Birnbaum (Heraldik)

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Birnenbaum
 
in der Natur
 
in der Heraldik
(In Silber auf grünem Dreiberg ein grüner Birnenbaum mit goldenen Früchten; nach Maximilian Gritzner, 1889)

Der Birnbaum (auch Birnenbaum, Bierbaum; mhd. birboum; lateinisch pirus; französisch poirier; englisch pear-tree) sowie die pflanzlichen Teile eines Birnenbaums – Frucht (Birne), Birnenblatt, Ast/Zweig mit Birne(n) und so weiter – erscheinen in der Heraldik in vielfältiger Form als Wappenfiguren. Sie zählen in der Regel zu den gemeine Figuren und können sowohl einzeln als auch in Kombination mit anderen heraldischen Motiven dargestellt werden.

Geschichte

 
13.-14 Jhr.: „Birnen­baum“ als Siegelfigur? (ältestes Siegel der Stadt Pirna, Reproduktion 1875)
 
1549: Birnenbaum im großen Wappen von PirnaW-Logo.png (Poster zum Stadtfest von 1983)
Stadtwappen von Pirna an verschiedenen Gebäuden der Stadt

Heraldische Darstellungen des Birnbaums oder der Birne sind bis heute (Stand 2025) seltene und nur unzureichend erforschte Erscheinungen. Für die Frühzeit des Wappenwesens (11.–13. Jahrhundert) sind sie weder als gebräuchliche noch als zweifelsfrei belegte Siegel- oder Wappenfiguren nachgewiesen. Das Fehlen eindeutiger Belege aus der frühen Zeit kann ein Hinweis darauf sein, dass spätere Zuschreibungen und Deutungen von vermeintlichen „Birnenmotiven“ mit besonderer Vorsicht zu betrachten sind. Diese beruhen unter Umständen auf volksetymologischen oder bildassoziativen Missverständnissen. So deuteten beispielsweise im 19. Jahrhundert Heraldiker wie Gustav Adelbert Seyler und andere Autoren die in den Stadtsiegeln von Pirna aus den Jahren 1299 und 1335 dargestellte Baumfigur als „Birnbaum“ – eine Deutung, die sie mit der romantisierenden und umgangssprachlichen Gleichsetzung von „Pirna“ mit „Birne“ verbanden:

„Das älteste schildförmige Siegel der Stadt Pirna in Sachsen enthält einen Birnbaum, in echter heraldischer Stylisierung, ein redendes Wappen bester Form.“

Nach der neueren sprachwissenschaftlichen Darstellung von Ernst EichlerW-Logo.png ist der Ortsname „Pirna“ jedoch auf das slawische pirno oder pirna zurückzuführen, das „glühende Asche“ bedeutet und sich geographisch auf eine Feuer-Rodungsstelle oder Opferstätte beziehen könnte.[2] Auch ikonographisch lässt sich die frühe Siegel- bzw. Wappenfigur von Pirna nicht eindeutig als „Birnbaum“ identifizieren. Sie kann ebenso gut als „Linde“, als „gemeiner Baum“, der gar keine Früchte trägt oder anderes mehr gedeutet werden; die in der Miniaturdarstellung erkennbaren, ein, zwei „birnenförmigen“ Elemente sind in diesem Falle eher als graphische Vereinfachung oder als missglückte Blattdarstellungen denn als Hinweis auf eine bestimmte Baumart zu verstehen.

Birnen- oder Birnbaum-Motive tauchen vermutlich erst im Zeitalter des Renaissance-Humanismus (15./16. Jahrhundert) beziehungsweise später verstärkt in der Wappenkultur auf. So sind nach Klemens Stadler beispielsweise die großen Birnenfrüchte „am Baum schon in einem Gerichtssiegel (des Ortes PyrbaumW-Logo.png) aus dem 15. Jahrhundert erkennbar, das das für den alten Ortsnamen Birnbaum redende Bild im Tartschenschild zeigt“[3]:

„Mit Farbangaben verlieh es 1527 Kaiser Karl V. dem erst 1540 mit Marktrecht begabten Dorf und dem Gericht als Wappen.“

Tiefergehende Forschungen zum ersten Auftauchen von Birnenbaum, Birnenzweig, Birne und so weiter im Wappenwesen stehen noch aus.

Darstellung

Die Figuren rund um die Birne sind in einem weiten Sinn IdeabildernW-Logo.png der Pflanzengattung Birne (lat.: pyrus) nachempfunden, wobei das Wappenwesen weder bei der Blasonierung noch in der heraldisch-stilisierten Darstellung zwischen den ca. 5000 biologischen Birnensorten exakt differenziert. Grundsätzlich sollten spezielle Birnenarten/-sorten mit ihrem Eigennamen dann gemeldet werden, wenn sie tatsächlich heraldisch oder darstellerisch relevant sind beziehungsweise die Wappenführenden/-stifter diese als wesentlich für ihr Wappens bestimmen.

Birnenbaum

Der Birnenbaum wird in der Heraldik dargestellt:

  • entweder als Birnenastwerk/Birnenbäumchen mit Blättern und Früchten (deren Anzahl gemeldet werden kann)
  • oder als Birnenbaum mit geschlossener Krone mit einer unbestimmten Anzahl von Früchten

Unabhängig davon, ob die gemeine Figur Birnenbaum mit einer bestimmen oder unbestimmten Anzahl von Früchten („Birnen“), Blättern, Blüten im Wappen erscheint, sollten die charakteristischen, artbestimmenden Merkmale des Baumes wappengerecht stilisiert sein (zum Beispiel mit übernatürlichen großen Früchten und Blüten, diese in abstechenden heraldischen Farbkontrast, das Ast-/Zweig und Laubwerk symmetrisch und so weiter). Wird der Birnenbaum am Spalt halbiert und mit einem anderen Baum kombiniert, so ist dies stets zu melden.

„Der Birnbaum (Tafel XXIII. Figur 58.): (kennzeichnet sich ..) durch die bekannte Form (der) Früchte, ohne welche (er) niemals (vorkommt), ebenso (sind) daran (seine) Zweige (..) und (seine) Früchte selbst (Figur .. 59.) leicht zu erkennen.“

Birnenbäume können in allen heraldischen Farben erscheinen, wobei eine Grün-Tinktur mit gelben Früchten besonders gebräuchlich ist. Kleinere Farbverstöße gegen heraldische Farbregeln (z. B.: „grüner Birnenbaum mit roten Birnen“, „silberner Birnenbaum mit goldenen Birnen“) gelten als erlaubte und vernachlässigbare Ausnahme vom allgemeinen heraldischen Farbkodex. Besondere Farbgebungen (zum Beispiel „Birnen Rot-Gelb geteilt“) sind zu melden.

Birne

Birne
 
in der Natur
(Kultur-Birne)
 
in der Heraldik
(Schildhaupt, ausgezogen zu einer Birne mit zwei Blättern; Wappen Hruška)

Die gemeine Figur Birne (französisch poire; englisch pear) ist den gleichnamigen reifen Früchten der kultivierten Birnenbäume (Kultur-BirneW-Logo.png) nachempfunden. Sie erscheint gewöhnlich birnenförmigW-Logo.png mit einem kurzen Stiel und ein, zwei Blättern daran, selten mit kleinen (vertrockneten) Kelchblättern an der Unterseite, die manchmal mißverständlich als Butzen gemeldet werden.

Die genaue heraldische Ausprägung der Birne kann in der Wappenbeschreibung erwähnt werden, zum Beispiel: mit Stiel / gestielt (frz.: tigé; engl.: stalked, with stalk), ohne Stiel (frz.: démanché sans tige; engl.: stalkless), mit Blättern (frz.: feuillé; engl.: leaved) oder ähnlich.

Alle Teile der Birne können unterschiedliche tingiert sein. Unterschiedliche Tinkturen sind zwingend zu melden (zum Beispiel: „rote Birne an grünem Stiel“). Bevorzugt wird die gemeine Figur Birne in Gold, Silber, Rot oder Grün dargestellt, jedoch sind alle anderen heraldischen Farben ebenfalls gebräuchlich.

Die „normale“ Stellung der Birne ist in der heraldischen Literatur nicht wohldefiniert beziehungsweise nicht einheitlich festgelegt. Um Mißverständisse zu vermeiden, kann die genaue Stellung der Birne gemeldet werden:

  • „aufrecht“ oder „mit abwärts gekehrtem Stiel“ bedeutet, daß Birnenstiel und gegebenenfalls das Laubwerk unter der Birne erscheinen und dieselbe (mit den möglichen Kelchblättern) zum oberen Schild-/Feldrand zeigt;
  • „hängend“ oder „sinkend“ bedeutet, daß Stiel und gegebenenfalls das Laubwerk oberhalb der Birne erscheinen und dieselbe (mit den möglichen Kelchblättern) zum unteren Schild-/Feldrand zeigt.

Birnen erscheinen in Wappen gewöhnlich in Ein-, Zwei- oder Dreizahl, seltener in Vier- oder Mehrzahl. Birnen in Dreizahl werden teilweise 2:1 gestellt, erscheinen aber auch 1:2, pfahlweise oder balkenweise.

Birne als Nebenfigur

Die Birne erscheint in einigen Wappen als Nebenfigur, teils gemeinsam mit einem Apfel an einem einzigen oder zwei miteinander kombinierten Ästen/Zweigen hängend, teils als Dekoration (zu, Beispiel eines Füllhorns), teils von einer anderen Figur in Hand/Pranke/Huf gehalten.

Dörrbirne

Auch die Dörrbirne (auch Hutzel, gedörrte Birne oder ähnlich genannt) ist im Wappenwesen eine gemeine Figur (vgl. zum Beispiel das Wappen von Ohmenhausen).

Birnbaum als Helmzier (Wappen von Pirna)

Ein Birnbaum mit am Stamm abgestümmelten Ästen findet sich sowohl im Schild wie in der Helmzier des großen Wappens der Stadt PirnaW-Logo.png (bzw. nur im Schild beim kleinen Wappen):

Birnbaum auf dem Walser Feld

Das Naturdenkmal Birnbaum auf dem Walser FeldW-Logo.png erscheint im Gemeindewappen von Wals-Siezenheim (Blason: „ein natürlicher, grüner, gelbbefruchteter Birnbaum“).

Wappenbilderordnung

Weblinks

Literatur

  • Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 253, Figur 20. (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).

Einzelnachweise

  1. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 309.
  2. Seite „Pirna“W-Logo.png. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Oktober 2025, 10:32 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pirna&oldid=260880625 (Abgerufen: 6. November 2025, 20:22 UTC)
  3. 3,0 3,1 Klemens Stadler: Deutsche Wappen. Bundesrepublik Deutschland. Band 6. Die Gemeindewappen des Freistaates Bayern. II. Teil: M-Z. Nachträge zu Band 4 und 6. Bremen 1968, S. 46.
  4. Nicht wörtlich zitiert nach: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 105