Eichhörnchen (Wappentier)
Das Eichhorn (auch Eichhörnchen sowie regional beziehungsweise trivial Aichhörnchen, Eichkätzchen, Eichkater, Eichhase, Katteker, Hörnchen/Hörnli, Rötel/Rötelchen, Samtschwanz, Wintermann/Sommermann, Zahrbär/Zierbär, Waldhafer, Sammelboter und anderes mehr genannt; mhd. eichhurne, eichorn; lateinisch sciurus; französisch écureuil; englisch squirrel) ist in der Heraldik als gemeine Figur in vielen Wappen schon seit Jahrhunderten vertreten. Es wurde über die Zeit manchmal durch andere Wappenfiguren verdrängt. Das im Wappen vorkommende Wappentier entspricht überwiegend dem europäische Eichhörnchen
.
Geschichte
Ralf von Retberg führt aus, dass das Eichhörnchen als Siegel- bzw. Wappenfigur seit dem 14. Jahrhundert eine vermehrte Verwendung erfährt, nach Jörg Ansorge und Jürgen Herold sind Eichörnchen seit dem „späten 13. und 14. Jahrhundert eine beliebte Wappenfigur“:
„Eichhörnchen (..) kommt, obwohl das Wappenbild der (Ritter von) Westensee in Holstein, schon im 12. Jahrhunderte genannt, nach den vorhandenen Siegeln und Zeichnungen doch wohl kaum vor dem 14. Jahrhundert vor, zunächst aufgerichtet, doch schon in der Züricher Wappenrolle (478, 550) gekrüpft und dabei nicht etwa roth, sondern schwarz oder grün mit einem r(oten) oder g(oldenen) Apfel oder Nuß, frei oder auf einem Berge (..)“
„Das sitzende Eichhörnchen ist eine beliebte Wappenfigur auf norddeutschen Adelssiegeln des späten 13. und 14. Jahrunderts (..)“
ca. 1280-1320: Drei sitzende Eichhörnchen, jedes eine Nuss zum Maul haltend (Siegel des Everhard de Wampen)[2]
- Eichhörnchen auf Zapfen (Wappen Fastorf)
ca. 1442: (nach Armorial Lyncenich)
Darstellung
In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens erscheint die Figur „Eichhorn“ heraldisch stilisiert („heraldisches Eichhorn“) und ist einem schlanken, hunde- bis marderartigen Tier mit langem Schwanz nachempfunden, das kaum an das Nagetier Eichhörnchen
(Sciurus vulgaris) aus der Familie der Hörnchen (Sciuridae) erinnert. Im Laufe der Jahrhunderts wird die Figur zunehmend natürlicher dargestellt und verniedlicht („natürliches Eichhörnchen“). Die Figur wird in der Regel auf einem Baum oder Ast als Unterlage auf den Hinterbeinen „sitzend“ respektive „hockend“ dargestellt. Andere Darstellungen wie „aufgerichtet“, „laufend“ oder „springend“ sind zu melden. Gebräuchlich ist die Beigabe einer Nebenfigur (Nuss, Tannenzapfen, Apfel oder ähnliches), welche die Figur mit den Vorderpfoten hält.
„Eichhorn (Tafel XVII. Figur 28): kommt stets in der bekannten Stellung, das heißt auf den Hinterbeinen sitzend, gewöhnlich an Nuss oder Apfel, die es in der Vorderpfoten hält, nagend vor (von Aichinger, von Förder und andere). Auch in Wappen mehrerer ungarischer Familien erscheint es.“
Die Hauptblickrichtung ist nach der heraldisch rechten Seite. Am buschigen Schwanz und seiner typischen Sitzhaltung ist es ohne Wappenbeschreibung (Blasonierung) zu erkennen.
1889: Eichhörnchen mit Nuss auf Dreiberg (nach Gritzner)
Farbgebung
Hinsichtlich der Farbgebung (Tingierung), sind sämtliche heraldischen Farbnuancen zulässig. In der frühen Form des Wappenwesens wurden vorrangig die Farben Schwarz und Grün verwendet, während in der neueren Heraldik vermehrt Rot eingesetzt wurde, um die Eichhörnchfigur im Wappen hervorzuheben. Abweichende Tinktur bei der Bewehrung ist nicht gebräuchlich.
ca. 1440: Wappen: Genischkau/Gengschau (nach Mülverstedt, Hildebrandt, 1874)
(Sitzendes) Eichhörnchen (Wappen Achinger
)
Auf gestümmeltem Ast sitzendes Eichhörnchen (Wappen Pfrondorf
})
Auf einem Baumstumpf eine Nuss knabbernd (Wappen Bertingen
)
Eichhörnchen mit Zapfen (Wappen Pfaffing
)
Eichhörnchen in Mehrzahl
Die Darstellung von Eichhörnchenfiguren in Wappen erfolgt nicht nur in Einzeldarstellung, sondern häufig in Gruppen, zum Beispiel übereinander, nebeneinander oder im Dreipass (dann gewöhnlich in der Form zwei-über-eins, auch 2:1 geschrieben). Bei Mehrzahlendarstellungen ist eine Gleichgestaltung der einzelnen Figuren zu beobachten.
- Zwei Eichhörnchen
Hinten zwei rote pfahlweise gestellte Eichhörnchen (Raesfeld
)
Zwei Eichhörnchen in Naturfarbe (Wappen Boltzen
)
- Drei Eichhörnchen
Drei hockende rote Eichhörnchen 2:1, mit je einer goldenen Nuss in den Pfoten (Otterberg
)
(Erlenbach
, Stadtteil von Kaiserslautern)
Eichhörnchen als Nebenfigur
Manchmal erscheint die Eichhörnchenfigur als Nebenfigur in einem Wappen. Beispielsweise ist eine Hauptfigur im Wappen Titisee-Neustadt
eine grüne Tanne, auf deren Zweigen als Nebenfigur links ein zur Schildmitte blickendes rotes Eichhörnchen sitzt.
Tanne mit Eichhörnchen (Titisee-Neustadt
)[4]
Wappenbilderordnung
- Das Eichhörnchen wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Wildtiere unter der Nr. 5311 aufgenommen.
Siehe auch
Paraheraldik
Eichhörnchenmotive finden sich auch in der Militärheraldik oder in anderen paraheraldischen Kontexten (als Abzeichen, Logos, Embleme und so weiter). Zum Beispiel erscheint im Emblem des 10. Supply Squadrons eine stilisierte Eichhörnchenfigur.
Symbolik
Außerhalb der Heraldik ist in der nordgermanischen Mythik „vom Eichhörnchen Ratatöskr
(»Rattenzahn«) die Rede, das ständig am Stamm des Weltbaumes Yggdrasil auf- und ablief und zwischen dem Adler auf dessen Spitze und dem Lindwurm Nidhöggr Zwietracht säte, indem es dem jeweils anderen erzählte, was der Widerpart über ihn gesprochen hatte. Auch mit dem feurigen Loki wurde das Eichhörnchen in Verbindung gebracht.“[5] Andererseits gilt das Eichhörnchen als Symbol für den Teufel:
„Eichhörnchen, in der german(ischen) Mythologie dem Feuer- und Donnergott heilig, lebte in der Weltesche Yggdrasil (..) Für das Symboldenken des christl(ichen Mittelalters) wegen seiner blitzschnellen Gewandtheit u(nd) wegen seiner feuerroten Farbe Symbol des Teufels.“
Weblink
Einzelnachweise
- ↑ Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 71.
- ↑ 2,0 2,1 Jörg Ansorg; Jürgen Herold: Das Siegel des Everhard de Wampen und die Denkmäler der Greifswalder Familie von Wampen aus dem 14. Jahrhundert. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. Jahrbuch 58. 2010. S. 163-180. (Schwerin, 2011). /
- ↑ J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 87
- ↑ Wappenbeschreibung: „In Silber (Weiß) auf blauem Boden, worin ein silberner (weißer) Wellenbalken, eine grüne Tanne, auf deren Zweigen links ein zur Schildmitte blickendes rotes Eichhörnchen sitzt.“
Quelle: Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg, abgerufen am 20. Januar 2020 - ↑ Lemma: Eichhörnchen. In: Knaurs Lexikon der Symbole. Verlag Droemer Knaur. 1989/1994/1998. S. 274 (vgl. LdS, S. 111-112)
- ↑ Udo Becker: Lexikon der Symbole. Komet MA-Service und Verlagsgesellschaft mbH, Frechen 2001, ISBN 3-89836-206-X, S. 65.
Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Eichhörnchen_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 15. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0 oder einer adäquaten neueren Lizenz. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.