Eisenbahn (Heraldik)

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Muster: Lokomotive mit rauchendem Schorn­stein
(nach WBO, Nr. 8691)[1]
Wappen von AulendorfW-Logo.png, einem Bahnknotenpunkt, symbolisiert durch ein Flügelrad
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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Wappenfiguren, die ein Objekt aus der Zeit des modernen Verkehrssystems EisenbahnW-Logo.png nachbilden, nicht gebräuchlich.

Eisenbahn (auch kurz Bahn genannt; über mhd. bane, möglicherweise aus got.W-Logo.png banja, ‚Schlag‘, ‚Wunde‘, ‚Schneise im Wald‘; englisch railway oder kurz rail; französisch chemin de fer) ist unspezifischer Ober-/Sammelbegriff, der im Zusammenhang mit dem Wappenwesen zur Beschreibung unterschiedlicher gemeiner Figuren („Bahn-/Eisenbahnfiguren“) gebräuchlich ist.

Darstellung

Lokomotive, Eisenbahngleis, Puffer und ähnliche Motive, die sich direkt an das moderne Eisenbahnwesen anlehnen, fanden nach Stephen Slater bald nach dem Entstehen der EisenbahnW-Logo.png zu Anfang des 19. Jahrhunderts Eingang in die Heraldik;[2] gleichwohl werden diese Figuren nur selten im Wappenwesen verwendet. In der klassischen Wappenkunde gelten sie als unheraldisch, weil sie einen Wappen-Anachronismus darstellen.

„Wenn Amerikaner oder Russen in ihren Wappen Verstöße gegen den heraldischen Takt begehen, wenn sie (..) Eisenbahnzüge (..) in ihre Schilde setzen, so könnte man ihnen noch eher zu Gute anführen, dass sie in der Vergangenheit keine Anhaltspunkte und Verständnis der Heraldik haben (..)“

Otto Titan von Hefner (1854/1855)[3]

Dennoch werden sie in der „neueren Heraldik“ bzw. in der „Verfallszeit der Heraldik“ teilweise als gemeine Figuren geduldet, wobei die Darstellungsformen der Bahn-Wappenmotive je nach Wappen sehr unterschiedlich ausfallen.

Wenn ein Bahn-Motiv (Lokomotive, Eisenbahnpuffer oder ähnliches) in einem Wappen verwendet wird, wird es in der Regel sehr stark heraldisch stilisiert, so dass die im Wappen gezeigte Form nicht wirklich zum Gebrauch geeignet ist.

Räder und Eisenbahn

Flügelrad

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Flügelrad (Heraldik)

Manchmal symbolisiert das „Flügelrad“ in einem Wappen den Bezug zur „Eisenbahn“. Da die Symboldeutung außerhalb der Heraldik liegt und „geflügelte Räder“ schon vor und während der Blütezeit der Heraldik bekannt waren, stellt die Verwendung dieses Motive in der Heraldik in gewisser Weise kein Anachronismus dar.

Eisenbahnrad

In neueren Heraldik ist -- heraldisch stilisiert -- das EisenbahnradW-Logo.png einer Dampflokomotive eine gemeine Figur. In der Normalform erscheint die Eisenbahnradfigur als Speichenrad (eine Vollradfigur oder ein besonderes Eisenbahnrad sind zu melden). Die Eisenbahnradfigur sollte sich deutlich von anderen heraldischen Radformen durch ein hervorgehobenes Ausgleichwicht, einen Ring für einen KurbelzapfenW-Logo.png oder ähnliche Elemente unterscheiden. Eisenbahnradfiguren erscheinen zuweilen auch in der Helmzier (vgl. zum Beispiel das Wappen von Whitehorse, YukonW-Logo en.png).

Lokomotive

1909: Lokomotive im Wappen der Eisenbahnstadt Swindon (nach Fox-Davies)[4]
 
Locomotion No. 1
(von Stockton and Darlington RailwayW-Logo.png; Darstellung von 1875; erster Personenzug der, Welt 1825)
 
Locomotion No. 1 im Wappen von DarlingtonW-Logo.png

Da eine Lokomotivenfigur (französisch locomotive; englisch locomotive; von lateinisch loco motivus ‚sich von der Stelle bewegend‘) selten in Wappen erscheint, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für sie, außer jene, die allgemein für gemeine Figuren gelten. Wurde nichts Besonderes gemeldet, sollte beispielsweise eine historische Lokomotive im Wappen erscheinen, wie sie zu Beginn des modernen Eisenbahnwesens gebräuchlich war (etwa eine heraldisch stilisierte LEG-Lokomotive wie der „Adler“W-Logo.png). Die Farbgebung (Tingierung), die Anordnung, Lage und so weiter des Motivs im Wappen erfolgen grundsätzlich nach den heraldische Regeln für Fahrzeuge. In der Wappenbeschreibung sind alle Besonderheiten der Lokomotivenfigur festzuhalten, selbst wenn dafür wie im Fall der Eisenbahnstadt SwindonW-Logo.png ein ausführliche Korrespondenz notwendig war:

„(Swindon) has a conventional locomotive of the late 19th century (there was much correspondence between the town council and the College of Arms in London over the exakt make of the locomotive) (..)“

Stephen Slater (2002)[2]

Eisenbahnvorläufer

Der HuntW-Logo.png (auch Hund, Grubenhunt oder ähnlich genannt) ist in der neueren Heraldik eine gemeine Figur, die dem gleichnamigen schienengebundenen, offenen, kastenförmigen Förderwagen des Bergbaus nachempfunden ist, wie er ab dem 16. Jahrhundert in Erscheinung tritt. Aus dem Prinzip eines schienengebundene Förderwagens entwickelte sich in gewisser Weise das Eisenbahnwesen.

Gleis/Schiene

Teilweise symbolisieren mehr oder weniger abstrahiert dargestellte „Schienen“ (auch Eisenbahngleise genannt; französisch voie ferroviaire; englisch rail, track) in einem Wappen den Bezug zur „Eisenbahn“. Da die Symboldeutung außerhalb der Heraldik liegt und die „Vorläufer eines Schienensystems“ schon vor und während der Blütezeit der Heraldik bekannt waren, stellt die Verwendung dieser Motive in der Heraldik in gewisser Weise kein Anachronismus dar.

Eisenbahnpuffer

Signalscheibe

Im Wappen des Eisenbahnknotenpunkts EntroncamentoW-Logo.png erscheint neben zwei goldenen Eisenbahnschienenprofilen eine Signalscheibe (Stoppschild für den Schienenverkehr).

Tunnelportal, Tunnelmund, Tunneleingang (Eisenbahn)

Viadukt (Eisenbahn)

Eisenbahnbrücke

Andere „Bahn“-Stilisierungen

Wappen der Eisenbahngesellschaften

Die frühen Eisenbahngesellschaften, besonders in Großbritannien, hatten eine große Affinität zur Heraldik. Wappen wurden von diesen sehr gerne als Erkennungszeichen im Sinne eines Logos oder zum Schmücken der Eisenbahnwaggons verwendet.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bahntransport in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Flügelräder in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Eisenbahnwappen und Schilder in Großbritannien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • George Dow: Railway Heraldry and Other Insignia. Verlag David & Charles, 1973, ISBN 9780715358962.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 176, Tafel 56 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. 2,0 2,1 Stephen Slater: Inanimate charges: transport. In: The Complete Book of Heraldry. London: Anness Publishing 2002, S. 95
  3. Hefner, Otto Titan von: Grundsätze der Wappenkunst. Nürnberg. Bauer und Raspe. 1854/1855. S. 31
  4. Arthur Charles Fox-Davies: A Complete Guide to Heraldry. Avenel, NJ: Gramercy Books. 1909/1978. Tafel 6. ISBN 0-517-26643-1
  5. Ulla Kremsmayer: Gemeindewappen für Raasdorf verliehen, NÖN.at, 10. November 2017
  6. Wappenbeschreibung: „Über einem grünen Einberg, darin ein silbernes gemauertes, silbern gefasstes und schwarzgefugtes Tunnelportal mit schwarzem Tunneleingang, in Silber ein roter Kutterolf mit geradem Hals, beseitet von je einem grünen Eichenblatt“
  7. Wappenbeschreibung: „In Blau ein goldener, zweimal gestufter Felsen, im Schildfuß von einem schwarz-blau geöffneten ummauerten Tunnelmund durchbrochen, rechts oben von einem silbernen dreifachen Bergkristall beseitet.“
    Zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 180