Wappen Preußens

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Hauptschild des Wappens des Königreichs Preußen mit dem Königlich-Preußischen Adler
Königlicher Preußischer Adler

Die Wappen Preußens als einem Land zeigten im Lauf der Zeit immer einen gold bewehrten, einköpfigen schwarzen Adler, den sogenannten Preußischen Adler.

Zur Zeit des Königreichs Preußen zeigte der Wappenschild den stehenden gekrönten Königlich-Preußischen Adler auf silbernem Grund, der in seinem rechten Fang ein Zepter und im linken einen Reichsapfel trug. Dieses Wappen war von 1701 bis 1918 zugleich das Kleine Wappen des Staates Preußen.

Entstehung des Wappens

Hermann von Salza, der IV. Hochmeister in den Jahren 1210–1239; Spätere historisierende Darstellung aus einer Chronik des 16. Jahrhunderts; Rüstung und Kopfbedeckung des Hochmeisters sowie das Wappen im Hintergrund entsprechen nicht der dargestellten Zeit.

Der Adler als Wappentier Preußens stammt von dem Reichsadler des Heiligen Römischen Reiches ab. Der Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza erhielt nach 1229 von Kaiser Friedrich II. das Recht, im Mittelschild seines Hochmeisterkreuzes, das schwarz im weißen Feld lag, auf goldenem Grund den nach heraldisch rechts blickenden schwarzen Reichsadler mit rot tingierter Zunge zu führen. Die Fänge des Adlers waren geöffnet. Vom persönlichen Wappen des Hochmeisters wurde es später zum Hoheitszeichen des Deutschordensstaates, dem die Zeitgenossen die Landesbezeichnung Preußen gaben.

Wappen des Preußens Königlichen Anteils

In der Mitte des 15. Jahrhunderts spalteten die Gebiete des Preußischen Bundes sich vom Ordensstaat durch ihre Unterstellung unter den König von Polen als Preußen königlichen Anteils ab. Dessen Wappen zeigte um 1460 einen über das Adlerhaupt herauswachsenden geharnischten Schwertarm und der preußische Adler im nun weißen Feld bekam die polnische Königskrone um den Hals gelegt. Das Wappen behielt das Territorium, als es 1772 nach der Ersten Teilung Polens als Provinz Westpreußen in den preußischen Staat inkorporiert wurde. Der Adler findet sich heute im Wappen des polnischen Kreises Marienburg und abgewandelt in den Wappen einiger Kreise der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern.[1]

Wappen des Herzogtums Preußen

Wappen des Herzogtums Preußen im Jahr 1545

Infolge der Reformation wurde der verbliebene Staat des Deutschen Ordens 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt. Die schon 1466 anerkannte Lehnsherrschaft des Königs von Polen ist anlässlich der dadurch nötig gewordenen Neubelehnung des Herzogs durch König Sigismund I. verdichtet worden, was sich im Wappen des Herzogtums zeigte: Das Kreuz wurde entfernt und der goldene Hintergrund des Adlers durch einen weißen ersetzt. Nun umschloss die polnische Königskrone seinen Hals und er trug Kleestängel. Auf der Brust des Adlers befand sich die goldene Initiale des polnischen Königs, zunächst ein „S“ für Sigismund I.[2] Als 1568 infolge des Todes Herzog Albrechts eine Neubelehnung seines Sohnes Albrecht Friedrich erforderlich wurde, verweigerte dieser die vom polnischen König Sigismund II. August verlangte Veränderung der Initiale in „SA“. Seither führte das Wappen in Polen die jeweils aktualisierten Initialen, während es im Herzogtum selbst beim „S“ blieb.[3]

Erst im Jahre 1633 einigten sich beide Seiten auf die Anbringung sowohl der Initialen „V“ für den Lehnsherren Wladislaw IV. als auch „G“ für den Lehnsvasallen Georg Wilhelm auf der Brust des Adlers, der zudem einen Herzogshut auf den Kopf bekam. Als mit den Verträgen von Labiau, Wehlau und Oliva seit 1660 die polnische Lehnsherrschaft über das Herzogtum geendet hatte, verschwand die Initiale „C“ des polnischen Königs Johann II. Kasimir und nur das „F“ für den nun souveränen Friedrich Wilhelm blieb im Wappen.

Das Wappen des Herzogtums aus der Zeit Sigmund I. mit Initiale auf der Brust lebt als Bestandteil des Wappens der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren fort.

Wappen des Königreichs Preußen

Die Erhöhung des Herzogtums Preußen zum Königreich im Jahre 1701 hatte mehrere Änderungen des preußischen Wappens zur Folge. Der Kopf des Adlers trug nun eine geschlossene Königskrone und eine geöffnete Herzogskrone um den Hals, seine Fänge hielten ein Zepter und einen Reichsapfel. Auf seiner Brust standen für immer die goldenen Initialen des ersten preußischen Königs Friedrich I.: „FR“ für Fredericus Rex.

In dieser Form setzte Friedrich es als Herzschild in sein neues landesherrliches königlich-preußisches Wappen für den nun preußischen Staat an die Stelle des im blauen Schild befindlichen goldenen Zepters des Erzkämmerers des Reiches. Dieses Symbol der nun zweitrangig gewordenen kurfürstlichen Würde Friedrichs und seiner Nachfolger rückte damit im Großen und Mittleren Wappen Preußens fortan auf den zweiten Platz.

Der Name und das Wappen des Königreichs gingen im 18. Jahrhundert als Hoheitszeichen des Monarchen auf den nunmehr preußischen Staat der Hohenzollern über, wobei der schwarze Adler als dessen Symbol auf Fahnen, Standarten, Flaggen, Orden und Ehrenzeichen, Münzen, Siegeln und vorgedruckten amtlichen Formularen und Bekanntmachungen manchmal saß oder aufflog und dabei nach hinten oder vorn blickte. Die offene Herzogskrone um den Hals hatte er bald verloren, jedoch fehlte ihm so gut wie nie das „FR“ auf der Brust.

Wappen des Freistaats Preußen (1918–1933)

Zur Zeit der Weimarer Republik trug der Adler nach der Umwandlung Preußens in einen Freistaat keine monarchischen Zeichen mehr. Der Schnabel war geschlossen, wodurch die Zunge entfiel. Es wurde ein nach rechts auffliegender und nach hinten blickender Adler gezeigt. Der Adler im ostpreußischen Provinzwappen veränderte sich nicht, verlor aber ebenfalls alle monarchischen Attribute.[4]

Wappen des Freistaats Preußen (1933–1945)

Im Wappen Preußens zur Zeit des Nationalsozialismus blickt der weiterhin nicht gezungte und nun nach links auffliegende Adler heraldisch zwar ebenfalls nach links, infolge der geänderten Flugrichtung aber nach vorn, über seinem Kopf befand sich ein Band mit dem preußischen Wahlspruch „Gott mit uns“. Auf der Brust trug er ein Hakenkreuz. Im rechten Fang hielt der Adler ein Schwert, im linken Blitze. Alle Hinzufügungen waren gold tingiert.

Heutige Verwendungen

Im Wappen Sachsen-Anhalts befindet sich aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit seines Großteils zu Preußen im linken oberen Feld der preußische Adler. Ebenso befindet sich das oft veränderte Wappen in mehreren polnischen Woiewodschafts- und Kreiswappen. [5]
Des Weiteren verwenden die Stiftung Preussischer Kulturbesitz den republikanischen Adler und der Orden Pour le Mérite den Adler mit Krone, Zepter und Reichsapfel.

Kleines, mittleres und großes Wappen des Königreichs und des Staates Preußen

Kleines Wappen

Kleines Wappen des Königreichs Preußen

Im kleinen Wappen sieht man außer dem Wappenschild des Königreichs noch zwei wilde Männer als Schildhalter. Der Wappenschild trägt außerdem eine Krone.

Mittleres Wapen

Mittleres Wappen des Königreichs Preußen

Das mittlere Wappen zeigt gleichfalls zwei wilde Männer als Schildträger und eine Krone, jedoch zeigt der Wappenschild mit dem aufgelegten Preußischen Wappen die Provinz- und Territorialwappen des preußischen Staates (von links bzw. heraldisch rechts oben):

  1. Herzogtum Schlesien
  2. Mark Brandenburg
  3. Großherzogtum Niederrhein
  4. Großherzogtum Posen
  5. Ostpreußen (aufgelegt, zugleich das Wappen des Gesamtstaates)
  6. Herzogtum Sachsen
  7. Herzogtum Pommern
  8. Herzogtum Westfalen
  9. Herzogtum Lüneburg
  10. Dreigeteilt für die Herzogtümer Holstein, Schleswig und Lauenburg
  11. Burggrafschaft Nürnberg (traditionell) in der oberen Hälfte und unten die Hohenzollernsche Lande
  12. Dreigeteilt für Landgrafschaft Hessen, Herzogtum Nassau und Herrschaft zu Frankfurt am Main

Großes Wappen

Das große Wappen Preußens im 19. Jahrhundert wird ebenfalls von zwei wilden Männern als Schildhaltern eingerahmt, zusätzlich gibt es einen Wappenmantel, an dessen Spitze der Wahlspruch „Gott mit uns“ zu lesen ist, darüber die Krone Preußens. Über der Krone befindet sich die Flagge Preußens. Unterhalb des Wappenschilds befinden sich die vier Orden (von innen nach außen):

Der Wappenschild besteht aus 52 Feldern, wovon drei Wappen aufgelegt sind. Zentral liegt als Herzschild das Wappen von Preußen (zugleich Ostpreußen), darüber als Ehrenschild Brandenburg, unten als Nabelschild das Wappen der Burggrafschaft Nürnberg in der oberen Hälfte und darunter das Wappen der Hohenzollernschen Lande. Am unteren Rand des Wappenschilds befindet sich das Regalienfeld. Die weiteren Wappen sind (von links (=heraldisch rechts) oben):

Großes Wappen Preußens um 1873
  1. Herzogtum Westfalen
  2. Großherzogtum Posen
  3. Herzogtum Schlesien
  4. Großherzogtum Niederrhein (war auch Wappen der Rheinprovinz)
  5. Herzogtum Sachsen
  6. Herzogtum Engern
  7. Herzogtum Magdeburg
  8. Herzogtum Holstein
  9. Herzogtum Pommern
  10. Herzogtum Lüneburg
  11. Herzogtum Schleswig
  12. Erzbistum Bremen
  13. Herzogtum Wenden
  14. Herzogtum Jülich
  15. Herzogtum Geldern
  16. Herzogtum Kleve
  17. Herzogtum Berg
  18. Herzogtum Pommern-Wolgast (Kassuben)
  19. Landgrafschaft Thüringen
  20. Herzogtum Mecklenburg
  21. Herzogtum Krossen
  22. Herzogtum Lauenburg
  23. Landgrafschaft Hessen
  24. Markgrafschaft Oberlausitz
  25. geteilt: Fürstbistum Paderborn und Grafschaft Pyrmont
  26. Fürstentum Rügen
  27. Markgrafschaft Nieder-Lausitz
  28. Fürstentum Oranien
  29. Fürstentum Ostfriesland
  30. Fürstbistum Halberstadt
  31. Fürstbistum Verden
  32. Fürstbistum Osnabrück
  33. Fürstbistum Münster
  34. Fürstbistum Minden
  35. Fürstbistum Hildesheim
  36. Fürstentum (Fürstbistum) Kammin
  37. Grafschaft Glatz
  38. Grafschaft Moers
  39. Fürstbistum Fulda
  40. Herzogtum Nassau
  41. Gefürsteter Graf zu Henneberg
  42. geteilt: Grafschaft Mark und Grafschaft Ravensberg
  43. Grafschaft Veringen
  44. Grafschaft Mansfeld
  45. Grafschaft Hohnstein
  46. geteilt: Grafschaft Tecklenburg und Grafschaft Lingen
  47. Grafschaft Sigmaringen
  48. Frankfurt am Main

Im preußischen Staatswappen von 1804 wurde Fürstentum Hildesheim dem Rang nach hinter Herzogtum Cleve, dem Titel nach hinter Nürnberg eingestellt. Die adlige Reihenfolge stimmte mit der Rangstellung von Nürnberg nicht überein. Aber auch die Darstellung dort mit in Gold-Rot gespaltener Schild ist auf den Fehler des Siegelstechers zurückzuführen. Das vordere (rechts) Feld ist in Silber ins Wappen gekommen und ist mit dem von Fürstentum Halberstadt gleich.

Nach der Kabinettsorder vom 16. August 1875 fand im königlichen preußischen großen Wappen es dann hinter Fürstentum Osnabrück seinen Platz. Von Rot und Gold in die Länge geteilt.

Einzelnachweise

  1. So im Powiat Świecki, Powiat Toruński und stärker verändert auch in anderen Kreisen
  2. Entgegen dem hier gezeigten Adler aus einer Abbildung der Flagge des Herzogtums wird gelegentlich die Initiale fälschlich in einem roten Mittelschild gezeigt. Diese Form stimmt nicht mit der faksimilierten Abbildung des Adlers im Wappen des Herzogtums von 1525 wie in: Adlers Fittiche (siehe Literaturliste), Abb. 21, S 31 überein. Auch und bis heute befindet sich bei allen späteren Formen des Wappenadlers zur Zeit des Herzogtums und später des Königreichs die Herrscherinitiale nicht in einem roten Herzschild, sondern direkt auf seiner Brust
  3. Hierzu und zur folgenden Einigung: Adlers Fittiche (siehe Literaturliste), S. 35, dort auch Abbildung des Wappens von 1649 mit den Initialen C/F
  4. Siehe z. B. hier auf einer privaten Website zum Gut Paradeningken: [1]
  5. Siehe oben: Wappen des Preußens Königlichen Anteils und Wappen des Herzogtums Preußen

Literatur

  • Brandt-Salloum, Christiane (Bearb.): Adlers Fittiche. Wandlungen eines Wappenvogels. Dokumentation einer Präsentation des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (hier zitiert als: Adlers Fittiche), Duncker & Humblot, Berlin 2008, ISBN 978-3-428-12959-1

Siehe auch

Weblinks


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Wappen_Preußens“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. September 2011 (Permanentlink: [2]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.