Artemis (Heraldik)

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist eine Wappenfigur, die eigens zur Darstellung der mythologische Göttin Artemis/Diana verwendet wird, nicht gebräuchlich.
1889: Artemis
(nach Siebmacher)

Die Jagd-, Wald-, Mondgöttinnen der Mythologie und Hüterinnen der Frauen und Kinder

griechisch
Artemis Louvre Ma2906 n01.jpg
ArtemisW-Logo.png
(griechisch Ἄρτεμις; französisch Artémis: englisch Artemis; die Herkunft des Namens ist trotz einiger Forschungsansätze bis heute ungeklärt)
römisch
Villa Nichesola-Conforti, Ponton di Sant'Ambrogio di Valpolicella (VR). Sala Divinità 4.jpg
DianaW-Logo.png
(abgeleitet von lateinisch dius, „taghell“, „leuchtend“ und einer entsprechenden indogermanischen WurzelW-Logo.png *dei- mit der Bedeutung „glänzen“, „schimmern“, „scheinen“; davon griechisch Dios (Διός) für Zeus und lateinisch Deus, „Gott“;[1] französisch Diane; englisch Diana; Diana wird ursprünglich nicht als Mondgöttin angesehen, sondern als „die Leuchtende“, die dann als Gegenpart zur Sonnengottheit Apollo/Sol zur Mondgottheit neben Luna, der eigentlichen Mondgöttin, wird.[2])

sind im Wappenwesen selten gemeine Figuren, die in der heraldischen Darstellung und in der Wappenbeschreibung (Blason) teilweise gleichgesetzt beziehungsweise gewöhnlich nicht voneinander unterschieden werden. Sie erscheinen als (allgorische) Wappenmotive einerseits unter dem Eigennamen der Göttinnen andererseits unter Beschreibungen wie „Göttin der Jagd“, „Jagdgöttin“, „Waldgöttin“, „Frau mit Bogen und Köcher“ oder ähnlichem erst im 19. Jahrhundert. In der Frühzeit des Wappenwesens (11. bis 13. Jahrhundert) und in seiner Blütezeit sind entsprechende Wappenfiguren nicht gebräuchlich.

Darstellung

Wenn die Göttin Artemis ins Wappen gestellt ist, ist sie gewöhnlich entsprechenden Abbildungen aus der bildenden Kunst der Antike oder des Mittelalters nachempfunden. Sie erscheint mit einem dorischen ChitonW-Logo.png, einem PeplosW-Logo.png beziehungsweise mit einem HimationW-Logo.png bekleidet (selten nackt) als junge, oft maskuline Frau („jungfräuliche Jägerin“) mit signifikanten Attributen, wie sie spätestens seit dem 12. Jahrhundert Zeiterscheinungen der bildenden Kunst sind: mit Pfeil, Bogen und Pfeilköcher (seltener mit Speer oder Jagdnetz), mit einer Fackel (in ihrer Angleichung an HekateW-Logo.png) oder mit einem Halbmond über der Stirn (in ihrer Angleicheung mit der Mondgöttin SeleneW-Logo.png).

„Die Artemis (Tafel XXXI. Figur 56): mit Speer und Mondsichel am Kopf, im Wappen der in Preussen geadelten von Laue.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Die genaue Ausprägung ist stets zu melden. Beispielsweise erscheint die „Artemis Ephesia“ im Gegensatz zur „normal“ bekleideten Artemis mit einem Oberkörper, der bedeckt ist von Brüsten (nach anderer Deutung von Stierhoden), die sie laut christlicher Polemik als Ernährerin aller Lebwesen verkörpern sollen[4]. Und die Figur im Wappen der Familie von Laue ist eher eine „Statue der Artemis“, weniger eine Artemis selbst.

Diana/Artemis-Kunstwerke mit Wappen

Gemälde, Kupferstiche und andere Kunstwerke mit Diana/Artemis-Motiv werden zuweilen durch die Darstellung eines oder mehrerer Wappen ergänzt beziehungweise mit diesen zu einem Kunstwerkensemble kombiniert.

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Artemis/Diana hat in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) keine Nummer. Sie könnte grundsätzlich im Abschnitt Gestalten aus der griechisch-römischen Mythologie einsortiert werden.

Paraheraldik

Auch in der Paraheraldik (zum Beispiel in der Militärheraldik) erscheint die Figur Artemis/Diana.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Artemis in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gerhard Köhler: Indogermanisches Wörterbuch. 3. Auflage. S. 188
  2. Theodor Birt: Diana. In: Wilhelm Heinrich RoscherW-Logo.png (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen MythologieW-Logo.png. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 1002 (Digitalisat).
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 149
  4. HieronymusW-Logo.png, commentarium in Epistolam ad Ephesios libri tres praefatio (= ed. Migne L 26 col. 441): Paulus … scribebat ad Ephesios Dianam colentes …, sed illam multimammiam quam Graeci πολύμαστον vocant, ut scilicet ex ipsa quoque effigie, mentirentur omnium eam bestiarum et viventium esse nutricem. („Paulus schrieb an die Ephesier, die die Artemis als jene vielbrüstige, die die Griechen πολύμαστον nennen, verehren, wie man auch aus ihrem Bild selbst ersehen kann, und sie geben vor, dass sie die Nährerin aller Tiere und Lebewesen sei“); MinuciusW-Logo.png 22, 5: Diana … est … Ephesia mammis multis et uberibus exstructa … („Die Artemis von Ephesos ist mit vielen Brüsten und Zitzen gemacht …“).
  5. Carlo PietrangeliW-Logo.png: Insegne e stemmi dei rioni di Roma. In: Tumminelli - Istituto Romano di Arti Grafiche (Hrsg.): Capitolium. Rassegna di attività municipali. anno XXVIII, Nr. 6. Rom 1953 (archiviocapitolinorisorsedigitali.it [PDF]).