Ei (Heraldik)

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In der Frühzeit des Wappenwesens sind Ei-Wappenfiguren nicht gebräuchlich.
 
Weißes Hühnerei
 
Drei Eier (redendes Wappen von Matrei am BrennerW-Logo.png: „-trei“ für „3“, „-ei“= für „Eier“)
 
 
Das Wappen von Carl von LinnéW-Logo.png symbolisiert die drei Naturreiche Mineralien, Pflanzen und Tiere und wurde von ihm selbst entworfen. Im blauen Oval in der Mitte ist ein Ei dargestellt. Der Helm darüber ist mit der nach ihm benannten Pflanze Linnaea borealisW-Logo.png (Moosglöckchen) geschmückt.

Das Ei (auch Hühnerei blasoniert; mhd., ahd. ei geht zurück auf indogermanischW-Logo.png ō(u̯)i̯-im, was eine Bildung zu indogermanisch əu̯ei- „Vogel“ ist; lateinisch ovum; französisch œuf; englisch egg) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

Die gemeine Figur Ei ist in heraldischer Stilisierung dem Idealbild eines EiesW-Logo.png, gemeinhin eines HühnereiesW-Logo.png nachempfunden und erscheint deutlich „hühnereiförmig“, das heißt, an einem Ende abgerundeter als am anderen und nicht exakt geometrisch rund oder oval. Gewöhnlich wird nicht gemeldet, wohin das abgerundetere Ende der Eifigur im Wappenschild zeigt. In diesem Fall bleibt die Gestaltung der künstlerischen Freiheit des Wappenkünstlers überlassen, sollte aber im Rahmen der Gesamtharmonie des Wappens erfolgen. Das sichtbare Volumen der Eifigur wird im Wappenschild nicht oder mit nur wenigen Linien wiedergeben. Eine besonderes Ei (zum Beispiel „Kiebitzei“, siehe unten) kann gemeldet werden, ist aber nicht anders darzustellen, wie die gemeine Eifigur, es sei denn, in der Wappenbeschreibung werden besondere Merkmale genannt (zum Beispiel: „goldenes Kiebitzei mit naturfömigen, schwarzen Sprenkeln“). Eierfiguren werden in Wappen in Ein- und in Mehrzahl dargestellt, wobei eine Anzahl zwischen ein und vier Eiern gebräuchlich ist. Die genaue Stellung von mehreren Eifiguren zueinander sollte gemeldet werden. Alle heraldisch üblichen Farben und Metalle sind möglich; Silber und Gold werden zum Einfärben des Motivs bevorzugt. Im Wappen der Familie Allanic, der Herren von Kerherry, Bretagne erscheinen zwei Eier in Purpur.

Abgrenzung

Drei Ovale oder Ovalschilde („Eier“?) im Wappen derer von Audrasky

Wenn eine „Eifigur“ in einem Wappen erscheint (insbesondere als Nebenfigur), kann es zu Verwechslungen mit ähnlichen heraldischen Motiven (Oval, Stein, Münze etc.) kommen.

Beispielsweise erscheinen nach der Wappenbilderordnung des Herold beziehungsweise nach Rietstap im Wappen derer von Audraský, Böhmen in Rot drei silberne schrägrechte „Eier“;[1] im Siebmacher wird das Motiv dagegen beschrieben als „drei kleine ovale silberne Schildlein[2], was plausibler erscheint, da die Audrazký von Kestran bzw. die Audrazký von Audráz vorgeblich zum Uradel gehören und das Führen von „Eiern“ im Wappen für das 14./15. Jahrhundert zumindest sehr ungewöhnlich wäre.

Nach Maximilian Gritzner sollen Kranichfiguren unter anderem mit einem „Ei“ in der Kralle in Wappen erscheinen:

Kranich (..) weil er nach der Sage, um nicht einzuschlafen, beim Wachehalten stets einen Gegenstand in der erhobenen Kralle des einen Fusses halten soll (..) mit Kugel, Ei oder Stein in der Kralle (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Gritzner greift in diesem Fall ein tradiertes Narrativ auf, trägt es aber allzu weitläufig vor: Gewöhnlich hält der Kranich kein „Ei“ in der Kralle, sondern einen „Stein“. Kranichfiguren mit Ei deuten die überlieferte Symbolik fehl.

Fehldeutungen können leicht entstehen, wenn eine Wappenfigur rundlich oder oval aufgerissen wird. Beispielsweise zeigt ein älterer Wappenaufriss des Krienser Gemeindewappens in der Hand einer Figur des Heiligen Gallus ein goldenes, neutrales und rundliches „Objekt“, dass der Volksmund leicht spöttisch als „goldenes Ei“ bezeichnete; nach der Legende schenkt der Heilige Gallus dem Bären jedoch kein Ei, sondern ein Brot, was in neueren Wappenaufrissen entsprechend deutlich gestaltet wurde.

Ei im Wappen von Odelzhausen

Stern, belegt mit Ei
(OdelzhausenW-Logo.png)

Im Wappen von Odelzhausen erscheint ein Stern, der mit einem Ei belegt ist. Die Figurenkombination verweist auf das seit dem 17. Jahrhundert in Taxa bestehende Kloster Maria SternW-Logo.png beziehungsweise auf das sogenannte „Ei-Wunder von Taxa“:[4]

„1606 soll der Odelzhauser Hofmarksherr von HundtW-Logo.png in Seenot ein Gelübde abgelegt haben, dass er im Falle einer Rettung eine Kapelle zu Ehren der Muttergottes errichten wollte. Von Hundt wurde errettet, doch das Gelübde vergaß er. 10 Jahre danach legte eine Henne auf seinem Gutshof am Ostermontag ein "Stern-Ei", auf dem ein Marienbild im Strahlenkranz zu sehen war. So wurde er an sein Versprechen erinnert und begann mit dem Bau einer Kapelle.[5] Die "Hundtsche Henne" habe das Hühnerei auf einen nagelneuen Ziegelstein gelegt. Für die anwachsenden Pilgerströme wurde die Kapelle 1654 durch eine Wallfahrtskirche ersetzt und dem Orden der Augustinerbarfüßer übergeben, der 1660 das Kloster errichtete.[6]

Deutschsprachige Wikipedia (2019)[7]

Kiebitzei

Die Wappenfigur Kiebitzei, die heraldisch stilisiert dem Idealbild des Eies eines Kiebitzes nachempfunden ist, ist in der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens nicht gebräuchlich. Sie erscheint in der neueren Heraldik von 1951/52 bis 1972 im Kommunalwappen von SillenstedeW-Logo.png. Der Maler Ludwig Jürgens aus HeidmühleW-Logo.png entwarf das Wappen. Es wurde am 13. Februar 1950 durch den Sillensteder Rat als Gemeindezeichen vereinbart, am 30. Januar 1951 durch den niedersächsischen Minister des Innern bestätigt und am 19. Februar 1951 genehmigt. Am 30. Juni 1972 wurde Sillenstede in die Gemeinde SchortensW-Logo.png eingegliedert.

 
Kiebitzeier
 
Wappen Sillenstede
Blasonieriung
Zweimal geteilt: oben in Blau nebeneinander drei goldene gesprenkelte Kiebitzeier; in der Mitte in Gold zwei übereinander liegende blaue aalförmige Fische; unten in Rot ein goldener dreifüssiger Topf.[8]

Wappenbilderordnung

  • Die Eifigur wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: E. Untere bzw. hintere Teile: Tiere unter der Nr. (4001)-769 aufgenommen.

Symbolik

Innerhalb der Heraldik ist die Figur Ei als redendes Symbol gebräuchlich (zum Beispiel in Wappen von Eibergen und von Matrei). Manchmal versinnbildlichen „Ei“-Motive die GeflügelproduktionW-Logo.png der jeweiligen Region (zum Beispiel in dem Wappen von Холохоленское сельское поселениеSiegel von Ivan 3.png und im Parawappen von Santa Maria de JetibáW-Logo en.png).

Paraheraldik

Ei- oder eiförmige Motive sind in der Paraheraldik als Logos, Embleme et cetera weit verbreitet (beispielsweise erscheinen im Logo der japanischen Rundfunkgesellschaft Nippon Hōsō Kyōkai, kurz: NHKW-Logo.png drei Buchstaben innerhalb eiförmiger Konturen).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Eier in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Ei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Ei. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).

Einzelnachweise

  1. Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 340 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, IV. Band, 9. Abteilung; Der Böhmische Adel; Verfasser: R.J. Graf Meraviglia-Crivelli, M.M. von Weittenhiller; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1886. Seite 1. Tafel 1. Figur 3.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 91.
  4. Geschichte und Wappen Odelzhausen. Internet: www.odelzhausen.de. Gemeinde Odelzhausen. Abgerufen: 19. Juni 2019
  5. Kloster Taxa: Das heilige Ei von Pater Abraham – (SeniorbookW-Logo.png)
  6. Augustinerbarfüßer in Taxa? Wallfahrt zu einem wunderseltsamen Ei – (HdBGW-Logo.png)
  7. Seite „Kloster Taxa“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Oktober 2018, 19:05 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kloster_Taxa&oldid=182078804 (Abgerufen: 19. Juni 2019, 16:04 UTC)
  8. Furchert, M.: Oldenburgisches Wappenbuch. Band I. Die Wappen der Landkreise, Städte und Gemeinden des Oldenburger Landes. Oldenburgische Landschaft, Oldenburg, 2003, 142 Seiten. ISBN 3-89995-050-X