Ameise (Wappentier)

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1899: Wappen der Grafen Bigot de Saint-Quentin (nach Siebmacher, nachträglich koloriert)

Die Ameise (frz.: fourmi; engl.: emmet oder ant) ist ein sehr seltenes Wappentier in der Heraldik (in Europa gibt es schätzungsweise ein Dutzend bis maximal 50 Wappen mit einer Ameise als Wappenfigur).

Darstellung

Die Darstellung der heraldischen Ameise beschränkt sich auf die Draufsicht auf ein langgestrecktes Tier mit sechs Beinen. Das vordere Beinpaar ist, wie die Antennen, nach vorn gerichtet. Gewöhnlich wird das ganze Tier in einer Farbe tingiert, die Beine teilweise abweichend von dieser Tinktur in Schwarz. Die Ameise erscheint zum Beispiel im Wappen der Grafen von Saint-Quentin.[1]

„Ameise, sehr selten zum Beispiel im Wappen (der) Grafen Bigot de Saint QuentinW-Logo.png.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Im Wappen von Brekendorf soll der Legende nach eine Ameisenplage die Verwendung des Wappentieres begünstigt haben. Im Wappen von Merkendorf (Steiermark) ist der Bord umlaufend belegt. Die Gemeinde Marwitz (Oberkrämer) hat ihr Wappen mit vier Ameisen in vorderen Flanke pfahlweise gestellt.

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Auch in der Paraheraldik ist die Ameise eine gemeine Figur (zum Beispiel im Parawappen der Ballymena AcademyW-Logo en.png).

Symbolik

Die Ameise symbolisiert außerhalb der Heraldik im jüdisch-christlichen Kulturkreis Fleiß und Klugheit.

„Der frühchristliche »Physiologus«-Text weist auf den Spruch Salomonis hin »Gehe hin zur Ameise, du Fauler« (6, 6) und macht die Ameise wie die Biene zum Symbol des Fleißes. Auch erwähnt er, daß körnertragende Ameisen nicht von ihren mit leeren Zangen einhergehenden Artgenossinnen angebettelt werden, sondern daß diese selbst Körner sammeln gehen, was ihre Klugheit zeige.“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[3]

In anderen Kulturräumen steht die Ameise teilweise für weniger positive Bedeutungen:

„Im Gegensatz zu dieser hohen Bewertung im Abendland ist in Indien das dem Betrachter wirr erscheinende Hin- und Herlaufen der Ameisen Symbol für das ziellose irdische Getriebe der unerleuchteten Menschheit. – Bei verschiedenen exotischen Völkern ist das »emsige« Insekt Helfer der Schöpfergottheit bei der Erschaffung der Welt. In den altgriechischen Mythen heißen die ersten Bewohner Äginas »Myrmidonen«, Ameisen, weil sie den Boden mit ameisenhafter Geduld, mit Ausdauer und Fleiß bearbeiteten. Eine thessalische Legende führt den Pflugbau auf die Erfindung des wichtigen Bodenbebauungswerkzeugs durch eine Nymphe namens Myrmex, Ameise, zurück. Hier wurden die Ameisen als heilige Tiere verehrt.“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[3]

Literatur

  1. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 36.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 194
  3. 3,0 3,1 Lexikon der Symbole: Ameise. Knaurs Lexikon der Symbole. 1989/1994/1998. S. 66 f.

Weblinks