Reichsapfel

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reichsapfel
 
des Heiligen Römischen Reiches
 
In Blau ein roter Reichsapfel mit goldenem Beschlag und goldenem Kreuz (UbstadtW-Logo.png)

Ein Reichsapfel (lateinisch Globus Cruciger, von  globus ‚Kugel‘,  crux ‚Kreuz‘ und  gerere ‚tragen‘; französisch monde, globe imperiale; englisch mound, orb) ist

Reichsapfel in der Heraldik

Im Wappenwesen ist die Figur Reichsapfel -- heraldisch stilisiert -- dem gleichnamigen Herrschaftzeichen nachempfunden. Die Darstellung erfolgt durch eine Kugel mit aufgesetztem Kreuz. Um die Kugel ist ein Metallband wie ein Äquator gespannt und mittig wird das Band nach oben weiter geführt, so dass es in das Kreuz ausläuft.

Die weltliche Macht symbolisierend, ist im deutschen Sprachraum durch den Truchsess als besonderen Beamten dem Kaiser dieses Insigne vorangetragen worden. Die Pfalzgrafen hatten dieses Symbol in ihren Wappen übernommen, wobei die Figur bei den bayrischen, rheinischen und die kurpfälzischen Pfalzgrafen bevorzugt gebräuchlich war. Als Insigne hält der Preußenadler das Zeichen links und das Zepter rechts im Fang. Wiederholung auch im Oberwappen des Wappens Königreich PreußenW-Logo.png. Hier ist der Reichsapfel blau mit goldenem Kreuz am Reif.

Geschichte

Reichsapfel des Heiligen Römischen Reichs

Der Reichsapfel geht historisch auf den Globus der Römer zurück, der die WeltherrschaftW-Logo.png des Römischen ReichsW-Logo.png und damit die universale ReichsideeW-Logo.png symbolisierte. Auf mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen sind die deutschen Kaiser und Könige häufig mit dem Reichsapfel in der linken Hand dargestellt. Auch auf Münzen der rheinischen Pfalzgrafen (kurfürstliche Linien) ist der Reichsapfel dargestellt, denn sie hatten das Amt des Erztruchsesses inne, das durch den Reichsapfel symbolisiert wurde (Erzämter).

Ein erster Hinweis auf einen überreichten Reichsapfel findet sich in einem Bericht über die Kaiserkrönung Heinrichs II. durch Papst Benedikt VIII.W-Logo.png am 14. Februar 1014. Ein Reichsapfel wird ferner im Jahre 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. dem neuen Kaiser überreicht. Die Form des Kreuzes und die Filigranornamente legen nahe, dass dieser Reichsapfel nicht wesentlich früher entstanden sein kann. Andererseits gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Reichsapfel des Heiligen Römischen ReichesW-Logo.png, der heute in der SchatzkammerW-Logo.png in Wien aufbewahrt wird, dem Kaiser überreicht wurde. Das Lexikon des MittelaltersW-Logo.png schreibt dazu: „Die traditionellen Krönungsinsignien, darunter Zepter und Reichsapfel, wurden aus dem Hort beliebig ausgewählt.“[1]

Reichsäpfel anderer Monarchien

Siehe auch
Kaiserreich Reichsapfel des Kaisertums ÖsterreichW-Logo.png Österreichische KaiserkroneW-Logo.png
Wien - Schatzkammer - Orb.png
Königreich Großbritannien Reichsapfel des Königreichs GroßbritannienW-Logo.png Reichsapfel britischer MonarchenW-Logo.png
Sovereign's Orb.jpg
Dänemark Die Reichsinsignien der dänischen KönigeW-Logo.png sind im Keller des Schlosses RosenborgW-Logo.png aufbewahrt.
Denmark globus cruciger2.jpg
Norwegen Der Reichsapfel der norwegischen Reichsinsignien wurde 1818 in Stockholm angefertigt und besteht aus vergoldetem Silber. Der Globus wird von einem mit Rosen dekorierten Goldband in zwei Hälften geteilt. Ein ähnliches Band teilt die obere Halbkugel in zwei Teile. Darauf steht ein Reichsapfel in Kleinformat mit einem ziselierten lateinischen Kreuz. Reichsschwert (Norwegen)W-Logo.png
Preußen Der preußische Reichsapfel in Form einer blau emaillierten Kugel mit Goldreif und goldenem Kreuz ist mit 50 Facettensteinen und 36 Rubinen geschmückt und wurde 1700 als Krönungsinsigne für die Krönung König Friedrichs I.W-Logo.png 1701 geschaffen.
Reichsapfel Preussen.JPG

Reichsapfel in der Numismatik

Die Reichstaler, vor Allem die sächsischen Reichstaler, Speziesreichstaler und die WechseltalerW-Logo.png tragen auf der Vorderseite in der Umschrift über dem Kopf des Herrschers einen kleinen Reichsapfel im Münzbild. (Siehe dazu auch: Münzstätte Dresden#Die Münzen der MünzstätteW-Logo.png und [[[wikipedia:de:Erbländischer Taler|Erbländischer Taler]]W-Logo.png). Damit wurde hauptsächlich in Sachsen die Münzprägung nach der Reichsmünzordnung gekennzeichnet.

Die sehr seltene goldene Münze Kursachsens, der Reichsgulden zu 21 Groschen (1584)W-Logo.png, eine ausgeprägte Rechnungsmünze, zeigt einen großen Reichsapfel, der ganz untypisch mit dem kursächsischen Staatswappen belegt ist.

Literatur

  • Percy Ernst SchrammW-Logo.png: Sphaira, Globus, Reichsapfel. Wanderung und Wandlung eines Herrschaftszeichens von Caesar bis zu Elisabeth II. Ein Beitrag zum „Nachleben“ der Antike. Hiersemann, Stuttgart 1958.
  • Jan KeuppW-Logo.png, Hans Reither, Peter Pohlit, Katharina Schober, Stefan WeinfurterW-Logo.png (Hrsg.): „… die keyserlichen zeychen …“ Die Reichskleinodien – Herrschaftszeichen des Heiligen Römischen Reiches. Schnell + Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2002-4.
  • Sabine HaagW-Logo.png, Franz Kirchweger, Katja Schmidtz-von Ledebur (Hrsg.): Schätze burgundischer Hofkunst in Wien. Kunsthistorisches Museum, Wien 2009, ISBN 978-3-85497-169-6.

Weblinks

 Commons: Reichsapfel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Reichsapfel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Helmut Trnek: Reichsinsignien. In: Lexikon des MittelaltersW-Logo.png. Band 7: Planudes bis Stadt (Rus). Lexma, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 623–626.
Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Reichsapfel“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 03. Februar 2019 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.