Mond (Heraldik)

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Mond
 
(Gesichteter) Vollmond (nach WBO, Nr. 1003)
 
Gesichtete Mondsichel („gesichteter Halbmond“, nach WBO, Nr. 1004)
 
Ungesichtete Mondsichel („ungesichteter Halbmond“)
 
Übliche Mondsichelform als Schema
 
Tatsächliche Mondsichel zum Vergleich
Lunar libration with phase2.gif

Der Mond (auch Mondschein genannt; frz.: lune; engl.: moon) ist in der Heraldik eine gemeine Figur, die in mehreren Varianten mit unterschiedlichen Ausprägungen aufritt. Allgemein und grob differenziert man zwischen:

  • (Gesichteter) Vollmond (frz.: pleine lune (figureée); engl.: full moon (in her plenitude)
  • Gesichtete Mondsichel (auch mißverständlich und unkorrekt gesichteter Halbmond genannt; französisch croissant figuré)
  • Ungesichtete Mondsichel (auch mißverständlich und unkorrekt ungesichteter Halbmond genannt; französisch croissant [contourné])

Darstellung

Vollmond

Die Figur Vollmond erscheint in verschiedenen Varianten, ist aber vergleichsweise selten in Wappen anzutreffen. Sie ist stets gesichtet/gebildet, da sich ein ungesichteter/ungebildeter Vollmond nicht signifikant von der Figur Kugel/Scheibe unterscheidet und in diesen Fällen entsprechend blasoniert werden kann („Mondkugel/-scheibe“). Es gibt drei Grundformen der Figur:

Grundform Erläuterung Beispiel
(gemeiner) Vollmond Erscheint als eine Art Kugel/Scheibe, die aus einem ungebildeten Sichelmond und einem Oval mit Menschengesicht zusammengesetzt ist. Diese Darstellung einer Vollmond-Figur ist ist die ursprünglichste und kann beispielsweise im Siegel des Jean de Praroman (1378) oder im Wappen von Margeret Grün nachgewiesen werden, der Ehefrau des Malers Jacob Grün, der 1384 zuerst urkundlich erwähnt wird. Die Stellung und die Farbe der Mondsichel sind im Rahmen der Gesamtfigur zu melden. Beispielweise erscheint der Mondsischelteil im historischen Vollmondwappen von Monza nicht in Gold und nach heraldisch rechts gewendet (Normalform), sondern in Silber und „zum Kinn“ des Gesichts.
Wappen von Margeret Grün
(hier nach Vigil Raber)
Gesichteter/Gebildeter Vollmond Erscheint -- ohne Mondsichel -- als einfache Kugel/Scheibe mit Menschengesicht.
1889: Vollmond
(nach Siebmacher)
Sichelförmig gesichteter Vollmond Erscheint als eine Art Kugel/Scheibe, die aus einem gebildeten/gesichteten Sichelmond und einem ungebildeten/ungesichteten Oval zusammengesetzt ist. Die Stellung des sichelförmigen Bestandteils ist zu melden. Beispielsweise erscheint im neueren Kommunalwappen Mondsee ein nach links sichelförmig gesichteter Vollmond.
Nach links sichelförmig gesichteter Vollmond (Mondsee, Österreich, sprechendes Wappen)

Mond (..) kommt vor, theils (wenn auch selten) als Vollmond (Tafel XXIV. Figur 80.): zum Beispiel im Wappen der von Gontard oder (zum Beispiel in Figur 81.) „in Wolken“ (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Mondsichel

1509: Ungesichtete Mondsichel im Wappen König von Estonel

Die Figur Mondsichel (auch Sichelmond, Viertelmond oder mißverständlich und nicht korrekt Halbmond genannt), ist dem realen Pendant eines aufgehenden oder untergehenden Erdenmond bzw. des Erdenmondes im ersten oder letzten Viertel der MondphasenW-Logo.png zwar nachempfunden, erscheint aber stets heraldisch stilisiert, in abstrahierender Darstellung, keinesfalls natürlich oder fotorealistisch. Sie wird bildlich konstruiert, wenn von einer Kreisfläche ein Teil durch eine zweite Kreisfläche entfernt wird. Die so gebildete zweiseitig gekrümmte konkav-konvexe Figur mit zwei Spitzen ist nach dem ErdmondW-Logo.png und dem Schneidwerkzeug Sichel benannt.

Oft erscheint die Mondsichelfigur mit einem menschlichem Antlitz im Profil. Ohne Gesicht blasoniert man die Mondsichel als ungebildet/ungesichtet. In einigen Wappen begleiten ein oder mehrere Sterne die Mondsichelfigur. Die Mondsichel ohne Gesicht, aber mit einem Stern ist in Wappen von islamischen Staaten gebräuchlich.

Zunehmende/abnehmende Mondsichel (Eselsbrücken)

„Eine ältere deutsche Merkregel für die Lichtfigur der Mondphasen basiert auf der deutschen SchreibschriftW-Logo.png:

  • Beim Schreiben des Buchstabens a beginnt man mit einem nach links gewölbten Bogen. Dieser zeigt die Orientierung der schmalen Sichel des abnehmenden Mondes, wie sie von einem Beobachter auf der Nordhalbkugel der Erde gesehen wird. Das z der Schreibschrift wird dagegen mit einem nach rechts gewölbten Bogen begonnen und steht für den zunehmenden Mond.“[2]
  • „Eine lateinische Merkregel lautet luna mentitur (übersetzt: „der Mond lügt“) mit ähnlichem Bezug auf Buchstabenformen: die Mondsichel zeigt uns beim Abnehmen ein C wie crescens (‚zunehmend‘), und sie zeigt uns beim Zunehmen ein D wie decrescens (‚abnehmend‘).
  • Eine modernere Merkregel verwendet die Zeichen „(“, als „Klammer auf“ für „abnehmend“, und „)“, „Klammer zu“ für „zunehmend“, deren Form jeweils die der Mondsichel wiedergibt. Auch die beiden mathematischen Symbole „<“ („kleiner als“; für „abnehmend“) und „>“ („größer als“; für „zunehmend“) eignen sich dafür.

Alle diese Merkregeln gelten in dieser Form nur in mittleren bis hohen nördlichen Breiten; in südlichen mittleren bis hohen Breiten gilt hingegen ihre Umkehrung. Zwischen den WendekreisenW-Logo.png sind sie aufgrund der annähernd horizontalen Lage einer Mondsichel beim Auf- und Untergang nur schwer und jahreszeitenabhängig anwendbar.“[2][3]

Stellungen der Mondsichel

Die Mondsichel kann in vielen Stellungen im Wappenschild erscheinen. Häufig sind Darstellungen mit den Spitzen nach oben zeigend (liegend, Mondschiffchen) und mit den Spitzen nach unten zeigend (schwebend). Diese Formen symbolisieren außerhalb der Heraldik manchmal den auf- und untergehenden Mond.

Mondsicheln pfahlweise

Sind Mondsicheln pfahlweise gestellt, ist die Anzahl und Lage der Figuren zu melden. Es sollte beispielsweise angezeigt werden, ob diese nach rechts, links, schrägrechts/schräglinks, nach oben/unten, gestürzt oder liegend gewendet oder gegengewendet sind.

Stellung mehrerer Mondsicheln zueinander

Adels- und Familienappen mit Mondsichelfiguren

Halbmond

Die Darstellung eine Halbmondes (in der Astronomie auch als Halbphase oder Dichotomie bezeichnet; englisch half moon), bei dem die angestrahlte Mondoberfläche genau zur Hälfte sichtbar ist und als Halbkreisfläche der Mondscheibe erscheint, ist in der Heraldik selten beziehungsweise nicht gebräuchlich.

Symbolik, Vorkommen und Verwendung

Das Symbol der des Mondes und insbesondere der Mondsichel ist nicht nur im Wappenwesen, sondern seit Jahrhunderten in zahlreichen anderen Zusammenhängen in Gebrauch, darunter beispielsweise:

Flaggen mit Mondfiguren

Stilisierter Mond und Mondsichel erscheinen als Motive oft auf Flaggen.

Mond als astronomisches und astrologisches Symbol

„Sowohl in der AstronomieW-Logo.png als auch in der AstrologieW-Logo.png gibt es SymboleW-Logo.png für die Mondphasen. Diese stellen die Phase als Piktogramm dar. Manchmal werden sie zusätzlich noch mit GesichternW-Logo.png verziert. Da sie europäischen Ursprungs sind, entsprechen sie dem Anblick des Mondes auf der nördlichen Hemisphäre. Auf der südlichen Hemisphäre sieht man den Mond umgekehrt stehen, wodurch die Symbole verwirren können.“[2]

  • Als astronomisches SymbolW-Logo.png stellt die Mondsichel den zunehmendenW-Logo.png (☽ – UnicodeW-Logo.png U+263D, Moon symbol crescent.svg) oder abnehmenden Mond (☾ – Unicode U+263E, Moon symbol decrescent.svg) oder eine Mondfinsternis dar. Auch kann mit demselben Zeichen eine Sonnenfinsternis symbolisiert werden. Die Sichel des abnehmenden Mondes steht außerdem für den Mond als Himmelskörper.
  • In der AstrologieW-Logo.png steht die Sichel des abnehmenden Mondes für den Mond als „PlanetW-Logo.png“. Die Sichel des zunehmenden Mondes steht für den Montag und, wie auch in der AlchemieW-Logo.png, als ElementsymbolW-Logo.png für das Planetenmetall Silber. Ferner ist in der Astrologie das Mondschiffchen (Moon crescent symbol (white, tips upward).svg) das Symbol für den steigenden MondW-Logo.png. Der fallende MondW-Logo.png wird entsprechend durch eine stehende Mondsichel (Moon crescent symbol (black, tips downward).svg) symbolisiert. Das Lilithsymbol (Lilith symbol.svg) steht in der Astrologie für den Planeten LilithW-Logo.png, den Schwarzen Mond bzw. den Dunklen Zwilling des Mondes. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Himmelskörper, sondern entweder um das ApogäumW-Logo.png oder um den zweiten („leeren“) BrennpunktW-Logo.png der exzentrisch-elliptischen Mondbahn.[4]
Symbol Bedeutung
ohne mit Gesicht
Neumond Neumond mit Gesicht Neumond mit Gesicht NeumondW-Logo.png
Zunehmender Sichelmond Zunehmender Sichelmond mit Gesicht Zunehmender Sichelmond mit Gesicht Zunehmender SichelmondW-Logo.png (NeulichtW-Logo.png in den ersten Tagen nach Neumond); PlanetenmetallW-Logo.png Silber, Montag; Mond-W-Logo.png oder SonnenfinsternisW-Logo.png
Zunehmender Halbmond Zunehmender Halbmond, Erstes Viertel
Zunehmender Mond Zunehmender Mond (kein spezifischer Name)
Vollmond Vollmond mit Gesicht Vollmond mit Gesicht VollmondW-Logo.png, Zweites Viertel
Abnehmender Mond Abnehmender Mond (kein spezifischer Name)
Abnehmender Halbmond Abnehmender Halbmond, Letztes Viertel
Abnehmender Sichelmond Abnehmender Sichelmond mit Gesicht Abnehmender Sichelmond mit Gesicht Abnehmender Sichelmond (AltlichtW-Logo.png in den letzten Tagen vor Neumond); Mond als Himmelskörper; Mond- oder Sonnenfinsternis

Mondsichel in der islamischen Welt

Hilal (arabisch ‏هلال‎, DMGW-Logo.png hilāl ‚Mondsichel‘) ist ein arabischer Begriff für die Sichel des zunehmenden Mondes und heute eines der bedeutendsten muslimischen Embleme. Als solches wird sie häufig mit einem (oft fünfzackigen) Stern kombiniert. Der Stern ist dabei in der Regel kleiner als die Mondsichel und befindet sich meist in oder vor der Öffnung der Sichel. Die ursprüngliche muslimische Gemeinschaft verfügte über kein direktes eigenes Symbol. Zu Zeiten des Propheten MohammedW-Logo.png trugen die islamischen Armeen und Karawanen einfarbige Flaggen (schwarz, grün oder weiß). Spätere muslimische Generationen führten die Tradition der einfachen schwarzen, weißen oder grünen Flagge fort, ohne Embleme, Schriftzeichen oder Symbole. Spätestens im Osmanischen ReichW-Logo.png wurden Mondsichel und Stern (Hilal)W-Logo.png mit der muslimischen Welt in Verbindung gebracht. Nach der Legende sah der Gründer des Osmanischen Reiches Osman I.W-Logo.png im Traum die Mondsichel, die sich von einem Ende der Erde zum anderen ausdehnte. Dieses als gutes Omen nehmend, beschloss er, die Mondsichel als Symbol seiner Dynastie zu übernehmen. Jahrhundertelang beherrschte das Osmanenreich einen großen Teil der muslimischen Welt. Durch die fortdauernde Auseinandersetzung mit dem christlichen Europa hat sich das Symbol auch mental mit dem Glauben des sunnitischen IslamsW-Logo.png verbunden und eine Wandlung von einem alten heidnischen Bild zum heutigen Symbol des sunnitischen Islams durchlaufen.

Galerie

Wappen Benutzung Datum Bemerkung
Baumbach Siebmacher140 - Hessen.jpg Wappen der Baumbach seit 13. Jahrhundert Hessischer Uradel
Finckenstein-Wappen3.gif Wappen der Finck von Finckenstein seit 14. Jahrhundert Preußischer Uradel
Alex K Ostorzhskyi.svg Wappen der Ostrogskis seit 14. Jahrhundert ruthenischesFürstengeschlecht

Mondsichel/Mond in Wappen der polnischen Szlachta

Staats- und Stadtwappen mit Mondfiguren

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Mond in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. 2,0 2,1 2,2 Seite „Mondphase“W-Logo.png. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Januar 2021, 22:06 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mondphase&oldid=208223370 (Abgerufen: 30. Januar 2021, 15:35 UTC)
  3. Lunarer Kopfstand. Abgerufen am 16. Februar 2016.
  4. www.astro.com: Lilith – the Dark Moon


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Mondsichel“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 12. Juli 2020 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.

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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Mond_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 7. Juni 2010 (Permanentlink: [2]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.