Calopus

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1889: Calopus oder Chatloup (Badge/Crest Godfrey Foljambe, nach Elvin's Dictionary of heraldry)
2017: Konturzeichnung zum Entwurf eines Wappens mit einem Calopus (Ideenskizze von Gerd Hruška im Internetforum Heraldik im Netz)

Das Fabelwesen Calopus (auch Chatloup, Katzenwolf, Caleps oder ähnlich genannt; engl. manchmal: catwolfe) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur; die Wappenfigur ist erst ab dem frühen 16. Jahrhundert belegt und im frühen Wappenwesen nicht gebräuchlich.

Darstellung

Der Calopus erscheint allgemein als Chimäre aus einem „gehörnten Katzenkopf/Katzenantlitz“ mit dem Körper, Pfoten und Schwanz eines Wolfs. Die zwei Hörner werden in der Literatur teils als nach unten gezackte Ziegenhörner, teils als ebensolche Antilopenhörner bestimmt. Der Mischwesenanteile variieren je nach Wappenaufriß und Quelle. Atypische Merkmale wie eine „Eberschnauze“ oder ein „Ziegenbart“ sind, falls vorhanden, zu melden. Arthur Charles Fox-Davies stuft das Motiv als Variante einer Wolfsfigur ein:

„The Calopus or Chatloup is a curious horned animal difficult to describe, but which appears to have been at one time the badge of the Foljambe family. No doubt, as the name would seem to indicate, it is a variant of the wolf.“

Da der Calopus selten ist, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für ihn, außer jene, die für das Wappentier Wolf beziehungsweise für einen Katzenkopf allgemein gelten. Die Farbgebung des Motivs, die Bewehrung, die Körperstellung und so weiter erfolgen nach den heraldischen Regeln. Beispielsweise wird der Calopus in der Grundform nach heraldisch rechts schreitend dargestellt; andere Calopusdarstellung (aufrecht, oberhalb et cetera) sind ebenfalls möglich, sollten aber gemeldet werden. Fell und Rute werden gewöhnlich struppig beziehungsweise mit aufgerichteten Fellhaaren aufgerissen. Übertrieben lange Tast- bzw. Schnurrhaare (VibrissenW-Logo.png) sind obligatorisch.

Geschichte und Verbreitung

1607: Die Antilope wird als Grundform des Calopus kolportiert (Illustration aus dem Werk The History of Four-footed BeastsW-Logo.png)

Das Figur Calopus basiert auf keinem ausgeprägten, historisch überlieferten Mythos, sondern wird von der englischsprachig-geprägten Wappenkultur des 16. Jahrhunderts in freier Anlehnung oder Wechselbeziehung mit Motiven der Bestiarien gestaltet. Dass sich die Figur Calopules direkt aus einem altorientalischen, persischen, babylonischen oder ähnlichem Fabeltier (Aeternae, Anthalops, Aptaleon, Antalope o. ä.) ableitet, wie es in der eher esoterischen respektive der Populärliteratur kolportiert wird[2], ist zwar denkbar, Stand 2017 jedoch nicht wissenschaftlich untersucht, geschweige denn zweifelsfrei bewiesen oder belegt. Die Wappenfigur Calopus erscheint, vermutlich zum ersten Mal, 1513 als Badge zum eigentlichen Familienwappen von Godfrey Foljambe (nach anderen Quellen als Crest[3]):

„Der Calopus, Chatloup oder Katzenwolf erscheint von Gold und Schwarz gevierteilt 1513 in England als Bilddevise eines Sir Godfrey Foljambe of Waltons in Derbyshire.“

Carl Alexander von Volborth (1996/2001)[4]

Ein Calopus in der Helmzier und drei Calopusköpfe 2:1 im Wappenschild wurden von Thomas Cathome von Pembrokege im Wappen geführt (Wappenbrief vom 1. Dezember 1553)[5][6]. Die Motive stehen im Cathome-Wappen womöglich als redende Hinweise auf den Familiennamen („Cathome/Cathorne“ = „cat horne“ =„Katzenhorn, gehörnte Katze“).

In der Literatur findet sich der Hinweis, dass eine seltsame Chimäre auf der Grabplatte von Margaret Wyllughby, († 1483) in der Kirche von Raveningham ein Calopus sein könne.[7] Dem steht entgegen, dass diese Chimäre nicht einem „Katzenwolf“ ähnelt, sondern als Drache mit spitzem Stachelschwanz erscheint, der zwei auffällige, nach vorne gerichtete, unten gezackte Hörner, einen bärtigen Kiefer und greifenartige Hinterbeine besitzt.

Paraheraldik

Auch in der neueren Paraheraldik beziehungsweise im Kontext von Reenactorwappen/-abzeichen oder ähnlichem ist die Calopus-Figur gebräuchlich (vgl. zum Beispiel die Registrierungen von Leona Bones [2009], Volu-Ingibiorg [2009] und Ysoria de Brai [2016] in der Online-Datenbank der „Society for Creative Anachronism“, SCA)[8].

Wappenbilderordnung

In den Jahren 1990 bis 1996 wurde die Figur Calopus nicht in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) aufgenommen.[9]

Literatur

  • Dennys, Rodney: The Calopus or Catwolf. In: The heraldic imagination. C. N. Potter. 1976. S. 153.

Einzelnachweise

  1. Fox-Davies, A. C.: A Complete Guide to Heraldry. Avenel, NJ: Gramercy Books. 1909/1978. Seite 232. ISBN 0-517-26643-1
  2. Zell-Ravenheart, Oberon; Dekirk Ash: A Wizard's Bestiary. 2007. ISBN 1564149560. S. 15, 18, 19, 27
  3. Lyssons, Daniel; Lyssons, Samuel: Derbyshire. In: Magna Britannia. Band 5. London. 1817. S. lxxi bzw. 71
  4. Volborth, Carl Alexander von: Fabelwesen der Heraldik in Familien und Städtewappen. Stuttgart und Zürich. Belser-Verlag. 1996/2001. S. 114
  5. Gwynn-Jones, Peter: The Art of Heraldry. Origins, Symbols and Designs. London. 1998. ISBN: 1-85585-5607 S. 76, 78
  6. Grobe formulierte Wappenbeschreibung: „In Rot ein silberner, mit drei naturfarbenen Rosenzweigen („Hagedornzweigen“) belegter Dornenbalken, der oben von zwei, unten von einem silbernen, goldenbewehrten Calopuskopf begleitet wird; auf dem Helm mit gold-blau-silbernen Wulst ein schreitender goldenbewehrter Calopus in Naturfarbe, in der rechten Vorderpfote eine grünen Rosenzweig (Weißdornzweig) haltend. “
  7. Brocklebank, Ralph: The Calopus. In: Dragonlore. The journal of the college of dracology. Nr. 74. 2006. S. 3-4
  8. Paraheraldik: SCA College of Arms on the Web. Internet. Abgerufen: 03. April 2017.
    * Leona Bones: „Quarterly purpure and sable, a chatloup rampant blowing a straight trumpet and in chief two pairs of two swords in saltire argent.“
    * Volu-Ingibiorg: „Azure, a chatloup salient and a dexter tierce Or.“
    * Ysoria de Brai: „A chatloup rampant argent.“
  9. Vgl.: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).