Ölbaum (Heraldik)

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Ölbaum
(gemäß Siebmacher)
Olea europaea – Illustration aus „Köhler’s Medicinalpflanzen“ von 1887.
 A: Blühender Zweig
 1: Geschlossene Blüte = Blütenknospe
 2: Staubblätter, Vorder- und Rückseite in geöffneter Blüte
 3: Blütenstempel in Blüte ohne Blütenhüllblätter
 4: Olivenkern = Same der Steinfrucht, rechts Längsschnitt
 5: Staubblatt
 6: Blüte und Fruchtknoten: Längsschnitt
 7: Olive im Querschnitt, Fruchtfleisch und Samen darstellend
 8: Steinfrucht (Olive)  9: Sternhaar

Die Wappenfigur Ölbaum (auch Olivenbaum genannt; frz.: olivier; engl.: olive-tree) und alle ihre Teile (Öl-/Olivenast, Öl-/Olivenzweig, Öl-/Olivenblatt, Olive/Olivenbaumfrucht) erscheinen in vielfältiger Weise in der Heraldik und sind gewöhnlich gemeine Figuren.

Grundsätzlich differenziert das Wappenwesen weder bei der Blasonierung noch in der heraldisch-stilisierten Darstellung der Figur Ölbaum/Olivenbaum zwischen den etwa 40 bis 50 Arten der biologischen ÖlbäumeW-Logo.png. In der Regel ist die Figur dem „Echten Ölbaum/Olivenbaum“ (lat.: olea europaea) nachempfunden. Spezielle Olivenbaum-Anlehnungen sind dann zu melden, wenn sie tatsächlich heraldisch oder darstellerisch relevant sind beziehungsweise die Wappenführenden/-stifter diese als wesentliches Merkmal ihres Wappens bestimmen.

Geschichte

Walter Leonhard hat die These aufgestellt, daß die Figuren Ölbaum und Ölzweig erst im Zeitalter des Renaissance-Humanismus (15./16. Jahrhundert) beziehungsweise später mit der Entstehung des Pietismus in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Einzug in das Wappenwesen fanden.

„Dem Humanismus und Pietismus verdankt die Heraldik den Ölbaum und den Ölzweig, Friedenssymbole der heidnischen Antike und der biblischen Welt.“

Walter Leonhard (2003)[1]

Belegbar ist, daß die gemeine Figur „Olive“ zur Wappenkunst gehörte, als unter Kaiser Friedrich III.W-Logo.png (1415-1493) Wappenbriefe verliehen wurden[2]. Oskar Göschen bemerkt das Vorhandensein des Ölzweigs im Schnabel der Wandertaube zur Zeit von Karl V.W-Logo.png (1500-1558):

„(..) die Wandertaube mit oder ohne Ölzweig, welche nachweislich von mehreren ausgewanderten Geschlechtern zu späterer Zeit, doch schon unter Karl V. zum sinnbildlichen Helmschmuck genommen worden ist (..)“

Oskar Göschen (1906)[3]

Tiefergehende Forschungen zum ersten Auftauchen von Olivenbaum, Olivenzweig, Olive und so weiter im Wappenwesen stehen noch aus.

Darstellung

Öl-/Olivenbaum

Die gemeine Figur Öl-/Olivenbaum wird in der Heraldik dargestellt ..

  • .. mit Astwerk;
    gewöhnlich mit arteigenen Olivenblättern, teils mit übernatürlich großen Früchten („Oliven“), was gemeldet werden kann, teils ohne.
  • .. mit geschlossener, fast runder Krone;
    gewöhnlich mit einer unbestimmten Anzahl von Oliven.

Zur Unterscheidung von anderen Baumfiguren ist es empfehlenswert, den Öl-/Olivenbaum mit den arteigenen Merkmalen (Olivenblätter, Oliven) in der heraldischen Vereinfachung und mit deutlicher Überzeichnung darzustellen. In der Regel erscheint der Öl-/Olivenbaum in Wappen mit einem starken knorrigen Stamm beziehungsweise „entwurzelt“ (das heißt mit starken, „ausgerissen“ Wurzeln). Wird der Olivenbaum anders im Wappen präsentiert (zum Beispiel „aus einem Dreiberg wachsend“ oder ähnliches), so ist dies zu melden.

Alle heraldischen Farben sind bei der Darstellung des Olivenbaums in Wappen gebräuchlich. Grün, Gold und Silber sind bevorzugt. Zuweilen sind Öl-/Olivenbäume und deren Teile (insbesondere Stamm, Wurzeln, Äste, Oliven) in Naturfarbe tingiert, was nach Überzeugung vieler heraldischen Quellen nicht empfehlenswert ist und in gewissem Sinn heraldische Farbregeln verletzt.

Öl-/Olivenzweig

Der Öl-/Olivenzweig ist im Wappen oft schräg oder linksschrägs, aber auch balkenweis oder pfalweis gestellt. Er treibt gewöhnlich einige Blätter und deutlich hervorgehobene Oliven.

Oel- oder Olivenzweige werden in Wappen ziemlich häufig geführt, auch zum Beispiel zur Bekränzung von Schwertern oder anderen Waffen; auch werden die Ölzweige gleich Palmzweigen (siehe dort) um den Schild vielfach angewandt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Öl-/Olivenzweig Prachtstück

Olivenzweige sind in der internationalen Heraldik auch als Prachtstück um und hinter dem Wappenschilde gebräuchlich, teilweise in Kombination mit Zweigen von anderen Pflanzen (Lorbeer-, Palm-, Eichenzweigen). Diese Anbringung gilt in der deutschsprachig-gepägten Heraldik als unheraldisch.

Öl-/Olivenzweig mit Taube

Öl-/Olivenblatt

Ölblatt (Tafel XXIII. Figur 50.): wird, wie der Ölzweig, der Taube in den Schnabel gegeben, die längliche Form dasselben ist bekannt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Olive

Die Olive ist in der Heraldik eine gemeine Figur. Sie ist der charakteristischen gleichnamigen Frucht nachempfunden und wird gewöhnlich mit einem Stiel dargestellt. Die Kombination der Olive mit Olivenblättern kann gemeldet werden. Die Figur erscheint in Wappen in Ein- oder Mehrzahl, wobei die genaue Anzahl und die Stellung der einzelnen Oliven zueinander beschrieben werden sollte (zum Beispiel: „Drei Oliven 2:1 gestellt“). Gewöhnlich erscheint die Olive „hängend“ (den Stiel zum oberen Schildrand gerichtet); die umgedrehte Lage (Stiel zum unteren Schildrand) ist als „gestürzt“ zu melden. Bevorzugt werden die Oliven im Wappenwesen in den Farben Grün und Schwarz dargestellt; sie können aber auch in Silber, Gold oder in einer anderen heraldischen Farbe erscheinen.

Verbreitung/Verwendung

Die Wappenfigur Olivenbaum, aber auch seine Blätter, Früchte und so weiter sind im Zusammenhang von redenden Wappen gebräuchlich. Zum Beispiel führen die Familie Olivier und das polnische Oliwa entsprechende Motive.

Ölbaum (Tafel XXIII. Figur 49.): führen zum Beispiel die Olivier in Frankreich.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[4]

Weitere Familien, die Oliven beziehungsweise andere Teile des Ölbaums im Wappen führen, sind Brehier, Groenincx, Jolivet, Paccoton, Boin, Bugal, Phelippe und andere.

Wappenbilderordnung

  • Der Öl-/Olivenbaum wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Obstbaum unter der Nr. 2140 aufgenommen.
  • Das Öl-/Olivenblatt wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen. D. Hauptteile und Steitenteile: 1. Pflanzen unter der Nr. (2140)-744 aufgenommen.
  • Der Öl-/Olivenzweig wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen. D. Hauptteile und Steitenteile: 1. Pflanzen unter der Nr. (2140)-742 aufgenommen.
  • Die Olive wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen. F. Früchte: 1. Pflanzen unter der Nr. (2140)-767 aufgenommen.
  • Der Öl-/Olivenblattkranz wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Gegenstände der Bekleidung sowie Schmuck unter der Nr. 9793-2140 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Olivenbaum in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Olivenzweig in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Taube mit Olivenzweig in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  1. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 247.
  2. Vgl. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 467.
  3. Göschen, Oskar: Entstehung und Bedeutung der Wappenbilder. In: Jahrbuch d. k. k. herald. Ges. "Adler". N. F. Bd. 16. Wien 1906. S. 61.
  4. 4,0 4,1 4,2 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 104.