisch avion de ligne; englisch airliner) ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines modernen → „Verkehrsflugzeugs“W-Logo.png nachempfunden. Letzeres wird „von Fluggesellschaften, Frachtfluggesellschaften und Privatbetreibern im öffentlichen Verkehr betrieben“; sein „hauptsächlicher Einsatzzweck (ist) der kommerziell ausgerichtete Transport von Passagieren oder Frachtgut“.[8] Gewöhnlich wird die Verkehrsflugzeugfigur mit Strahltriebwerk dargestellt. Die Anzahl der Triebwerke sollte gemeldet werden (einstrahligW-Logo.png, zweistrahligW-Logo.png, dreistrahligW-Logo.png, vierstrahligW-Logo.png, sechsstrahligW-Logo.png, achtstrahligW-Logo.png). Wird kein modernes Verkehrsflugzeug im Wappen abgebildet, sondern eine historische Verkehrsflugzeugfigur, womöglich mit Propeller wie die Junkers F 13W-Logo.png, sollte das Motiv als solches gemeldet werden. Bevorzugt erscheint eine Verkehrsflugzeugfigur in Frontal- („en face“), Drauf- oder Seitenansicht.

Kampf-/Jagdflugzeug (Düsenjäger)

Die Figur „Düsenjäger“ (auch Strahljäger oder mit Oberbegriffen Kampflugzeug, Kampfflieger, Kampfmaschine, Jagdflugzeug, Jäger, Militärflugzeug, mißverständlich Jagdbomber oder ähnlich genannt; französisch avion de chasse; englisch fighter aircraft, combat aircraft oder ähnlich) ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild ein strahlgetriebenes JagflugzeugsW-Logo.png beziehungsweise dem Idealbild eines überschallschnellen (Mehrzweck-)KampfflugzeugesW-Logo.png nachempfunden (→ „Düsenjäger“W-Logo.png).

Segelflugzeug

Die Figur „Segelflugzeug“ (auch Segelflieger, Segler, Gleitflugzeug oder ähnlich genannt; französisch planeur; englisch glider) ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines Flugzeugs für motorloses Fliegen (Steigen im Aufwind oder Gleiten mit geringem Höhenverlust) nachempfunden (→ „Segelflugzeug“W-Logo.png). Im Gegensatz zu anderen Flugzeufiguren erscheint eine Segelflugzeugfigur in einem Wappen gewöhnlich ohne Motor und ohne Triebwerke; eine Segelflugzeugfigur mit Motor ist explizit zu melden (→ „Motorsegler“W-Logo.png).

Amphibienflugzeug

Die Figur „Amphibienflugzeug“ (französisch avion amphibie oder aéronef amphibie; englisch amphibious aircraft) ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines Flugzeugs nachempfunden, das sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Land starten und landen kann (→ „Amphibienflugzeug“W-Logo.png). Beispielsweise erscheint das Mehrzweck-Amphibienflugzeug Schawrow Sch-2W-Logo.png als heraldische Figur im Wappen von Babushkinsky District, MoscowW-Logo en.png. Die Gemeinde erhielt ihren Namen nach dem Poloarforscher und Piloten Michail Sergejewitsch BabuschkinW-Logo.png und die Amphibienflugzeugfigur steht sinnbildlich für dessen Verdienste bei der Erkundung der Arktis in den 1930er Jahren.

Paraheraldik

Die Flugzeugfigur wird auch in der Paraheraldik genutzt, zum Beispiel als Logo, Militär-/Divisions-, Sportabzeichen oder ähnliches.

Trivia

Der Name des Flugboots „Plus Ultra“W-Logo.png wurde nach der Devise Plus Ultra (deutsch: „Darüber hinaus“, „Immer weiter“) des Wappen Spaniens gewählt.

Symbolik

Die Figur Flugzeug kann in einem Wappen auf die bedeutende Rolle eines Flughafens, des Flugzeugbaus, des Luftverkehrs, des Luftsports, des Segelfliegens oder ähnliches für eine Region, eine Stadt, einen Staat et cetera referenzieren. Flugzeugfiguren werden in diesen Fällen manchmal als identitätsstiftendes Merkmal oder als Mittel eines Forschrittsglaubens instrumentalisiert. In einem Familienwappen steht eine Flugzeugfigur mitunter für bedeutende Verdienste des Wappenführenden im Kontext des Flugwesens. Im Laufe einer Wappengeschichte werden Flugzeugfiguren teilweise ersetzt (beispielsweise wenn Wappenführende realisieren, dass das Motiv einem unheraldischen Zeitgeist geschuldet war, aber kein Generationen überdauerndes, identitätstiftendes Motiv darstellt).

Außerhalb der Heraldik deutet das Flugzeugmotiv oft einen tieferen Sinn an und/oder geht mit besonderen Konnotation einher. Beispielsweise steht in dem Jugendroman „Auf und Davon oder der Traum vom roten Flugzeug“ (1994) von Siegfried Chambre das Flugzeug für die „Sehnsucht nach Freiheit“.[10]

„Für C. G. JungW-Logo.png (..) steht das Flugzeug symbolisch für das „emotionale Realisieren von Gegensätzen im Auf- und Absteigen.“ Er sieht das Flugzeug als Motiv für geistige Intuitionen, mit denen man sich nicht identifizieren, d. h. zu weit von der Erde entfernen soll (..) – mit anderen Worten: wie man seelisch lebt, ob individuell oder kollektiv, ob aus eigenen oder fremden, geborgten Mitteln, ob spontan oder mechanisch. Im Flugzeug vom Piloten geführt heißt für Jung, von Intuitionen unbekannter Herkunft getragen (..) Mit dem Flugzeug fliegen hieße dann, dass jemand überwiegend seinen Intuitionen oder dem Denken folgt, er aber keinen Kontakt zum Fühlen oder Empfinden hat. Ein Flugzeugabsturz hieße dann, dass die alte Funktion in dieser Lebenssituation nicht mehr taugt.“

Marianne Junghan (2012)[10]

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Luftfahrzeuge in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 178, Tafel 57 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. Veröffentlicht in: FlugsportW-Logo.png Nr. 16/1909
  3. Stephen Slater: The Complete Book of Heraldry. An international history of heraldry and its contemporary uses. Hrsg.: Lorenz Books. Anness Publishing Ltd, London 2002, ISBN 1-84681-960-1, S. 96 (englisch).
  4. Heraldry of the Bedford Chapel, Chenies Buckinghamshire. P4 MARY, 11th DUCHESS OF BEDFORD. 18. Januar 2007, abgerufen am 22. März 2019 (englisch).
  5. Wappenbeschreibung: „(..) Auf dem Helm mit blau-goldenem Mantel ein goldener Mörser, daraus hervorkommend auf einem Feuerstrahl drei blau-rote Flugzeuge (..)“
  6. Wappenbeschreibung: „In Blau unter einem silbernen Schildhaupt mit schwarzer Hirschstange ein nach rechts fliegendes, silbernes Sportflugzeug (Klemm Kl 25W-Logo.png).“
  7. Herold, Verein für Heraldik (Hrsg.): Wappen. Handbuch der Heraldik. Als „Wappenfibel“ begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt, bearbeitet von Ludwig Biewer und Eckart Henning. Aktualisierte und neugestaltete Auflage. 20. Auflage. Böhlau Verlag GmbH & Cie., Köln, Weimar, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50372-7, S. 154 (deutsch: Wappenfibel. Vgl. auch die Berliner Erklärung über heraldische Gestaltungsgrundsätze, im gleichen Band S. 159 aus dem Jahr 2014).
  8. Seite „Verkehrsflugzeug“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. November 2018, 20:04 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Verkehrsflugzeug&oldid=182931349 (Abgerufen: 25. März 2019, 16:36 UTC)
  9. Wilhelm BarnerW-Logo.png (Hrsg.): Wappen und Siegel des Kreises Alfeld. (Neubindung). Lax GmbH & Co. KG, Hildesheim 1998.
    Wappenbeschreibung: „Auf blauem Schild ein schräg nach rechts niedergehendes silbernes Segelflugzeug“
  10. 10,0 10,1 Marianne Junghan: Flugzeug. In: opus magnum: Symbollexikon. 17. Mai 2012, abgerufen am 29. März 2019.