Stern (Heraldik)

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Stern im Wappen von Johann Wolfgang von Goethe

Der Stern erscheint im Wappenwesen (Heraldik) gewöhnlich als gemeine Figur.

Stoßen die Spitzen eines Sterns an die Schild- oder die Feldränder an und wird aus der gemeinen Figur gewissermaßen eine Schildteilung, so wird diese besonderer Art eines Sternes in heraldischen Literatur meist den Heroldsbildern oder einer Sonderform (zum Beispiel der vierstrahlige Stern den Kreuzen) zugeordnet.

Darstellung

Anzahl der Strahlen

Die Zahl der Strahlen reicht gewöhnlich von vier bis acht, die Wappenbilderordnung des Herold führt jedoch auch den drei- (Trap, Gloucester), den zehn-, den zwölf- (Euguésier, Provence) und den sechzehnstrahligen Stern (Blacas, Provence) an[1]. Je nach lokaler Wappenkultur/-mode kennt die heraldische Literatur unterschiedliche Empfehlungen/Vorlieben, was die „normale“ Anzahl der Strahlen eines Sternes anbetrifft. Im deutschsprachig geprägten Wappenwesen erscheint, wenn nicht anders gemeldet, der Stern stets sechsstrahlig, im romanisch und englischsprachig geprägten dagegen fünfstrahlig[2]. Alle Wappenkulturen kennen und erlauben Abweichungen von diesen Empfehlungen, die, falls vorhanden, genau beschrieben werden sollten.

Anzahl und Stellung

Der Stern erscheint in einem Wappenschild, Wappenfeld oder im Oberwappen in unterschiedlicher Anzahl:

Beschreibung Beispiel
In Einzahl (alleinstehend oder mit anderen Wappenfiguren) Remshalden-grunbach-wappen.png
In definierter Anzahl und/oder heraldisch geordneter Stellung verstreut (also zum Beispiel kreisförmig, 1:2, 1:2:1 und so weiter, ohne Bezug zu einem Sternenbild) Blason Union européenne.svg
In undefinierter Anzahl über die ganze Schild-/Feldfläche verstreut (besät, bestreut) Wappen Gemeinde Loewenberger Land.png
In Mehrzahl, geordnet als stark vereinfachtes spezifisches Sternbild Pudasjarvi.vaakuna.svg
Oben im Wappen: Sternbild Großer Wagen (Wappen von Pudasjärvi)

Wenn Sterne in der Dreizahl gezeigt werden, sind sie meist 2:1 angeordnet, das heißt, 2 der drei Sterne stehen symmetrisch über einem Dritten. Die 1:2:1-Stellung von vier Sternen gleicht dem Bild einer Raute, wenn man sie gedanklich mit Linien verbindet. Daher wird diese Stellung manchmal auch als solche blasoniert (zum Beispiel: „4 Sterne rautenförmig gestellt“). Sterne können wie viele andere Figuren pfahlweise oder (schräg)balkenweise gestellt sein.

Fünf- oder siebenstrahlige Sternen mit einer Spitze nach unten, werden als gestürzt blasoniert.

Galerie

Varianten

Dreistrahliger Stern

Dreistrahliger Stern ist in der Heraldik eine Ersatzausdruck für den Krähenfuß.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Krähenfuß (Heraldik)

Vierstrahliger Stern

Vierstrahliger Stern ist in der Heraldik eine Ersatzausdruck für das Sternkreuz.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Sternkreuz

Pentagramm/Drudenfuß

Das Pentagramm wird manchmal auch als fünfstrahliger Stern bezeichnet, sollte aber immer in der Wappenbeschreibung von diesem unterscheiden werden.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Drudenfuß (Heraldik)

Hexagramm

Als Hexagramm (auch Sechsstern genannt; griechisch Εξάγραμμα hexágrammos, deutsch ‚mit sechs Linien‘) bezeichnet man unter anderem einen sechszackigen geometrischen SternW-Logo.png, der zum Beispiel aus aus zwei ineinander verwobenen gleichseitigen Dreiecken konstruiert sein kann. Die Konturlinien des einen Dreieckes verlaufen abwechselnd über das andere.[3] Verbindet man die Spitzen des Hexagramms mit sechs Linien, erhält man ein Hexagon/Sechseck.

Davidstern

Der DavidsternW-Logo.png, (auch Hexalpha, „Siegel Salomons“ oder ähnlich genannt; hebräischW-Logo.png מגן דוד‎ ‚Magen Davids, Schild Davids‘), benannt nach König DavidW-Logo.png, ist ein Hexagramm-Symbol mit religiöser Bedeutung und gehört zu den wenigen Sternen mit einem Eigennamen. Er gehört zur Gruppe der sechszackigen Sterne. Der Davidstern erscheint auf der Fahne und im Wappen Israels.

Marienstern

Im Landeswappen Hamburgs erscheint ein „Marienstern“. Er ist dort zweimal vertreten und entspricht in etwa einem „gefüllten“ Davidstern; die Figur wird auch als dreibalkiges Kreuz ähnlich dem Stern des Lebens ohne weitere Symbole dargestellt.[4]

Anstoßender Stern

Berührt ein Stern den Schild-/Feldrand, so ist dies zu melden.

Komet

Eine Besonderheit ist der Schweifstern oder Komet. Hier ist die Richtung des Schweifes von besonderer Bedeutung. Zeigt der Schweif nach unten ist es ein steigender, andernfalls ein fallender Komet.

Facettierter Stern

Beliebt ist die Facettenausführung der Strahlen, da diese dann mehrfarbig tingiert werden können.

Spornrad

Die gemeine Figur Stern ist von einem Spornrad zu unterscheiden.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Spornrad (Heraldik)

Balkenstern

Ein „Balkenstern“ ist aus mehreren „Balken“ gestaltet, die sich in einer gemeinsamen Mitte überschneiden. Die Motive erscheinen nicht mit zugespitzen Strahlen, sondern mit zum jeweiligen Balkenteil rechtwinklig abgestumpften Enden. Die Anzahl der Balken, aus der ein „Balkenstern“ besteht, sollte gemeldet werden.

Weitere Varianten

Sternbesetztes Kreuz

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Sternbesetztes Kreuz

Sternbesetzter Schragen

Verbreitung

Beispiele für Sternwappen sind das Wappen der Fürsten von Waldeck, das Stadtwappen Sternberg oder das der Adelsfamilie gleichen Namens in Böhmen.

Viele sowjetische Städte haben einen goldenen Stern im Wappen. Dieser ist nach dem 2. Weltkrieg für Heldenstädte verliehen worden. Es sind Moskau, Leningrad, Kiew, Wolgograd, Odessa, Kertsch, Noworossisk, Minsk, Tula, Woronesh, Murmansk, Festung Brest (Angaben in Zeitterminologie).

Flaggenkunde

Im Sternenbanner der amerikanischen Flagge ist der Stern Symbol für die Anzahl der Einzelstaaten. Auch in anderen Fahnen und Staatswappen wird der Stern gern verwendet.

Paraheraldik

In der Paraheraldik ist der Stern ein verbreitetes Motiv.

Siehe auch

Weblinks

Sterne in der Heraldik (Schilde nach Anzahl der Sterne, Sterne nach Anzahl der Strahlen)


 Commons: Kometen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 111.
  3. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 11 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  4. Kloster St. Marienstern


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Stern_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.