Veilchen (Heraldik)
Das Veilchen (französisch violette; englisch violet plant) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur. Es steht in redenden Wappen für Familiennamen wie Vey(h)el, Vey(h)elmann, Veygel, Veihel, Veihelbaum, Veigel-/Viol-/Vigelmeier, Weyel, Vio(h)l, Vijohl, Feig(e)l, Feyel, Feugel und so weiter.
Darstellung
Das Veilchen wird oft in Dreizahl dargestellt. Die bevozugte Tingierung für das Motiv ist „blau“, häufig mit grünen Stengel und grünen Blättern. Die typischen Merkmale eines Veilchens (Form der Blüte und der Blätter) sind in der Darstellung vorzugsweise deutlich erkennbar zu vergrößern und zu stilisieren, damit Verwechslungen mit anderen Pflanzen möglichst ausgeschlossen werden.
„Veilchen (Tafel XXIV. Figur 69.): Ist wohl ein Unicum.“
„Veilchen: b. mit gr. Stiel und Blättern in S.: Babut, Frankreich (576). -- Drei; g. (alias s.) an gr. Stengeln aus gr. Dreiberg in B.: Veihelbaum, Tirol (580).“
Abgrenzung
Veilchen sind in Wappen-Darstellungen aufgrund der heraldischen Stilierung manchmal nicht von Stiefmütterchen zu unterscheiden (die eine Gruppe von Arten aus der Gattung der Veilchen sind). Beispielsweise werden die drei Blumen im Wappen der französischen Familie Babut je nach Quelle mal als Stiefmütterchen, mal als Veilchen beschrieben.
- Wappen der franz. Familie Babut
Galerie
Das Wappen von New Brunswick stellt im Postament Veilchen dar.
Symbolik
Das Veilchen und der Veilchenkranz verweisen außerhalb der Heraldik auf unterschiedliche Bedeutungen. Sie stehen zum Beispiel für:
- Bescheidenheit
- Demut („Beugung des Herzens“)
- Melancholie, Weisheit und Philosophie
- Herzens-/Gefühlsreinheit
- Sanftmut, Zurückgezogenheit, Verschämtheit, Stille (ungesehn, im Stillen Gutes tun.)
- (Verborgene) Liebe (bereits im griechischen Altertum schenkten sich Liebende als Zeichen der Zuneigung Veilchen.)
- die Madonna
(seit dem späten Mittelalter und der Renaissance). - den Schmerz über Christi Tod und die weltweite Verbreitung der christlichen Lehre (oft dargestellt durch Veilchen neben dem Kreuz Christi)
- Trauer (das Violett und das Blau des Veilchens gelten teilweise als Trauerfarben; „Blau“ z. B. im Seemänischen)
- das Volk der Ionier

Blaue Blume
In der Literatur fehlt es nicht an Versuchen, das Veilchen als reale Entsprechung für die Blaue Blume
der Romantik anzunehmen, die für Sehnsucht und Liebe und für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen steht:
„Lauffer behauptet nach Uhland und ohne mittalterlichen Nachweis, das Veilchen (Viola) sei -- „ursprünglich schlechthin das 'blaue Blümlein' im Sinne der minniglichen Farbensymbolik. Es ist die Blume der Treue, und es ist in dieser Eigenschaft erst später durch das Vergißmeinnicht verdrängt worden. --“ und deutet an, daß er hierin gerne eine Identifikation der Blauen Blume der Romantik sehen würde. Der früheste Beleg finde sich in einer Marienpredigt des 14. Jahrhunderts, wo die "fyole" (..) allerdings als Symbol der Bescheidenheit Mariens ausgewiesen wird.“
Mythologie und Brauchtum
Das Veilchen war in der griechischen, römischen und germanischen Mythologie eine mehreren Gottheiten geweihte Kultpflanze. Darüber hinaus verbinden viele Kulturkreise und Völker des Altertums mit dem Veilchen spezifische Sagen und Bräuche, die oft das Entstehen des Veilchens mythologisch erklären. Aus der Wikipedia
und anderen Quellen erfahren wir zum Beispiel:
- Das blaue bis violette Veilchen (Viola odorata) steht als Zeichen für den germanischen Kriegsgott Thor/Thyr und heißt heute noch in Island „Thyrsfolia“.[3]
- Das Veilchen war der Persephone
und dem Gott Pan
geweiht, dem Veilchensträuße dargebracht wurden.
- In der griechischen Mythologie wird das Veilchen mit Iole (griechisch Ἰόλη), der Tochter des Königs Eurytos von Oichalia, gleichgesetzt. Diese war dem Herakles als Preis für einen gewonnenen Wettkampf im Bogenschießen als Frau versprochen. Eurytos verweigerte jedoch die Herausgabe. Herakles rächte sich, tötete Eurytos, eroberte Oichalia, entführte Iole als Kriegsbeute und gab sie seinem Sohn Hyllos zur Frau.
- Die griechische Sage kennt folgende Entstehungsgschichte: Eine schöne Tochter des himmeltragenden Titanen Atlas
wurde vom Sonnengott mit seinen Strahlen verfolgt. Das Mädchen versuchte verzweifelt, dem Ansinnen des Sonnengottes zu entfliehen. Es bat den Göttervater Zeus
um Hilfe. Voller Mitleid verwandelte dieser das Mädchen in ein Veilchen, das geschützt vor den Strahlen des Sonnengottes seitdem im Unterholz des Waldes wächst.
- In der griechisch-römischen Mythologie taucht das Veilchen oft als Symbol der Liebe auf. Beispielsweise wurde Vulkan
von der Venus
nur geküßt, weil er nach Veilchen duftete. Und Zeus lies für die Nymphe Io
, die er als Schutz vor der eifersüchtigen Hera in eine Kuh verwandelt hatte, eine Wiese duftender Veilchen erblühen, die der Kuh als Speise dienen sollten.
- Nach einer wendischen
Sage wurde die Tochter des Götzen Tschernebog
in ein Veilchen verwandelt, das alle zehn Jahre einmal in der Walpurgisnacht
blüht. Wer es dann pflückt, erlöst die Jungfrau und erhält sie mit all den Schätzen ihres Vaters als Frau.
Heraldiker und Veilchen
Joachim Oepen verglich die Arbeit der Heraldiker mit jener von Gärtnern, die sich um Veilchen bzw. Pflänzchen bemühen, die abseits vom wissenschaftlichen Mainstream blühen.
„Hilfswissenschaftler gleichen bisweilen (..) Gärtnern, die sich in den in ihrem Bestand gefährdeten Parks -- das sind hier die bedrohten Geschichts-, in der Sonderheit die Hilfswissenschaften -- um die Rabatten am Rande einsamer Wege kümmern. Jene Zeitgenossen oder Liebhaber, die sich um Pflänzchen sorgen, die unbemerkt an den Besucherwegen blühen, etwa um Veilchen unter üppigen Rosen, sind die Heraldiker. Ihr Arbeit ist für das Aussehen des Parks nebensächlich, ja unwesentlich, für die so unverwechselbar duftenden blauen Blümchen (der Romantik?) und manch großartigem Strauß aber wichtig.“
Wappenbilderordnung
- Das Veilchenmotiv wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 2781 aufgenommen.
Paraheraldik
Das paraheraldische Wappen der Leipziger Burschenschaft Dresdensia
entlehnt das Violett vom Veilchen, um Frühlings-/Freiheitslust zu symbolisieren.
Der Sportverein Tennis Borussia Berlin
bzw. die sogenannten Veilchen tingieren ihr Vereinswappen im Violett vom Veilchen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
- ↑ Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. 1861.
- ↑ 3,0 3,1 Schuth, Dietmar: Die Farbe Blau: Versuch einer Charakteristik. Band 5 von Theorie der Gegenwartskunst. Münster. 1995.
- ↑ Oepen, Joachim: Historische Hilfswissenschaften: Stand und Perspektiven der Forschung. Köln, Weimar. 2005.