Kurvenschnitt

Aus Heraldik-Wiki
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„Kurvenförmig geteilt“
 
(Rechte) Kurventeilung
(nach Leonhard)[1]
 
Linke Kurventeilung
(nach Leonhard)[1]
„Kurvenförmig gespalten“
 
(Rechte) Kurvenspaltung
(nach Leonhard)[1]
 
Linke Kurvenspaltung
(nach Leonhard)[1]

Der Kurvenschnitt (manchmal auch Kurvenlinienschnitt, „kurvenförmig [..]“ oder ähnlich genannt; von lateinisch curva = „gekrümmte Linie“, im 18. Jahrhundert entlehnt; gebildet zu dem Adjektiv lateinisch curvus = „gebogen, gewölbt, krumm“; englisch curviformed cut) ist in der neueren Heraldik

  • ein allgemeiner, mißverständlicher und vagerW-Logo.png Oberbegriff, der gewöhnlich alle Wappenschnitte umfasst, die ein Wappenschild in zwei (oder mehr) Flächen beziehungsweise Felder mit unterschiedlichen heraldischen Farben einteilen, wobei die Schnittlinie mit einer oder mehreren symmetrischen oder inverssymmetrischen „Kurven“W-Logo.png gebildet wird (Schnitt mit krummer Linie im Gegensatz zu Schnitten mit geraden Linien).
  • im engeren Sinn eine Bezeichnung für eine besondere Form einer Schnittlinie, die mit einer mehr oder weniger sinuskurvenähnlichen Krümmung als Heroldsbild ein Schild in zwei Flächen (waagerecht, senkrecht, schrägrechts etc.) einteilt.

Geschichte

In der Frühzeit des Wappenwesens wird in der Darstellung nicht streng zwischen unterschiedlichen Kurvenschnitten unterschieden; Rundung-, Anzahl-, Größe- etc. von einzelnen „Krümmungen“, „Bögen“ oder eben „Kurven“ sind mehr oder weniger irrelevant, solange das Wappengesamtbild als solches rasch und klar erkennbar ist sowie einem Wappenführenden eindeutig zugeordnet werden kann. Man zählte die einzelnen halben und ganzen Kurven nicht und es war mehr oder weniger gleichgültig, in welcher Variation die gewählten heraldischen Tinkturen angewendet wurden (beispielsweise ob im Wappenschild vorn Rot, hinten Silber oder umgekehrt erscheint).

Erst seit man begann, das Wappenwesen literarisch und theoretisch zu erfassen, grenzte man sukzessive verschiedene Kurvenschnitte durch unsystematische, uneinheitliche und inkonsistente Verwendungen einer Vielzahl von Ausdrücken voneinander ab. Für Wappen mit mit kurvenförmigen Gestaltungselementen/-schnitten erschienen lange vor dem Ausdruck „Kurvenschnitt“ in der Heraldik Wörter wie Bogenschnitt, Wellenschitt, Wogenschnitt, Schuppenschnitt, Dornenschnitt, Lappenschnitt, Jochschnitt, Mondschnitt, Propfenschnitt, Schneckenschnitt und so weiter, die je nach Autor/Jahrhundert im Detail anders bestimmt sind. Der Einfallsreichtum der Heraldiker scheint hier keine Grenzen zu kennen.

Schnitte mit Kurven/Bögen
(im frühen Wappenwesen eher äquivalent ...) Timeline (656040) - The Noun Project.svg ...
 
Kurvenspaltung
... Timeline (656040) - The Noun Project.svg ... in der neueren Heraldik:
Unterschiedlich bezeichnete Heroldsbilder

Darstellung

Kurvenschnitt allgemein

„Kurvenschnitte“ sind in der Wappenbilderordnung des Herold unter den Nummern 0900 bis 0999 in der Abteilung Kugeln, Ringe, Kurvenschnitte mehr oder weniger willkürlich zusammengefaßt. Die Mitglieder der Gruppe setzen sich aus Heroldsbildern und anderen besonderen Wappenfiguren zusammen und reichen von einem Kreis über Schnecke, Spirale, Flamme, Wolfszahn und so weiter bis zur Triqueta (siehe → Kurvenförmig (Hauptgruppe)).

Weitere Schnitte mit bogen-/kurvenförmigen Linien führt die Wappenbilderordnung im Abschnitt „Sonderformen der Begrenzungslinien“ an (Bogenschnitt, Schuppenschnitt, Dornenschnitt).

Kurvenschnitt im engeren Sinn

In der neueren Heraldik wird manchmal der vage Oberbegriff „Kurvenschnitt“ in Blasons verwendet, um bestimmte Motive zu beschreiben, obwohl unklar ist, welcher Kurvenschnitt genau gemeint ist. Seine genaue Form erschließt sich in diesen Fällen womöglich nur nach Begutachtung eines allerersten Aufrisses des jeweiligen Wappens. Beispielsweise erscheint im Kommunalwappen von Unterperfuss ein sinusförmiger Kurvenschnitt, wie er bei Walter Leonhard definiert ist;[1] in den Wappen von Damfleth und Sankt Aegidi bezeichnet der Ausdruck „Kurvenschnitt“ dagegen eher einen S-förmigen Schnitt, wie er in der Wappenbilderordnung des Herold als Schlangenschnitt bestimmt ist.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 In Anlehnung an: Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 140, 144 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  2. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein, Wappenbeschreibung: „Von Grün und Blau durch einen silbernen Pfahl, belegt mit einem schmalen blauen Faden, im Kurvenschnitt gespalten. Oben links vier silberne schräg gestellte Windmühlenflügel, unten rechts ein goldenes Lindenblatt mit Fruchtstand.“
  3. Wappenbeschreibung: „Von Rot und Silber im Kurven­schnitt schräglinks geteilt; oben ein silberner, wachsender Abtsstab, unten ein roter Wolfsrumpf. Die Gemeindefarben sind Grün-Weiß-Rot.“