Keythong

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Aufrechter (engl. „rampant“ oder „segreant“) Männlicher Greif bzw. Keythong
(gemäß John Vinycomb, ca. 1906)
Stehender Männlicher Greif bzw. Keythong
(gemäß Arthur Charles Fox-Davies, ca. 1909)
Männlicher Greif im Oberwappen
(Melfort, Saskatchewan, © 2005 The Canadian Heraldic Authority)

Das Wappentier männlicher Greif ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur. Für den Ausdruck „männlicher Greif“ existieren in der Heraldik zwei Synonyme.

  • Keythong wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ausgehend von der englischen Wappenkultur, zum Synonym für den „männlichen Greifen“. Diese Gleichsetzung ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Für die Früh- und Blütezeit der Heraldik ist der Begriff Keythong nicht oder nicht schlüssig belegt.
  • Alce ist ursprünglich ein Ausdruck für einen besonderen Greifentyp, von dem im 19. Jahrhundert kein Beispiel bekannt ist.[1] Die Gleichsetzung ging nicht in den heraldischen Sprachgebrauch über und ist für die Früh- und Blütezeit der Heraldik nicht oder nicht schlüssig belegt.

Geschichte

Die Gleichsetzung von „Keythong“ und „männlicher Greif“ ist vermutlich auf eine Bemerkung von James Robinson Planché im Jahre 1859 in seinem Werk The pursiuvant of arms zurückzuführen. Dort erwähnt er den Ausdruck im Zusammenhang mit dem Abzeichen (Badge) des Earl of Ormonde, das in einem Manuskript des College of Arms aus der Regierungszeit von Edward IV. dokumentiert ist. Der Bemerkung liegt eine kleine grafische Skizze bei, die nicht zweifelsfrei als männlicher Greif zu erkennen ist. Sie könnte auch einen Panthier oder ein andere gemeine Figur darstellen. Planché räumt in einer Fußnote freimütig ein, daß er den Begriff „Keythong“ zuvor niemals sah:

Kethong-Zitat.jpg

* The word („keythong“ -- Anmerkung Heraldik-Wiki) is certainly so written, and I have never seen it elsewhere. The figure resembles the Male Griffin, which has no wings, but rays or spikes of gold proceeding from several parts of his body, and sometimes with two long strait horns. -- Vide Parker's Glossary, under Griffin.“

Darstellung

Der „männliche Greif“ (Keythong) ähnelt dem normalen Greifen. Im Gegensatz zu diesen besitzt er aber keine Flügel. Erkennbar ist er an goldenen Spitzen oder Strahlen, die an verschiedenen Stellen aus seinem Körper hervorbrechen. Manchmal wird er gehörnt dargestellt. Da er selten ist, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für ihn, außer jene, die für für den normalen Greifen allgemein gelten, siehe:

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Greif (Wappentier)

Abgrenzung

Der Ausdruck „männlicher Greif“ ist mißverständlich, weil damit sowohl ein flügelloser Keythong als auch ein normaler geflügelter Greif mit Gemächt gemeint sein kann. In der Wappenbeschreibung ist exakt zu melden, welche Ausprägung des männlichen Greifen gemeint ist.

Verbreitung

Der Kethong war ursprünglich nur in der englischen Heraldik zu finden, wurde aber schnell von amerikanischen, canadischen und auch von heraldischen Institutionen außerhalb des anglo-amerikanischen Kulturkreises als gemeine Figur in der Bedeutung „männlicher Greif“ angenommen. Heute gibt es neben Melfort, Saskatchewan und Halton Borough Council eine ganze Reihe von Wappen, die dieses Motiv entweder im Schild, im Oberwappen oder als Schildträger führen. Er erscheint beispielsweise als heraldisch rechter Schildträger im Wappen von St. Leger (eingetragen 1531, College of Arms G 2, folio 24v) und im späten 19. Jahrhundert wurden Sir Henry William Dashwood zwei männliche Greifen gewährt.

Galerie

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vgl. Parker, James: Parker's Heraldry. A glossary of terms used in heraldry. 1894.
    Zitat: „The term Alce is given, as if used by writers for a kind of griffin, but no example can be quoted.“
  2. Planché, James Robinson: The pursiuvant of arms, or Heraldry founded upon facts. 1859.

Weblinks

 Commons: Keythongs in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien