Trilobit (Wappentier)

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In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind Trilobit-Wappenfiguren nicht gebräuchlich.
Trilobit/Dreilapper
 
Lebensrekonstruktion
(Triarthrus eatoni anhand konservierter weicher Körperteile)
 
als Fossil
(Acadoparadoxides briareus; RedlichiidaW-Logo.png)
 
in der Heraldik
(in Blau ein goldener Trilobit; Skryje nad BerounkouW-Logo.png/Skrei)[1]

Der Trilobit (Trilobita, „Dreilapper“, von altgriechisch τρία tria „drei“ und λοβός lobós „Lappen“; früher auch irreführend „Dreilappenkrebs“ genannt; französisch trilobite oder trilobita; englisch trilobite) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur. In der älterern Heraldik ist dieses Wappentier nicht gebräuchlich.

Anachronismus

alternative Beschreibung
Unten: Trilobit (Synphoroides biardi) im Wappen von PercéW-Logo.png[2]

Die Darstellung eines Trilobiten in einem Wappen stellt in gewisser Weise eine Abweichung von der traditionellen Heraldik dar. Das reale Äquivalent dieses Motivs stammt aus einer Ära, die außerhalb der eigentlichen „heraldischen Zeit“ liegt. Diese Vermischung von zwei unterschiedlichen historischen Kontexten kann von einigen Wappenkundigen als ein Bruch mit den heraldischen Konventionen angesehen und als unheraldisch interpretiert werden. Ein Beispiel ist das Wappen des kanadischen Hafenortes PercéW-Logo.png, in dem eine Trilobit (Synphoroides biardi) als Nebenfigur dargestellt wird. Das ureigene prähistorische Lebewesen war in der Ära, in der die Heraldik ihren Ursprung und ihre Blüte hat, nicht bekannt und Fossilien wurden im Altertum und im Mittelalter vielmals fehlgedeutet beziehungsweise nur von wenigen Gelehrten richtig interpretiert. Dementsprechend könnte man das Percé-Wappen als anachronistisch ansehen, weil es neben anderen heraldischen Figuren eine enthält, die außerhalb des traditionellen heraldischen Zeitrahmens liegt.

Darstellung

Illustration: Transversale Dreiteilung eines Trilobiten
alternative Beschreibung
Trilobit (Calymene blumenbachi) in der Mitte des Wappens von Dudly (nach Relief „Dudley's Past“ von William Bloye, 1935; Trilobiten kamen vor Ort häufig in den Kalksteinbrüchen vor; lokal werden sie als „Dudley Bug“ oder „Dudley Locust“ bezeichnet)

Die gemeine Figur Trilobit ist, von Ausnahmen abgesehen, gewöhnlich nicht einem besonderen Trilobiten-Fund/-Fossil nachgebildet; auch ist sie keiner bestimmten der mehr als 15.000 beschriebenen Arten der ausgestorbene Klasse Trilobita W-Logo.png nachempfunden. Vielmehr lehnt sich die heraldisch-stilisierte Figur an das IdealbildW-Logo.png der realen Äquivalente an.

Es ist möglich, in einer Wappenbeschreibung die Darstellung einer Trilobitenfigur zu präzisieren. Dies kann durch die Zuweisung eines spezifischen taxonomischen Namens erfolgen, der auf die genaue Art des Trilobiten hinweist. Darüber hinaus kann die Einbeziehung von Informationen über einen lokalen Fossilfund, der den Trilobiten repräsentiert, zur Genauigkeit der Beschreibung beitragen. Weitere Details können hinzugefügt werden, um die spezifische Darstellung des Trilobiten im Wappen zu verfeinern. In solchen Fällen ist die Blasonierung bindend und die Trilobitenfigur muss entsprechend der besonderen Angaben heraldisch stilisiert aufgerissen werden.

Grundsätzlich zeichnet sich die Darstellung der Figur Trilobit durch eine charakteristische dreiteilige, transversale Symmetrie aus, die im Namen des prähistorischen meeresbewohnenden Gliederfüßers zum Ausdruck kommt, mit einem abgerundeten Kopfschild (Cephalon), einem segmentierten Körper (Thorax) und einem Schwanzschild (Pygidium). Die heraldischen Regeln, die für die Gruppe der Niederen Wappentierfiguren bzw. für die Wappenfossilfiguren gelten, kommen auch bei einer Trilobitfigur zur Anwendung. Im Wappenschild wird die Figur in der Regel vertikal, in Aufsicht-DarstellungW-Logo.png beziehungsweise mit dem Kopfschild in Richtung oberen Schildrand („steigend“) gezeigt. Andere heraldische Ausrichtungen (schrägrechts, gestürzt et cetera) sind möglich, sollten aber in der Wappenbeschreibung angezeigt werden.

Die bevorzugten heraldischen Farben für eine Trilobitenfigur sind Gold und Silber, gefolgt von Schwarz, Blau und Rot; die Farbe Grün und die Naturfarbe sind nicht gebräuchlich.

Verbreitung

Das Motiv Trilobit findet man bevorzugt in kommunalen Wappen, wo es häufig eine lokale Fundstätte von Trilobiten-Fossilen des entsprechenden Ortes symbolisiert. Insbesondere im tschechischsprachigen Wappenkulturraum und auf der Iberischen HalbinselW-Logo.png ist die Trilobit-Figur verbreitet.

Trilobit versus „Fleur trilobée“

Trilobitenfiguren sind von der Figur fleur trilobée (deutsch ‚dreilappige Blume‘) zu unterscheiden. Der Ausdruck „fleur trilobée“ bezieht sich im Wappenwesen auf die stilisierte Darstellung einer Blume mit drei Lappen oder Segmenten, ähnlich wie die heraldische Lilie, die aus drei stilisierten „Blättern“ besteht. Beispielweise erscheint im Wappen von Malleville-les-GrèsW-Logo.png in Rot eine silberne „fleur trilobée“.

Wappenbilderordnung

Ob die Trilobitfigur in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. In der Ausgabe 1990-1996 ist das Wappentier noch nicht erfaßt.[7]

Siehe auch

Weblink

Commons: Tierfossilien in der Heraldik – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung (das Wappen wurden am 18. November 1998 registriert): „V modrém štítě zlatý trilobit.“
  2. City of Percé. In: www.gg.ca. The Governor General of Canada. Her Excellency the Right Honourable Mary Simon, abgerufen am 23. Januar 2024 (englisch, Verleihung: 19. September 1997 Bd. III. S. 194; die Ankündigung des Wappenbriefs erfolgte am 22. November 1997 in Band 131, Seite 3591 der Canada Gazette:
    Schild: Azure a cod embowed fesswise between in chief a representation of the Percé Rock and in base a trilobite (Synphoroides biardi) palewise all Or.
    Crest: A traditional Gaspé fishing boat Argent rigged Azure issuing from a mural coronet with three battlements Or, masoned Azure
    Motto: VAILLANCE ET PERSÉVÉRANCE (deutsch ‚Tapferkeit und Ausdauer‘)
    Schildhalter: Two gannets proper).
  3. Wappenbeschreibung: „Escudo cuadrilongo de base circular, de azur, con un trilobites de oro, flanqueado de dos escudetes, con el Señal Real de Aragón; campaña de oro. Al timbre, Corona Real abierta.“
  4. Wappenbeschreibung (das Wappen wurden am 27. Juni 2001 registriert): „V zeleno-stříbrně polceném štítě pod červenou hlavou se třemi stříbrnými klíny vpravo stříbrná radlice, vlevo černý trilobit.“
  5. Wappenbeschreibung (das Wappen wurden am 6. Juni 2017 registriert): „V zeleno-stříbrně polceném štítě nahoře se rozšiřující a vypouklá deska s vydutými boky opačných barev, v ní vpravo modrý trilobit, vlevo stříbrný višňový květ se zlatým středem.“
  6. Wappenbeschreibung (das Wappen wurden am 4. April 2019 registriert): „Zeleno-zlatě modrým vlnitým břevnem vlevo polcený štít. Vpravo čelně hlava jezevce přirozené barvy nad zlatým trilobitem, vlevo topol přirozené barvy.“
  7. Vgl.: