Wenzelsadler

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Flammenadler

Der Wenzelsadler, eigentlich Sankt Wenzelsadler, ist in der Heraldik eine Gemeine Figur und ein Wappentier mit eigenem Namen.

Verbreitung und Herkunft

Diese Gestalt eines Adlers ist in der Heraldik und Siegelkunde nur in der Region Mittelböhmens (seit ca. 1142 belegbar) und im Trentino zu finden, wo er als Wappentier von Fürstbischof Nikolaus Abrein (1338–1347) eingeführt wurde. Er wird als Symbol des Schutzpatrons des böhmischen Landes, dem Wenzel von Böhmen angesehen. Der St. Wenzel, böhmischer Fürst aus dem herrschenden Geschlecht der Premysliden in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, wurde nach seinem Märtyrertod heilig gesprochen. Sein eigener Bruder Boleslav I. ermordete ihn.

Darstellung

Es wird angenommen, dass im Wappen Wenzels von Böhmen ein schwarzer Adler mit goldenen Waffen in einem silbernen Feld abgebildet war. Silberne Federn an den Flügeln und roten Flammen geben dem Adler seinen zweiten Namen: Flammenadler. Andere Quellen[1] sprechen vom ältesten Wappentier und beschreiben den schwarzen Adler in Silber mit goldenen Flammen bestreut, goldbewehrt und goldene Kleestengel über der Brust. Die Flügel waren wahrscheinlich nicht in üblicher Weise bemalt. Stattdessen waren goldene, klingende Metallplättchenn an den Flügeln befestigt (besteckt).

Geschichte

Ein Siegel von König Přemysl Otakar I. aus dem Jahr 1192 zeigt ein Adlerweibchen. Aus dem Siegel geht die Farbe des Adler nicht hervor. Vermutet wird ein schwarzer Adler auf silbernen Feld. Der Böhmenkönig führte den Wenzelsadler bis 1253 als Erkennungssymbol. Markgraf von Mähren, Přemysl Otokar II. hatte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bereits den doppelschwänzigen Löwen im Wappen der Dynastie und den Wenzelsadler als Landeszeichen benutzt. In einer Schlacht 1142 gegen den mährischen Fürsten Konrad hatten die Reichsfürsten den Wenzeladler auf ihren Wimpeln.

Privilegien des Marktrechtes erneuerte Kaiser Rudolf II. am 16. August 1591, ebenso wie auch König Ladislaus schon 1457, sowie andere 1787. Die benutzten Siegel zeigten einen gekrönten halber Adler über einer großen Initiale „W“. Dazu die Umschrift in Großbuchstaben „+ SIGILLVM . OPPIDI . RAWSENBUC. ANNO DOMINI: 1591 Das Ovalsiegel wies einen Durchmesser von 32 x 30 mm auf. Die Urkunde zum Marktwappens vom August 1591 enthält die Beschreibung von Rausenbruck. Danach führt der Ort einen von Silber in Rot geteilten Schild, darin oben wachsend ein gekrönter und golden bewehrter Adler mit roter Zunge, unten die goldene "W".

Der St. Wenzeladler ist mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Marktgemeindestempel des 19.und des 20. Jahrhunderts irrtümlich als den mährischen Landesadler gedeutet worden. Dieser wurde aus dem Siegel falsch interpretiert und entsprechend geschacht. Aus dem im oberen Schildteil wachsenden Adler wurde ein schildfüllender. Das den Wenzeladler kennzeichnende „W“ aus dem unteren Schildteil rückte dem nur noch als kleines „w“-Anhängsel zwischen den Schwanzfedern. Nach dem Ersten Weltkrieg bis 1938 verwendete zweisprachige Stempel waren genauso ausgeführt.

Beispiele

Literatur

  1. Maximilian Gritzner: Landes- und Wappenkunde der brandenburgisch-preußischen Monarchie. Berlin, 1894, Seite 26

Weblinks

 Commons: Wenzelsadler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Wenzelsadler“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 6. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.