Spiegel (Heraldik)

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Dieser Artikel behandelt die Wappenfigur Spiegel; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Spiegel (Begriffsklärung)
 
1335/1345: Drei Hand­spiegel auf einem Drei­berg (Wappen Spiegelberg; Züricher Wappenrolle, hier nach Runge, 1866)
 
1548: Spiegel mit gekerbter Einfassung
(im Wappen der Familie Spiegel', Reutlingen, dort Berthold S. 1313)

Spiegel (mhd. spiegel; lateinisch speculum; französisch miroir; englisch mirror) ist in der Heraldik eine Wappenfigur, die in unterschiedlichen Ausprägungen erscheint.

Geschichte

Eine Spiegelfigur ist als Wappenbild nicht erst seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich, wie es die Wikipedia 2019 fälschlicherweise kolportiert,[1] sondern bereits im 14. Jahrhundert (vgl. Wappen von Spiegelberg in der Züricher Wappenrolle), vermutlich aber noch wesentlich früher. Der Heraldiker Ralf von Retberg bestimmte schon im 19. Jahrhundert die Figur bei folgenden Familien:

„Spiegel (..) wird als eine kreisrunde, andersfarbig, meistens g(olden) eingefaßte b(laue) Scheibe mit einem Stifel als Handgriff dargestellt (..), als Wappenbild der uralten Spiegel (de Speculo) zum Dessenberge, zum Irrgang, im Litt, zu Pickelsheim, v(on) Röden, v(on) Rodenberg, vom Ufer u(nd) a(nderen) m(ehr) am Niederrhein und in Westfalen.“

Darstellung

Die Spiegelfigur ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines mittelalterlichen Spiegels nachempfunden. Sie wird in der heraldischen Literatur unter anderem charakterisiert als:

  • Heroldsbild: Wenn ein Spiegel/Handspiegel bis zu den Schildrändern/Feldrändern reicht oder der Spiegel als „geometrische“ (flache, kreisrunde, unkörperliche) Scheibe (gegebenenfalls mit unkörperlichen Stiel) erscheint.
  • Gemeine Figur: Wenn ein Spiegel oder Handspiegel (frz. miroir à main; engl. hand-mirror) nicht bis zu den Schild-/Feldrändern reicht beziehungsweise leicht plastisch, leicht räumlich, leicht reliefartig, leicht schattiert oder irgendwie ornamiert erscheint.
  • Geometrische Sonderform (Kugel, Ringe, Kurvenschnitte)
  • Schwebende Schildteilung

Grundsätzlich sind verchiedene Ausprägungen der Figur voneinander abzugrenzen. Beispielsweise wird eine Spiegelfigur mit Handhabe (Stiel) gewöhnlich als „Handspiegel“ beschrieben, eine Spiegelfigur ohne Griff dagegen als „(gemeiner) Spiegel“.

Handspiegel

Handspiegel
 
als Heroldsbild
(nach Siebmacher, 1889)
 
als gemeine Figur
(nach WBO, Nr. 9085)

Handspiegel (nennt man zum Unterschied den Spiegel mit Stiel) und hat natürlich anzugeben, von welcher Färbung der Rahmen (den jeder Spiegel haben muß) und der Stiel ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Spiegel (gemein)

Spiegel (gemeiner)
 
als Heroldsbild
(nach WBO, Nr. 0921)
 
als gemeine Figur

Spiegel (Tafel XXVIII. Figur 70. bis 71.): kommen entweder rund, ohne Stiel (Figur 70.) oder länglich viereckig ohne Stiel (siehe das Wappen der Rheinischen von Weise) oder rund mit Stiel vor (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Spiegel als Nebenfigur

Im Wappen erscheint der Spiegel zuweilen auch als Nebenfigur (wird zum Beispiel von einer anderen Wappenfigur wie einem Meerjungfer, einem Affen oder ähnlichem gehalten).

„(..) Es erscheint aber auch häufig der Spiegel in der Hand einer Meerjungfer als ovaler Spiegel; auch kommt es vor, dass Affen oder Meerkatzen ihn halten, im ersteren Falle deutet er symbolisch die Ebbe des Meeres , im letzeren die Eitelkeit des Affen an.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Spiegel mit Schlange

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Napoleonische Heraldik

„Ein ovaler Spiegel, um dessen Griff sich eine Schlange windet, im rechten blauen Obereck ist das Kennzeichen der Comtes-sénateurs der Napoleonischen Heraldik (Tafel V. Figur 9.).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Wappenbilderordnung

Weblinks

Literatur

  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 373 (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).
  • Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 173 Bild 12; S. 221 Bild 4; S. 240 Bild 2 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).

Einzelnachweise

  1. Seite „Spiegel (Heraldik)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Juli 2019, 14:20 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spiegel_(Heraldik)&oldid=190367368 (Abgerufen: 16. Januar 2020, 01:24 UTC)
  2. Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 45.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Maximilian Gritzner: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 134