Weinrebe (Heraldik)
Die Weinrebe (auch nur Rebe genannt; ahd. wînreba, -repa; mhd. wînrebe; lat.: vitis)[Anm 1] sowie alle Wappenmotive, die Teilen der Pflanzengattung aus der Familie der Weinrebengewächse (vitaceae) nachempfunden sind, erscheinen als Wappenfiguren in vielfältiger Form in der Heraldik und sind gewöhnlich gemeine Figuren (zum Beispiel die Weintraube/Traube
[Anm 2], eine „Weinrebe mit Stock“
bzw. ein Reb-/Weinstock[Anm 3], die Weinranke[Anm 4], das Weinblatt[Anm 5] oder – eher selten oder gar nicht – eine einzelne Weinbeere).
Darstellung
Weinrebe
Die Figur Weinrebe/Rebe wird heraldisch stilisiert gewöhnlich mit charakteristischen Weinblättern, einer oder mehreren großen Weintrauben und mit damaszierenden Weinranken dargestellt. Fehlen einzelne Pflanzenteile, sollte dies gemeldet werden („blattlos“, „rankenlos“, „ohne Trauben“). Alle heraldischen Farben sind möglich. Das Laub am Rebenstiel wird bevorzugt grün gezeigt. Die Figur kann in Einzahl und schildfüllend im Wappen stehen oder in Mehrzahl, wobei gegebenenfalls die Stellung der einzelnen Reben oder die Form, in der sie gelegt sind, zu beschreiben ist. Die Weinrebe eignet sich mit ihren Ranken
zu dekorativer Gestaltung.
„Weinrebe (Tafel XXIII. Figur 66.): oder zwei dergleichen (Figur 67.) finden sich mehrfach in Wappen (..)“
- Weinrebe, Weinranke
Grüne Weinrebe mit Blatt (Verbandsgemeinde Alzey-Land)
- Wappen von Gau-Heppenheim.png
Links: Grüne Weinrebe mit zwei blaue Trauben mit grünem Blatt (Gau-Heppenheim)
- WesthofenWappen.jpg
In Silber drei blaue Trauben an sechsblättriger grüner Weinranke (Westhofen)
Roter Kelch, aus dem nach beiden Seiten je eine blaue Traube mit grünem Blatt herausranken (Lauf, Baden)
Weinstock/Rebenstock
Eine „Weinrebe mit Stock“ ist im Wappenwesen eine eigenständige Figur („Rebenstock“/„Weinstock“).
„Weinstock (Tafel XXIII. Figur 65.): kommt mit Trauben, Reben und Blättern versehen, gewöhnlich auf Hügel, Boden oder Dreiberg wachsend vor und wird in modernen Wappen immer als an einem Stock emporgerankt dargestellt. Das alte Geschlecht von Maltza(h)n in Mecklenburg führt einen Weinstock, jetzt an der Spaltungslinie ihres zweifeldrigen Wappens. Das alte Wappen zeigt denselben im Schilde in ganzer Figur. Die adligen Linien der von Blumenthal führen einen Weinstock schräggestellt, die älteren gräflichen Linien denselben aus Berg wachsend.“
- Weinstock
- Wappen Hessigheim.png
(Hessigheim)
Drei Rebstöcke im Wappen von Grafenberg (Landkreis Reutlingen)
- Wappen von Remlingen.svg
Weinstock mit zwei goldenen Trauben und grünen Blättern (Remlingen, Unterfranken)
(Horní Věstonice, deutsch: Ober Wisternitz)
(Gemmrigheim)
Weintraube
„Weintraube (Tafel XXIII. Figur 68. 69.): meistentheils am Stiel mit einem oder mehreren Blättern hängend, aber auch an kurzem blätterlosem Stiel, wie zum Beispiel im Wappen der von Vignau in Preußen.
Sinkend: Dieser Ausdruck wird gebraucht (..) wenn (..) Weintrauben u. A., am nach oben gerichteten Stiel zu hängen scheinen, (Tafel 11. Figur 73. ...)“
- Weintraube (ohne/mit Stiel, Blättern)
- Wappen Harxheim.png
Belegt mit blauer Traube (Harxheim)
- Wappen Zellertal.png
Hinten: Weintraube am Stiel mit zwei Blättern (Zellertal)
Beseitet von zwei blauen Trauben mit grünem Stiel und Blatt (Gundersheim)
- Wappen von Monzernheim.png
Unten eine grüne Traube mit Blättern (Monzernheim)
- Gumpoldskirchen wappen.jpg
Traube mit Blättern (Wappen von Gumpoldskirchen)
- Wappen vg monsheim.gif
Verbandsgemeinde Monsheim
Gumbsheim
Siefersheim
- Wappen verb bodenheim.jpg
Verbandsgemeinde Bodenheim
- Wappen von Oberheimbach.png
Oberheimbach
Niederheimbach
- Wappen von Münster-Sarmsheim.png
Münster-Sarmsheim
- Wappen Neuweier.png
Drei Weintrauben im Dreipass im Wappen von Neuweier
Weinblatt
Die Figur Weinblatt (auch Weinrebenblatt, Weinlaub und anderes mehr genannt; englisch grape leave), die dem Idealbild der rundlich-herzförmigen, 3- bis 5-lappigen, grob gezähnten Laubblättern der Weinrebe
nachempfunden ist, kommt bevorzugt in Kommunalwappen vor. Die Blätter erscheinen einzeln, zu mehreren, mit oder ohne Stiel, durchbrochen, auch zur Bestreuung von Plätzen, als Nebenmotiv (zum Beispiel zum Schmuck von anderen gemeinen Figuren), manchmal gestürzt (das heißt den Stiel nach oben kehrend), anderenfalls steigend. Bei der Darstellung eines Weinblatts in einem Wappen werden die heraldischen Metalle/Farben Gold, Silber und Grün bevorzugt, Rot und Blau kommen seltener vor, Schwarz gar nicht (oder nur ausnahmsweise). Die genaue Ausprägung ist zu melden. Optional sind die Blätter mit einem (schwarzen) Schrägfadengitter, ein paar floralen Linien oder einem ähnlichen flächenfüllendem Muster damasziert, um eine Nervatur
anzudeuten. Diese Art der Weinblatt-Damaszierung/-musterung ist eine Erfindung der Wappenkünstler und kein wesentlicher Bestandteil der gemeinen Figur Weinblatt. Sie wird gemeinhin nicht gemeldet. Legt der Wappenstifter/-führende der Darstellung einer Nervatur jedoch eine wesentliche Bedeutung für sein Wappen bei, sollte dies mit Nachdruck in der Blasonierung zum Ausdruck gebracht werden.
- Blason ville Fr Saint-Denis-en-Val (45).svg
(Saint-Denis-en-Val)
- Praha-Petrovice CoA.svg
(Petrovice, deutsch: Petrowitz)
- Blason famille fr Gabriel Amys du Ponceau.svg
Sparren begleitet von drei grünen Weinblättern (Familiewappen du Amys, Herren von Ponceau, Bretagne)
Weinfigur im Schildhaupt
- Weintrauben, Weinlaubwerk oder Rebengewinde im Schildhaupt
- Wappen udenheim.jpg
Im goldenen Schildhaupt blaues Rebengewinde (Udenheim)
- Wappen von Gimbsheim.png
Im schwarzen Schildhaupt zwei goldene Ähren, eine Weintrauben und zwei Weinblätter (Gimbsheim)
- Silzer Wappen.png
Im goldenen Schildhaupt beblätterte grüne Traube (Hohen-Sülzen)
Weintraube/-figur als Nebenfigur
- Weintraube, von Hauptfigur gehalten/präsentiert
- Wappen VG Westhofen.svg
Verbandsgemeinde Westhofen
- DEU Landkreis Worms COA.png
(Landkreis Worms)
- Wappen Eibelstadt.png
(Eibelstadt)
- Wappen loesnich.jpg
(Lösnich)
- AUT Bockfließ COA.jpg
(Bockfließ)
Verbreitung
Die Weinrebe findet sich in der Heraldik in vielen Wappen von Städten und Gemeinden in Weinanbaugebieten und in den Wappen vieler Winzerfamilien. Das Landeswappen von Rheinland-Pfalz ist mit einer sogenannten Volkskrone aus Weinblättern ausgestattet.
Symbolik
- Weinrebe, Weintraube, Weinstock und so weiter sind gebräuchliche Motive für redendende Wappen, wie sie zum Beispiel Orte führen, in deren Ortsname als Morphem Wein erscheint (Weingarten (Württemberg), Weingarten (Baden), Roßwein, Weinsberg).
- Außerhalb der Heraldik sind Weintraube oder Weinstock teilweise Symbol für den Weinbau, teilweise Attribute des Heiligen Urban von Langres
, der als Schutzpatron der Winzer gilt.[2]
Gegenstände des Weinanbaus
In der Heraldik haben viele Gegenstände des Weinanbaus den Weg in die Wappen geschafft. So wird das Winzermesser, auch Rebmesser oder Weinmesser, Hippe oder Heppe genannt, oft neben der Traube oder eigenständig ins Wappen gestellt. Auch die Weinleiter als Ladehilfe für Fässer ist in den Anbauregionen zu finden. Seltener sind die Weinpresse oder das Weinfass. Alle diese Gegenstände werden zu den gemeinen Figuren gerechnet.
Wappenbilderordnung
- Die Figur Weinstock („mit Pfahl“) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Pflanzen: Strauch, Staude unter der Nr. 2276 aufgenommen.
- Die Figur Weinrebe („ohne Pfahl“) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt D. Haupteile und Seitenteile: 1. Pflanzen unter der Nr. 2276-743 aufgenommen.
- Die Figur Weintraube wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt F. Früchte: 1. Pflanzen unter der Nr. 2276-767 aufgenommen.
- Die Figur Weinblatt wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt D. Haupteile und Seitenteile: 1. Pflanzen unter der Nr. 2276-744 aufgenommen..
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
- ↑ Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Von Apfelkreuz bis Zwillingsbalken. 3. Auflage. Battenberg, Regenstauf 2011, ISBN 978-3-86646-077-5.
Anmerkung
- ↑ Der Ausdruck Weinrebe/Rebe ist mehrdeutig und umgangssprachlich nicht klar abgegrenzt. Er bedeutet unter anderem:
A) Ein Zweig der Pflanzengattung bzw. des Weinstocks;
B) die gesamte Pflanzengattung bzw. einen Weinstock;
C) die Weinpflanzung bzw. den Weinberg - ↑ Der Ausdruck Weintraube/Traube ist mehrdeutig und umgangssprachlich nicht klar abgegrenzt. Er bedeutet unter anderem:
A) Die Frucht der Weinrebe;
B) Der Fruchtstand der Weinrebe, eigentlich eine Rispe. - ↑ Das ist eine einzelne Pflanze der Weinrebe.
- ↑ Die fadenförmigen Haftorgane der Weinrebe.
- ↑ Das Blatt der Rebe.
Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Weinrebe_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 7. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0 oder einer adäquaten neueren Lizenz. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.