Regenbogen (Heraldik)

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1466-1470: Regenbogen
(Wappen PfuelW-Logo.png nach dem Wappenbuch von St. Gallen)
Regenbogen in der Natur
(bei Sopot, Polen, Juni 2015)
Drei Regenbogen im Schild derer von Pfuel; einer im Oberwappen; hier irrtümlich in Grün(Blau)-Gold-Rot, richtig ist: Rot-Gold-Blau (Standort: Chorgestül, Dom St. Peter und PaulW-Logo.png zu Brandenburg an der Havel, „Wiege der Mark“, Deutschland)

Der Regenbogen (frz.: arc-en-ciel; engl.: rainbow) ist in der Heraldik gewöhnlich ein Heroldsbild (in seltenen Fällen auch eine gemeine Figur).

Darstellung

Regenbogen als Heroldsbild

Die Wappenfigur Regenbogen erscheint in der Regel als von Schildrand zu Schildrand reichendes Heroldsbild, welches dem gleichnamigen atmosphärisch-optisches PhänomenW-Logo.png nachempfunden ist. Je nach Stellung im Wappen kann sie aus einer heraldischen Grundfigur wie Balken, Pfahl, Schrägbalken et cetera abgeleitet und mittels eines Ausdrucks angesprochen werden, der die Grundfigur benennt (zum Beispiel als „Bogenbalken“, „Bogenpfahl“, „Bogenschrägbalken“ et cetera). Die Figur ist stets im einfachen Bogenschnitt zu gestalten („in Form eines Kreisbogens“[1], „bogenförmig“, „ein- oder ausgebogen“) und in der Normalform in Richtung der Längsachse in drei annährend gleiche größe Flächen/Streifen/Bänder zu teilen. Die einzelnen Flächen der Figur erscheinen gewöhnlich in unterschiedlichen heraldischen Farben, die gemeldet werden sollten. Unterbleibt eine Meldung, ist die Figur in Rot-Gold-Blau zu gestalten.

Regenbogen (Tafel XXIV. Figur 106. 107.): (..) haben immer drei Tincturen: Roth, Gold und Blau.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Abweichungen von dieser Empfehlung sind in der neueren Heraldik zu vermerken; sie sollten stets genau blasoniert/beschrieben werden (beispielsweise erscheint im Wappen von Nicaragua ein Regenbogen mit den vier Farben Grün, Blau, Gelb und Rot). Die genaue Ausprägung und Stellung der Regenbogenfigur sollte mittels heraldischer Termini präzisiert werden (zum Beispiel: „Regenbogen zum Schildfuß“, „Regenbogen zum Schildhaupt“, „rechter Regenbogen“ „linker Regenbogen“, „zwei nach Innen, gegeneinander gebogene, aus den Schildecken hervorgehende Regenbogen“).

Anzahl der Regenbogen

Die Figur Regenbogen erscheint im Wappenwesen gewöhnlich in Ein-, Zwei oder Dreizahl, selten oder gar nicht in höherer Anzahl.

Regenbogen (Tafel XXIV. Figur 106. 107.): kommen mehrfach, theils zu zwei und drei, in Wappen vor, zum Beispiel Freiherr von Hacke, von Pfuel (Phull, Pfuhl), von Fischern etc. (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Regenbogen im Oberwappen

Der Regenbogen erscheint nicht nur im Schild, sondern in wenigen Fällen auch im Oberwappen (vergleiche zum Beispiel das Stammwappen derer von PfuelW-Logo.png, einem alten Adelsgeschlecht aus dem Barnim in Brandenburg).

Regenbogen als Nebenfigur

In einigen Staatswappen der neueren Heraldik ist der Regenbogen als Nebenfigur im Verbund mit einer Landschaft anzutreffen (Beispiele sind das Wappen Nicaraguas, das Wappen Honduras’ und das Wappen El Salvadors). Diese Form der Darstellung eines Wappens ist in der Früh- und Blütezeit des Wappenwesen nicht gebräuchlich.

Symbolik

  • Der Regenbogen als weltweit bekanntes Phänomen hat außerhalb der Heraldik in zahlreichen, vorwiegend positiven Konnotationen Einzug in die Symbolik gehalten, siehe Wikipedia: → Regenbogen: Kulturelle BedeutungenW-Logo.png
  • Einige Ortsnamen wie Regenstauf, Regen (Stadt) oder Regensberg besitzen das Morphem „Regen-“ als Namensbestandteil; auf das Morphem verweisen redend die Regenbögen in den Wappen der dazugehörigen Orte.

Abgrenzung

Regenbogen mit weniger als drei Farben

Bogenartige Heroldsbilder, die sich aus weniger als drei Farben zusammensetzen, sollten nicht als „Regenbogen“ angesprochen werden (auch wenn sie symbolisch auf einen solchen verweisen), sondern mit präziseren Begriffen der heraldischen Terminologie. Beispielsweise ist die Wappenfigur, die in der Gemeinde Tarasp in der Schweiz erscheint, eher als „gold-rot-goldener Bogenpfahl“ oder als „roter, golden-bordierter Bogenpfahl“ zu beschreiben, weniger als „Regenbogen in Gold-Rot-Gold“.

Regenbogen als gemeine Figur

Etwa seit Mitte des 15. Jahrhunderts wird der Terminus Regenbogen manchmal für eine schwebende, regenbogenartige gemeine Figur verwendet. Beispielsweise erscheint im Wappen von RegensbergW-Logo.png ein silberner Bogen, dessen Enden den Schildrand nicht berühren, sondern aus je einer schwebenden Wolke wachsen (im alten Wappen von Regensberg erschien nach Siebmacher in diesem Wappen in Blau ein rot-golden-grüner Regenbogen).

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Regenbogen (Heraldik) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 13
  2. 2,0 2,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 112