Kamel (Wappentier)

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Kamele
 
1889: Dromedar
(nach Siebmacher)
 
1889: Trampeltier
(Kamel nach Siebmacher)

Der Ausdruck Kamel (camelus, auch Kameel, Camello, Kämbel, mhd.: Kembel, veraltet: Olbend, Oldent, Olbenthier, Olfent und ähnlich; französisch chameau; englisch camel) bezeichnet in der Heraldik allgemein:

Darstellung

1335/1345: Unbekanntes Wappen mit Trampeltier (evtl. Kabul, Hauptstadt von Afghanistan; nach Züricher Wappenrolle; Aufriss Runge 1866)

Geschichte

Kamelfiguren erscheinen etwa seit dem 11. bis 13. Jahrhundert auf Münzen, Siegelbildern oder in Wappen, wobei im frühen oder blühenden Wappenwesen nicht zwischen zwei biologischen Triben mit zusammen drei Gattungen und vier bis sechs Arten unterschieden wird. Für die Figur Kamel im Stammwappen der Familie Seeau liegt eine Abschrift von 1300 vor, die einen Text aus dem Jahre 1002 wiedergibt:

(..) In qua stet camelus in coloris naturalis (..), cum freno rubro in aere volante“
„(..) In Gold ein Kamel in natürlichen Farben (..), mit rotem, heftig fliegendem Zügel“

Stiftung Seeau: ...[1]

Unbestimmtes/gemeines Kamel

Wird in der heraldischen Literatur oder in Wappenbeschreibungen der Oberbegriff „Kamel“ ohne weitere Bestimmung verwendet, ist darunter stets eine Figur zu verstehen, die einem AltweltkamelW-Logo.png (Camelus) nachempfunden ist, wobei es der künstlerischen Freiheit überlassen ist, ob diese Figur im Wappen „einhöckrig“ (DromedarW-Logo.png) und „zweihöckrig“ (TrampeltierW-Logo.png) aufgerissen wird. Idealerweise klärt die Beschreibung durch konkrete Bestimmungen, welche Form einer „Kamelfigur“ in einem Wappen geführt wird („einhöckrig“, „zweihöckrig“ und so weiter - siehe nachstehende Abschnitte).

(..) Dromedare oder Kamele sind in der Heraldik eher selten. Wappen mit Kamelen führen die Geschlechter: Beck, Borromeo-Arese, Boyeldieu, Calmels de Lestiez, Calmels d'Artensac, Camelus, Camelin, Gobbi, Caspar, Cuyper von Holthuysen, Dames, Dezirat, Dode de la Brunerie, Doguereau, Duchemin de Boisjousse (Boismorin, Baboissière), Faure, Gailhard, Gardaner, Hennequin, Joubert, Kröcher, Kug(e)lmann, Larrey, Leonhardi, Linas, Loke, Micholowski, Parent, Pflügl de Lissinetz, Pögl, Rampon, Romrée, Schmoltz, Schmoltz-Michorowski, Seeau, Styleman, Vitis, Wespin, Zäggl.“

Stiftung Seeau: ...[1]

Bevorzugt erscheint ein „gemeines Kamel“ in der heraldischen Farbe Gold (Gelb) oder Silber (Weiß), seltener in einer anderen heraldischen Tinktur oder in natürlicher (brauner) Farbe. Besondere Attribute oder Gegenstände der Figur wie eine Last auf dem Rücken („belastet“) oder ein Reitgeschirr, die manchmal eine andere Farbgebung besitzen, sind zu melden. Die Hauptblickrichtung der Kamelfigur ist nach heraldisch rechts. „Stehend“ ist die Standardstellung der Figur, andere Positionen (zum Beispiel „schreitend“ bzw. mit einem angehobenen Vorderbein) sollten angezeigt werden.

Altweltkamele

Altweltkamele
 
DromedarW-Logo.png
(Camelus dromedarius)
 
TrampeltierW-Logo.png
(Camelus ferus)

Neben dem allgemeinen (unbestimmten) „Kamel“, das je nach Wappenaufriß und Wappenkünstler unterschiedlich erscheint, unterscheiden die Wappenbilderordnungen der Neuzeit meist zwei spezifische Darstellungsformen der klassischen Heraldik:

  • Dromedar (ein Höcker, „einköckriges Kamel“)
  • Trampeltier (zwei Höcker, „zweihöckriges Kamel“)

Dromedar (einhöckriges Kamel)

Dromedar
(Blason: „In Blau ein goldenes einhöckriges Kamel“; Zunft zum Kämbel, Zürich).

Dromedar (Tafel XVII. Fig. 42., Tafel XVIII. Fig. 1.): i. e. (=„id est“; entspricht dem deutschen „das ist“ -- Anmerkung der Redaktion): einhöckeriges Kameel, führen die Pübinger in Bayern, Seeau in Oesterreich, Schmoltze in Schlesien, Pülacher in Bayern und Kröcher in der Altmark. Es kommt stets stehend vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Trampeltier (zweihöckriges Kamel)

Trampeltier (Wappen der Familie Czeczek von Pakomeritz/Čeček z Pakoměřic)

Neuweltkamele

Die neuere Heraldik kennt neben den AltweltkamelenW-Logo.png folgende NeuweltkameleW-Logo.png ohne Höcker:

Symbolik

David B. Appleton zitiert in seiner Veröffentlichung „Camels in Heraldry“ (2007) eine Reihe von Autoren, die sich zur Ikonografie des Kamels unter anderem im Zusammenhang mit der Heraldik Gedanken gemacht haben. Er gibt folgende Deutungen an und schlußfolgert, daß diese innerhalb der Heraldik keine Rolle spielen (sondern lediglich für den Wappenstifter/-führenden interessant sind -- Anm. der Red.):

Menas mit Kamelen
  • Ein beladenes Kamel ist ein Symbol für IssacharW-Logo.png, einem der Zwölf Stämme IsraelsW-Logo.png.
  • Kamele personifizierten für die Römer die Arabische Welt.
  • In der christlichen Symbolik beziehungsweise bei manche Autoren steht das Kamel für Mäßigung, Majestät, Würde, Gehorsam, Ausdauer (in Anlehnung an die Heiligen drei Könige und Johannes dem Täufer, die Kleidung aus Kamelhaar trugen), außerdem für Demut und Fügsamkeit.
  • Auch Geduld, Diskretion, Umsicht, Fügsamkeit, Klugheit, Arbeitskraft/-freude und Beharrlichkeit soll das Kamel symbolisieren.
  • Kamele sind zudem kennzeichnendes Beiwerk des Heiligen MenasW-Logo.png.
  • Das jemand ein Kamel im Wappen führt, um die Eigenschaft „Trägheit“ anzudeuten, wird explizit ausgeschlossen.

Wappenbilderordnung

Literatur

  • David B. Appleton: Camels in Heraldry. Privat veröffentlicht, 2007, ISBN 978-0-9801366-3-0 (PDF-Datei, Vorschau [abgerufen am 14. April 2016]).
  • D. Galles: Camels in Heraldry. In: The Heraldry Society (Hrsg.): The Coat of Arms. Nr. 172, 1995, ISSN 0010-003X, OCLCW-Logo.png 192494309, S. 167–168.

Weblinks

 Commons: Camelidae in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kamel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Lama in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Vicuñas/Vikunjas in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Vgl. Internet: Stiftung Seeau. Abgerufen am 28.03.2012.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 88


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Kamel_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 13. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.