Fledermaus (Wappentier)

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Fledermaus
 
in der Heraldik
(1744-1773: Familienwappen Trippel; nach Bartenschlager)

Als Wappentier ist die Fledermaus (französisch chauve-souris; englisch bat) in der Heraldik eher in ostspanischen als in anderen europäischen Wappen gebräuchlich. Als gemeine Figur ersetzt sie in der aragonesischen Heraldik den Drachen.

Geschichte

„Ratpenat“ (Crest der Fledermaus), ein heraldisches Motiv der ehemaligen Krone Aragon.

Die Figur Fledermaus findet sich bereits um das Jahr 1200 in Wappen und erscheint zum Beispiel in den Wappen von Aragon, Valencia, Teruel, Albacete und Palma.

Fledermaus (Tafel XVIII. Figur 24.): kommt vor im Wappen der Cor in Frankreich, Trippel in Schaffhausen und auf dem Helme der von der Howen in Russischen Ostseeprovinzen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Darstellung

Ihre Darstellung ist überwiegend in Schwarz mit ausgebreiteten Flugmembranen, wobei die Stilisierung sich auf den Schattenriss beschränkt. Im Wappen von Montchauvet (Yvelines) in Frankreich ist sie in Gold und im Wappen von Fiefbergen in Schleswig-Holstein in Silber. Die Stellung ist allgemein dem Betrachter zugewandt. In Wappen und auch über dem Wappen trifft man das Tier an. In den spanischen Wappen sitzt sie auf oder schwebt sie über, manchmal auch unter, der Wappenkrone. Im älteren Wappen von Barcelona schwebte eine Fledermaus im Oberwappen, ist aber aus unbekannten Gründen entfernt worden.

Fledermaus im Oberwappen

ca. 1522: Fledermaus im Oberwappen (Rey de Aragón)

Oft erscheint eine Fledermausfigur im Oberwappen, zum Beispiel im Wappen von ValenciaW-Logo.png.

Wolfsfledermaus

Im Kommunalwappen von WettbergenW-Logo.png, entworfen von dem Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, erscheint eine fliegende Fledermaus mit Wolfskopf („Wolfsfledermaus“). Das Motiv ist an ein Wappenfigur im Adelswappens der Herren von WettbergenW-Logo.png angelehnt und wurde in den Sitzungen vom 26. April und 8. September 1962 vom Gemeinderat aufgrund der ermittelten Ortsgeschichte einstimmig beschlossen.[2]

Blasonierung: „In Rot über goldenem Berg, darin ein blaues Wellenband, eine fliegende silberne Fledermaus mit Wolfskopf.“[2][3]
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Wappenbegründung: Der goldene Berg und das blaue Wellenband deuten auf den Wettberger Berg und den Hirtenbach hin. Die fliegende silberne Fledermaus mit dem Wolfskopf ist an ein Motiv („geflügelter Wolf“) im Wappen derer von Wettbergen angelehnt. Die Farben Rot-Silber symbolisieren das Bistum MindenW-Logo.png und die Farben Blau-Gold die Oberherrschaft des Welfenhauses.

Wappenbilderordnung

Symbolik

1552: Fledermaus im allegorischen Wappen des Neides (nach AldegreverW-Logo.png)

Symbolkundlich ist die „Fledermaus“ außerhalb der Heraldik mit vielfältigen negativen wie positiven Konnotationen besetzt.

„In der Antike war die Fledermaus das Symbol der Wachsamkeit, und ihr Auge sollte vor Schläfrigkeit schützen. Andererseits wurden schon damals, wie es noch heute in manchen ländlichen Gegenden üblich ist, Fledermäuse zum Schutz vor Nachtdämonen und bösem Zauber an Türen genagelt. Fledermausblutstropfen unter dem Kopfkissen einer Frau sollten ihr Kindersegen bescheren. Auch gegen Ameisenplage, Raupen, Heuschrecken und Schlangenbiß galt die Fledermaus als Quelle für Sympathiemittel. In griechischen Sagen und Fabeln wird sie als klug, aber furchtsam geschildert (..)
Im Abendland gilt sie als unheimliches Wesen, das sich angeblich in den Haaren des Menschen verfängt (..) Der Teufel als gefallener Engel wird in der Kunst mit Fledermausflügeln ausgestattet, da er wie das Tier das Licht scheut. Auch dämonische Wesen aller Art werden mit diesem Attribut dargestellt, etwa der personifizierte Neid (Invidia), der sich nicht offen bei Tag zu zeigen wagt. Bei Bildern des Hexensabbats fehlen Fledermäuse fast nie (..)“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[4]

In anderen Kulturräumen besitzt die Fledermaus dagegen oft eine eher positive Symbolbedeutung. Beispielsweise wird sie bei den Mayas als Schutzgott Cama ZotzW-Logo.png verehrt und in Altchina galten Fledermäuse als Glückssymbol: „Fünf Fledermäuse bedeuten ebenso viele Glücksgüter, nämlich hohes Alter, Reichtum, Gesundheit, Tugendliebe und natürlichen Tod.“[4] In neueren Zeiten haben Berichte über blutsaugende Vampirfledermäuse in Südamerika dazu beigetragen, auch die stechmückenvertilgenden harmlosen Fledermäuse Europas als furchterregende Wesen zu betrachten.[4]

Paraheraldik

Vorläuferin des Batman in einer modekritischen Karikatur der Wochenschrift Fliegende Blätter, 1882

Fledermaus-Motive sind in der Paraheraldik als Logos, Schulembleme, Militär- und Sportvereinsabzeichen etc. sehr verbreitet (beispielsweise in dem wappenähnlichen Zeichen von Albacete Balompié, einem spanischen Fußballklubs; wo das Wappentier die Auflage für das Vereinszeichen bildet). In einem weiten Sinn gehört zu den paraheraldischen Zeichen auch das Emblem der Comicfigur „BatmanW-Logo.png“.

Weblinks

 Commons: Fledermaus in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 88
  2. 2,0 2,1 Wolf-Peter Friedrich: Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main. Die Fledermaus mit dem Wolfskopf – Symbol der Herren von Wettbergen. 21. Jahrgang. Frankfurt am Main September 2002, S. 80.
  3. Wolf-Peter Friedrich: Ritter und Burgen in Rot und Blau. In: Deutsche Philatelisten-Jugend e. V. (Hrsg.): Junge Sammler. Nr. 4, 2017, S. 16–18.
  4. 4,0 4,1 4,2 Hans Biedermann: Fledermaus. In: Knaurs Lexikon der Symbole. 1989/1994/1998. S. 358 (vgl. LdS, S. 145)
Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Fledermaus_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 15. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.