Bär (Wappentier)

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Bär
 
in der Natur
(bzw. hier: im Parc animalier des PyrénéesWp France moderne.png)
 
in der Heraldik/Sphragistik
(1283: im Siegel des Lippold von BehrW-Logo.png)
Bär, links im Berner Stadtsiegel von 1224, rechts auf Münze
ca. 1340: Aufgerichteter schwarzer Bär
(Wappen derer von BärenfelsW-Logo.png; nach Züricher Wappenrolle; hier nach Runge)
Bär (Berner Setzschild aus dem 14. Jahrhundert)
um 1526: Wappenaufriss für Adelberg III. von Bärenfels
(von Hans Baldung GrienW-Logo.png)
beide Appenzeller Kantone, hier Kanton Appenzell Innerrhoden

Das Wappentier Bär (frz.: ours; engl.: bear) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Geschichte

Der Bär wird seit der Steinzeit in der bildenden Kunst dargestellt. Zuerst auf Siegel der Bernburger Linie des Hauses der Askanier erwähnt, eroberte er sich seit dem Mittelalter in der Heraldik seinen Platz. In vielen Wappen hat der Bär (schwarz tingiert) den Namen von Albrecht I. symbolisch übernommen. Der Markgraf von Brandenburg hatte den Beinamen der Bär oder der Schöne. Alle Wappen dieser Linie haben mehr oder weniger zum Wappentier eine Beziehung.

Darstellung

Der Bär ist in seiner heraldischen Darstellung im Vergleich zu anderen Wappentieren wenig heraldisch stilisiert. Grundsätzlich ist im Wappenwesen ein gemeine (stilisierte) Bärenfigur wie beispielsweise im Wappen von Berlin von einer natürlichen zu unterscheiden.

In Wappen erscheint der Bär unter anderem aufgerichtet (wie in den Wappen von Berlin und Roßlau, Elbe), schreitend (wie in den Wappen von Bernau im Schwarzwald, Bernsdorf in der Oberlausitz und Sandersleben, Anhalt), fangbereit, wachsend (wie in den Wappen von Güntersberge und Zeulenroda) bisweilen gekrönt, „mit Kette“ oder „mit Halsband“ (Fürstabtei St. Gallen). Der aufrechte Gang findet sich bei den Wappen der Kantonen beider Appenzell sowie im Wappen der Stadt St. Gallen (mit goldenem Halsband), was außerhalb der Heraldik Widerstandskraft und „sich aufbäumen“ bedeuten kann. Heraldisch wird der „Bär mit Hellebarde“ als Landsknecht und der „Bär mit Axt“ als Tanzbär blasoniert.

Der Bär (Tafel XV. Figur 25. bis 28.): kommt schreitend, oder aufrecht (Tafel XV. Figur 25., 26., 27.) mit und ohne Halsband, an letzteren auch oft eine Kette (Figur 28.), auch klimmend (z. B. im Bernburgischen Wappen) vielfach in Wappen vor, besonders derjenigen Geschlechter, welche einen ähnlich klingenden Namen haben, wie Bähr, Bär, Bärenfels, Bärenthal, Behr, Behrens, Bernfels und anders.
(..) Der schreitende Bär soll nach alter Regel den Rachen geschlossen haben (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Tingierung

Die Bärenfigur wird gewöhnlich in Schwarz auf silbernen oder goldenem Grund dargestellt oder silbern auf einem blauen, roten, grünen beziehungsweise schwarzen Grund, seltener rot oder andersfarbig. Die Farbe der Bewehrung (Krallen, Zunge) kann abweichend sein, was zu melden ist.

Bär auf Zinnen

Vielfach schreitet die Bärenfigur auf Zinnen, zum Beispiel in den Wappen von Radegast (Südliches Anhalt), Raguhn, Zerbst und auch von Güsten. Viele dieser Bären entstammen den anhaltischen Hauswappen.

Körperteile des Bären

Körperteile des Bären wie die Tatze (PulsnitzW-Logo.png), der Kopf (Bärenstein (Altenberg)) oder halbe Bärenfiguren finden sich ebenfalls in Wappen.

Halber Bär

Die Figur Bär ist im Wappenwesen manchmal als Halbfigur (auch als „wachsend“ oder als „oberhalb“ beschrieben) gebräuchlich, vermutlich weil die obere Hälfte eines Bären mit zum Angriff gestellten Vorderbeinen betont kriegerisch wirkt.

„Ein eigentümliches Bild giebt Grünenberg, nämlich ½ Bären mit Halsband, durch dessen Rachen ein hinten geknotetes Tuch gezogen ist (Figur 29.).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Bärenkopf/Bärenrumpf

alternative Beschreibung
1305-1315: Bärenkopf im Wappen Hawart
(nach Codex Manesse)

Bär(en)kopf und Bär(en)rumpf (das ist ein „gestümmelter“ Bär, also nur Hals und Kopf, ohne Vorderbeine) sind gebräuchliche Ausdrücke für Wappenfiguren. Gewöhnlich wird im Wappenwesen weder in der Darstellung noch in der Wappenbeschreibung zwischen einem Halstück (Bärenkopf mit langem Hals bzw. Bärenrumpf) und einem Kopfbild (nur Bärenkopf, ohne Halsansatz) differenziert. Die genaue Darstellung erfolgt im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens/Wappeaufrisses und obliegt letzlich der künstlerischen Freiheit. Ob ein Bärenkopf/Bärenrumpf im Wappen „abgeschnitten" oder „abgerissen" erscheint, sollte angezeigt werden. Gewöhnlich erscheint der Bärenkopf im Schild in Seitenansicht und nach heraldisch rechts gewendet; ein Bärenkopf in Frontalansicht ist als solcher zu melden („Bärenkopf im Visier“, „Bärenkopf en face“).

„Ein Bärenrumpf ist in Figur 30. zu sehen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Bärentatze / Bärenpranke

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Bärentatze

Die Bärentatze (auch Bärenpranke genannt) ist in der Heraldik eine eigenständige gemeine Figur.

„(..) Die Pranken des Bären, wie auch beim Wolf, Fuchs, Biber, sowie bei den kleineren Raubvierfüsslern heissen: Tatzen (zwei dergleichen Tafel XV. Figur 31).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Bärenkopfschnitt

1516: Wappen Hans Burgkmair der ÄltereW-Logo.png mit Bärenkopfschnitt

Der Bärenkopf erscheint in der Heraldik nicht nur als gemeine Figur, sondern auch als Bärenkopfschnitt.

Bär mit Gegenstand

In vielen Wappen hält die Bärenfigur einen Gegenstand mit den Vorderpranken.

Bärenjagd

Die BärenjagdW-Logo.png, die zur hohen JagdW-Logo.png zählt, wird in mehreren Wappen dargestellt.

Varianten

Motiv Erläuterung Beispiel
das heißt ein Mischwesen mit dem Oberkörper eines Bären und dem Unterkörper eines Löwen.
Žebrák znak.png
das heißt ein Mischwesen mit dem Oberkörper eines Löwen und dem Unterkörper eines Bären.
das heißt ein Adler mit einem Bärenkopf statt des Adlerkopfes.
Bärenadler.png
das heißt eine Chimäre mit dem Vorderteil eines Ebers und dem Hinterteil eines Bären.
Coat of arms pl sokola 01.png
Der Korbiniansbär ist ein mit einem Packsattel dargestellter heraldischer Bär.
Wappen Freising.png
Geflügelter Bär Eine Bärenfigur kann geflügelt sein, wie im Wappen von Peter Schwab, Schultheiss von Bern, aus dem Jahre 1392. Gewöhnlich wird sie in diesen Fällen „mit Adlerflügeln“ (beziehungsweise Vogelflügel) dargestelllt. „Fledermausflügel“ sind zu melden.
Waltter, Peter Schwab.jpg
das heißt eine Wappenfigur, die dem gleichnamigen Raubtier (Ursus maritimusW-Logo.png) nachempfunden ist.
Coat of arms of Greenland.svg
das heißt eine Wappenfigur, die dem gleichnamigen Kleinbär nachempfunden ist.
WBO Waschbär 5073.jpg

Symbolik

In den Wappen von Bernsdorf, Bärenstein oder Bern ist der Bär lautmalerisch in die Ortsnamen übergegangen; in Familienwappen wird eine Bärenfigur teilweise redend verwendet (zum Beispiel im Wappen derer von Bärenfels, von Behr et cetera).

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblink

Commons: Bär in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Bärenköpfe in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Polarbären in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 83. Tafel 15.
  2. Wappenbeschreibung: „Auf schwarzem Schildfuss im Zinnenschnitt ein aufrecht stehender schwarzer, rot bewehrter Bär “
Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Bär_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 25. September 2011 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0 oder einer adäquaten neueren Lizenz. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.