Biene (Wappentier)

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Biene
 
Faktisch
 
in der Heraldik
(Wappen EmmelsumW-Logo.png)

In der Heraldik ist das Insekt Biene (auch Honigbiene, Imme und anderes mehr genannt; ahd. bîna; mhd. bîn(e), bin, bîe; lateinisch apis; französisch mouches à miel ‚Honigfliege‘ oder abeille; englisch bee) eine gemeine Figur.

Geschichte und Verbreitung

Wann und von wem zum ersten Mal ein Wappen mit einer Bienenfigur geführt wurde, ist unklar und nicht ausreichend erforscht. Nach Galbreath/Wieser kommen Bienen im frühen Wappenwesen nur selten vor beziehungsweise spielen so gut wie keine Rolle.[1][2] Scheibelreiter geht davon aus, dass die Biene durch eine Reihe anerkannter Eigenschaften zwar „emblematischen Charakter“ hat, „allerdings noch nicht auf mittelalterlichen Wappen; vor dem 17. Jhr. ist die Biene seiner Meinung nach „als Wappentier kaum vertreten“.[3]

Bienenfiguren im späten 14. bis zum 16. Jahrhundert

 
Spätes 14. bis frühes 15. Jhr.: Wappen Bye mit drei Bienen 2:1 (Aufriss nach John Guillim, 1611; nachträglich koloriert)
 
1578: Wappen Kas­par Biene­mannW-Logo.png (alias Melissander; nach Siebmacher, 1890)

Bienenfiguren, die vor dem 17. Jahrhundert in den Quellen des Wappenwesens und angrenzender Kulturphänomene zu finden sind, knüpfen teilweise an die Bildersprache, Ästhetik und Symbolik an, die seit der Antike bis hinein in das Mittealter mit Bienen assoziiert werden. Beispielsweise erscheint 1581 bei Bara das → Fabelwappen Samsons mit Bienenfiguren in Anspielung an die Legende, nach der Samson einen Bienenstock in einem Löwenkadaver findet. In anderen Fällen sind Bienen in Wappen vor dem 17. Jahrhundert einfache redende Hinweise auf den Familiennamen. Beispielsweise führte der Theologe und Dichter Kaspar BienemannW-Logo.png (1540-1591) ein Biene als redende Figur im Wappen (→ Symbolik innerhalb der Heraldik). Nach Arthur Edwin Bye führten spätestens seit dem späten 14. beziehungsweise dem frühen 15. Jahrhundert Familien der Britischen Inseln namens Bye, Bay oder Bee die Biene redend in ihren Wappen.[4]

Fabelwappen mit Bienenfiguren

1581: Besät mit silbernen „Honigfliegen“ (Fabelwappen für Samson; nach Jérôme de Bara)

Jérôme de Bara dichtete 1581 Samson (auch Simson; hebräischW-Logo.png שִׁמְשׁוֹן‎Shimshōn, einer Gestalt aus dem Buch der RichterW-Logo.png des Alten TestamentsW-Logo.png und Held des israelitischen Stammes DanW-Logo.png) einen Löwen als Wappentier in einem roten Wappenschild an, wobei dieser mit einer unbestimmten Anzahl silberner „Honigfliegen“ (mouches à miel) besät ist. Die Bienen des Fabelwappens sind eine Referenz auf die Samson-Legende, nach der Samson auf dem Weg zur Brautwerbung im Rachen eines toten Löwen einen Bienenstock findet, dem er Honig entnimmt, um ihn mit seinen Eltern zu teilen, ohne dessen Herkunft zu verraten. Die Legende knüpft an die alte Vorstellung an, dass die Bienen aus Tierkadavern entstehen.[5] Das Geschehen wird in etlichen Werken der Bildenden Kunst dargestellt, von denen Bara sich womöglich inspirieren ließ.

Bienenfiguren seit dem 17. Jahrhundert

Seit dem 17. Jahrhundert nimmt die Anzahl der Bienenwappen sukzessive rapide zu, sowohl im Zusammenhang mit Wappenverleihungen im deutsch- und im englischsprachig geprägten Kulturraum, als auch im Kontext mit der Napoleonischen Heraldik (ca. 1808-1815) und der französischsprachigen Wappenkultur. Bereits im 19. Jahrhundert merkt Gritzner an:

Bienen (Tafel XXI. Figur 27.): nicht gerade selten (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Fox-Davies postuliert Anfang des 20. Jahrhunderts, dass die Biene zweifelsohne das Insekt ist, welches in der Heraldik am häufigsten vorkommt.[7]

Referenzwappen mit Bienenfiguren

Sechs Bienen im Wappen Beeston (Aufriss von 2022)
Kreuz zwischen vier Bienen im Wappen Crosier (Crosyei, Crosyer, Crozier; Aufriss von 2022)

Je nach Wappentheoretiker werden in der Literatur teilweise die gleichen, teilweise andere Referenzwappen mit Bienenfiguren genannt. Darunter zum Beispiel (willkürliche Auswahl):

  • Spener nennt 1690/1717/1735 die drei Wappen → Barbarini/Barberini, Crosyei/Crosyer/Crozier/Crosier und Beeston.[8]
  • Hefner und Gritzner führen 1861 bzw. 1889 als Referenzwappen mit mindestens einer Bienenfigur die Wappen der Familien
→ Thal und
→ Barbarini/Barberini an; Gritzner zusätzlich noch die Wappen
→ Wagner von Frommenhausen und
→ Bienemann von Bienenstamm.[6][9]
  • Als Referenz für Wappen mit Bienenfiguren führt John Henry Parker 1894 vor allem Familienwappen aus dem Wappenkulturraum der Britischen Inseln an: Bye, Sewell, de Verthon, Butterfield, Campbell und Bollard.[10]
  • Auch François Velde nennt 2002 vor allem Referenzwappen aus dem englischsprachig geprägten Wappenkulturraum, darunter: Dore, Abercromby baron Abercromby, Samuel, Gerlington, Sewell, Byres, de Verthon, Butterfield, Campbell of Gargamock, Earl Beatty of the North Sea sowie die redenden Wappen Bye, Bee, Beebee, Beeston und einige Familien mit kontinental-europäischer Herkunft (Abeille, Melet de Saint-Martin, Mellier, Mieulet, Biene; Bezoet de Bie, van Byemont, Abello, Abella, Melisurgo de Melissenos).[11]

Bremse/Biene im Wappen Barberini

Bienen im Papst­wap­pen Urbans VIII. (neuerer Aufriss)

Im Falle der Familie BarberiniW-Logo.png und ihres Wappens wird greifbar, dass die Bienenfigur gelegentlich durch die Umwandlung eines anderen heraldischen Insektenmotivs (hier: der Pferdebremse) Eingang in das Wappenwesen findet. Die Familie Barberini hieß früher Tafani und stammte aus BarberinoW-Logo.png in der Toskana. Unter dem Namen Tafani ist die Familie seit dem 11. Jahrhundert greifbar. Ihr Wappen war ein sprechendes, das heißt, sie führte drei natürliche tafani, also Pferdebremsen. Als die Familie nach Rom kam und Maffeo Barberini als Urban VIII. von 1623 bis 1644 Papst der katholischen Kirche wurde, änderte man den Nachnamen zu Barberini und gab die drei Bremsen im Wappen fortan als drei Bienen aus.[12][13] Das Papstwappen von Urban VIII.W-Logo.png (1568-1644) aus dem Haus BarberiniW-Logo.png zeigt demnach (mit veränderter Tinktur zum ursprünglichen Familienwappen) in Blau drei goldene Bienen (2:1) gestellt.


von der Bremse
Wappen Barberini
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Coat of arms family it Barberino 01.jpg
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Stained glass window CoA Urbanus VIII Santa Maria in Aracoeli, Rome, Italy.jpg
Titelblatt Petra Sancta 01.jpg
1550-1555: Drei goldene Bremsen mit roten Mund­werk­zeugen („stilettartige Saugrüssel“; nach BSB-Hss Cod.icon 277) ca. 1634: Drei goldene Bienen (Glasfenster mit dem Wappen von Papst Urban VIII., Kirche Santa Maria in Aracoeli, Rom) 1638: Drei goldene Bienen (Titelblatt des heraldischen Werkes Tesserae gentilitiae mit dem Wappen von Thaddäus Barberini; nach Petra Sancta)

Biene im Wappen Thal

1901: In 2 und 3: Drei Bienen 2:1 (Wappen Christian David von Thal/Таль)

Im gevierten Wappen des David von Thal (Таль), der mit Julie von Schröder verheiratet war und der am 21.03.1817 zu Petersburg von Fürst SchwarzburgW-Logo.png geadelt wurde, erscheinen in den roten Feldern 2 und 3 drei goldene Bienen 2-über-1. Seine Familie stammt ursprünglich aus Böhmen.[14] Ein Aufriss des Familienwappens Thal für das Jahr 1901 ist ím 16. Teil des Allgemeinen Wappenbuches der Adelsfamilien des Allrussischen Reiches, S. 30 enthalten.[15] Gritzners und Hefners Angaben zu diesem Wappen sind ein stückweit irreführend, da sie den Anschein erwecken, als ob die Familie Thal aus SchwarzburgW-Logo.png stammen würde, was nicht der Fall ist.

Biene im Wappen Wagner von Frommenhausen

1847: Bienenkörbe und Bienen (Wappen Wagner von Frommenhausen; nach Tyroff)

„Die Familie Wagner war im Jahre 1656 von Kaiser Ferdinand III.W-Logo.png geadelt worden mit dem Prädicat »von Frommenhausen«, wobei sie zugleich das Gut im Dorfe Frommenhausen, Amtes Rottenburg der vorderösterreichischen Grafschaft Hohenberg, als Lehen erhielt.“[16] Aus der Familie stammt der K. Kammerherr, Oberst und Hofjägermeister Karl Fiedel Anton von Wagner-FrommenhausenW-Logo.png (* 14. November 1778), der am 12. April 1845 in den Freiherrenstand erhoben wurde. Die Wappenbeschreibung lautet (nach Edmund von der Becke-Klüchtzner):

  • „Dreimal quergeteilt (3 Felder), oben in Schwarz ein wachsender, doppelt geschwänzter, gekrönter goldener Löwe, welcher ein silbernes Rad erfasst hält. In der roten Abteilung ein silberner, mit drei Bienen belegter Querbalken. Unten in Silber drei nebeneinander stehende goldene Bienenkörbe. – Freiherrnkrone. Auf derselben ein gekrönter Helm mit rechts schwarz goldener, links rotsilberner Decke. Aus der Krone wächst der Löwe mit dem Rad hervor.“[17]

Biene im Wappen Bienemann von Bienenstamm

(1882; nach dem Baltischen Wappenbuch)

Das 1794 an das deutsch-baltische, briefadelige Adelsgeschlecht Bienemann verliehene Wappen zeigt als Sprechendes Wappen in einem blauen Schild einen goldenen Bienenkorb/-stock, umgeben von sieben goldenen fliegenden Bienen.

Bienen (..) auch oft einen Bienenstock umschwärmend zum Beispiel im Wappen der Kurländischen Bienemann von BienenstammW-Logo.png.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Als Helmzier dient ein aus der Krone wachsender barhäuptiger Ritter, der drei rote Rosen an grünbeblätterten Stängeln in der Hand hält. Die Helmdecken sind blau-gold.

Aufrisse von Familienwappen mit Bienen (Auswahl)

1651: Biene auf Rose (Wappen LütkemannW-Logo.png)
 
 
1727: Wappen Apinus
 
 
 
1846/-65, unten: 3 Bienen nebeneinander (Wappen van den Bröck; nach Tyroff)
 
In 1 und 4: Mit 3 schwarzen Bienen belegter Balken (nach dem Stammwappen der Bayer/Beyer; Haus „Zu unser Frauen Berg“, Freiburg)

Napoleonische Bienen

Die „Goldbienen“ (nach anderen „Zikaden“) aus dem Grab Childerichs I.W-Logo.png († um 481)
ca. 1500-1520: Ludwig XII.W-Logo.png beim Ritt nach Genua mit einem Waffenrock, der mit Bienen und Bienkörben bestickt ist (genauso wie die Schabracke seines Pferdes)

Nachdem Napoleon I.W-Logo.png 1804 sich zum Kaiser von Frankreich gekrönt hatte (SelbstkrönungW-Logo.png), wählte er die Bienenfigur als sein Machtsymbol aus, um die Lilie der BourbonenW-Logo.png zu ersetzen, welche bis dahin als Insigne zum Beispiel im Bourbonenwappen gedient hatte.

Bienen als französische Königssymbole

Die Bienen, die man zur Zeit der napoleonischen Herrschaft „als Symbol von Ordnungssinn und Fleiß“[21] anstelle der Lilie in etliche Wappen aufnahm, verweisen auf spätantike Artefakte, die man im ChilderichgrabW-Logo.png gefunden hatte. „Ob die goldenen Bienen, von denen über 300 im Grabe Childerichs I. in Tournai gefunden wurden und die wahrscheinlich seinen Mantel und vielleicht auch das Zaumzeug seines Pferdes schmückten, eine symbolische Bedeutung des Herrschertums hatten oder nur als Schmuck gedacht waren, muß dahingestellt bleiben.“[5] Spätestens ab dem 16. Jahrhundert dienten jedoch Bienen (und Bienenkörbe) im französischsprachig geprägten Wappenkulturraum als Königssymbole (französisch roi d’abeilles ‚Bienenkönig‘). Beispielweise erscheint in einer Miniatur der Handschrift Le Voyage de Gênes von Jean Marot (ca. 1450 bis ca. 1526) der König Ludwig XII.W-Logo.png beim Ritt nach Genua (Feldzug Januar bis Mai 1507) mit einem Waffenrock, auf welchem ausdrücklich Bienen und Bienkörbe gestickt sind (nicht das königlich heraldische Stachelschwein, welches eigentlich sein persönliches Symbol war und auf den Tuniken von zwei seiner Gefolgsleute dargestellt ist, die ihm vorangehen). Auch die SchabrackeW-Logo.png seines Pferdes zeigt die Bienen und Bienkörbe in wappenartiger Manier.

Ob Napoleon sich an diese Bildersprache anlehnte, als er die Bienenfigur als Teil des napoleonischen Wappenwesens bestimmte, ist unklar. Womöglich konnte sich Napoloen mit dem fortwirkenden Beinamem Ludwigs XII. „père du peuple“ („Vater des Volkes“) identifizieren. Vielleicht fand er auch Gefallen an dem Motto NON UTITUR ACULEO REX CUI PAREMUR („der König, dem wir gehorchen, benutzt seinen Stachel nicht“), welches sich auf den alten klassischen Glauben (Plinius, Seneca) bezieht, dass ein gütiger König einer idealen Gesellschaft voransteht, wie die Bienenkönigin eine Bienenkolonie. In der Literatur verweist man eher darauf, dass die napoleonische Bienenheraldik primär durch die Grabbeigaben von Childerich I. beeinflusst wurde:

Goldene Bienen auf dem Wappenmantel des Napoleon-Wappens
„Napoleon I. wählte sich als persönliches Symbol die heraldische Biene anstelle der bourbonischen Lilie. Die Kommission zur Vorbereitung der Kaiserkrönung war in der Sammlung der Nationalbibliothek auf die Grabbeigaben des ersten fränkischen Kleinkönigs Childerich I.W-Logo.png gestoßen (1653 in Tournai im Grab von Childerich I. entdeckt – Anmerkung der Redaktion). Dessen Grabschatz enthielt unter anderem fast dreihundert goldene Bienen (nach anderen „Zikaden“ – Anmerkung der Redaktion) als Symbole für Unsterblichkeit und Wiedergeburt. Diese beeindruckten Napoleon so sehr, dass er neben dem Adler die Biene als persönliches Symbol wählte. Die Assoziation des Adlers mit dem römischen Reich und Augustus unterstrich seinen Anspruch auf das Kaisertum, während die Bienen den Bogen zu den Merowingern als ersten Herrschern des FrankenreichesW-Logo.png schlugen. Die Mäntel und Schleppen des selbstgekrönten Kaisers und seiner höchsten Würdenträger wurden für die Krönungszeremonie mit goldenen Bienen bestickt, ebenso Teppiche, Vorhänge und Banner.“[22]
– Deutsche Wikipedia (2022)[23]

Biene in den Stadtwappen erster Ordnung

Napoleon I.W-Logo.png hat vielen Städten die Auszeichnung Bonne ville de l’Empire français (deutsch ‚Gute Stadt des französischen Kaiserreiches‘, ‚Stadt erster Ordnung‘) zukommen lassen. Die traditionellen Wappen der ausgezeichneten Städte wurden systematisch abgeändert und erhielten unter anderem ein rotes Schildhaupt mit drei balkenweise angeordneten goldenen Bienen. Unter den ausgezeichneten Städten waren nicht nur französische, sondern etliche von Frankreich annektierte urbane Zentren, darunter auch deutsche (Aachen, Bremen, Hamburg, Köln, Lübeck und Mainz).

Biene im Schildhaupt französischer „Fürsten und Prinzen“

HW Gtk-go-forward-ltr.png Siehe auch weiter unten: Bienen in unbestimmter Anzahl (besät/bestreut)
In der napoleonischen Heraldik führten die Fürsten und Prinzen (nicht die Souveräne) einen mit goldenen Bienen übersäten blauen Schildhaupt im Wappen.

„Dicht nebeneinander golden auf blauem Feld bilden Bienen das Schildhaupt der Fürsten und Prinzen des französischen Kaiserreiches.“

Beispielsweise sind entsprechend gestaltete Schildhäupter zur Zeit des französischen Kaiserreiches in den Wappen von Jean-Jacques Régis de CambacérèsW-Logo.png, Charles-François LebrunW-Logo.png und Louis-Alexandre BerthierW-Logo.png zu sehen.

Biene im Wappen der Earls Peel

Earl PeelW-Logo.png ist ein erblicher britischer AdelstitelW-Logo.png in der Peerage of the United KingdomW-Logo.png. Die Earls Peel führen ein Wappen mit blauem Schildhaupt, in dem eine goldene Biene erscheint.[25] Das Wappen kann auf jenes zurückgeführt werden, welches von Robert PeelW-Logo en.png (alias Parsyle Peel 1723–1795) im Jahr 1794 akquiriert wurde (mit einer Löwenfigur mit Weberschiffchen in der Helmzier, einer Biene im Schildhaupt und dem Familienmotto Industria, wobei diese Motive Peers bedeutende Lebensleistung in der Textilindustrie symbolisieren).[26][27]

Biene im kommunalen Wappenwesen Italiens

Im italienischsprachig geprägten kommunalen Wappenwesen ist die Bienenfigur (oder mit ihr verwandte Motive wie Bienenkorb etc.) in den Wappen von 74 Kommunen und drei Provinzen zu finden.

Darstellung

1889: Drei steigende Bienen 2-über-1 (nach Siebmacher)

Die Bienenfigur ist dem IdealbildW-Logo.png der gleichnamigen Westlichen HonigbieneW-Logo.png nachempfunden (apis mellifera, umgangssprachlich einfach nur Biene/Honigbiene genannt). Die Darstellung der Figur erfolgt in der Regel planar beziehungsweise in DraufsichtW-Logo.png als langgestrecktes Insekt mit sechs Beinen, gewöhnlich „fliegend“ (volant) beziehungsweise „vom Betrachter wegfliegend“ (voliant en arriere), die Flügel folglich ausgestreckt respektive geöffnet (falls sie anliegen oder nur halb geöffnet sind, sollte man dies in der Wappenbeschreibung anzeigen). Die Aufsicht ist nach den Regeln der Heraldik beziehungsweise weitgehend heraldisch stilisiert zu gestalten, nach Gritzner jedoch stets in natürlicher Form[6]. Die vorderen zwei Beine sind wie die Antennen gewöhnlich nach vorn gerichtet.

Der Historiker Scheibelreiter nimmt fälschlicherweise an, dass die Biene auf Wappen nur in der Mehrzahl vorkommt;[3] in Wahrheit kommt die Bienenfigur auch in Einzahl vor (zum Beispiel 1578 auf dem Wappen von Kaspar Bienemann oder auf dem Wappen des Stadtteils EmmelsumW-Logo.png der Stadt Voerde); sie wird lediglich bevorzugt in Mehrzahl auf Wappen dargestellt. Drei Bienen erscheinen oft im Dreipass beziehungsweise 2:1 gestellt. Andere Stellungsweisen zueinander (zum Beispiel balkenweise nebeneinander im Schildhaupt) sind aber auch gebräuchlich. Bienenfiguren erscheinen im Wappenwesen gewöhnlich in goldener Farbgebung. Andere heraldischen Farben sind möglich.

Bienen in unbestimmter Anzahl (besät/bestreut)

Die Bienenfigur kann in unbestimmter Anzahl in einem Wappen erscheinen (zum Beispiel wenn das Wappenfeld oder die Figur darin mit Bienen besät oder bestreut ist). In solchen Fällen erfüllt die Darstellung von vielen kleinen Bienen manchmal einen subjektiv-ästhetischen Zweck („Wappenverschönerung“) oder wird zur Wappenminderung eingesetzt. Die aufzureisende Bemusterung ist über die Wappenbeschreibung näher zu bestimmen.

Bienenkorb, Bienenstock

Bienenfiguren erscheinen im Wappenwesen oft zusammen mit einer Bienenkorbfigur.

Bienenwabe

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist eine spezielle Wappenfigur, die eigens zur Darstellung einer Bienwabe oder einer Bienenwabenzelle verwendet wird, nicht gebräuchlich.

Die Bienenwabe (englisch honeycomb) ist in der neueren Heraldik eine Wappenfigur. Eine einzelne Bienenwabenzelle ist einem regelmäßigen Sechseck nachempfunden. Erscheint eine kleinere Anzahl Bienenwabenzellen in einem Wappen, ohne dass sie miteinander verbunden sind, richtet sich deren Beschreibung nach den gewöhnlichen heraldischen Regeln für die Stellung mehrerer gleichrangiger Figuren der gleichen oder verschiedener Art zueinander (zum Beispiel: „drei Bienenwabenzellen, zwei-über-eins“ oder „drei Sechsecke [= Bienenwabenzellen] 2:1“). Sind mehrere Bienenwabenzellen miteinander verbunden, ist neben der Anzahl die Art und Weise der Verbindung/Gruppierung anzuzeigen (zum Beispiel: sechs „ringförmig aneinander gestellte aufrechte Sechsecke [= Bienenwabenzellen], mitten durchbrochen“). Ist der komplette Schild oder ein ganzes Feld von einer unbestimmten Anzahl Bienenwabenzellen vollständig gefüllt, so kann dies zum Beispiel folgendermaßen beschrieben werden: „mit aneinandergesetzten Sechsecken facettiert“, „mit Bienenwabenzellen/mit Bienenwabe facettiert“ oder „bienenwabenförmig facettiert“.

Wappenbilderordnung

Symbolik

Symbolik innerhalb der Heraldik

1786/87: Bienenwappenschild im Schildhaupt (Wappen ArkwrightW-Logo.png; Aufriss nach Fox-Davies, 1905)

Bienenfiguren können im Wappenwesen ein redender Hinweis auf den Namen eines Wappenführenden sein (vgl. → redende Wappen). François Velde führt folgende Familienwappen an, bei denen die Biene redend für den Familiennamen steht:[11]

Wappenkulturraum Familienwappen
englischsprachig Bye, Bee, Beebee, Beeston
französischsprachig Abeille, Melet de Saint-Martin, Mellier, Mieulet (Honig=miel im Französischen)
deutschsprachig Biene
spanischsprachig Abello, Abella
griechischsprachig Melisurgo de Melissenos

Die Liste ist beispielhaft und kann durch etliche weitere redende Wappen ergänzt werden. Im deutschsprachig geprägten Wappenkulturaum führt beispielsweise nicht nur eine Familie Biene ein redendes Wappen mit Bienenfigur, sondern auch die Familien Bien, Biener, Bienenberg, Bieneck, Bienemann von Bienenstamm, Immel, Imm(e)lin, Ihm, Summer et cetera.

Außerdem steht die Bienenfigur in der Heraldik manchmal sinnbildich für Industrie, insbesondere aber für die Textilindustrie und Imkerei (Bienenwirtschaft). Beispielsweise erhielten Richard Arkwright 1786/87 und Parsley Peel 1794 Wappen mit Bienenfiguren, die auf deren außergewöhnlichen Unternehmerleistungen im Zusammenhang mit der Textilbrache verweisen.

Symbolik außerhalb der Heraldik

Gewöhnlich bilden die realen oder legänderen Eigenschaften der Bienen ihren symbolischen Aussagewert. Die Biene steht außerhalb der Heraldik unter anderem beispielsweise für Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung.

Weblink

 Commons: Bienen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bienenwaben in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • David Engels/Carla Nicolaye (Hrsg.), Ille operum custos. Kulturgeschichtliche Beiträge zur antiken Bienensymbolik und ihrer Rezeption, Hildesheim 2008 (Olms-Verlag, Spudasmata-Reihe Bd. 118).
  • Archiv für Bienenkunde. Zeitschrift für Bienenwissen und Bienenwirtschaft. Bände 22-23. 1941. (insgesamt 41 Bände von 1919 bis 1966)

Einzelnachweise

  1. Donald Lindsay Galbreath: Handbüchlein der Heraldik. München 1930. S. 112
  2. Hans R. v. Wieser: Die Bienen der Napoleonischen Heraldik und ihr Herkommen. S. 239-246. In: Zeitschriften des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Band 20/25 Jahrgänge 1940/45; S. 301 ff.
  3. 3,0 3,1 Georg Scheibelreiter: Heraldik. Oldenbourg Verlag, Wien 2006, ISBN 3-7029-0479-4, S. 62 f.
  4. Arthur Edwin Bye: A history of the Bye Coat-of-Arms. In: The Journal of American genealogy. Albany, N. Y. 1921. S. 162-175. (englisch)
  5. 5,0 5,1 Stauch, Liselotte: Biene, Bienenkorb. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. II (1939), Sp. 545–549. (RDK Labor, 04.04.2022)
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Maximilian Gritzner: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie. In: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch. Einleitungsband, Abteilung B. Bauer & Raspe, Nürnberg 1889, S. 97: „Bienen (Tafel XXI. Fig. 27.): nicht gerade selten, stets in natürlicher Form, z. B. im W. der Barberini (Rom), Thal in Schwarzburg, Wagner von Frommenhausen und vielen anderen, auch oft einen Bienenstock umschwärmend z. B. im Wappen der Kurländischen Bienemann von Bienenstamm.
  7. Fox-Davies: A Complete Guide to Heraldry. London, Edinburgh, 1909. S. 260-261. Figur 485. (englisch; Wikisource;Google)
  8. Philipp Jacob Spener: Insignium Theoria Seu Operis. Quae Circa Insignia, Horum Originem, Scuta Eorumque Partitiones, Metalla, Colores, Figuras, Galeas, Apices, Aliasque Scutorum Appendices Et Consectaria Studioso Historiarum Et Vitae Civilis Nosse Proficuum Visum Est, ex disciplina fecialium & moribus receptis exhibens. Frankfurt am Main, S. 225 (Google-1690, Google-1717, Google-1735): „Apibus in his merito princeps debetur locus, in quibus regis, populi obedientis, sapientiae, orationis, musarum, concordiae, castitatis symbola observant. Barbarini 3 apes aureas in cyaneo scuto gestarunt, quas multi Poetae suis carminibus coluere. Quatuor aureas cruci ejusdem metalli in scuto nigro comites dant Crosyei [Angl.] senas furvas circa baltheum ejusdem coloris in laterculo argenteo describunt (nominis analogiae, Anglis enim Bees apem signifcat) Beestoni.
  9. Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. In: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch. Einleitungsband, Abteilung B. Bauer & Raspe, Weißenburg, Nordgau 1861, S. 84 (Google): „Bienen: drei gold in Blau: Barberini, Rom (..): ebenso, gold in Rot: Thal, Schwarzburg, in 2 und 3.
  10. James Parker; Henry Gough (Mitarbeit): A glossary of terms used in heraldry. James Parker und Co., Oxford und London 1894 (englisch, archive.org im Textarchiv – Internet Archive; heraldsnet.org – Basierend auf einer Ausgabe von 1847 von seinem Vater J. H. Parker; Illustrationen: James Parker und seine Tocheter Irene Hore, geborene Parker): Bee, (fr. abeille): is always represented flying, with wings extended, and generally upwards, and this is sometimes expressed by erect, but more correctly en arriere, i.e. flying away from the spectator. The Hornet also occurs on one coat.
    • Azure, three bees volant erect or--BYE.
    • Azure, three bees volant en arriere argent--BYE.
    • Sable, a chevron between three bees volant erect argent--SEWELL.
    • Azure, on a fesse argent a bee volant arriere sable--DE VERTHON.
    • Or, on a bend azure, three bees volant argent--BUTTERFIELD.
    • Gironny of eight ermine and gules, on each of the last a bee volant argent--CAMPBELL, Gargamock.
    • Sable, a hornet argent--BOLLARD.”
  11. 11,0 11,1 François Velde: Insects in Heraldry. In: www.heraldica.org. 12. November 2002, abgerufen am 25. Juni 2022 (englisch): „Bees appear as a canting device for a number of families (..) The bee is found in British heraldry, aside from the canting arms mentioned above:
    • Dore (per pale azure and gules three bees or),
    • Abercromby baron Abercromby (crest: a bee proper),
    • Samuel,
    • Gerlington and
    • Sewell (sable a chevron between three bees volant erect argent),
    • Byres (azure a chevron between three bees argent),
    • de Verthon (Azure on a fess argent a bee volant arriere sable),
    • Butterfield (Or on a bend azure three bees volant argent),
    • Campbell of Gargamock (Gironny of eight ermine and gules on each of the last a bee volant argent).
    • Earl Beatty of the North Sea: Azure a beehive beset by nine bees volant or, on a chief argent a cross of St. George gules.“
  12. Giovanna Barberini in der TV-Sendung „Barockes Rom“ auf 3SAT, ursprünglich SWR, 2005.
  13. François Velde: Insects in Heraldry. 12. November 2002, abgerufen am 16. Juni 2022 (englisch).
  14. Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland: Spaur-Z. Band 4. Regensburg, 1866. S. 72. (Google)
  15. Герб рода дворян фон-Таль. Geraldika.ru, S. 30, abgerufen am 18. Juni 2022 (russisch).
  16. Pfister, Albert von: Wagner-Frommenhausen, Rudolf Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 782-783 [Online-Version, abgerufen: 20. Juni 2022]
  17. Edmund von der Becke-Klüchtzner: Der Adel des Königreichs Württemberg: neu bearbeitetes Wappenbuch mit genealogischen und historischen Notizen. Stuttgart, 1879. S. 203. Tafel 25. Google)
  18. Johann Siebmacher: Die Wappen bürgerlicher Geschlechter Deutschlands und der Schweiz. Reprograph.W-Logo.png Nachdr. von Siebmacher’s Wappenbuch Band 5, N. F., Abt. 1–3, Nürnberg 1936, 1961 u. 1967. In: Otto Titan von Hefner; Adolf Matthias Hildebrandt; Gustav Adelbert Seyler (Hrsg.): J. Siebmacher’s großes Wappenbuch. Band 13; Neue Folge Band 5. Bauer und Raspe, Neustadt an der Aisch 1975, DNB 750244755, S. 12.
  19. Johann Siebmacher: Zweitausend Wappen bürgerlicher Geschlechter Deutschlands und der Schweiz. In: Otto Titan von Hefner; Adolf Matthias Hildebrandt; Gustav Adelbert Seyler (Hrsg.): Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch. Band 5 (Bürgerliche Geschlechter Deutschlands und der Schweiz), 1. Abt. Bauer und Raspe, Nürnberg 1857, S. 26 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10362308~SZ%3D38~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  20. Johann Siebmacher: Fünfzehnhundertachtundzwanzig bürgerliche Wappen. In: Otto Titan von Hefner; Adolf Matthias Hildebrandt; Gustav Adelbert Seyler (Hrsg.): Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch. Band 5 (Bürgerliche Geschlechter Deutschlands und der Schweiz), 8. Abt. Bauer und Raspe, Nürnberg 1909, S. 6 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fgdz.sub.uni-goettingen.de%2Fid%2FPPN830247726%3Ftify%3D%257B%2522pages%2522%253A%255B14%255D%257D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  21. Lexikon der Symbole: Biene. Knaurs Lexikon der Symbole, S. 150. (vgl. LdS, S. 62-63). 1989, 1994, 1998.
  22. Die Biene – ein königliches Tier
  23. Seite „Bonaparte“W-Logo.png. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. April 2022, 06:43 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bonaparte&oldid=221767372 (Abgerufen: 16. Juni 2022, 20:29 UTC)
  24. Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 144 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
  25. Blasonierung
    • Schild: Argent, three Sheaves of three Arrows proper, two and one banded Gules, on a Chief Azure, a Bee volant Or.
    • Crest: A Demi-Lion rampant Argent, gorged with a Collar Azure, charged with three Bezants, holding between the paws a Shuttle Or.
    • Schildhalter:
      • Rechts: A Lion reguardant Argent.
      • Links: A Gryphon reguardent Or. Both gorged with a Chain Or, pendent therefrom an Escutcheon Azure, charged with a Mace erect Or.
  26. Douglas Hurd: Robert Peel. A biography. Weidenfeld & Nicolson, 2007. S. 6. (englisch; ISBN 9780297848448)
  27. Richard A. Gaunt (Red.): Sir Robert Peel. Contemporary Perspectives. Volume I. Routledge, 2022. (englisch; ISBN 9781315400686; Kapitel: Robert, son of Robert, son of Robert.)