Skorpion (Wappentier)

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Skorpion
 
1889: steigend (nach Siebmacher)
SlatiniceW-Logo.png, Tschechien

Der Skorpion (auch Scorpion; ursprünglich entlehnt aus altgriechisch σκορπίων skorpíōn[1] oder  σκορπίος skorpíos,[2] übertragen zu lateinisch scorpio, über althochdeutsch scorpiōn, mittelhochdeutsch sc(h)orpiōn[3][4]; französisch scorpion; englisch scorpion) ist in der Heraldik ein seltene gemeine Figur.

Darstellung

Das Wappentier Skorpion ist nicht einem bestimmten oder besonderen natürlichen SkorpionW-Logo.png der weltweit etwa 2.350 Arten mit ca. 13 Familien nachempfunden.[5] Vielmehr lehnt sich die heraldische Figur an das IdealbildW-Logo.png eines Skorpions mit den typischen zwei großen Scheren, acht Beinen und dem mit einem Stachel „bewaffneten“ Schwanz an, das sich von empirisch gegebenen Realtypen signifikant unterscheiden kann. Die besondere Ausprägung der Skorpion-Wappenfigur (Bothriuridae, Buthidae, Caraboctonidae oder ähnliches) ist in der Wappenbeschreibung nur zu ergänzen, wenn sie von heraldischer Bedeutung für ein Wappen oder für die Wappenführenden ist. In jedem Fall ist die Skorpionfigur so heraldisch zu stilisieren, dass sich ihre Darstellung im Wappen von vergleichbaren Wappentieren, insbesondere von Krebsfiguren, deutlich unterscheidet.

Die Figur Skorpion wird im Schild gewöhnlich in Aufsicht-DarstellungW-Logo.png, mit dem Kopf in Richtung oberen Schild-/Feldrand („steigend“) dargestellt. Andere Stellungen sind zu melden. Die Richtung, in die der Schwanz zeigt, kann angezeigt werden; wird sie nicht angegeben, obliegt die Stellung des Schwanzes der künstlerischen Freiheit des Wappenkünstlers und sollte so aufgerissen werden, dass die Gesamtharmonie des Wappenaufrisses unterstützt wird.

Bevorzugt sind Skorpione in Wappen schwarz, silber oder rot gefärbt (tingiert); sie können aber in jeder anderen heraldischen Farbe erscheinen. Skorpionfiguren kommen nicht nur im Wappenschild, sondern auch im Oberwappen vor.

Verbreitung

Skorpion im Wappen von Étienne Jacques Joseph Macdonald

Das Wappentier Skorpion findet sich zum Beispiel im Wappen der Herzöge von Tarent Macdonald [7] und bei der Familie Schorpp von Freudenberg. Auch die italienische Familie Tranquillo di Roccangitola, aus der der Schriftsteller und Theologe Ilario TranquilloMuster-Kreuz-inv.png (1668-1743) stammt, führt einen Skorpion im Wappen. Im Wappen der Freiherren Jurischitz/Jurišić/Juritschitsch von Güns (Krainer Adel) erscheint in einem Gold-Schwarz geteilten Schild unten ein goldener Skorpion. Derselbe wird im Oberwappen wiederholt, wo ein schwarzer Federbusch mit dem Wappentier belegt ist.[8] Im Siebmacher wird der Skorpion auch bei den Familien Dombrowski und Kirchhoff erwähnt.

Verwechslungen beim Wappenbild Skorpion

Skorpion im Familienwappen Schorpp von Freudenberg (nach Siebmacher, 1911)

Bei historischen Wappen ist es manchmal nicht zweifelsfrei geklärt, ob tatsächlich eine Skorpionfigur im Wappen erscheint. Beispielsweise erläutert Gustav Adelbert Seyler 1911 im Siebmacher das Schildbild der ausgestorben, baden-württembergischen Adelsfamilie Schorpp von Freudenberg folgendermaßen:

„Albert Schorp 1274, Conrad Schorp, Edelknecht 1318. Ortolf Schorpp von und sein Bruder Conrad verkaufen 1401 einen Hof zu BlochingenW-Logo.png (Oberamt SaulgauW-Logo.png). Konrad Schorpp von Freudenberg hat 1467 den Burgsitz zu BeurenW-Logo.png (Oberamt NürtingenW-Logo.png). Junker Hans Georg Schorp von Freudenberg 1560 auf dem Armbrustschießen in Stuttgart. Nach den älteren Siegeln von 1401, von welchen Herr von Alberti S. 706 die Schilde gibt, scheint das Wappenbild eine Schildkröte zu sein. Jakob Schorpp von Freudenberg 1501 führt einen Krebs, der wohl als unrichtig gezeichneter Skorpion anzusehen ist. Helm: das Tier zwischen zwei Flügeln. Das jüngere Wappenmanuskript aus dem Nachlass Bodmanns gibt den Skorpion schwarz in Gold. Helm: Flügel wie Schild. Decken: schwarz-silbern.“

Siebmacher (1911)[9]

Als Stammsitz der Familie kommt in diesem Fall die Burg FreudenbergW-Logo.png, Ostrach in Frage. Zur Verwirrung trägt bei, dass im Zusammenhang mit dem gleichen, angeblich redenden Wappen (schwarzer Skorpion im goldenen Felde) andere Heraldiker (Gritzner, Hefner, Rietstap u. a.) die Familie Scorp/Skorp/Scorpen von Freudenberg aus der Schweiz anführt, die eines Stammes mit der Familie Schorup aus Straßburg sein soll.[10][11]

Ähnlich ist es im Falle der Familien von RekowskiCoat of Arms Polish Crown 01.png, Doczy v Nagylucse, Lipcsey v Nagy Lucse, wo das im Wappen erscheinende Wappentier in der Literatur meist als „Krebs“ bezeichnet wird, im Siebmacher aber explizit auch ein „Skorpion“ erwähnt wird.[12]

Paraheraldik

Das Motiv Skorpion wird zuweilen von der Paraheraldik benutzt, z. B. im Firmenlogo der italienischen Automarke AbarthW-Logo.png.

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Skorpion in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Pape, bearbeitet von Max Sengebusch: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1: Α–Κ, Band 2: Λ–Ω. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Stichwort „σκορπίων“.
  2. Wilhelm Pape, bearbeitet von Max Sengebusch: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1: Α–Κ, Band 2: Λ–Ω. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Stichwort „σκορπίος“.
  3. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Skorpion (Wappentier)“.
  4. Duden online „Skorpion (Wappentier)
  5. Jan Ove Rein: The Scorpion Files, abgerufen am 19. Januar 2018.
  6. Blason: In Gold ein grüner Basilisk, mit rotem Schnabel, ebensolchem Kamm und Beinen und goldenen Flügeln, einen schwarzen Skorpion vertilgend.
  7. Blason: „Geviertet, mit G. Schildfuß, darin schrägrechts ein Sch. Skorpion und einem dem Schild in der Mitte wie ein Herzschild aufgelegten R. steigenden Mond. 1. in S. ein R. Löwe, 2. in G. ein R.-geharnischter Arm (oft schwebend, oft aus dem Rand hervorgehend) haltend ein R. Fußspitzwiederkreuz, 3. in G. auf Gr. Meer, darin ein schwimmender S. Lachs, eine R. beflaggte Sch. Galeere, 4. in S., überhöht von Sch. Adler ein natürlicher Eichenbaum.“
  8. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, IV. Band, 15. Abteilung, 1. Teil; Der Adel von Ungarn samt den Nebenländern der St.Stephanskrone; Verfasser: G. von Csergheö; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1893. S. 277 f. Tafel 209-210.
  9. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 2. Abteilung; Abgestorbener Württemberger Adel; Verfasser: G.A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1911. S. 232. Tafel 130
  10. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889/1890. S. 96. Tafel 21. Figur 19. Reprint on Demand. Universtitäts- und Landesbibliothek Tirol. 2009. ISBN 3-226-00671-1.
  11. Otto Titan von Hefner: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. Band 1, Heraldisches Institut, München 1861, S. 83 und Tab.XVI Fig.478.
  12. Vgl. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, III. Band, 2. Abteilung, 2. Band, 2. Teil; Der Preussische Adel: Nachträge u. Verbesserungen: Freiherren und Grafen; Verfasser: G.A. von Mülverstedt; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1906. S. 151 ff.
  13. : Maurer, Combat Squadrons, S. 244. Genehmigt am 7. Juli 1956