Veilchen (Heraldik)

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Natürliche Veilchen an belaubten grünen Stengeln im Familiewappen Veygel (Wappenbrief 1545)
Eine silberne und drei silbern-besamte blaue Veilchenblüten („Viola jooi Janka“), die im Wappen Janka redend auf den Familiennamen verweisen.

Das Veilchen (frz. violette, engl. violet plant) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur. Es steht in redenden Wappen für Familiennamen wie Vey(h)el, Vey(h)elmann, Veygel, Veihel, Veihelbaum, Veigel-/Viol-/Vigelmeier, Weyel, Vio(h)l, Vijohl, Feig(e)l, Feyel, Feugel und so weiter.

Darstellung

Das Veilchen wird oft in Dreizahl dargestellt. Die bevozugte Tingierung für das Motiv ist „blau“, häufig mit grünen Stengel und grünen Blättern. Die typischen Merkmale eines Veilchens (Form der Blüte und der Blätter) sind in der Darstellung vorzugsweise deutlich erkennbar zu vergrößern und zu stilisieren, damit Verwechslungen mit anderen Pflanzen möglichst ausgeschlossen werden.

Siebmacher

Veilchen (Tafel XXIV. Figur 69.): Ist wohl ein Unicum.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Hefner

Veilchen: b. mit gr. Stiel und Blättern in S.: Babut, Frankreich (576). -- Drei; g. (alias s.) an gr. Stengeln aus gr. Dreiberg in B.: Veihelbaum, Tirol (580).“

Otto Titan von Hefner (1861)[2]

Abgrenzung

Äquivalente Wappenfiguren
 
Veilchen
nach WBO, Nr. 2781
 
Stiefmütterchen
nach WBO, Nr. 2766

Veilchen sind in Wappen-Darstellungen aufgrund der heraldischen Stilierung manchmal nicht von Stiefmütterchen zu unterscheiden (die eine Gruppe von Arten aus der Gattung der Veilchen sind). Beispielsweise werden die drei Blumen im Wappen der französischen Familie Babut je nach Quelle mal als Stiefmütterchen, mal als Veilchen beschrieben.

Galerie

Symbolik

Madonna mit Veilchen (Stefan Lochner, 1450)

Das Veilchen und der Veilchenkranz verweisen außerhalb der Heraldik auf unterschiedliche Bedeutungen. Sie stehen zum Beispiel für:

  • Bescheidenheit
  • Demut („Beugung des Herzens“)
  • Melancholie, Weisheit und Philosophie
  • Herzens-/Gefühlsreinheit
  • Sanftmut, Zurückgezogenheit, Verschämtheit, Stille (ungesehn, im Stillen Gutes tun.)
  • (Verborgene) Liebe (bereits im griechischen Altertum schenkten sich Liebende als Zeichen der Zuneigung Veilchen.)
  • die MadonnaW-Logo.png (seit dem späten Mittelalter und der Renaissance).
  • den Schmerz über Christi Tod und die weltweite Verbreitung der christlichen Lehre (oft dargestellt durch Veilchen neben dem Kreuz Christi)
  • Trauer (das Violett und das Blau des Veilchens gelten teilweise als Trauerfarben; „Blau“ z. B. im Seemänischen)
  • das Volk der IonierW-Logo.png

Blaue Blume

In der Literatur fehlt es nicht an Versuchen, das Veilchen als reale Entsprechung für die Blaue BlumeW-Logo.png der Romantik anzunehmen, die für Sehnsucht und Liebe und für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen steht:

„Lauffer behauptet nach Uhland und ohne mittalterlichen Nachweis, das Veilchen (Viola) sei -- „ursprünglich schlechthin das 'blaue Blümlein' im Sinne der minniglichen Farbensymbolik. Es ist die Blume der Treue, und es ist in dieser Eigenschaft erst später durch das Vergißmeinnicht verdrängt worden. --“ und deutet an, daß er hierin gerne eine Identifikation der Blauen Blume der Romantik sehen würde. Der früheste Beleg finde sich in einer Marienpredigt des 14. Jahrhunderts, wo die "fyole" (..) allerdings als Symbol der Bescheidenheit Mariens ausgewiesen wird.“

Schuth, Dietmar (1995)[3]

Mythologie und Brauchtum

Das Veilchen war in der griechischen, römischen und germanischen Mythologie eine mehreren Gottheiten geweihte Kultpflanze. Darüber hinaus verbinden viele Kulturkreise und Völker des Altertums mit dem Veilchen spezifische Sagen und Bräuche, die oft das Entstehen des Veilchens mythologisch erklären. Aus der WikipediaW-Logo.png und anderen Quellen erfahren wir zum Beispiel:

  • Das blaue bis violette Veilchen (Viola odorata) steht als Zeichen für den germanischen Kriegsgott Thor/Thyr und heißt heute noch in Island „Thyrsfolia“.[3]
  • Das Veilchen war der PersephoneW-Logo.png und dem Gott PanW-Logo.png geweiht, dem Veilchensträuße dargebracht wurden.
  • In der griechischen Mythologie wird das Veilchen mit Iole (griechisch Ἰόλη), der Tochter des Königs Eurytos von Oichalia, gleichgesetzt. Diese war dem Herakles als Preis für einen gewonnenen Wettkampf im Bogenschießen als Frau versprochen. Eurytos verweigerte jedoch die Herausgabe. Herakles rächte sich, tötete Eurytos, eroberte Oichalia, entführte Iole als Kriegsbeute und gab sie seinem Sohn Hyllos zur Frau.
  • Die griechische Sage kennt folgende Entstehungsgschichte: Eine schöne Tochter des himmeltragenden Titanen AtlasW-Logo.png wurde vom Sonnengott mit seinen Strahlen verfolgt. Das Mädchen versuchte verzweifelt, dem Ansinnen des Sonnengottes zu entfliehen. Es bat den Göttervater ZeusW-Logo.png um Hilfe. Voller Mitleid verwandelte dieser das Mädchen in ein Veilchen, das geschützt vor den Strahlen des Sonnengottes seitdem im Unterholz des Waldes wächst.
  • In der griechisch-römischen Mythologie taucht das Veilchen oft als Symbol der Liebe auf. Beispielsweise wurde VulkanW-Logo.png von der VenusW-Logo.png nur geküßt, weil er nach Veilchen duftete. Und Zeus lies für die Nymphe IoW-Logo.png, die er als Schutz vor der eifersüchtigen Hera in eine Kuh verwandelt hatte, eine Wiese duftender Veilchen erblühen, die der Kuh als Speise dienen sollten.
  • Nach einer wendischenW-Logo.png Sage wurde die Tochter des Götzen TschernebogW-Logo.png in ein Veilchen verwandelt, das alle zehn Jahre einmal in der WalpurgisnachtW-Logo.png blüht. Wer es dann pflückt, erlöst die Jungfrau und erhält sie mit all den Schätzen ihres Vaters als Frau.

Heraldiker und Veilchen

Joachim Oepen verglich die Arbeit der Heraldiker mit jener von Gärtnern, die sich um Veilchen bzw. Pflänzchen bemühen, die abseits vom wissenschaftlichen Mainstream blühen.

„Hilfswissenschaftler gleichen bisweilen (..) Gärtnern, die sich in den in ihrem Bestand gefährdeten Parks -- das sind hier die bedrohten Geschichts-, in der Sonderheit die Hilfswissenschaften -- um die Rabatten am Rande einsamer Wege kümmern. Jene Zeitgenossen oder Liebhaber, die sich um Pflänzchen sorgen, die unbemerkt an den Besucherwegen blühen, etwa um Veilchen unter üppigen Rosen, sind die Heraldiker. Ihr Arbeit ist für das Aussehen des Parks nebensächlich, ja unwesentlich, für die so unverwechselbar duftenden blauen Blümchen (der Romantik?) und manch großartigem Strauß aber wichtig.“

Joachim Oepen (1889)[4]

Wappenbilderordnung

Das Veilchenmotiv wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 2781 aufgenommen.

Paraheraldik

Weblinks

 Commons: Veilchen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. 1861.
  3. 3,0 3,1 Schuth, Dietmar: Die Farbe Blau: Versuch einer Charakteristik. Band 5 von Theorie der Gegenwartskunst. Münster. 1995.
  4. Oepen, Joachim: Historische Hilfswissenschaften: Stand und Perspektiven der Forschung. Köln, Weimar. 2005.