Esel (Wappentier)

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Esel
 
in der Natur
 
in der Heraldik
(Wappen derer von RiedheimW-Logo.png; nach Otto Hupp, 1930)

Der Esel (französisch âne; englisch donkey oder ass) ist in der Heraldik eine gemeine Figur. Als Wappentier ist das Motiv durch die großen Ohren und durch Beigaben wie eine Distel von der Wappenfigur Pferd zu unterscheiden.

Darstellung

Im Wappen wird die Eselsfigur unterschiedlich dargestellt; sie kommt beispielsweise schreitend, liegend, stehend oder anders vor. Die Grundhaltung ist aufgerichtet (= springend) mit dem Blick nach heraldisch rechts. In der springenden Form sollten die Hinterläufe dicht nebeneinander stehen. Ein Merkmal zur Unterscheidung der Esels- von der Pferdefigur ist eine Distel im Maul des Wappentieres. Eine Zeit lang (vorwiegend im 19. Jahrhundert) setzte man die Eselsfigur mit der Maultierfigur gleich. Bei der Tingierung (heraldische Farbgebung) ist jede Farbe möglich; bevorzugt erscheint die Figur in Silber, Schwarz, Rot oder Naturfarbe, selten oder gar nicht in Gold, Blau oder Grün.

Esel (Tafel XVI. Figur 22. bis 26.): Vom Pferde unterscheidet sich durch Ohren und Gestalt auch im Wappen der Esel der, warum ist uns unklar, in den Wappen, wo er vorkommt, zum Beispiel Helldorf, Riedheim, Racknitz, Reichenbach etc. gewöhnlich zum Maulthier degradirt wird. Da es in Wappen doch keine „Schand-Thiere“ giebt, so gewöhne man sich doch daran, jedes Thier beim richtigen Namen zu nennen; unsere alten Heraldiker würden es nie gewagt und noch viel weniger die Altvorderen es gethan haben, ein Bastardthier ins Wappen zu geben oder zunehmen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Oberhalber Esel

1889: Halber Esel (nach Siebmacher)

Die Figur Esel ist auch als Halbfigur im Wappenwesen gebräuchlich (angezeigt zum Beispiel als „oberhalber“ oder „halber“ gegebenenfalls auch als „wachsender“ Esel), vermutlich weil die obere Hälfte eines Esels mit zum Sprung gestellten Vorderbeinen betont kriegerisch wirkt (zum Beispiel im Wappen des meißnischen Uradelsgeschlechts von HelldorffW-Logo.png).

„(..) Figur 26. ist ein 12 Esel.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Eselskopf/Eselsrumpf

Eselskopf (Wappen ZeppelinW-Logo.png nach Otto Hupp, 1902)

Zwischen Eselskopf und Eselsrumpf wird im Wappenwesen teilweise nicht konsistent differenziert (weder in der heraldischen Darstellungen noch im Blason), so dass die Beschreibungen dieser Figuren und ihre Wappenaufrisse manchmal nicht übereistimmen. Ein Eselskopf ist, streng genommen, komplett ohne Hals aufzureissen. Allgemein gilt, dass ein Eselsrumpf im Gegensatz zum Eselskopf mit einem längeren Stück des Halses -- jedoch ohne Vorderbeine -- erscheint. Eselskopf/Eslsrumpf sollten, wenn nichts Besonderes gemeldet wird, stets abgerissen in einem Wappen erscheinen; eine gerade Schnittkante-/linie sollte gemeldet weden („abgeschnittener Eselskopf/Eselsrumpf“). Insgesamt ist der Blason (also die Beschreibung des Wappens) ausschlaggebend, nicht ein konkreter Wappenaufriss. Der Eselskopf/-rumpf ist sowohl im Wappenschild als auch im Oberwappen gebräuchlich.

Bekannt für ein Wappen mit Eselsköpfen ist zum Beispiel das Familienwappen van IttersumWp Insigne Nederlandicum.png: In Silber drei rote Eselköpfe 2-über-1. Der selbstironische Wappenspruch der Familie lautet: „Id ter sum“, was so viel bedeutet wie: „dies bin ich dreimal“.[2]

„(..) Den Eselskopf ganz vorwärts gekehrt, wie er im Polnischen Wappen Potkozic vorkommt (Tafel XVI. Figur 25.) nennt man „im Visir" (gestellt).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Riedesel

Eselskopf en face mit Distel im Maul (Wappen von RiedeselW-Logo.png im Armorial Gelre, 1369–1414)

Im Stammwappen der uradeligen Familie RiedeselW-Logo.png Freiherren zu Eisenbach aus Hessen erscheint in Gold ein vorwärts gekehrter schwarzer Eselskopf („en face“) mit drei RiedblätternW-Logo.png („Distelblättern“) im Maul. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken steht ein offener schwarzer Flug, jeweils mit einem goldenen Schildchen, auf dem sich der Eselskopf wiederholt, belegt.

Riedheimer Esel und Derivate

Esel im Wappen derer von RiedheimW-Logo.png
 
um 1460: nach dem Berliner Wappenbuch
 
1450-1480: nach Scheiblers Wappenbuch

Das Stammwappen der bayerischen von RiedheimW-Logo.png zeigt in Silber einen steigenden, schwarzen Esel. Auf dem Helm ist der Esel wachsend. Die Helmdecken sind schwarz-silbern. Einige schwäbische Ortswappen zeigen den Riedheimer Esel bis heute.

Symbolik

  • Der Esel eignet sich für ein redendes Wappen, wie zum Beispiel bei den von Riedesel (mhd. riden/riden und mhd. esel = „Esel/Reitesel“).
  • Außerhalb der Heraldik reicht die Symbolik des Esels von religiöser Sichtweise bis zur Narretei.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Literatur

  1. 1,0 1,1 1,2 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 85
  2. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 122 (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).

Weblinks

 Commons: Esel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien