Schattensonne

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ombre de soleil
(Beispiele für vage Übersetzungen ins Deutsche)
 
„Goldene Schattensonne“;
(nach Bernd u. a.; eigentlich: „geflammte, ungesichtete goldene Sonne“)
 
„Roter Sonnenschatten“;
(nach Scheibelreiter u. a.; eigentlich: „rote (gesichtete) Sonne“)
 
In Silber eine Sonne in Schattenfarbe
(eigentlich eine Schwarz-Weiß-Illustration; 1909)

Schattensonne (auch „Schatten der Sonne“ genannt) und Sonnenschatten sind im deutschsprachiggeprägten Wappenwesen veraltete und mißverständliche Übersetzungen des heraldischen Fachausdrucks ombre de soleil (frz.:) beziehungsweise umbra solis (lat.; ital.: ombra di sole) mittels deutscher Allgemeinbegriffe, wobei je nach Übersetzung unterschiedliche Wappenfiguren bezeichnet werden. Grob kann man differenzieren zwischen:

In einem exakten Blason sollten die Ausdrücke nicht verwendet werden, weil sie kein Höchstmaß an eindeutiger Beschreibung ermöglichen und der ursprüngliche Ausdruck auch in anderen Übersetzungen mehrdeutig ist.[8] Eine eindeutige Anwendung, wie sie in neuerer Zeit bei Scheibelreiter und in den Arbeiten seiner Studenten vereinfachend ausgebreitet wird[5][9], ist mit den an sich vieldeutigen Ausdrücken nicht zu erreichen.

Bedeutung

In einem französich-deutschen Wörterbuch von 1754 wird folgende Bedeutung von „ombre de soleil“ favorisiert:

„Ombre de soleil, (in den Wappen) eine gemalte Sonne, da kein Gesicht darein gemahlt ist.“

Le nouveau dictionnaire Suisse francois-allemand et allemande francois (1754)[10]

Elf Jahre davor weist das Zedler Universal-Lexikon bereits darauf hin, dass der Ausdruck „ombre de soleil“ in der Heraldik unterschiedlich interpretiert wird bzw. dass der Gebrauch des Ausdrucks sich wandelt:

„In der Wappenkunst wird die Sonne insgemein mit einem menschlichen Gesichte vorgestellet. Wenn sie ohne Gesichte, heißt es eine ungebildete Sonne, ombre de soleil, umbra solis, zum Beispiel ein Korn-Aehren-Kreutz mit ungebildeten Sonnen begleitet, croix d'epies cantonnée d'ombres de soleil, aristæ in crucem dispositæ, solibus umbraticis comitatæ. Eigentlich heißt ombre de soleil, wenn die Sonne auf einem gültigen Felde nur mit Schatten-Farbe angezeiget wird; man hat aber hernach diese Benennung allen ungebildeten Sonnen gegeben: einige haben gar den geflammten Stern so genannt.“

Zedler: Universal Lexikon Aller Wissenschafften und Künste (1743)[7]

Im 20. Jahrhundert weisen sowohl Galbreath/Jéquier (1942/1990) als auch Gert Oswald (1984) auf die Mehrdeutigkeit des Ausdrucks „Sonnenschatten“ hin:

„Manche Heraldiker nennen jede Sonne in anderer Farbe als golden einen Sonnenschatten, andere verstehen darunter eine Sonne ohne Menschengesicht.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[11]

„Sonnenschatten: Von einigen Heraldikern für eine nicht golden beziehungsweise gelb tingierte Sonne gewählter Ausdruck. Teilweise wird auch eine Sonne ohne Gesicht (vgl. ungebildet) als Sonnenschatten bezeichnet.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[12]

Allgemein

Außerhalb der Heraldik stehen die Ausdrücke Schattsonne/Sonnenschatten unter anderem für

Schattensonne[13]
  1. „Sonne, deren Licht teilweise durch Wolken aufgehalten wird“;
  2. „Dichterische Bezeichnung für den Mond“
Sonnenschatten[14]
  1. Das mittels der Sonne als Lichtquelle auf einem Objekt (z. B. einer Grasfläche) erzeugte (unbeleuchtete) Projektionsbild, eines im „Weg des Sonnenlichtes stehenden“ anderen Objekts (zum Beispiel eines Menschen)
  2. Der unbeleuchtete Raum hinter einem durch die Sonne beleuchteten Körper.
  3. Der meist linienförmige Schatten eines Sonnenuhrstabes[15]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Bernd, Christian-Samuel-Theodor: Die Hauptstücke der Wappenwissenschaft. 1849. Band 2. S. 230.
  2. L.-A. Duhoux d'Argicourt: d'après l'Alphabet et figures de tous les termes du blason. Paris. 1899: „OMBRE DE SOLEIL. Se dit d'un soleil dont on ne voit que les rayons, et au centre duquel ne figure ni yeux, ni nez, ni bouche.“
  3. Ersch, Johann Samuel: Allgemeine encyclopädie der wissenschaften und künste in alphabetischer folge von genannten schrifts bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber. 1829. S. 66.
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 303
  5. 5,0 5,1 Scheibelreiter, Georg: Heraldik. Oldenbourg Verlag. 2006. ISBN 3-70290-479-4. Seite 78.
  6. Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890). Band 2. S. 304
  7. 7,0 7,1 Grosses vollständiges UNIVERSAL LEXICON Aller Wissenschafften und Künste, Welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden: Darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Creyses, nach allen Monarchien, Kayserthümern, Königreichen ..., Band 38. Zedler. 1743. S. 749.
  8. Vgl. z. B.: Manno, Antonio: Vocabolario araldico ufficiale. Rom. 1907. S. 42: „Ombra di sole (Ombre de soleil) Quando questo astro non è d'oro, né figurato.“
  9. Sollmann, Monika: Das Bürgertum in der Heraldik der Wiener Minoritenkirche. Diplomarbeit. Wien, im März 2008. S. 46 Figur 10; S. 95 Figur 197; S. 99 Reihe I, Pos. 2. Figur 10.
  10. François Louis Poe͏̈tevin: Le nouveau dictionnaire Suisse francois-allemand et allemande francois (etc.). Band 1. 1754. S. 855.
  11. Galbreath, D. L.; Jéquier Léon: Handbuch der Heraldik. Augsburg 1990. S. 154
  12. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 368. ISBN 978-3-411-02149-9
  13. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Schattensonne. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  14. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Sonnenschatten. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  15. Daniel Schwenter, Georg Philipp Harsdörffer: Deliciae Physico-Mathematicae. Oder Mathemat[ische] und Philosophische Erquickstunden. 1677. Band 2. S. 342